Schwarze Pädagogik. Absichten der Erzieher und Auswirkungen auf ihre Zöglinge


Hausarbeit, 2019

14 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Was ist schwarze Pädagogik?

3 Geschichtliche Entwicklung der Schwarzen Pädagogik

4 Schwarze Pädagogik in Medien
4.1 Das weiße Band
4.2 Der Daumenlutscher

5 Schwarze Pädagogik im Unterricht

6 Absichten der und Folgen für „Betroffene“
6.1 Absichten der Erzieher
6.2 Bedeutung für Zöglinge

7 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Bekannt aus der Schule - die Strafe mit dem Schlagstock. Lange Zeit bewies sich diese Me­thode als erfolgreiche Strafe für ungehorsames Verhalten. Auch in der häuslichen Erziehung wurde Gewalt angewendet, um sich als autoritär zu beweisen. Deswegen beschäftigt sich diese Arbeit mit der Frage: „Was sind die Absichten der Erzieher und welche Auswirkungen haben diese Erziehungsmethoden auf die Entwicklung der Kinder?“. Dazu wird erst einmal der Be­griff der Schwarzen Pädagogik geklärt und der geschichtliche Hintergrund. Im Mittleren Teil werden dann noch zwei Medien vorgestellt, in denen dieser Erziehungsstil präsent ist, sowie der Schwarzen Pädagogik. Im letzten und hauptsächlichen Teil werden dann die Absichten und Folgen seitens der Erzieher und der Zöglinge geklärt.

2 Was ist schwarze Pädagogik?

Der Begriff der Schwarzen Pädagogik wurde von Katharina Rutschky in ihrem gleichnamigen Buch ins Leben gerufen, in dem sie Schriften von ,Beteiligten‘ dieser Erziehungspraktiken dar­stellt. Bei der Schwarzen Pädagogik geht es um einen Erziehungsstil, der die absolute Gehor­samkeit und Unterwerfung der Kinder fordert. „Drill zum Gehorsam ist das zentrale Motiv die­ser Erziehung“ (JOHANNSON 2014 , S.116). Des Weiteren hat die Erziehung hier eine „herr- schaftsstabiliserende Funktion“ (ebd.). Außerdem sei sie die „praktische Konsequenz des ge­sellschaftlichen Rahmens und den objektiven Lebensbedingungen der Menschen“ (ebd. S. 115). Zu den Erziehungsmethoden gehören unter anderem Lügen, Listanwendung, Verschleierung, Manipulation, Ängstigung, Liebesentzug, Isolierung, Misstrauen, Demütigung, Beschämung und Gewalt (vgl. ebd. S. 122). „Diese erzieherische Prämisse zeugt aber nicht etwas von be­sonderer Bosheit oder Niedertracht; mit ihr begründen sich vielmehr bestimmte weltanschauli­che und religiöse Vorstellungen davon, wie eine Gesellschaft sein sollte und welche Rollen, Funktionen und Fähigkeiten ihre einzelnen Mitglieder innerhalb dieser zugewiesen oder zuge­standen werden“ (ebd. S.18). Die Erziehung wird also als notwendige Vorbereitung auf das Leben gesehen, um den Normen der Gesellschaft zu entsprechen. Die Erziehungsmethoden und -ziele fungieren als Konsequenz für die Erwartungen an das Verhalten der Kinder. Man war der Ansicht, dass man mit körperlicher Züchtigung den größten Effekt bezüglich des Gehorsams der Kinder bewirke und das höchste Maß an Autorität ausstrahlen könne.

3 Geschichtliche Entwicklung der Schwarzen Pädagogik

Bis in die 1960er Jahre war die Erziehung im deutschen Sprachraum geprägt von Gehorsam und Unterordnung (vgl. RITTER 2010, S. 314). Kontroll- und Bestrafungspraktiken, Gewalt und Demütigung waren an der Tagesordnung, um gewünschte Verhaltensweisen zu erzeugen und unerwünschte Verhaltensweisen abzulegen. Als Zentrum davon wird die Aufklärungspädago­gik gesehen. Rechtfertigungen von Rationalisierungen und Schmerz gelten als Phänomen des 18. und 19. Jahrhunderts (vgl. JOHANNSON 2014, S.118). Der Mensch könne sich nur durch seine Vernunft von einem Tier abgrenzen und um diese Vernunft zu erlangen, bedürfe es Bil­dung. Um einen Menschen bilden zu können, muss man ihn wiederrum erziehen und diszipli­nieren. Dies zeigt auch die folgende Aussage von Immanuel Kant: „Der Mensch kann nur wer­den durch Erziehung. Er ist nichts, als was Erziehung aus ihm macht.“ (SCHULTZ-GERSTEIN 1977, S.203). Im Laufe der Zeit wurde aber immer mehr Kritik aufgeworfen und kontroverse Diskussionen kamen auf, die Katharina Rutschky (1997, S.430f.) in ihren Schriften, die sie vom 18. bis 20. Jahrhundert gesammelt hat, darstellt:

„Über ihre Anwendung sind die Ansichten in Schule und Haus sehr verschieden. Auf der einen Seite verwirft man die Verwendung der Rute und des Stockes ganz, auf der andern hält man Prügel für alles gut, will man alles einbläuen, selbst Kenntnisse, auch, wenn der Junge noch so dumm ist. Am besten ist auch hier die goldene Mittelstraße. Wer wähnt, unsere Humanität, unser gebildetes Zeitalter, unsere hochentwickelten geistigen Anschau­ungen hätten sich zu einer Zartheit erhoben, die uns keinen Fall mehr erlaube, an das rohe Mittel des Schlagens auch nur zu denken, dem erwidern wir mit gutem pädagogischen Ge­wissen, dass seine ganze Humanität und seine ganze zarte Bildung nichts ist als eitel Schwäche, dass seine Liebe nicht kraftvoll und rein ist, weil sie weder die Folgen, der in Liebe züchtigenden Erziehungskraft noch die Folgender jede Züchtigung meidenden Schwäche kennt. Es ist eine ganz falsche Empfindsamkeit, welche mit einem Schlag im Kinde die Würde des Menschen zu verletzen meint und den selbstbewussten erwachsenen Menschen mit einem kindisch-kindlichen verwechselt. Wer aber wähnt, Prügel seien ein Universalmittel für alle Fälle, dem ist zu entgegnen, dass die Haut von Prügel nicht zarter und empfindlicher, sondern dicker und unempfindlicher wird., dass zu viel Prügel das Ehr­gefühl abstumpfen und das Gemüt verschüchtern. Mit weiser Beschränkung soll man des­halb körperliche Züchtigung anwenden. [...] Dass aber für diese geistigen und sittlichen Einflüsse das Herz empfänglich werde, dafür sollen Prügel vorbereitend dienen; sie sollen die Tore des Herzens sprengen oder wie die Hacke den Boden lockern, damit die geistige Saat mit Erfolg ausgestreut werden kann. Wie man Saat aber am besten ausstreut in den ersten Frühlingstagen, so soll man auch in den ersten Lebensjahren die Rute nicht sparen. Je mehr man hier zur rechten Zeit an Prügel austeilt, je weniger braucht man später dieses Mittel“

Die Erziehung verlagert sich auf Ausspionieren, Kontrollieren und öffentliches Anprangern (vgl. JOHANNSON 2014, S,107). Körperliche Züchtigungen aber nehmen ab „zugunsten kontrol­lierender, manipulierender, angst- und schulgefühlerzeugender Eingriffe in das Inneleben der Kinder“ (ebd). Körperliche Gewalt nimmt zwar von Generation zu Generation immer mehr ab, bleibt aber dennoch eine der wichtigsten erzieherischen Strafen (vgl. BUSSMANN & HORN 1995 S. 30).

Seit 1977 sind körperliche Gewalt und Strafen an Schulen verboten (vgl. ebd. S.33), allerdings gewährt das Züchtigungsrecht den Eltern aber einen relativ großen Spielraum (vgl. ebd.). Heute wird Gewalt eher in unteren Bildungsschichten festgestellt (vgl. ebd. S.32), wobei man dies nicht unbedingt auf die Bildungsschicht zurückführen kann. Auch in gebildeten Familien, bei­spielsweise in manchen sehr religiösen Familien, die sehr viel Leistung und nur bestes Beneh­men von ihren Kindern erwarten, wird Gewalt zur Züchtigung angewendet. 60% der Eltern in Deutschland würden durchaus Ohrfeigen noch als Strafe anwenden und bei einer Befragung gaben 20% der Jugendlichen an, jemand in seinem/ihrem Freundeskreis zu haben, der häufiger geschlagen wird (vgl. ebd. S. 31). Generell ist in der Erziehung aber der totalitäre Charakter geblieben, wenn beispielsweise Kinder in der Wiege überwacht werden (vgl. SCHULTZ-GER­STEIN 1977, S. 204). Katharina Rutschky (S. 17ff.) liefert auch hierzu einen Beitrag, in dem Sie in der Eileitung ihres Buches die Behauptung aufstellt, dass die heutige Erziehung erst den „destruktiven Charakter“ (vgl. SCHULTZ-GERSTEIN 1977, S.204). traditioneller Erziehung ganz offenbare. Ein Beispiel hierfür wäre die antiautoritäre Erziehung, bei der Kinder wie Automaten behandelt würden und das „spezifische Eigenleben der Kinder“ (ebd.) leugne.

4 Schwarze Pädagogik in Medien

Bereits die Bibel verweist schon auf die Erziehungspraktik der Schwarzen Pädagogik, wie man zum Beispiel in einigen Versen im Alten Testament nachlesen kann. Des Weiteren taucht diese Thematik in verschiedenen Filmen, Büchern und sogar Kindererzählungen auf. Zwei davon werden in den folgenden Kapiteln näher erläutert.

4.1 Das weiße Band

Der Film „Das weiße Band“ spielt kurz vor dem Ausbruch des ersten Weltkrieges in Eichwald, einem fiktiven protestantischen Dorf. Die Bewohner erfahren tagtäglich Strafen und Demüti­gungen. Der Film zeigt dem Publikum „Demütigung und Missbrauch von Frauen und Kindern“ hinter den „frommen Fassaden von Schule, Kirche und Wohnhäusern“ (JOHANNSON 2014, S.17) „Besonders die Kinder erfahren und verinnerlichen durch eine religiös begründete, re­pressive Erziehung (...) die offensichtlichen und subtilen autoritären Strukturen im Dorf‘ (ebd. S.18). Außerdem werden das elterliche Haus, die Schule und die Kirche als Ort der Angst dar­gestellt. Die Anwendung der Gewalt wird hier religiös begründet. Schon in der Bibel steht geschrieben: „Wer seinen Sohn liebt, der züchtigt ihn bald“ (Bibel Altes Testament, Spr 13,14). Um die Kinder also zur religiösen Hörigkeit zu erziehen und ihnen gewünschte Verhaltenswei­sen anzugewöhnen, wird Gewalt angewendet.

Des Weiteren verweist der Film am Ende im Unterton auf „jene pädagogischen und sozialpsy­chologischen Erklärungsansätze, die teilweise vor, insbesondere aber nach der Vernichtung der europäischen Juden Antworten auf die Fragen von kollektiven Gewaltakten und Genoziden su­chen“ (JOHANNSON 2014, S.14). Auch Alice Miller thematisiert in ihrem Buch „Am Anfang war Erziehung“(2005) den Zusammenhang von Hitlers und Himmlers Taten und ihrer Erzie­hung. Zu dieser Annahme gibt es auch plausible Erklärungsansätze, aber bis heute fehlt noch eine überzeugende Erklärung für die Bedingungen dieser kollektiven Gewaltakten (vgl. ebd. S.25).

4.2 Der Daumenlutscher

Die Kindergeschichten von Heinrich Hoffmann (1875) wie der Suppenkasper, der Zappelphi­lipp und viele weitere, sind bekannt dafür, Verhaltensprobleme zu thematisieren. So verweist die Geschichte des Daumenlutschers durchaus auch auf die Züge der Schwarzen Pädagogik:

"Konrad", sprach die Frau Mama, "ich geh aus und du bleibst da. Sei hübsch ordentlich und fromm, bis nach Haus ich wieder komm. Und vor allem, Konrad, hör! lutsche nicht am Daumen mehr! denn der Schneider mit der Scher kommt sonst ganz geschwind daher, und die Daumen schneidet er ab, als ob Papier es wär." Fort geht die Mutter und wupp! den Daumen in den Mund. Bauz! da geht die Türe auf, und herein in schnellem Lauf springt der Schneider in die Stub zu dem Daumen-Lutscher Bub. Weh! jetzt geht es klipp und klapp mit der Scher die Daumen ab, mit der großen, scharfen Scher! Hei! da schreit der Konrad sehr. Als die Mutter kommt nach Haus, sieht Konrad traurig aus. Ohne Daumen steht er dort, die sind alle beide fort.

Um dem Zögling die ungewollte Verhaltensweise des Daumenlutschens abzugewöhnen, wird zu einer drastischen Maßnahme, nämlich dem Abschneiden des Daumens gegriffen. Hier wird also, wie typisch für die Schwarze Pädagogik, physische Gewalt angewendet, um das ge­wünschte Verhalten hervorzurufen.

Diese Geschichten werden Kindern heute noch vorgelesen. Da viele Kinder, wenn sie noch kleiner sind, am Daumen lutschen, kann diese kurze Erzählung als pädagogischer Zweck ge­deutet werden. Denn damit könnte man die Kinder vom Daumenlutschen abhalten, wenn sie glauben, dass ihnen dasselbe geschehen könnte, wie Konrad.

5 Schwarze Pädagogik im Unterricht

In der Schule geht „Zucht vor Unterricht“ (RUTSCHKY 1997, S. 378). Jeder Unterricht beginnt mit einer Willensäußerung von Seiten der Lehrkraft oder von Seiten der Schüler/innen (vgl. ebd. S.379). Dies erfolgt wenn die Lehrperson einen Arbeitsauftrag austeilt oder auch wenn Schülerinnen oder Schüler eine Frage stellen, denn damit fordern sie implizit eine Antwort. Jeder einzelne Teil des Unterrichts setzt dann eine erneute Willensäußerung voraus (vgl. ebd.). Kinder müssen aber zuerst richtig erzogen werden, bevor sie unterrichtet werden können. „Ler­nen an und für sich ist aber noch keine Zucht, ist noch nicht sittliches Streben, sondern zum Lernen gehört Zucht (ebd.). Worauf es ankommt, ist das Ziel des Lernens:

„Lernt ein Mensch, um zur Erkenntnis der Wahrheit zu gelangen, so lernt er in der Absicht, diejenige Stufe des Geisteslebens zu erreichen, auf welcher sittliche und intellektuelle Voll­kommenheit zusammentrifft. Bewusst oder unbewusst strebt er nach der absoluten Wahr­heit, und dies ist sittliches Streben. Lernt man aber, um eine Summe von Kenntnissen für materielle Zwecke, Fortkommen in der Welt, reichlieben Verdienst, erhöhten Lebensge­nuss sich anzueignen, so kann dem Lernen eine sittliche Bedeutung nur in ganz unterge­ordnetem Sinn zugeschrieben werden. In dem Grad, in welchem das Lehr- und Lernge­schäft jenen materiellen Gesichtspunkt mehr hervorkehrt, nimmt die Kraft der Zucht bei derselben ab; jeder Steigerung der Lerntätigkeit entspricht dann ein Sinken der Sittlichkeit, und das Ende ist, dass man mit all dem Aufwand von Methodik und Fleiß, (...) nur raffi­nierte Teufel erzieht, mindestens aber der vollendeten Barbarei auch auf dem intellektuel­len Gebiet in die Hände arbeitet“ (ebd.).

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Schwarze Pädagogik. Absichten der Erzieher und Auswirkungen auf ihre Zöglinge
Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
1,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
14
Katalognummer
V916778
ISBN (eBook)
9783346233714
ISBN (Buch)
9783346233721
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schwarze Pädagogik
Arbeit zitieren
Jana Wagner (Autor), 2019, Schwarze Pädagogik. Absichten der Erzieher und Auswirkungen auf ihre Zöglinge, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/916778

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