Philosophie der Lebenskunst. Welchen Mehrwert kann die Philosophie der Lebenskunst für das Individuum darstellen?


Hausarbeit, 2020

19 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Einleitung

Teil I - Interview mit Wilhelm Schmid
1. Zielsetzung
1.1 Lebensgestaltung
2. Arbeit an der eigenen Autonomie
2.1 Sinnfindung im Berufsleben
2.2 Work-Life-Balance
2.3 Definition Arbeit
3. Ratgeber Gestaltung des eigenen Lebens

Teil II - Aspekte der Lebenskunst
1. Selbstmächtigkeit
2. Gestaltung der Existenz
3. Persönliche Wahl
4. Sensibilität und Urteilskraft
5. Schönheit

Teil III - Manager seiner selbst sein
1. Die drei Typen
2. Erkenne dich selbst
3. Arbeite an dir selbst
4. Manage dich selbst

Fazit

Literaturverzeichnis/Internetquellen

Einleitung

Wenn ich Freunde oder Bekannte von Ihnen auf der Straße treffen würde, was würde diese mir denn über Sie erzählen? Das ist heutzutage eine typische Frage in vielen Vorstellungsgesprächen. Durch diese Frage wird man gezwungen, die Perspektive auf sich selbst zu ändern und so informativer über sich zu berichten. Um diese Frage beantworten zu können, sollte man sich zumindest einmal im Leben gefragt haben:

Wer bin ich? Wie nehmen mich meine Mitmenschen wahr und möchte ich so wahrgenommen werden? Lebe ich das Leben, das ich leben möchte oder besteht Bedarf nach Anpassung?

Mit Fragen dieser Richtung beschäftigt sich Wilhelm Schmid, freier deutscher Philosoph im Ruhestand, der als Philosophieprofessor an der Universität Erfurt tätig war. Schmid wurde 1953 in Billenhausen geboren und lebt seit 1980 in Berlin. Er studierte Philosophie und Geschichte und promovierte 1991 mit der Arbeit "Lebenskunst bei Michel Foucault" (Stary, 2020, Online). Seine Habilitation erlangte er 1997 mit dem Werk "Grundlegung zu einer Philosophie der Lebenskunst" (Stary, 2020, Online). Sein philosophischer Schwerpunkt liegt auf dem Gebiet der Lebenskunstphilosophie.

Neben diversen Lehrtätigkeiten an verschieden Universitäten, sowohl in Deutschland, als auch im Ausland (Lettland und Georgien) arbeitete er als "'philosophischer Seelsorger' im Spital Affoltern am Albis (bei Zürich)" (Stary, 2020, Online). Für seine Werke wurde Schmid zwei Mal ausgezeichnet. So erhielt er "2012 den Meckatzer-Philosophiepreis für besondere Verdienste bei der Vermittlung von Philosophie" und 2013 den "Preis der Egnér Stiftung in Zürich für das bisherige Werk zur Lebenskunst" (Stary, 2020, Online).

In seinen Werken „[...] widmet [er] sich ausgiebig dem Verhältnis von Körper und Geist - ganz im Sinne von Platons Satz: ,Der Körper ist die Wohnung der Seele‘" (Friedmann, 2001, Online). Der 66-jährige ist bekennender Saunagänger - auch um seine Seele zu pflegen. Denn "Lebenskunst braucht Einübung" (Friedmann, 2001, Online), wie er gerne betont. Der Fokus liege in der Bildung von Seelengröße und nicht von Muskelmasse (vgl. Friedmann, 2001, Online).

In der hiesigen Seminararbeit möchte ich die Fragestellung „welchen Mehrwert die Philosophie der Lebenskunst für das Individuum darstellen kann“ anhand des Werkes "Einführung in die Lebenskunst" von Wilhelm Schmid untersuchen. Das Instrument meiner Arbeit zur Untersuchung des Themas ist ein fiktives Interview, in dem ich sowohl die Rolle von Wilhelm Schmid, als auch die des Interviewers einnehme. Die im Zuge des Interviews gegebenen Aussagen Schmids sind in seinen Werken nachzulesen, die im Literaturverzeichnis angegeben sind. Die Arbeit ist in drei Teile aufgegliedert. Teil eins ist das bereits erwähnte, fiktive Interview. Dieses Instrument wurde gewählt, um einem unbeteiligten Dritten den Einstieg in das Thema zu ermöglichen. Ziel ist es, die Philosophie der Lebenskunst mit Hilfe einiger Beispiele plakativ darzustellen, aber auch das Interesse des Lesers aufrecht zu erhalten. Im zweiten Teil der Arbeit werden die grundlegenden Aspekte der Philosophie der Lebenskunst von Wilhelm Schmid skizziert und ein Ausblick gegeben warum diese philosophischen Ansätze ihre Daseinsberechtigung haben. Die Themenfelder des dritten Teils der Arbeit thematisieren die drei Charaktertypen, Selbstmanagement und der Arbeit an sich selbst. Anschließend wird im Fazit eine Zusammenfassung der Themen mit unter anderem, auch anhand von Beispielen dargestellt und interpretiert. Abschließend werden die Ergebnisse der Forschungsfrage festgehalten.

Teil I - Interview mit Wilhelm Schmid

1. Zielsetzung

Interviewer: Die Philosophie der Lebenskunst hat sich zum Ziel gesetzt, Anregungen zu bieten, sich ein schönes Leben zu gestalten und hat ihren Ursprung bei Michel Foucault, der den Begriff der Ästhetik der Existenz verwendet. Habe ich das richtig verstanden?

Schmid: Ja und Nein! Zunächst einmal kann man nicht zwangsläufig behaupten, dass Foucault der Begründer der Ästhetik der Existenz ist. Schon in der Antike waren die Menschen bestrebt ein schönes Leben zu leben. Der Unterschied zu damals besteht darin, dass wir heute mehr Freiheiten haben unser Leben selbstbestimmter zu gestalten. Diese Freiheiten führen dazu, dass sich die Menschen individueller verwirklichen. Aus dieser gestalterischen Freiheit heraus bildete sich die - Michel Foucault nannte sie die Ästhetik der Existenz - oder wie ich sie nenne die Philosophie der Lebenskunst. Was im Grunde genommen einfach nur neue Begriffe für eine alte Philosophie sind. (lacht)

Die so verstandene Selbstgestaltung des Individuums führt zu jenem Begriff, der von Foucault im Umfeld seiner Arbeiten über die antike philosophische Lebenskunst formuliert worden ist und der so außerordentlich viel Interesse auf sich gezogen hat: Ästhetik der Existenz.

1.1 Lebensgestaltung

Interviewer: Die Zielsetzung der Lebenskunst ist es, sich sein eigenes Leben so schön wie möglich selbst zu gestalten. Klingt auf den ersten Blick ziemlich einfach. Wenn man sich jedoch genauer mit dem Thema beschäftigt, stellt sich folgende Frage: Ist das Leben, das wir leben, unser eigenes, wenn wir gesellschaftlichen Zwängen und sonstigen Mächten wie Politik oder Religion unterworfen sind?

Schmid: Zunächst einmal hat niemand behauptet, dass Lebenskunst einfach ist. Lebenskunst ist ein Prozess fortwährender Arbeit an seiner eigenen Autonomie. Vielleicht sollte ich ein wenig ausholen und erklären, wie Freiheit zu verstehen ist. Heutzutage ist man beispielsweise nicht mehr auf eine Religion festgelegt oder an politische Parteien gebunden. Man hat die Wahl seine Konfession oder politische Gesinnung frei zu wählen. Diese Freiheit aber beinhaltet die Notwendigkeit der eigenen Lebensführung. In unserer heutigen Gesellschaft sind wir zum Teil schon in der Lage, uns über Naturgegebenheiten hinweg zu setzen. Der Mensch ist Aufgrund seiner Anatomie nicht zum Fliegen in der Lage, aber er fliegt in den Urlaub und auf dem Mond war er auch schon. Diese Freiheit bietet unendlich scheinende Möglichkeiten sich selbst zu entdecken und zu formen. Anstelle von Gemeinschaften im traditionellen Sinn trifft man nun auf Zusammenkünfte freier Individuen. Das moderne Individuum hat die Wahl frei zu sein von gemeinschaftlicher Bindung, frei zu sein von erzwungen Rollenverteilungen, die Freiheit seine Sexualität ausleben zu können, es besteht die Möglichkeit aus Gemeinschaftsformen auszubrechen oder in anderen unterzukommen. Großfamilien werden zu Kleinfamilien, aus denen wiederum Patchworkfamilien entstehen. Im Umkehrschluss bedeutet das für uns, dass alles auf dem Prüfstand steht und wir uns selbst führen müssen, um das Leben zu leben, das für uns bejahenswert erscheint. (vgl. Schmid, 2005, S.1f).

2. Arbeit an der eigenen Autonomie

Interviewer: Danke für diese Einblicke. Sie sagten, dass Lebenskunst ein Prozess fortwährender Arbeit an der eigenen Autonomie ist. Würden Sie freundlicher weise etwas genauer darauf eingehen?

Schmid: Sehr gerne. Die eben beschriebene Freiheit kann zur Befreiung von Inneren und äußeren Bindungen führen und damit auch zu einer Auflösung von Zusammenhängen und somit von Sinn.

"Die Befreiung von inneren und äußeren Bindungen und Beziehungen führt zur Erfahrung des .Nihilismus'. Moderne ist eine Auflösung von Zusammenhängen und somit von Sinn" (Schmid, 2005, S.2f). Der ist jedoch von enormer Bedeutung. Denn der Mensch an sich benötigt für sein Tun stets einen Sinn. "Wer ohne Sinn lebt, wird zynisch, verachtet die 3 Welt und sich selbst, hasst sich für das, was er tut; eine Art von Selbst-Sabotage" (Schmid, 2005, S.2). Wenn wir uns also von allen Zusammenhängen lösen, erkennen wir, dass wir neue, andere Zusammenhänge brauchen. Diese schaffen wir, indem wir uns grundlegende Fragen stellen. Was ist mir wichtig? Was brauche ich zum Leben? Was bin ich bereit dafür zu tun oder auch nicht zu tun? Mit der Findung der Antworten auf diese Fragen beginnt die Arbeit an sich selbst Die Arbeit an seinem Leben lässt sich gut anhand der beruflichen Arbeit erklären. Eine Anstellung zu besitzen und somit seinen Lebensunterhalt zu verdienen bildet, in der modernen Gesellschaft, den Sockel auf dem das Individuum sein Leben aufbaut und an diesem Kunstobjekt solange feilt bis es das Leben ist, zu dem er Ja sagen kann. Hat man in der heutigen Zeit keine Arbeit, steht man vor dem Problem, dass man für seine Grundbedürfnisse nicht selbst aufkommen kann, ist auf "anonyme Instanzen" (Schmid, 2005, ebd.) angewiesen und fühlt sich so seiner Freiheit enteignet (vgl. Schmid,2005, ebd).

2.1 Sinnfindung im Berufsleben

Interviewer: Klingt danach, dass die Sinnfindung abhängig vom Job ist. Wie gehe ich damit um, wenn ich keinen Sinn in meiner Arbeit sehe?

Schmid: Ich dachte mir schon, dass die Frage folgt. Nun, lassen sie mich versuchen anhand eines passionierten Musikers, dessen Traum oder besser gesagt, dessen größter Wunsch es ist, seinen Lebensunterhalt mit seiner eigenen Musik zu bestreiten, diese Frage zu beantworten. Die Passion dieses Menschen ist seine Musik. Er komponiert, er spielt und singt, wartet allerdings noch auf seinen Durchbruch. Er steht nun vor der Wahl, ob er weiter dieses Ziel verfolgt oder seinen Traum aufgibt. Er stellt sich die genannten Fragen. Was ist mir wichtig? Was brauche ich zum Leben? Was bin ich bereit dafür zu tun oder auch nicht zu tun? Er entscheidet sich für seine Passion. Um seine Grundbedürfnisse stillen zu können, beginnt er in einem Lager zu arbeiten. Das ist seine eigene Wahl. Um seiner Leidenschaft weiter nachgehen zu können, ist er gerne bereit im Lager zu arbeiten, selbst wenn es nicht sein Traumjob ist. Sein Sinn im Leben ist die Freude, die er beim Musizieren empfindet. "Durch Geld ist Sinn nicht zu ersetzen: Materielle Sinn-Zusammenhänge sind weniger ergiebig als ideelle, sie setzen nicht dieselben immensen Energien frei" (Schmid, 2005, S.8). Ausschlaggebend ist, dass wir wie der Musiker handeln, der seine eigene Wahl trifft und "nicht normativ vorzugehen, Normen und allgemeine Verbindlichkeiten schaffend, sondern optativ, Optionen und Möglichkeiten eröffnend" (Schmid, 2017, S.14).

2.2 Work-Life-Balance

Interviewer: Ich denke jetzt haben unsere Leser einen guten Einblick in die fortwährende Arbeit an der Lebenskunst an sich gewonnen. Jetzt mal ein Thema zum Entspannen: Work­Life-Balance: Findet der Begriff ein Plätzchen in Ihrer Philosophie?

Schmid: (Lacht) Ja, und zwar "weil Arbeit nicht mehr als Bestandteil eines sinnvollen Lebens wahrgenommen werden kann, muss zwangsläufig nach einer Balance [...] zwischen Arbeit und Privatleben gesucht werden" (Schmid, 2005, S.3). Finde ich in meinem Arbeitsalltag nichts oder wenig zu dem ich Ja sagen kann, muss ich in meiner arbeitsfreien Zeit etwas finden oder tun, das mir Sinn gibt. Oftmals wird Erwerbsarbeit als Mittel zum Zweck und nicht als sinnvoll angesehen. Das Privatleben hingegen schon. In der Industriegesellschaft ist leider oftmals der Blick für das Endprodukt verloren gegangen. Früher hat man sein Getreide selbst gesät, zu Mehl gemahlen und anschließend das Brot noch selbst gebacken. Heutzutage ist dies nicht mehr der Fall. Prozesse werden verschlankt, optimiert und ausgelagert. Was ich meine ist, die Arbeit ist nicht mehr die Arbeit der früheren Zeiten. Arbeit ist "[...] eine Stelle zu haben und eine Aufgabe gemäß Stellenbeschreibung zu erfüllen, um vom Ertrag leben zu können" (Schmid, 2005, ebd.). Der Fließbandarbeiter, der den ganzen Tag nur das Teil sieht, an dem er seinen Arbeitsvorgang wieder und wieder wiederholt, hat am Ende des Arbeitstages wohlmöglich nicht den Sinn seines Tuns erkannt. Der Landwirt, der am Abend sein Mahl aus eigenen Erzeugnissen zu sich nimmt, ist sich sicher bewusst, warum er auf dem Feld war. Work-Life-Balance ist aus der Not geboren, da "[...] Arbeit, Leben und Sinn auseinander gedriftet sind" (Schmid, 2005 ebd.).

2.3 Definition Arbeit

Interviewer: Sie sagten gerade, Arbeit ist nicht mehr die Arbeit der früheren Tage. Wie definieren Sie den Begriff Arbeit für sich?

Schmid: Ich unterstelle Ihnen mal, dass sie auf meine Philosophie der Lebenskunst anspielen.

Interviewer: Genau!

Schmid: "Arbeit ist all das, was ich in Bezug auf mich und mein Leben leiste, um ein schönes und bejahenswertes Leben führen zu können. Jede Aufmerksamkeit und jeder Aufwand an Kraft hierfür kann dann Arbeit sein, körperlich, seelisch, geistig." (Schmid, 2005, S. 3). Das bedeutet, dass ich all mein Tun, aus allen Lebensbereichen, sei es im Beruf, in der Familie oder im Austausch mit Freunden und Bekannten, beim Sport sowie in der Zeit für sich selbst in der man den Tag Revue passieren lässt, Musik genießt oder ein Buch liest, dem Großen und Ganzen unterordne. All das ist schon Arbeit an sich selbst. Ziel ist es, mit sich selbst befreundet zu sein. Es ist der Versuch, ein Gesamtkunstwerk zu erschaffen, das am Endes Tages vor sich selbst zu rechtfertigen ist. Da gehört es natürlich auch dazu, die weniger genussvollen Dinge mit den schönen in Einklang zu bringen. Sie erinnern sich an den Musiker, der die Kröte Lagerarbeit schlucken muss, um sich auf der anderen Seite seiner Passion hingeben zu können. Die Kunst besteht darin, dass man sich selbst sowohl gleichermaßen als Subjekt, als auch Objekt betrachtet (vgl. Schmid, 2005, S.3f).

3. Ratgeber Gestaltung des eigenen Lebens

Interviewer: Wenn ich Interesse daran hätte, einen Ratgeber zum Thema Gestaltung des eigenen Lebens zu schreiben, was würden Sie mir raten wie ich vorgehen soll?

Schmid: Ich würde Ihnen empfehlen, sich die Frage zu stellen, wie sie Ihr Leben führen möchten. Was sie tun sollen und welche Wahl Sie haben. Sie sollten für sich herausfinden, in welchen Zusammenhängen sie leben und wenn diese einer Veränderung bedürfen, sollten Sie herausfinden wie Sie Zusammenhänge herstellen, in denen es sich leben lässt Ich schlage vor, dass wir das anhand eines Beispiels aus Ihrem Leben durchspielen. Wären Sie dazu bereit? (vgl. Schmid, 2017, S.27f).

Interviewer: Ja klar, sehr gerne!

Schmid: Zu was in ihrem Leben können Sie jetzt aus dem Bauch heraus "Ja" sagen? Nennen Sie mir doch mal ein Hobby oder eine Leidenschaft.

Interviewer: Ich koche gerne für meine Freunde.

Schmid: Sehr schön. Beginnen wir mit der Frage, Wer bin ich? Diese zielt darauf ab, welches Bild man von sich selbst als Mensch hat. Die „Subjekt-Frage“ (Schmid, 2017, S.31) wenn man es so nennen möchte. Ein Subjekt, dass sich selbst gestaltet und sich somit um sich selbst sorgt. Diese Subjekt-Frage schwingt in jeder Entscheidung mit ein. Wenn Sie nun also gerne für ihre Freunde kochen, gehe ich davon aus, dass sie auch gerne deren Gesellschaft genießen. Das allein ist schon ein Aspekt des bejahenswerten Lebens. Die übergeordnete Frage ist: Wie kann ich mein Leben führen? Es erscheint ihnen bejahenswert, sich mit Freunden zu umgeben und Zeit mit ihnen zu verbringen. Sie fragen sich: Was soll ich tun, um meine Freunde, um mich zu versammeln? Sie fragen sich des Weiteren: In welchen Zusammenhängen lebe ich? Diese sind verschiedenster Art. Manche der Freunde sind Eltern, andere selbstständig, wiederum andere Schichtarbeiter etc.. Mit manchen machen sie Sport und mit anderen gehen sie Spazieren, ins Kino, was auch immer. Um sich gleichzeitig mit mehreren Freunden treffen zu können, bedarf es einem Zusammenhang, der verbindet. Ist es nicht der Sport oder der Spaziergang, muss ein Zusammenhang geschaffen werden, der so viele Freunde wie möglich zusammenbringt. Was machen wir alle? Richtig, essen! Sie entschließen sich, diese einzuladen und für alle zu kochen. Sie beginnen nun das Event zu planen, die Zutaten einzukaufen und zuzubereiten. Sie bringen ihre Wohnung in Ordnung, überlegen sich eventuell welcher Wein der richtige ist. Sie stecken richtig Arbeit in die ganze Sache. Alles um die Lust zu befriedigen, die sie empfinden möchten. Das Ganze vorbereiten, Schälen, Schneiden, Würzen usw., nehmen sie dafür sehr gerne in Kauf um die Gesellschaft ihrer Freunde genießen zu können. Wenn es gut läuft, bekommen sie auch noch ein Lob für ihre Kochkunst, was sie natürlich auch erfreut. Stundenlange Vorbereitung und in wenigen Minuten ist jeder gesättigt. Sie verbringen einen schönen Abend, mit netten Unterhaltungen und viel Spaß. Wenn alle Gäste gegangen sind, räumen sie auf und gehen zufrieden zu Bett. Ist das ein Szenario zu dem Sie ja sagen würden? Das ihnen bejahenswert erscheint? (vgl. Schmid, 2005 S.27f)

Interviewer: Auf jeden Fall.

Schmid: Dieses Essen dient als Metapher für das gesamte Leben. Am Ende des Abends legen sie sich ins Bett, lassen den Abend Revue passieren und schlafen zufrieden ein. Der ganze Zeitaufwand, die Arbeit, vielleicht haben Sie sich noch beim Zubereiten geschnitten oder nicht sofort das Stück Fleisch beim Metzger bekommen, dass sie gerne gehabt hätten. Eventuell haben Sie die Suppe versalzen und mussten von vorne beginnen. Das Alles spielt am Ende des Tages keine Rolle mehr, war wahrscheinlich noch eine nette Geschichte während der Unterhaltung. All das war es wert. Der Abend war einfach schön. Das ist das finale Argument. Ja, ich habe meinen Bus verpasst, als ich einkaufen gehen wollte. Ja, ich habe mich geschnitten. Ja, ich musste nochmals die Suppe vorbereiten. Und Ja, ich würde wieder für alle Kochen - das finale Argument. Das Argument, dass alle anderen aussticht. So ist es auch mit dem Leben. Wenn sie im Sterbebett liegen und ihr Leben rückwirkend betrachten, sollten sie es im Besten fall so gestaltet haben, dass sie zu sich selbst sagen können: Es war nicht immer alles nur schön, aber Ja, ich würde vieles wieder so erleben wollen.

Dann haben sie ein bejahenswertes Leben gelebt. Der Tod ist die Grenze des Lebens, so wie wir es kennen. Wir haben also nur eine begrenzte Zeit um unsere Leben unser eigenes werden zu lassen und dieses müssen wir leben, indem wir uns stetig als Subjekt, sowie als Objekt hinterfragen. Als Subjekt aus dem Blickwinkel der Frage Wer bin ich? Und als Objekt oder Lebenswerk an dem gearbeitet werden muss, um zur Vollendung zu kommen (vgl. Schmid, 2017, S.28f).

Interviewer: Der Weg ist demnach das Ziel?

Schmid: (schmunzelt) So kann man es auch ausdrücken.

Interviewer: Professor Schmid, herzlichen Dank, für ihre Zeit und Erkenntnisse.

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Philosophie der Lebenskunst. Welchen Mehrwert kann die Philosophie der Lebenskunst für das Individuum darstellen?
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Institut für Erziehungswissenschaft)
Veranstaltung
Biografieforschung/Lebenslauf
Note
1,3
Autor
Jahr
2020
Seiten
19
Katalognummer
V916363
ISBN (eBook)
9783346236401
ISBN (Buch)
9783346236418
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wilhelm Schmid, Philosophie der Lebenskunst
Arbeit zitieren
Dominic Jaeth (Autor:in), 2020, Philosophie der Lebenskunst. Welchen Mehrwert kann die Philosophie der Lebenskunst für das Individuum darstellen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/916363

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Philosophie der Lebenskunst. Welchen Mehrwert kann die Philosophie der Lebenskunst für das Individuum darstellen?



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden