Die Globalisierung ist keineswegs ein neues Phänomen des ausgehenden 20. Jahrhunderts, sondern vielmehr ein bereits 500 Jahre währender Prozess, welcher mit der Entdeckung der „Neuen Welt“ durch den Seefahrer Christoph Columbus im Jahre 1492 seinen Anfang nahm und fortan mit der Erschließung neuer, bisher unbekannter oder nicht- exploitierter Gebiete sowie einer zunehmenden Ausbreitung des Kapitals (und der kapitalistischen Marktwirtschaft) einherging. „Globalisierung, gedacht als unaufhörliche räumliche und soziale Expansion, stellt somit eine historische Konstante kapitalistischer Entwicklung dar. Sie ist aber auch eine seiner Voraussetzungen.“ (Parnreiter; Novy; Fischer 1999: 11)
Neu ist allerdings, dass dieser Globalisierungsprozess ab der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts eine (...)
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung:
I. 1. Definition der Globalisierung:
I.2. Die Ambivalenz des Globalisierungsprozesses
II. Definition Fragmentierung:
II. 1. Die „Theorie der fragmentierenden Entwicklung“ von Fred Scholz
II. 2. Veränderungen in der sozialen Struktur
II. 3. Die neue Qualität sozialer Fragmentierung
II. 4. Die Fragmentierung des Nationalstaates
II. 5. Informationsrevolution und Digital Divide
III. Die Verselbstständigung der Finanzmärkte
III. 1. Welthandel / Freihandel
IV. Die Schuldenkrise
IV. 1. Die Strukturanpassungpolitik von IWF und Weltbank
V. Ökologische Grenzen
VI. Fallbeispiel 1: Chile – Gewinner der Globalisierung?!
VII. Fallbeispiel 2: Argentinien
VII. 1. Geographie, Bevölkerung: Allgemeine Daten
VII. 2. Kurze Einleitung und historischer Abriss bis 1990:
VII. 3. Die Situation nach 1990:
VII. 4. Verlaufsprotokoll der Wirtschaftskrise
VII. 5. Die Wirtschaft Argentiniens:
VIII. SCHLUSSWORT UND AUSBLICK
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen der Globalisierung auf Entwicklungsländer, wobei der Fokus auf dem Prozess der Fragmentierung liegt. Sie untersucht die wirtschaftlichen, sozialen und politischen Machtverschiebungen sowie die Rolle supranationaler Institutionen, um die Ambivalenz von Entgrenzung und Exklusion aufzuzeigen.
- Prozess der globalen Fragmentierung und soziale Disparitäten
- Die Rolle der Finanzmärkte und Strukturanpassungspolitik (IWF/Weltbank)
- Transformation des Nationalstaates im Zeitalter der Globalisierung
- Fallbeispiele: Die wirtschaftliche Entwicklung in Chile und Argentinien
- Ökologische Grenzen des globalen Wachstumsmodells
Auszug aus dem Buch
II. 1. Die „Theorie der fragmentierenden Entwicklung“ von Fred Scholz
„Im Zeitalter von Globalisierung, d. h. von Liberalisierung, Deregulierung, Privatisierung, entgrenzter Märkte und exzessivem Wettbewerb – eben dem Kredo der „Zweiten Moderne“-, […] muss […] von einer durch Wettbewerb bestimmten, höchst gegensätzlich verlaufenden „fragmentierenden Entwicklung“ ausgegangen werden. (Scholz, F. 2002b: 7)
Laut Scholz leben wir in einer Welt, die auf dem Modell globaler Fragmentierung gründet und sich virtuell wie materiell über alle sozialen, ökonomischen und räumlichen Ebenen erstreckt. Schaltzentralen der Globalisierung sind die sogenannten Acting Global Cities, welche Scholz als „Inseln des Reichtums“ bezeichnet. Ihnen funktional hierarchisch untergeordnet sind die virtuell mit ihnen verbundenen Affected/ Exposed Global Cities (Bsp. Bangalore), welche von dieser Fragmentierung besonders betroffen sind, da sie noch stärker als die Acting Global Cities der latenten Gefahr des Abstiegs in die marginalisierte Restwelt ausgesetzt sind. Allerdings betrifft die Fragmentierung, genauso wie die Globalisierung, sie nicht integral, sondern nur teilweise, es handelt sich dabei um die „global integrierten Stadtfragmente“ (Scholz 2000: 11).
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Dieses Kapitel verortet die Globalisierung als historischen Prozess und identifiziert ab 1982 eine neue Dynamik, die durch Entgrenzung und gleichzeitig neue Barrieren geprägt ist.
II. Definition Fragmentierung: Hier wird der von Fred Scholz geprägte Begriff eingeführt, der die räumliche Spaltung von global integrierten Zentren und einer abgekoppelten Peripherie beschreibt.
III. Die Verselbstständigung der Finanzmärkte: Es wird analysiert, wie die Deregulierung der Finanzwelt zur "fünften Gewalt" wurde und Regierungen zunehmend unter Druck setzt.
IV. Die Schuldenkrise: Dieses Kapitel erläutert, wie Schuldenlasten und die Strukturanpassungspolitik von IWF und Weltbank die Souveränität von Entwicklungsländern einschränken.
V. Ökologische Grenzen: Es wird argumentiert, dass ein unbegrenztes Wachstum auf einem Planeten mit begrenzten Ressourcen physikalisch und ökologisch unmöglich ist.
VI. Fallbeispiel 1: Chile – Gewinner der Globalisierung?!: Eine kritische Betrachtung chilenischer Wirtschaftsreformen, die zwar Stabilität brachten, aber soziale Ungleichheit verschärften.
VII. Fallbeispiel 2: Argentinien: Eine detaillierte Untersuchung der wirtschaftlichen Krise, der Regierungswechsel und der sozialen Reaktionen wie Piqueteros und Tauschringe.
VIII. SCHLUSSWORT UND AUSBLICK: Das Fazit fordert ein Umdenken weg von globalen Einheitsrezepten hin zu landesspezifischen Entwicklungsmodellen.
Schlüsselwörter
Globalisierung, Fragmentierung, Entwicklungsländer, Strukturanpassung, IWF, Weltbank, Nationalstaat, soziale Ungleichheit, Weltwirtschaft, Finanzmärkte, Armut, Exklusion, Inklusion, Neoliberalismus, Argentinien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die komplexen und oft widersprüchlichen Prozesse der Globalisierung mit einem speziellen Fokus auf Entwicklungsländer und die daraus resultierende soziale und räumliche Fragmentierung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die ökonomische Dimension der Globalisierung, die Schwächung des Nationalstaates, die Auswirkungen der Strukturanpassungspolitik sowie die ökologischen Grenzen des derzeitigen Wirtschaftsmodells.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die "Theorie der fragmentierenden Entwicklung" nach Fred Scholz theoretisch zu fundieren und anhand konkreter Länderbeispiele zu belegen, wie Globalisierung sowohl Inklusion als auch Exklusion erzeugt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoriegeleitete Literatur- und Fallstudienanalyse, die verschiedene sozio-ökonomische Indikatoren und Konzepte (wie die der "Zweiten Moderne") verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Definition der Fragmentierung, eine Analyse der Finanz- und Schuldenmärkte, die Rolle supranationaler Organisationen und zwei ausführliche Fallstudien zu Chile und Argentinien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Neben Globalisierung und Fragmentierung sind dies vor allem Strukturanpassung, soziale Ungleichheit, Neoliberalismus und die Rolle des Nationalstaates.
Warum ist das Beispiel Argentinien für die Arbeit so relevant?
Argentinien dient als drastisches Beispiel für die Scheitern von neoliberalen Reformen und die daraus resultierende kollektive Ablehnung des Staates durch die Bevölkerung ("Que se vayan todos").
Welche Rolle spielen die "Piqueteros" in der Untersuchung?
Die Piqueteros werden als die derzeit stärkste soziale Bewegung der Arbeiterklasse in Argentinien analysiert, die als Reaktion auf Massenentlassungen und den Wegfall staatlicher Sicherungssysteme entstand.
- Arbeit zitieren
- Jamil Claude (Autor:in), André Batteux (Autor:in), 2003, Entgrenzung - Neue Grenzen - Entwicklungsländer in der Globalisierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/91603