Modellierung des Geldumlaufes in der modernen Volkswirtschaft


Skript, 2008

22 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Vorwort

2 Ware – Gebrauchswert – Beziehung

3 Ware – Wert (Kosten) Beziehung

4 Modell zuM GeldUmlauf

5 VERWENDUNG DES MEHRWERTES
5.1 Neue Produkte:
5.2 Erhöhung der Produktivität:

6 DER FINANZMARKT
6.1 Die Theorie von der Geldschöpfung der Geschäftsbanken
6.2 Eigenschaften von Wertpapieren

7 Öffnung des Modells nach außen
7.1 Export-Import von Waren und Dienstleistungen
7.2 Export und Import von Kapital

8 GRENZEN DES MODELLS

9 Schlussfolgerungen

10 GLOSSAR

11 Literaturverzeichnis

1 Vorwort

Was ist eigentlich Geld? Dieses Medium ist seit Jahrtausenden im Umlauf. Es bestimmt wesentlich die zwischenmenschlichen Beziehungen. Wegen des Geldes werden seit jeher Menschen geliebt, gehaßt und auch umgebracht. Der Besitz oder Erwerb von Geld bestimmen Lebensweise und Lebensstandard des Menschen. Ohne Geld ist keine Gesellschaftsordnung ausgekommen. In heutiger Zeit haben sich leider alle Wertmaßstäbe nur noch auf den Faktor Geld reduziert.

Nach Brockhaus (auszugsweise) ist Geld:

„Ein allgemeines, meist staatlich anerkanntes oder eingeführtes Mittel des Zahlungsverkehrs.“ „Wertmaßstab für alle ökonomischen Güter und Leistungen.“

„ Die konkreten Funktionen des Geldes sind

- die eines allgemeinen Tauschmittels, und
- die eines Wertaufbewahrungsmittels.“

Umso erstaunlicher ist die Tatsache, daß es zur Analyse des Geldumlaufes, zu den Wegen die es bei seinem Umlauf beschreibt, seine Wirkungen in der Hand von Wirtschaft, Staat und dem Normalverbraucher oder zur Akkumulation, keine umfassendeTheorie oder ein Modell existieren.

Wir haben sogenannte Wirtschaftsweise, die wie ein Orakel über künftige Entwicklungen befragt werden. Diese Herren extrapolieren statistisch ermittelte Zahlen ohne ein theoretisches Fundament zur Verfügung zu haben. Politiker regieren ganze Volkswirtschaften durch das Steuern von Geldströmen, ohne die Folgen ermitteln zu können.

Zum Beispiel: Schon früh erkannte man, daß das Anhäufen von Geld Probleme (Zinswucher) bringt, daß Geld also umlaufen muß. Eine Möglichkeit wurde mit dem „Freigeld“ erschlossen. Das Geld hatte eine definiertes Verfallsdatum, es konnte nicht endlos aufbewahrt werden. Einen anderen Versuch unternahm die Kirche. Es wurde verboten, Geld gegen Zinsen zu verleihen. Damit fehlte jeglicher Anreiz für Risiko und Investitionen.

Des Volkes Erfahrung schlägt sich in solchen Sprüchen nieder, wie: „Der Rubel muß rollen“ oder selbst in Kinderliedern: „Taler, Taler du mußt wandern...“ Diese einfachen Erfahrungen, noch keine Theorie, werden von unseren Politikern ignoriert, indem man für sein Alter Kapital ansparen soll. Wenn dieses Kapital nicht sinnvoll investiert werden kann, ist es wertlos, wenn es als Altersunterhalt dienen soll.

Heutige Ökonomen entwickeln Theorien zur Effizienz eingestzten Kapitals, zu Abhängikeiten von Investionen und Ertrag, Lohnkosten und Arbeitslosigkeit und vieles mehr. Weitgehend abgekoppelt in der klassische Makroökonomie bleibt der Einfluß von Kosten des Staates mit seinen sozialen Verpflichtungen und dem Ausbau der Infrastruktur.

Ein Modell das möglichst viele Facetten der Problematik Geldumlauf in der Volkswirtschaft veranschaulicht, könnte helfen, sinnvolle wirtschaftliche und politische Entscheidungen zu treffen.

Die Frage sind Wertpapiere eigentlich auch Geld wird nirgends eindeutig und schlüssig beantwortet. Sämtliche Theorien zu Wertpapieren sind auf deren Vermehrung ausgerichtet, aber nirgends wird der reale Bezug zum Geld definiert.

Weiterhin fällt auf, dass die Grundlagen immer auf Momentaufnahmen der bestehenden Beziehungen beruhen. Dynamische Prozesse wie die Verteilung der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes oder der Wertverfall der Ware in Abhängigkeit von der Zeit finden keinen Eingang in die mir bekannten Modelle.

Die folgenden Darlegungen sind ein qualitativer Ansatz. Eine quantitative Präzisierung ist mit geeigneten statistischen Daten möglich.

Um Missverständnissen über Inhalt und Auslegung von Begriffen vorzubeugen werden einige Begriffsdefinitionen im Glossar definiert, wie sie in diesem Modell verwendet werden.

Randbedingungen des Modells:

Die Volkswirtschaft soll ein geschlossener Währungsraum sein (Deutschland – DM oder EU - €). Die Schnittstellen nach außen werden als Waren-export oder -import des Warenmarktes und Kapital-export oder -import auf dem Finanzmarkt definiert. Die betrachteten Zeiträume werden in zwei Größenordnungen geteilt:

Kurzzeitraum: Die Geldmenge ist konstant, Inflation spielt keine Rolle, der Finanzmarkt ist stabil.

Langzeitraum: Wirtschaftswachstum und Inflation wirken, Geldmenge wächst, Börsen sind in Bewegung.

2 Ware – Gebrauchswert – Beziehung

Nach Marx [1] wird der Gebrauchswert einer Ware durch den Maßstab Geld bestimmt.

Die Definition dieses Satzes ist quasi eine Momentaufnahme zum Zeitpunk des Kaufes der Ware mit Geld. Die zeitliche Beziehung zwischen Ware und Geld wird von Marx nicht betrachtet, ist aber eine wesentliche Komponente.

Postulat:

Der Gebrauchswert der Summe aller Waren ist beim Kauf am höchsten und geht mit dem Zeitablauf gegen Null. Die Geldmenge kann dagegen im Zeitraum als konstant angenommen werden.

Begründung:

Ein Gebrauchswert eines Brotes ist nach dem Aufessen Null. Der Wert eines Autos ist nach drei Jahren auf die Hälfte gesunken (ich kann es noch verkaufen) nach ca.10 Jahren ist der Gebrauchswert ebenfalls Null. Grundstücke, Kunstwerke können ihren Gebrauchswert erhalten und gegebenenfalls erhöhen.

Schlussfolgerungen:

Es müssen ständig neue Waren produziert und verkauft werden, damit der Wert des Geldes erhalten bleibt.

Solange der Wert des Geldes erhalten bleibt, ist Akkumulation von Geld die Konservierung von Gebrauchswerten. (Für Geld kann ich jederzeit Waren und Dienstleistungen nach Bedarf erhalten)

Postulat:

Dienstleistungen sind Waren mit einem Gebrauchswert, der nach der Leistung sofort Null ist.

Begründung:

Ich kann ein Telefonat nach dem es geführt wurde nicht wieder verkaufen. Ein Auto ist nach einer Wäsche nicht mehr wert als vorher.

3 Ware – Wert (Kosten) Beziehung

Nach Marx wird der Wert der Ware allein durch den Aufwand an menschlicher Arbeitszeit bestimmt. Das kann heute nicht mehr so undifferenziert betrachtet werden.

Um den Bezug zur heutigen Zeit herzustellen möchte ich definieren, der Wert der Ware wird durch die entstehenden Kosten bestimmt. Über Produktionskosten sind genügend Abhandlungen erschienen. Letztendlich werden alle Kostenarten auf den Faktor Geld zurückgeführt.

Die folgende vektorielle Darstellung des Ware-Geld-Kreislaufes aus statistischer Sicht erklärt einige elementare Sachverhalte:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 Ware-Geld Kreislauf

Zwischen den Punkten A und B wird mittels Verbrauch von Geld (Kosten) Ware produziert. Im Punkt B wird die Ware verkauft, man erhält Geld und zunächst werden die Kosten gedeckt. Im Verlauf von Punkt C nach A wird die Ware wieder verbraucht. Der Zyklus kann neu beginnen. Unter Kosten sollen alle Kosten verstanden werden, also anteiliger Verbrauch von Produktionsmitteln, Material, Arbeitszeit, etc. Nach dieser Darstellung entsteht kein Gewinn und die Ware wird vollständig verbraucht. In der nachfolgenden Darstellung wollen wir diese Mängel abstellen und den Parameter Zeit in die Darstellung einfügen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 Umlaufzyklen

Das Bild zeigt 3 aufeinanderfolgende Zyklen mit Zeitabständen A-T, T-T’ und T’-T“. In jedem Zyklus entsteht ein Mehrwert und bleibt etwas restliche Ware übrig. Verbindet man gleiche Eckpunkte verschiedener Zykluszeiten als z.B. A, T, T’ und T“ erhält man eine Kurve steigenden Geldes und steigenden Warenbestandes. Die Ursache für die Akkumulation des Geldes bildet der entstandene Mehrwert und die Ursache für steigendes Warenvolumen ist, dass in den betrachteten Zeitabständen die Waren nicht vollständig verbraucht sind. Mehrwert ist nach Marx die Differenz aus Gebrauchswert – Wert, was im wesentlichen dem heutigen Begriff des Gewinns entspricht. Der Gewinn wird durch Geld als Gebrauchswert verwirklicht und konserviert. Damit wird ein typisches Wachstumsszenario dargestellt. Je steiler die blaue Kurve um so besser wird das Unternehmensziel, Geld zu verdienen, erreicht. Durch Variation der Länge der Vektoren können verschiedene Szenarien nachgespielt werden:

- Wenn die Vektoren B-C kleiner werden als der „Geld-Anteil“ von Vektor A-B wird die gesamte Geldmenge geringer, das Unternehmen wird zahlungsunfähig.
- Je mehr die produzierte Warenmenge den Verbrauch übersteigt umso größer wird das Warenlager, die blaue Kurve wird flacher und der Geldzufluß sinkt.

Wie bereits erwähnt, ist dies ein typisches Wachstumsszenario, welches seine natürlichen Grenzen hat. Das nach oben offene Wachstumsszenario funktioniert solange, wie man die Waren exportieren und unerschöpfliches Geld einsammeln kann. Das funktioniert für ein wachsendes Unternehmen in einem begrenzten Zeitraum. In einer Volkswirtschaft haben wir im betrachteten Zeitraum weitere Einflussfaktoren, die nachfolgend beleuchtet werden.

4 Modell zuM GeldUmlauf

In [2] wird auf die allgemein anerkannte „Verkehrsgleichung„ von Irving Fisher zurück gegriffen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten (1)

Hierbei bedeuten:

G Durchschnittsbetrag des während eines Jahres im Umlauf befindlichen Geldes

U Umlaufgeschwindigkeit des G = Umschlaghäufigkeit

G’ im Umlauf befindliche Bankdepositen

U’ Umlaufgeschwindigkeit des G’ = Umschlaghäufigkeit

H Handelsvolumen = Quantität der mit Geld gekauften Waren

P Durchschnitt aller Preise

Das Problem dieser Gleichung ist, dass mit sehr oberflächigen Durchschnittswerten gerechnet wird. Da ohnehin alles Durchschnittswerte sind, möchte ich weiter vereinfachen und Geld und Bankdepositen zusammenfassen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten (2)

Damit wird:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten (3)

In dem betrachteten Zeitraum soll die Geldmenge zunächst als konstant angenommen werden. Damit lassen sich erstens Vereinfachungen im Modell realisieren und zweitens das Nullwachstum, als das Schreckenszenario der Volkswirtschaft, modellieren.

Wie wir festgestellt haben zirkuliert das Geld durch Produktion und den Verkauf von Waren und Dienstleistungen in Form von Kosten. Die Differenz zwischen Gebrauchswert und Kosten ist Mehrwert und wird zunächst beim Unternehmen akkumuliert. Das Geld produziert bei jedem Umlauf einen Mehrwert.

Die Geschwindigkeit der Zirkulation ist recht unterschiedlich. Ein Teil zirkuliert durch den tägliche Bedarf der Ernährung recht schnell. Bei Waren mit längerer Lebensdauer dauert die Zirkulation länger. In Omas Sparstrumpf zirkuliert das Geld überhaupt nicht. Wir haben also Geldmengen mit Umlaufgeschwindigkeiten von Null bis zu einem gewissen Maximum.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3 Verteilung der Geldmenge über der Umlaufgeschwindigkeit

Die Umlaufgeschwindigkeiten sind statistisch auf die Geldmengen verteilt. Diese Verteilung kann an dieser Stelle nicht festgestellt werden. Auch die Fachliteratur [3] hat auf diese Frage keine Antwort. Für die anstehenden Betrachtungen genügt die Annahme einer linearen Verteilung.

[...]

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Modellierung des Geldumlaufes in der modernen Volkswirtschaft
Autor
Jahr
2008
Seiten
22
Katalognummer
V91628
ISBN (eBook)
9783638057844
ISBN (Buch)
9783638948715
Dateigröße
541 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Modellierung, Geldumlaufes, Volkswirtschaft
Arbeit zitieren
Dipl.-Ing. Bernd Vogel (Autor), 2008, Modellierung des Geldumlaufes in der modernen Volkswirtschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/91628

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