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Von shishiwuai zu lishiwuai - Guifeng Zongmi, Chan und der ontologische Paradigmenwechsel in der Huayan-Schule

Title: Von shishiwuai zu lishiwuai  -  Guifeng Zongmi, Chan und der ontologische Paradigmenwechsel in der Huayan-Schule

Term Paper (Advanced seminar) , 2008 , 31 Pages , Grade: 1.0

Autor:in: Daniel Künstler (Author)

Orientalism / Sinology - Chinese / China
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In dieser Untersuchung soll aufgezeigt werden, inwiefern die in der Tang-Zeit aufblühende Chan-Bewegung des chinesischen Buddhismus das metaphysische System der Huayan-Schule beeinflusste. Dabei steht der buddhistische Mönchsgelehrte Guifeng Zongmi (圭峰宗密, 780-841) im Fokus, welcher als Chan- und zugleich Huayan-Meister eine besondere Stellung in der Entwicklung des chinesischen Buddhismus einnimmt. Bei einer komparativen Untersuchung seines philosophisch-doktrinalen Klassifikationssystems (判教, panjiao) fallen tief greifende Neuerungen auf, die sich von der „orthodoxen“ Huayan-Systematik des 3. Patriarchen Fazang (法藏, 643-712) deutlich abheben und vor allem auf dem Gebiet der Metaphysik/Ontologie erhebliche Veränderungen aufweisen.
Wie im Folgenden versucht wird darzustellen, sind die Veränderung an Fazangs Systematik und die damit verbundene Neuformulierung der Huayan-Doktrin durch Zongmi vor dem Hintergrund zweier Konfliktsituationen innerhalb des Tang-Buddhismus zu verstehen: zum einen die Auseinandersetzungen mit zunehmend antinomistischen Tendenzen innerhalb der Chan-Bewegung; und zum anderen die doktrinalen Disparitäten zwischen scholastischen Schulen des chinesischen Buddhismus und Chan.
Vor diesem Hintergrund sollen die Parallelen zwischen Zongmis Neuformulierung und der Lehre der Hongzhou-Chan-Schule, die von Zongmi wegen ihren antinomistischen Implikationen kritisiert wurde, erst dargestellt und dann erläutert werden. Die Gemeinsamkeiten könnten aufzeigen, dass Zongmi in der orthodoxen Huayan-Metaphysik des Fazang die gleiche ontologische Problematik erkennt, wie er sie bei der Hongzhou-Schule wahrnimmt. Wie im Hauptteil nachvollzogen werden soll, könnte diese Verbindung als Ursache für Zongmis Veränderungen des Huayan-Lehrgebäudes angenommen werden. Mit dieser Umstrukturierung hat Zongmi möglicherweise den Versuch unternommen, der allgemeinen Tendenz innerhalb des Chan, nämlich der Verwerfung buddhistischer Praxis und ethischer Restriktionen, entgegenzuwirken, indem er mit dem theoretischen Rahmen des Huayan, eine ontologische Grundlage zur Verifikation buddhistischer Praxis bietet.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Situation des Buddhismus zur Tang-Zeit

2.1 Die Huayan-Schule

2.2 Entwicklung des Chan vor dem Hintergrund des Buddhismus zur Tang-Zeit

2.2.1 Das panjiao-System

2.2.2 Entstehung des Chan

2.2.3 Radikale Tendenzen im Chan

2.2.4 Konflikt zwischen Chan und scholastischen Sutren-Schulen

3 Guifeng Zongmi

3.1 Biographie

3.2 Zongmi zwischen scholastischer Tradition und Chan

4 Das Huayan-panjiao: Fazang, Chengguan, Zongmi

4.1 Die unmittelbare Lehre des Mahayana (dasheng-dunjiao)

4.1.1 Fazang

4.1.2 Chengguans unmittelbare Lehre und Chan

4.1.3 Zongmis Verwerfung der unmittelbaren Lehre

4.2 Die vollkommene Lehre des Mahayana (dasheng-yuanjiao)

5 Die Verwerfung von shishiwuai

5.1 Die Hongzhou-Schule

5.2 Parallele zu shishiwuai

6 Schluss

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht, wie Guifeng Zongmi die Huayan-Doktrin im Kontext der Tang-Zeit transformierte, um die Kluft zwischen den scholastischen Sutren-Schulen und der aufstrebenden Chan-Bewegung zu überbrücken und eine ontologische Grundlage für buddhistische Praxis zu schaffen.

  • Analyse des Einflusses der Chan-Bewegung auf die Huayan-Schule.
  • Vergleich der Lehren von Fazang, Chengguan und Zongmi.
  • Kritische Auseinandersetzung mit der Ontologie des "shishiwuai".
  • Untersuchung der antinomistischen Tendenzen innerhalb der Chan-Schulen.
  • Darstellung von Zongmis Bemühungen um eine Reintegration der Praxis in den Heilsweg.

Auszug aus dem Buch

3.2 Zongmi zwischen scholastischer Tradition und Chan

Erfahren in beiden Traditionen, erkannte Zongmi den bestehenden Konflikt zwischen jiao und Chan sowie die zunehmende Radikalisierung bestimmter Sekten innerhalb der Chan-Bewegung. Sein Hauptanliegen war es deshalb aufzuzeigen, dass zwischen scholastischen Sutren-Schulen und Chan keine Diskrepanz besteht. Nach seiner Meinung müsse man beide als untrennbare Einheit des buddhistischen Pfades konsolidieren:

“Since the Supreme Way is not an extreme and the ultimate meaning does not tend to one side, one must not grasp onto a single biased viewpoint. Thus we bring them back together as one making them all perfectly concordant.”

„The scriptures are the Buddha´s words, … and the Ch´an is the Buddha´s intent… . The minds and mouths of the Buddhas certainly cannot be contradictory.”

Für ihn müssen die zwei Aspekte der Buddha-Lehre, nämlich das Studium der Schriften (jiao) und die meditative Praxis (chan) Hand in Hand gehen, um die Gefahren einer einseitigen Kultivierung zu verhindern. Er kritisiert „the ignorant Ch´an of those who vainly maintain silence or the mad wisdom of those who merely follow texts“, also jene, die in beiden Lager in extreme Positionen verfallen. Aus seiner Sicht benötige man die Schriften, um die in der Meditation gemachten Erfahrungen zu validieren. Ohne solche Anhaltspunkte, wie sie die Sutren und Shastren bieten, hätte man keine Kontrolle über die Authentizität der in der Meditation gemachten Erkenntnisse. Im seinem Chan-Vorwort schreibt er: „The sciptures are like a marking-line to be used as a standard to determine true and false…those who transmit Ch´an must use the scriptures and treatises as a standard.”

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Darstellung der Zielsetzung, den Einfluss der Chan-Bewegung auf das metaphysische System der Huayan-Schule zu untersuchen und Zongmis Rolle als Vermittler hervorzuheben.

2 Situation des Buddhismus zur Tang-Zeit: Analyse der Huayan-Schule, des panjiao-Systems und der Entwicklung sowie der Herausforderungen der Chan-Bewegung.

3 Guifeng Zongmi: Biographische Einordnung und Analyse seiner Position als Bindeglied zwischen scholastischer Tradition und Chan.

4 Das Huayan-panjiao: Fazang, Chengguan, Zongmi: Vergleich der Klassifikationssysteme und die kritische Auseinandersetzung mit der "unmittelbaren Lehre".

5 Die Verwerfung von shishiwuai: Untersuchung von Zongmis Kritik an antinomistischen Tendenzen und seine Neuformulierung der Ontologie zugunsten einer Praxisaffirmation.

6 Schluss: Zusammenfassung der Ergebnisse und Reflexion über die Bedeutung von Zongmis Arbeit für den chinesischen und koreanischen Buddhismus.

Schlüsselwörter

Guifeng Zongmi, Huayan-Schule, Chan-Buddhismus, Tang-Zeit, panjiao, shishiwuai, lishiwuai, Ontologie, Buddhanatur, tathagatagarbha, Praxis, Hermeneutik, Fazang, Hongzhou-Schule, Sinisierung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, wie der buddhistische Mönchsgelehrte Guifeng Zongmi das metaphysische Huayan-System anpasste, um auf die Herausforderungen durch den aufkommenden Chan-Buddhismus zu reagieren.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung der Huayan-Philosophie, der Hermeneutik von Klassifikationssystemen (panjiao) und der Auseinandersetzung zwischen scholastischen Schulen und dem Chan-Buddhismus.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Zongmi durch eine Neuformulierung der Huayan-Doktrin eine ontologische Grundlage für die Notwendigkeit buddhistischer Praxis schuf.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine komparative Untersuchung und eine philologische Analyse buddhistischer Quellentexte sowie moderner buddhologischer Sekundärliteratur angewandt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der Entwicklung des panjiao-Systems, Zongmis biographischem Hintergrund und seiner kritischen Analyse der Hongzhou-Schule.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zongmi, Huayan, Chan, panjiao, Ontologie und buddhistische Praxis sind die zentralen Begriffe.

Warum kritisierte Zongmi die Hongzhou-Schule?

Er kritisierte deren antinomistische Tendenzen, da diese die Praxis und ethische Restriktionen als überflüssig betrachteten, was Zongmi als Gefährdung des buddhistischen Pfades ansah.

Welche Rolle spielt das "shishiwuai"-Konzept für die Argumentation?

Zongmi erkennt in der Vorstellung der "Nicht-Behinderung der Phänomene" eine ontologische Instabilität und moralische Gefahren, weshalb er es in seinem eigenen System zugunsten von "lishiwuai" umstrukturiert.

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Details

Title
Von shishiwuai zu lishiwuai - Guifeng Zongmi, Chan und der ontologische Paradigmenwechsel in der Huayan-Schule
College
University of Trier  (FB II Sinologie )
Course
Die Schulen des chineschen Buddhismus
Grade
1.0
Author
Daniel Künstler (Author)
Publication Year
2008
Pages
31
Catalog Number
V91607
ISBN (eBook)
9783638051804
ISBN (Book)
9783638944748
Language
German
Tags
Guifeng Zongmi Chan Paradigmenwechsel Huayan-Schule Schulen Buddhismus Tang 宗密
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Daniel Künstler (Author), 2008, Von shishiwuai zu lishiwuai - Guifeng Zongmi, Chan und der ontologische Paradigmenwechsel in der Huayan-Schule, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/91607
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