Die Bedeutung der ausländischen Offiziere in der Schleswig-Holsteinischen und der Dänischen Armee


Seminararbeit, 2005

27 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Ausländische Offiziere
1.2 Die nationale Herkunft und Dienstrang
1.3 Besetzung des Oberkommandos der Schleswig-Holsteinischen Armee:
1.4 Behandlung und Ansehen der preußischen Soldaten in Schleswig-Holstein

2. Oberkommandierende und andere Offiziere der Schleswig-Holsteinischen
Armee
2.1 General Eduard von Bonin
2.2 Carl Heinrich von Delius. Generalstabschef u. Hauptmann
2.3 Oberst Freiherr v. d. Tann aus Bayern und die Freikorps
2.4 Generalleutnant Karl Wilhelm von Willisen
2.5 Oberkommandierende der Bundestruppen
2.5.1 Friedrich Heinrich Ernst von Wrangel
2.5.2 Karl Ludwig Ernst von Prittwitz
2.5.3 Hardesvogt v. Krogh

3. Oberkommandierende der dänischen Armee
3.1 Frederik Adolf Schleppegrell
3.2 Christian Julius de Meza
3.3 Olaf Rye
3.3 Hans Helgesen

4. Die Rolle bedeutender Kontingente ausländischer Truppen im Krieg

5. Probleme der Schleswig-Holsteinischen Armee
5.1 Das Verhältnis der preußischen Offiziere zu den schleswig-holsteinischen Offizieren

6. Tabellen

7. Literatur

Abkürzungen: Schleswig-Holsteinische Armee: SHA

1. Einleitung

Die Armee der Schleswig-Holsteinischen Erhebung von 1848-51 hätte nicht erfolgreich ihre Feldzüge führen können ohne die Beteiligung der ausländischen Offiziere und Truppenteile. Durch die fähigen Truppenteile den Krieg zu gewinnen, war durchaus möglich, wurde aber von den preußischen Oberkommandieren, die nur zögerlich und aus außenpolitischen Rücksichten handelten, vereitelt. In dieser Arbeit will ich diese zentralen Personen der ausländischen Offiziere, die meist aus Preußen bestanden analysieren. Ich werde hier ihren persönlichen Charakter, insofern er das Kriegsgeschehen beeinflusste, ihre markanten Handlungen und Unterlassungen, die den Handlungslauf des Krieges bestimmten, untersuchen. Weiter werde ich auch auf verschiedene Truppenteile wie der Freikorps eingehen. Ich will hiermit der Fragestellung nachgehen welche konkrete Rolle die ausländischen Offiziere auf beiden Seiten hatten.

Auch werde ich die bedeutendsten ausländischen Offiziere der dänischen Armee hier genauer untersuchen, wobei die meist aus Norwegen stammenden Offiziere wesentlich den Kriegsverlauf mitbestimmten und ein Großteil der führenden Offiziere im dänischen Heer eben auch von Ausländern besetzt war.

Im folgenden untersuche ich anhand der Darstellungen wichtiger Persönlichkeiten, die für den Verlauf des Krieges von Bedeutung sind die Frage nach der Rolle des Einzelnen und dessen Verantwortlichkeit für das damalige Zeitgeschehen als einzelne handelnde, entscheiden Person. Besonders im Kriege kann hier veranschaulicht werden inwiefern die Fähigkeit oder das Auftreten einer Einzelnen Persönlichkeit entscheidend das Zeitgeschehen beeinflussen und mitbestimmen. Besonders hier kann verdeutlicht werden, dass es mehr der einzelne General im Zuge seiner Truppen und den Erwägungen und Spielräume die er seitens seiner Regierung innehat, für die Geschehnisse verantwortlich sind, als irgendwelche tiefgründigen Prozesse. Der entscheidende General ist genau ein Teil des ganzen Geschichtsprozesses. Aber es in dem Moment wo eine wichtige Entscheidung zu treffen ist, die jeweiligen Umstände in dem sich der General gerade befindet, oder sei es auch ein Staatsmann. Weiter von oben betrachtet, erscheint es als ein Prozess soziokultureller und politischer Entwicklungen. Die Handlung und Tat oder die jeweilige Entscheidung für das Gegenteil ist der Moment der Entwicklung in der Geschichte. In diesem Sinne werden solche Ereignisse hier behandelt, politische Entscheidungen und andere, die für die Staatenwelt wichtig sind und mehr durch das Individuum bestimmt sind als durch so genannte Prozesse. Und wenn ins Detail der gesellschaftlichen Prozesse schauen, dann stoßen wir nämlich wieder auf das entscheidungs- und handlungsstarke Individuum, wie die Generale der dänischen und Schleswig-Holsteinischen Armee mit ihren jeweiligen Rahmenbedingungen vor Ort.

Ferner ist wichtig die Auseinandersetzung mit dem Verhältnis der ausländischen Offiziere untereinander zu ihren jeweiligen einheimischen Vorgesetzten und Untergebenen. Mit diesen Darstellungen einzelner Persönlichkeiten soll hier gleichzeitig die Probleme einer solch bunten – gemischten Armee, und auch Gegensätze bei Preußen und Schleswig-Holsteinern aufgezeigt werden, im Zuge einer Darstellung ihrer entscheidenden Eingriffe in den Krieg. Eben durch ihre durch notwendig Handlungen oder Unterlassungen derer aufgrund von Weisungen aus Frankfurt oder Berlin trugen sie entscheidend zum Verlauf des Krieges bei und des Schicksals Schleswig-Holsteins bei, so wie es auch Otto Fock ausdrückt im Beispiel von Bonin wie ich n och erläutern werde.

1.1 Ausländische Offiziere

Die meisten ausländischen Offiziere der Schleswig-Holsteinischen Armee stammten aus Preußen (Tabelle 1). Doch im Bundeskontingent, den Bundestruppen zur Unterstützung der schleswig-holsteinischen Sache, waren auch viele Offiziere aus den verschiedensten Teilen Deutschland kommend, in der Armee des Bundesheeres, aber auch in der Schleswig-holsteinischen Armee. Offiziere wie aus Oldenburg, Hessen, Sachsen-Weimar, Schwarzburg-Rudolstadt oder Hannover (Tabelle 3) waren in der Schleswig-Holsteinischen Armee. Einerseits sind diese Offiziere aus der preußischen Armee beurlaubt worden, und die Schleswig - Holsteinischen Armee lief Gefahr, diese durch einen Rückruf Preußens wieder zu verlieren. Andererseits waren viele Offiziere auch Ehemalige, Ausgeschiedene aus der Preußischen Armee, oder in den Ruhestand versetzte Offiziere, die meist lange nicht mehr eine Tätigkeit bei der Armee ausgeführt hatten. Im Laufe des Krieges dominierten die Einheimischen die höchsten und niedrigsten Offiziersränge wie Oberst, Oberstleutnant und Sekondleutnant, sowie die kleinen Truppengattungen der Artillerie und Kavallerie, und stellten die überwiegende Anzahl der Brigadekommandeure. Die Preußen dominierten die mittleren Offiziersränge wie Major, Hauptmann und Premierleutnant. Die Infanterie wurde stark geprägt von Preußen und Angehörigen anderer deutschen Staaten. Des Weiteren stellte Preußen die überwiegende Anzahl der Bataillons- und Kompaniekommandeure.[1]

Tabelle 1 : Ausländische Offiziere der Schleswig-Holsteinischen Armee[2]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1.2 Die nationale Herkunft und Dienstrang

Tabelle 2: Die nationale Herkunft des schleswig-holsteinischen Offizierskorps, 1848-1851[4]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Somit ist der weitaus größte Teil des Offizierskorps wie auch die höchsten Ränge aus Schleswig-Holstein kommend. Während Preußen die mittleren Ränge dominiert (Tabelle 2).

Zentral ist die Frage nach der Rolle und Bedeutung der ausländischen Offiziere, besonders den Preußen, schon immer seit den Zeitzeugen gewesen. Seither hatte es den Anschein, dass die personelle Dominanz erheblich die Schleswig-Holsteinische Armee und den Krieg geprägt hatte, besonders durch die Tatsache gestützt, dass von vier Oberbefehlshabern, drei Preußen waren, und der letzte, v. Willisen die Armee geradezu miserabel geführt hatte und in einem desolatem Zustand gebracht hatte. Ein Umstand, der die Einstellung der Schleswig- Holsteiner zu den Preußen, besonders der preußischen Armeeführung, aber auch deren Regierung in einem schlechten Licht erblicken ließ. Es ist ja auch die zahlenmäßige Dominanz bis zu 50 % in einigen Perioden durch viele Zeitzeugen reichlich belegt. Dies lässt den Schluss zu wie Jan Schlürmann folgert[5], dass Preußen und andere „Ausländer“ alle Bereiche der Armee nicht auf gleiche Weise prägten.

1.3 Besetzung des Oberkommandos der Schleswig-Holsteinischen Armee:

Das Oberkommando führte im ganzen Krieg unterschiedliche Offiziere die nach den Waffenstillständen ausgewechselt wurden. Nach Niederlegung des Amtes durch den Prinzen zu Noer, kam der preußische General v. Bonin an die Spitze, sowohl des Kriegsdepartments, als auch als kommandierender General zu Felde. Dies war vor allem dadurch begründet, dass er große Popularität und Zustimmung in der Öffentlichkeit gefunden hatte.[6] Somit gestalteten v. Bonin und sein Adjutant Hauptmann v. Delius die Schleswig-Holsteinische Armee neu, mit einem neuem „Gesicht“ und neuem „Geist“, die ein qualitativer und quantitativer Gegensatz zum Beginn des Krieges war. Von Bonin war aber für die Statthalterschaft[7] Schleswig-Holsteins ein größeres Risiko, da er immer noch in preußischen Diensten stand. Der General aber versuchte seine Position als Befehlshaber der Schleswig-Holsteinischen Armee auf dem Wege zu sichern, dass er in Berlin darum bat, aus preußischen Diensten auszuscheiden, und wieder in dessen Diensten einzutreten, wenn der Krieg gegen Dänemark beendet sei. Doch er bat wohl deswegen nicht um eine feste Anstellung bei der Statthalterschaft, weil ihm dies nicht in Berlin gewährt wurde und er so aus Berlin zurück in preußische Dienste gerufen wurde.

So ersuchte dieselbe Statthalterschaft am 8. April um seinen Rücktritt als Oberbefehlshaber nach Monaten der Unschlüssigkeit seitens Bonins.[8] Fock weiß auch zu berichten, dass v. Bonin selbst seine Entlassung verlangte, nach dem Vorfall von der Verurteilung zweier Soldaten (über die Pontonniere), verurteilt zu langen Zuchthausstrafen und deren nachfolgende Cassation. Diese zwei Soldaten reagierten auf einen von Bonins Armeebefehl mit öffentlicher Kritik an dessen Befehl. So warnte v. Bonin vom Standpunkt des preußischen Offiziers vor die Unterzeichnung einer Adresse an die Schleswig-Holsteiner, die entgegen den preußische Vorstellungen verlief;[9] anstatt dass er gleich alle politische Demonstrationen verbot. So rief dies auch eine große Missbilligung hervor und wurde allgemein im Lande als zu streng verfahren angesehen.[10] Zu beachten ist aber auch, dass Fock selbst jegliche soldatische politische Demonstration missbilligte.[11] Deshalb verließ v. Bonin die Schleswig-Holsteinische Armee und mit ihm einige sehr erfolgreiche Offiziere, denen die Schleswig-Holsteinische Armee hauptsächlich ihre Siege des Jahres 1849 zu verdanken hatte. Unter den Abgängern waren der Oberst v. Zastrow, der eigentliche Organisator und Inspekteur der Schleswig-Holsteinischen Jägerkorps, Hauptmann v. Blumenthal (Generalstab), Oberst v. Puttkammer (Kommandeur des 2. Jägerkorps, Oberst v. Richter (Kommandeur der Artilleriebrigade) und andere Kommandeure der Jägerkorps und Artillerienbrigaden.[12] Hieraus kann gefolgert werden, welch eine große Schwächung dieser Abgang an guten und tatkräftigen Offizieren für die Schleswig-Holsteinische Armee bedeutet haben muss. Da konnte auch später Generalleutnant Willisens Reformwerk der Armee auch nicht mehr helfen.

Die Wahl der Statthalterschaft für die neue Besetzung des Postens als Oberbefehlshaber fiel im Spätsommer 1849 auf den Generalleutnant v. Willisen während der Verhandlung um v. Bonins Nachfolgerschaft. Dieser war in dieser Zeit von seinem Dienst beurlaubt und schied aus der Armee aus, nachdem ihm der Eintritt in den aktiven Dienst der preußischen Armee verweigert wurde.[13] Mit Willisen trat nun ab dem 9. April 1849 ein General an die Spitze der Schleswig-Holsteinischen Armee, der von unten bis oben diese neu reformierte, neu strukturierte und ein neues Reglement zum exerzieren einführte (mehr dazu unter 2.5 Generalleutnant Karl Wilhelm von Willisen) und veranlasste die Vergrößerung der Armee um 34000 Mann.

Die Besetzungen des Oberkommandos über der Schleswig-Holsteinischen Armee waren folgende:

i. 24. 3. 1848- 9.9.1848 Generalleutnant Friedrich Prinz zu Schleswig-Holstein, Sonderburg-Augustenburg-Noer

ii. 9. 9. 1848- 27.9.1848 Oberst Graf von Baudissin

iii. 27. 9. 1848- 9.4. 1850 Generalleutnant Eduard von Bonin

iv. 9. 4. 1850- 7.12.1850 Generalleutnant Karl Wilhelm von Willisen

v. 7.12. 1850- 1. 4. 1851 Generalmajor Ulrich Freiherr von d. Horst

1.4 Behandlung und Ansehen der preußischen Soldaten in Schleswig-Holstein

In Schleswig-Holstein war während des ganzen Krieges das Ansehen der preußischen Soldaten gut, das der preußischen Regierung war jedoch enorm gesunken. Über den unglücklichen Ausgang des Krieges waren auch die preußischen Soldaten selbst stark betroffen und viele empfanden ihre Regierung enttäuschend, wie sie für die schleswig-holsteinische Sache agierte. Daher empfanden auch viele Schleswig-Holsteiner Mitleid für die Soldaten, die nicht für die Politik ihrer Regierung verantwortlich waren.[14] Das allgemeine Empfinden der Zeit war, dass die preußische Politik Schleswig-Holstein im Stich ließ, dafür konnten aber die „armen“ Soldaten nichts.

[...]


[1] Schlürmann, Jan, S. 397.

[2] Ebda, S. 56.

[3] Stolz, Gerd, Die schleswig-holsteinische Erhebung., S. 56.

[4] Übernommen aus Schlürmann, Jan, S. 382.

[5] Schlürmann, Jan, S. 379.

[6] Ebda., S.55.

[7] Anstelle der provisorischen Regierung trat am 2. Oktober 1848 die Gemeinsame Regierung und ab dem 26. März 1849 wurde eine Statthalterschaft eingesetzt, bestehend aus den Mitgliedern des Grafen Reventlou-Preetz und der Vizepräsident der Nationalversammlung Beseler (Trinkler, Sven, 26).

[8] Schlürmann, Jan, S. 147.

[9] Fock, Erinnerungen, 159.

[10] ebda., S. 163.

[11] ebda., S. 162.

[12] ebda., S. 147.

[13] ebda., S. 148.

[14] Trinkler, Sven, S. 72.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Die Bedeutung der ausländischen Offiziere in der Schleswig-Holsteinischen und der Dänischen Armee
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Die Schleswig-Holsteinische Erhebung 1848-1851
Autor
Jahr
2005
Seiten
27
Katalognummer
V91606
ISBN (eBook)
9783638051798
ISBN (Buch)
9783638945295
Dateigröße
826 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bedeutung, Offiziere, Schleswig-Holsteinischen, Dänischen, Armee, Schleswig-Holsteinische, Erhebung
Arbeit zitieren
Hilthart Pedersen (Autor), 2005, Die Bedeutung der ausländischen Offiziere in der Schleswig-Holsteinischen und der Dänischen Armee, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/91606

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