„It’s the economy, stupid!“ lautete der bekannteste Wahlkampf-Slogan Bill Clintons im Jahr 1992, in welchem er schließlich auch die US-Präsidentschaftswahl gewann (Die Presse 06.11.2012). Doch nicht erst seit dieser Kampagne gilt die wirtschaftliche Lage als einer der entscheidenden Faktoren in einem Wahlkampf. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten sind Wahlen demnach für den jeweiligen Amtsinhaber deutlich schwieriger zu gewinnen als in prosperierenden Phasen. Genau mit dieser These beschäftigt sich die Theorie des „economic voting“. Auf der Grundlage der Ökonometrie werden Ökonomie und Politikwissenschaft miteinander verknüpft, um zu versuchen, Wahlergebnisse mit wirtschaftlichen Indikatoren zu erklären. Die zentrale Annahme ist hierbei die sogenannte Reward/Punishment-Hypothese, die besagt, dass die Amtsinhaber in wirtschaftlich guten Zeiten bei Wahlen Stimmen hinzu gewinnen und umgekehrt in wirtschaftlich schlechten Zeiten von den Wählern abgestraft werden. Als eine solche wirtschaftliche Krisenzeit stellt sich die Eurokrise, auch Eurozonenkrise
genannt, dar. Infolge der Weltfinanzkrise fielen nahezu alle Staaten der europäischen
Union 2009 in eine tiefe wirtschaftliche Rezession. Gleichzeitig mussten viele
Banken teilweise oder ganz verstaatlicht werden, um diese zu erhalten. Besonders hart
betroffen waren die südeuropäischen Länder Portugal, Spanien, Griechenland und Italien.
Denn die Auswirkungen der Krise führten in diesen Ländern ebenfalls zu einer
Staatsschuldenkrise. Um eine drohende Zahlungsunfähigkeit dieser Staaten zu verhindern,
wurden finanzielle Hilfen der EU und des Internationalen Währungsfonds in Anspruch
genommen. Diese waren jedoch an strenge Sparmaßnahmen geknüpft, welche
für großen Unmut in der Bevölkerung der betroffenen Ländern sorgte.
In diesem Zeitraum fanden in allen vier Staaten auch Parlamentswahlen statt, die
hauptsächlich unter dem Eindruck der Krise standen. Auch die Europawahlen 2014
waren vor allem in den südeuropäischen Ländern von den Auswirkungen der Eurokrise
geprägt, spielte die EU doch eine bedeutende Rolle in der Bewältigung der Krise
der betroffenen Staaten. Deshalb beschäftigt sich diese Arbeit mit der Frage: „Spielte
economic voting in den Wahlen in Südeuropa von 2011 bis 2014 eine Rolle und gibt
es dabei einen Unterschied zwischen Nationalwahlen und Europawahl?“
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Eurokrise
3. Economic voting
3.1 Entwicklung der Theorie des economic voting
3.2 Economic voting und der politische Kontext
3.3 Aktueller Forschungsstand
3.4 Economic voting in Zeiten der Globalisierung und die Rolle der EU
3.5 Economic voting in Südeuropa
3.6 Hypothesen
4. Operationalisierung und verwendete Datensätze
4.1 Abhängige Variablen
4.2 Unabhängige Variablen und Kontrollvariablen
4.3 Verwendete Datensätze
5. Analyse
5.1 Portugal
5.1.1 Portugiesische Parlamentswahl 2011
5.1.2 Europawahl 2014 in Portugal
5.2 Spanien
5.2.1 Spanische Parlamentswahl 2011
5.2.2 Europawahl 2014 in Spanien
5.3 Griechenland
5.3.1 Griechische Parlamentswahlen Mai und Juni 2012
5.3.2 Europawahl 2014 in Griechenland
5.4 Italien
5.4.1 Italienische Parlamentswahl 2013
5.4.2 Europawahl 2014 in Italien
5.5 Ergebnisse
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwiefern die Theorie des "economic voting" bei Wahlen in den südeuropäischen Ländern (Portugal, Spanien, Griechenland und Italien) im Zeitraum von 2011 bis 2014 eine Rolle spielte, und analysiert dabei mögliche Unterschiede in der Ausprägung zwischen nationalen Parlamentswahlen und der Europawahl 2014.
- Theoretische Grundlagen und Entwicklung des "economic voting"
- Einfluss der Eurokrise und globaler wirtschaftlicher Faktoren auf das Wahlverhalten
- Vergleichende Analyse der Parlamentswahlen in Südeuropa
- Untersuchung der Europawahl 2014 unter Berücksichtigung supranationaler Faktoren
- Rolle von politischem Kontext und Parteiidentifikation bei der wirtschaftlichen Bewertung durch Wähler
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
„It’s the economy, stupid!“ lautete der bekannteste Wahlkampf-Slogan Bill Clintons im Jahr 1992, in welchem er schließlich auch die US-Präsidentschaftswahl gewann (Die Presse 06.11.2012). Doch nicht erst seit dieser Kampagne gilt die wirtschaftliche Lage als einer der entscheidenden Faktoren in einem Wahlkampf. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten sind Wahlen demnach für den jeweiligen Amtsinhaber deutlich schwieriger zu gewinnen als in prosperierenden Phasen (Ebd.). Genau mit dieser These beschäftigt sich die Theorie des „economic voting“. Auf der Grundlage der Ökonometrie werden Ökonomie und Politikwissenschaft miteinander verknüpft, um zu versuchen, Wahlergebnisse mit wirtschaftlichen Indikatoren zu erklären (Lewis-Beck/Paldam 2000: 113). Die zentrale Annahme ist hierbei die sogenannte Reward/Punishment-Hypothese, die besagt, dass die Amtsinhaber in wirtschaftlich guten Zeiten bei Wahlen Stimmen hinzu gewinnen und umgekehrt in wirtschaftlich schlechten Zeiten von den Wählern abgestraft werden.
Als eine solche wirtschaftliche Krisenzeit stellt sich die Eurokrise, auch Eurozonenkrise genannt, dar. Infolge der Weltfinanzkrise fielen nahezu alle Staaten der europäischen Union 2009 in eine tiefe wirtschaftliche Rezession. Gleichzeitig mussten viele Banken teilweise oder ganz verstaatlicht werden, um diese zu erhalten. Besonders hart betroffen waren die südeuropäischen Länder Portugal, Spanien, Griechenland und Italien. Denn die Auswirkungen der Krise führten in diesen Ländern ebenfalls zu einer Staatsschuldenkrise. Um eine drohende Zahlungsunfähigkeit dieser Staaten zu verhindern, wurden finanzielle Hilfen der EU und des Internationalen Währungsfonds in Anspruch genommen. Diese waren jedoch an strenge Sparmaßnahmen geknüpft, welche für großen Unmut in der Bevölkerung der betroffenen Ländern sorgte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Theorie des "economic voting" ein, stellt den Kontext der Eurokrise dar und definiert die Forschungsfrage bezüglich der Rolle wirtschaftlicher Faktoren bei Wahlen in Südeuropa.
2. Die Eurokrise: Dieses Kapitel erläutert die Ursprünge der Eurozonenkrise ausgehend von der Weltfinanzkrise 2008 und beleuchtet die wirtschaftliche Asymmetrie sowie die notwendigen Rettungsmaßnahmen in den betroffenen südeuropäischen Staaten.
3. Economic voting: Hier werden die theoretischen Grundlagen, die Entwicklung der "Reward/Punishment"-Hypothese und der Einfluss von Kontextfaktoren sowie der Globalisierung auf das Wahlverhalten systematisch aufgearbeitet.
4. Operationalisierung und verwendete Datensätze: In diesem Teil werden die methodischen Entscheidungen für die Analyse, die Definition der abhängigen und unabhängigen Variablen sowie die verwendeten nationalen und europäischen Nachwahlbefragungen dargelegt.
5. Analyse: Dieses Kernkapitel präsentiert die empirische Untersuchung der Parlamentswahlen und Europawahlen in Portugal, Spanien, Griechenland und Italien, ergänzt um die jeweiligen Wahlergebnisse und die statistischen Modelle.
6. Fazit: Das Fazit fasst die empirischen Ergebnisse zusammen, bewertet die aufgestellten Hypothesen und gibt einen Ausblick auf die Notwendigkeit einer einheitlicheren Operationalisierung in der künftigen Forschung.
Schlüsselwörter
Economic voting, Eurokrise, Südeuropa, Wahlverhalten, Parlamentswahl, Europawahl, Reward/Punishment-Hypothese, Parteiidentifikation, wirtschaftliche Indikatoren, politische Verantwortung, Globalisierung, Wahlanalyse, empirische Untersuchung, Regressionsanalyse, EU-Institutionen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Relevanz der "economic voting"-Theorie, welche besagt, dass Wähler Regierungen basierend auf deren wirtschaftlicher Performance belohnen oder bestrafen, während der Eurokrise in südeuropäischen Staaten.
Welche Länder stehen dabei besonders im Fokus?
Die Analyse konzentriert sich auf die vier südeuropäischen Staaten Portugal, Spanien, Griechenland und Italien, die besonders stark von der Eurokrise und den damit verbundenen Sparmaßnahmen betroffen waren.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Die Arbeit geht der Frage nach, ob ökonomische Faktoren bei Wahlen in Südeuropa zwischen 2011 und 2014 eine Rolle spielten und ob sich dabei Unterschiede in der Bedeutung des "economic voting" zwischen nationalen Parlamentswahlen und der Europawahl 2014 zeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Untersuchung verwendet?
Der Autor nutzt die binär-logistische Regression sowie die Analyse von durchschnittlichen Marginaleffekten (AMEs), um den Einfluss wirtschaftlicher Einschätzungen der Wähler auf deren Wahlentscheidung statistisch zu prüfen.
Was sind die thematischen Schwerpunkte des Hauptteils?
Der Hauptteil befasst sich mit der theoretischen Einordnung des Wahlverhaltens, der Operationalisierung der Variablen, der detaillierten länderbezogenen Analyse der nationalen Wahlen sowie der vergleichenden Untersuchung der Europawahl 2014.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen zählen "economic voting", Eurokrise, Parteiidentifikation, Wahlverhalten, politische Konditionierung und wirtschaftliche Performanz.
Warum spielt die Parteiidentifikation in den Modellen eine so zentrale Rolle?
Die Ergebnisse zeigen, dass die politische "Heimat" der Wähler oft einen stärkeren und signifikanteren Einfluss auf deren wirtschaftliche Wahrnehmungen und das Wahlverhalten hat als die tatsächliche wirtschaftliche Lage, was das "economic voting" in vielen Modellen überlagert.
Welches Fazit zieht der Autor zur Relevanz von "economic voting" bei Europawahlen?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die Bedeutung für die Europawahl eher gering ist und sich wirtschaftliche Unzufriedenheit eher in Einstellungen zur EU (wie Vertrauen oder Zufriedenheit) niederschlägt als in einem direkten klassischen "Abstrafen" von Regierungen, da der institutionelle Rahmen der EU komplexer ist.
- Quote paper
- Florian Ruppert (Author), 2019, Economic voting im Rahmen der Eurokrise, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/916733