Besonderes Augenmerk werde ich bei meiner Hausarbeit auf die Situation von schwarzen , männlichen Jugendlichen, und die Bedeutung die Basketball für sie hat, legen. Als empirische Grundlagen dient mir zum einen die Filmdokumentation "Hoop Dreams" , in der Arthur Agee und William Gates, zwei schwarze Jugendliche aus einem Chicagoer Ghetto, die von einer Karriere in der NBA träumen, während ihrer gesamten Highschoolzeit (9.-12.Klasse) begleitet werden. Zum anderen werde ich einige Erfahrungen und Beobachtungen mit einbringen, die ich während eines einjährigen Aufenthaltes in Gainesville, Georgia, einem 70000 Einwohner zählenden, eher ländlichen Ort 60 km nördlich von Atlanta, gemacht habe. Dann werde ich in der Arbeit auch noch einige Beobachtungen miteinbringen, die ich durch die Medien über die USA und im modernen Alltag gemacht habe. Es ist also, wie auch der Kurs selbst, nicht so sehr eine soziologisch-theoretische sondern vielmehr eine empirische Arbeit, bei der ich mich auch als "Alltagssoziologe" betätigen werde. Es gab leider nicht so viel amerikaspezifische Literatur, v.a. zur Highschool, so daß ich auch einiges zur Jugend und modernen Gesellschaft im allgemeinen sagen werde.
Ich werde mich zuerst mit der Highschool als zentralen sozialen Ort der Jugendlichen befassen, und auf einige Unterschiede zum deutschen Schulsystem und auch der Gesellschaft hinweisen. Dabei werde ich auf den Sport zu sprechen kommen, der große soziale Anerkennung, worum es in der Highschool eigentlich geht, ermöglicht. Dann werde ich mich mit der afro-amerikanischen Kultur und der Situation der Schwarzen in den USA beschäftigen, und dabei den Einfluß, den diese Kultur auf die moderne Jugendkultur ausübt, näher beleuchten. Dabei werde ich mich noch mit dem Verhältnis zwischen Jugend und Moderne, der Situation des Jugendlichen in der modernen Gesellschaft, befassen. Ich versuche induktiv auf eine These über die Bedeutung des Sports an der Highschool, insbesondere für schwarze Jugendliche, hinzuarbeiten.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Hauptteil
III. Resumé
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit untersucht die zentrale Bedeutung des Sports als soziales Anerkennungsfeld für Jugendliche im amerikanischen Highschool-System. Besonderer Fokus liegt dabei auf der Situation männlicher schwarzer Jugendlicher, die Sport als eine der wenigen Möglichkeiten für sozialen Status und Erfolg wahrnehmen, sowie dem Einfluss dieser Kultur auf die moderne Jugendgesellschaft.
- Die Rolle der Highschool als zentraler sozialer Lebensraum
- Sport als Instrument der sozialen Anerkennung und Identitätsbildung
- Soziokulturelle Disparitäten und Bildungsbarrieren in den USA
- Die Bedeutung afroamerikanischer Kultur für die globale Jugendkultur
- Leistungsdruck und das Phänomen der "Peer Pressure"
Auszug aus dem Buch
II. Hauptteil
Das amerikanische Schulsystem unterscheidet sich in vielen Dingen vom deutschen. Ein sehr wichtiger Unterschied ist sicherlich, daß Highschools Ganztagesschulen sind, und die Schüler in der Regel nie vor 15 Uhr mit dem Unterricht fertig sind. Wie in meiner Schule hat ein Schüler in den USA in der Regel jeden Tag sechs Schulstunden, und zwar jeden Tag dieselben Fächer. Die Schulen sind Gesamtschulen und in Distrikte eingeteilt ( in meinem Fall in North Hall, East Hall, South Hall und West Hall), und jeder Schüler muß in die Schule seines jeweiligen Distriktes gehen, Ausnahmen bilden hier Privatschulen, wie die St. Joseph High School in "Hoop Dreams", die William Gates und Arthur Agee beide besuchen, wobei Arthur ja recht bald in seine alte öffentliche Highschool in seinem Wohnviertel zurückkehrt. Die Schüler gehen also, anders als in Deutschland, zwangsläufig mit ihren Nachbarn in dieselbe Schule. Die berühmte "peer group", der Freundeskreis, wird dadurch fast ausschließlich in der Schule gebildet, da man auch automatisch in der Nähe der Mitschüler wohnt, und es schwierig ist andere Kontakte zu Jugendlichen außerhalb von Schule, bzw. Nachbarschaft zu knüpfen.
Es ist sehr wichtig zu beachten, daß es in den USA kein Vereinssystem wie bei uns in Deutschland gibt. Die wichtigsten sportlichen Betätigungsmöglichkeiten für die Jugendlichen sind die Schulmannschaften an der Highschool, in denen die Schüler bei den sog. "afterschool-activities", so etwas wie AG's, den diversen Sportarten nachgehen können. Natürlich gibt es auch noch sehr viele andere afterschool-activities für die Schüler, etwa Theater, Orchester oder Debattierclubs. Dadurch, daß die Schüler den ganzen Tag an der Schule sind, und es ganz normal ist, daß sich die Schüler auch nach Schulschluß noch in afterschool-activities engagieren, wird die Schule vielmehr als in Deutschland zu einem sozialen "event". In Deutschland stehen Lernen und Bildung doch stärker im Vordergrund, und für die deutschen Schüler gibt es weitaus mehr Freiraum außerhalb der Schule.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Der Autor führt in die Thematik ein, indem er die Bedeutung des Sports an US-Highschools beleuchtet und dabei die Situation schwarzer Jugendlicher anhand des Dokumentarfilms "Hoop Dreams" sowie eigener Beobachtungen in Georgia analysiert.
II. Hauptteil: Dieser Abschnitt untersucht das amerikanische Schulsystem, die Rolle von "peer groups" und die hohe soziale Bedeutung sportlicher Erfolge im Vergleich zu akademischen Leistungen für die Identitätsbildung Jugendlicher.
III. Resumé: Das Kapitel fasst die Bedeutung der Highschool als zentraler Ort sozialer Dramen zusammen und konstatiert, dass der Sport trotz limitierter Erfolgschancen als wesentliches Statussymbol und identitätsstiftendes Element für afroamerikanische Jugendliche fungiert.
Schlüsselwörter
Highschool, Sportsoziologie, amerikanisches Schulsystem, soziale Anerkennung, afroamerikanische Kultur, Basketball, Peer Pressure, Leistungsprinzip, Jugendkultur, soziale Ungleichheit, Bildungschancen, Identitätsbildung, Hoop Dreams, soziale Mobilität, Jugend in der Moderne.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der soziologischen Bedeutung des Sports im Umfeld amerikanischer Highschools und dessen Funktion als soziales Anerkennungsmedium für Jugendliche.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Struktur des US-Schulsystems, den Einfluss von Peer Groups, die soziokulturelle Rolle des Sports sowie die spezifische Lebenswelt männlicher schwarzer Jugendlicher.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die These zu untermauern, dass der Sport an Highschools als wesentliches Instrument für soziale Anerkennung dient, insbesondere dort, wo andere Wege des Aufstiegs wie Bildung versperrt erscheinen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor wählt einen empirisch-soziologischen Ansatz, der mediale Analysen des Dokumentarfilms "Hoop Dreams" mit persönlichen Felderfahrungen aus einem einjährigen Highschool-Aufenthalt in Georgia verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Unterschiede zwischen dem deutschen und amerikanischen Schulsystem, die Bedeutung von "afterschool-activities", den Einfluss von Peer Pressure sowie die Diskrepanz zwischen sportlichem Erfolg und akademischer Bildung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Highschool, soziale Anerkennung, afroamerikanische Kultur, Leistungsprinzip und Jugendkultur charakterisiert.
Welche Rolle spielt die Highschool für die Bildung von Freundeskreisen?
Da es in den USA kein klassisches Vereinssystem wie in Deutschland gibt, konzentriert sich das soziale Leben und die Freundesbildung der Jugendlichen fast vollständig auf die Schule.
Warum wird der Film "Hoop Dreams" als Grundlage herangezogen?
Der Film dient als empirische Basis, um den langen und schwierigen Weg zweier schwarzer Jugendlicher durch das US-Schulsystem und ihren Traum von der NBA-Karriere detailliert zu dokumentieren.
Wie bewertet der Autor den Stellenwert akademischer Leistungen?
Der Autor stellt fest, dass akademisches Engagement an Highschools oft als "uncool" wahrgenommen wird und im Vergleich zum Sport weit weniger soziale Anerkennung bei Gleichaltrigen einbringt.
Welche Konsequenz zieht der Autor bezüglich der afroamerikanischen Kultur?
Der Autor schließt, dass trotz begrenzter Aufstiegschancen durch den Sport, die afroamerikanische Kultur einen massiven und entscheidenden Einfluss auf die moderne globale Jugendkultur ausübt.
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- Martin Lieb (Author), 2002, Sport an der amerikanischen Highschool, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/91580