Die Frauen im Bauhaus. Welche Rolle spielt Lucia Moholys Architekturfotografie am Bauhaus in Dessau?


Hausarbeit, 2017

14 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Fotografien von Lucia Moholy des Bauhausgebäudes in Dessau
2.1. Bildbeschreibung und Interpretation: „Blick aus dem Vestibülfenster zum Werkstattflügel“ 1926
2.2. Bildbeschreibung und Interpretation: „Bauhausgebäude Dessau, Werkstattfassade“ 1926

3. Lucia Moholys Fotografien im Gegensatz zu anderen Aufnahmen des Bauhauses
3.1. Bildbeschreibung und Interpretation „Der größte und der kleinste Bauhäusler“ um 1930
3.2. Lucia Moholy - Bereicherung für das Bauhaus

4. Schluss

Literaturverzeichnis

Abbildungen

1. Einleitung

„Die Bauhausfrauen hatten den Gemeinschaftsgedanken stärker verinner­licht, sahen weniger auf das eigene Werk. Besonders bei den Meistergattin­nen war das Verschwinden künstlerischer Leistungen im Einsatz für ,das Große und Ganze‘ zu beobachten.“1

Bei Lucia Moholy (*1894, Prag) handelt es sich um eine Frau, die am Bauhaus lebte und unter dem Einfluss ihres Mannes, Lâslo Moholy-Nagy, stand. Sie war eine Fotografin, der trotz ihrer bedeutenden und prägenden Fotografien für das Bauhaus in Dessau, bis heute nicht die gerechtfertigte Anerkennung entgegenge­bracht wurde. Auch bei meiner Recherchearbeit habe ich festgestellen, dass es kaum ausführliche Literatur über ihre Arbeiten gibt und sie meist nur unter dem Namen ihres berühmten Ehegatten zu finden und aufgeführt ist. In vielen Büchern über das Bauhaus, die ihre Fotografien zur Veranschaulichung verwenden, werden ihre Aufnahmen ohne Nennung ihres Namens aufgelistet. In meiner Arbeit werde ich versuchen die Frage zu beantworten, welche Rolle Lucia Moholy für das Bauhaus spielte und dabei auch darlegen, wie sie sich von ihren Fotografenkolle­gen, die ebenfalls am Bauhaus tätig waren, unterscheidet. Im folgenden Abschnitt werde ich zunächst zwei Architekturfotografien von L. Moholy eingehend beschreiben und interpretieren. Danach gehe ich auf ihre Besonderheiten und ihren Wert für das Bauhaus in Dessau ein, indem ich eine weitere, nicht von ihr stammende Fotografie, den ihren gegenüber stelle.

2. Fotografien von Lucia Moholy des Bauhausgebäudes in Dessau

Die im Folgenden beschriebenen Fotografien von Lucia Moholy zeigen beide den selben Gebäudeteil des Bauhauses. Jedoch entschied sie sich für unterschiedliche Perspektiven, wodurch jede Fotografie ihren individuellen Ausdruck erhält.

2.1. Bildbeschreibung und Interpretation: „Blick aus dem Vestibülfen­ster zum Werkstattflügel“ 1926

Die Fotografie „Blick aus dem Vestibülfenster zum Werkstattflügel“ (Abb. 1), aus dem Jahr 1926, stammt von der Fotografin Lucia Mohoy. Es handelt sich hierbei um eine Schwarzweißaufnahme im Hochformat, auf einem Glasnegativ mit den Maßen 24 x 18 cm.2 Das Bild zeigt den Blick aus einem Fenster auf ein ange­bautes Gebäude.

Die Fotografie lässt sich in Vorder-, Mittel- und Hintergrund aufteilen. Der Vordergrund dominiert das Bild durch seine teilweise tiefe Schwärze. Zu sehen ist die Wand des Innenraums, in dem sich die Fotografin befindet. In der Mitte der Innenwand ist das Fenster angebracht, aus dem heraus fotografiert wurde. Moholy stand links vor dem Fenster, in einem etwa 45°-Winkel, um die Aufnahme zu machen. Von dem Innenraum ist nur ein dünnes Geländer zu erkennen, das waa­grecht durch das untere Viertel des Fensters verläuft und mit zwei senkrechten Verstrebungen gestützt wird. Das Geländer steht auf einem kleinen Absatz vor dem Fenster, welcher unterhalb der Scheibe angebracht ist und auf dem Fußboden leicht nach innen ragt. Am linken Ende dieser Fensterbank liegt ein nicht zu erkennender kleinerer Gegenstand, welcher an der Oberseite eine kleine weiße Fläche aufweist. Am oberen Innenrand des Fensters ist eine etwas breitere Ver­strebung angebracht, die am inneren Fensterrahmen befestigt ist. Das Fenster besteht aus einer großen durchgängigen Glasfläche, welche die Hälfte des gesamten Bildes einnimmt und einen Ausblick auf einen Nebenflügel des Gebäudes gewährleistet.

An dieser Stelle befindet sich der Mittelgrund des Bildes. Zu sehen ist der Aus­blick aus dem Fenster, der größtenteils die Sicht auf den Nebenflügel des Gebäudes einnimmt. Die Architektur, die sich außerhalb des Fensters erstreckt, ist mit einer Vorhangfassade versehen. Die große Glasfläche wird durch senkrechte und waagerechte Stahlverstrebungen gehalten, wodurch das Gebäude eine in Quadrate gerasterte Oberfläche erhält. Die dominanten waagerechten Verstrebun­gen erzeugen eine starke Flucht in die linke Mitte des Bildes. Dem Betrachter wird durch die offene Fassade ermöglicht, einen Einblick in den Innenraum des Nebenflügels zu erhaschen. Zu erkennen ist ein großer, weitläufiger Raum, der von Pfeilern durchschnitten ist. Bei der gegenüberliegenden Außenwand kann von einer ähnlichen Fassade ausgegangen werden. Oberhalb der Glasfront ist ein Flachdach zu erahnen. Unterhalb der Vorhangfassade geht die Architektur in einen massiven Betonbau über, der als Sockel des Hauses dient. Der untere Abschnitt des Gebäudes ist etwas nach innen versetzt und wird mit vergitterten Luken durchbrochen. Der Betonsockel bildet optisch ein festes, massives Band, das die filigrane Glasfassade von der darunter liegenden Fensterreihe trennt. Am Außen­boden führt eine Betonrampe nach unten in Richtung der Fotografin, dahinter be­ginnt sich eine große, gemähte Rasenfläche zu erstrecken. Im Gras liegen, schlecht zu erkennen, eine größere Tonne und ein wannenähnlicher Gegenstand. Der Hintergrund, der in der Fotografie mit einzuteilen ist, beginnt mit dem Ende des äußeren Architekturbaues. Es ist nur ein sehr kleiner Ausschnitt zu sehen, der dem Betrachter eine vernebelte Landschaft zeigt, in der im vorderen Bereich ein kleines Haus mit Schornstein auszumachen ist. Den größten Teil des Hintergrun­des nimmt jedoch der Himmel ein.

Lucia Moholy hat bei dieser Aufnahme eine Tageszeit gewählt, in der sie gegen das Sonnenlicht fotografiert. Somit wird diese Fotografie wahrscheinlich in den frühen Morgenstunden entstanden sein, weshalb auch der Himmel noch recht vernebelt ist. Aufgrund dieser Voraussetzungen, ist die Fotografie von starken Kontrasten geprägt. Der Innenraum scheint nicht durch eine künstliche Lichtquelle beleuchtet zu sein, wodurch das Gemäuer um das Fenster als schwarzer Rahmen für die gesamte Aufnahme agiert. Bei dem Gebäude in dem sich Moholy befindet, handelt es sich um das Bauhausgebäude in Dessau. Der fo­tografierte Seitenflügel beinhaltet die Werkstätten. Hier war Moholy für fünf Jahre tätig, da ihr damaliger Ehemann, Lâszlo Moholy-Nagy, im April 1923 dort hin berufen wurde.3 Das hier beschriebene Bild stammt aus Moholys Serie, in welch­er mehrere Architekturaufnahmen des Bauhauses in Dessau zu finden sind, ent­standen während der Jahre 1926 bis 1927.4 Durch die Wahl ihres Standpunktes erlaubt L. Moholy, dass der Betrachter selbst Teil des Bildes werden kann. Er selbst steht hinter dieser großen Glasfäche und blickt hinaus auf den Werkstat­tflügel des Bauhauses. Der Blick wird über die Glasfront, durch das innere Gelän­der, zur rechten Bildseite der Fotografie gelenkt. Die waagerechten Stahlverstre­bungen des Außengebäudes nehmen den Blick auf und führen so die Augen des Betrachters in das gleißende Licht der Sonne, die den Nebel in ein milchiges Weiß färbt. Auffällig bei dieser Aufnahme ist, dass die Fotografin das Gebäude in einem ausschließlich sachlichen Kontext darstellt. Sie stellt keinen persönlichen Bezug zu ihrem Motiv her und ihr gelingt es, ihre Aufnahme in eine unpersönliche, ob­jektive Gleichwertigkeit zu setzten. Diese Besonderheit der Umsetzung macht Lu­cia Moholy zu einer wichtigen Vertreterin des „Neuen Sehens“.5

2.2. Bildbeschreibung und Interpretation: „Bauhausgebäude Dessau, Werkstattfassade“ 1926

Die Fotografie „Bauhausgebäude Dessau, Werkstattfassade“ (Abb. 2) wurde im Jahr 1926 aufgenommen und stammt von der Fotografin Lucia Moholy. Es han­delt sich um ein Glasnegativ in schwarzweiß mit in den Maßen 24 x 18 cm und ist flächenweise getont.6 Das Bild zeigt einen Gebäudeabschnitt.

Die Fotografie lässt sich in einen unteren, mittleren und oberen Bildteil unter­gliedern, wobei der mittlere Abschnitt des Bildes deutlich dem Rest des Bildes überlegen ist. Allein der obere Teil des Bildes zeigt nicht mehr als die abgebildete Architektur, sondern einen grauen, tristen Himmel. In der unteren Sektion des Bildes befindet sich der Sockel des Baus, der durch neun große Kellerfenster un­tergliedert ist, welche mit groben Gittern versehen sind. Unterhalb der Fenster be­ginnt ein unebener Erdboden, von dem jedoch nur noch ein kleiner Teil abgebildet ist. Im mittleren Bereich der Fotografie ist der Hauptteil dieses Gebäudeabschnitts zu sehen. Die Architektur steht etwa einen halben Meter über den Sockel hinaus und grenzt sich durch einen breiten, horizontalen und weiß verputzten Streifen Beton ab. Darüber erstreckt sich eine breite Fläche Vorhangfassade, welche drei Stockwerke umgibt. Durch die waagrecht und senkrecht laufenden Stahlverstre­bungen, die die einzelnen Fenster umgeben, beginnt das Bild stark nach oben und nach hinten zu streben. Das Gebäude schließt mit einem Flachdach ab. Durch die Stahl-Glas-Konstruktion wird dem Betrachter gestattet, einen Einblick in das Gebäude zu bekommen. Zu erkennen sind Heizungen vor den Fenstern, diverse Möbel und Raumpflanzen. Auf der rechten Seite des Bildes geht die Vorhangfas­sade in eine graue Betonwand über, welche jedoch nur noch wenig Platz auf dem Bild einnimmt. Oberhalb des Gebäudes beginnt der, durch den Himmel do­minierte, obere Bildabschnitt. Auf Grund einer Vignettierung des Bildes ver­dunkelt sich der Bildrand mehr und mehr zum linken, oberen Bildrand. Hinter dem beschriebenen Haus ist eine weitere bauliche Anlage angedeutet.

L. Moholy hat einen Standpunkt gewählt, von dem aus das Gebäude eine leichte Unteransicht erhält und in einem 45°-Winkel abgelichtet werden kann. Durch die Vignettierung erreicht die Fotografin, dass der Fokus ihrer Aufnahme auf dem Gebäude liegt und der Blick des Betrachters nicht vom hellen Himmel abgelenkt wird. Die Aufnahme wurde bei natürlichem Licht aufgenommen Durch die leichte Unteransicht erreicht Moholy, dass durch das Fotografieren gegen den Himmel, starke Kontraste entstehen. Lucia Moholy gelingt eine rein sachliche Betrachtung des Gebäudes.

[...]


1 Müller 2009, S.65

2 Sachsse, S.153

3 SACHSSE, S.12

4 MAASBERGER UND PRINZ, S. 124

5 Haus und Frizot, S.462 f.

6 Sachsse, S.152

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die Frauen im Bauhaus. Welche Rolle spielt Lucia Moholys Architekturfotografie am Bauhaus in Dessau?
Hochschule
Universität Augsburg
Autor
Jahr
2017
Seiten
14
Katalognummer
V916369
ISBN (eBook)
9783346236579
ISBN (Buch)
9783346236586
Sprache
Deutsch
Schlagworte
frauen, bauhaus, welche, rolle, lucia, moholys, architekturfotografie, dessau
Arbeit zitieren
Felicitas Fendel (Autor), 2017, Die Frauen im Bauhaus. Welche Rolle spielt Lucia Moholys Architekturfotografie am Bauhaus in Dessau?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/916369

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