„Wenn mich jemand nach meiner Nationalität fragt, kann ich diese Frage nicht beantworten. Ich bin in Kasachstan geboren und habe dort gelebt. Ich habe dort viel gelernt. Meine Oma ist Deutsche, deswegen habe ich auch vieles von ihr gelernt. Jetzt lebe ich hier in Deutschland. Die Nationalität erhält man nicht, weil man es geerbt hat oder man in einem Land geboren ist. Ich denke, die Nationalität ist etwas, was man durch das Leben in einem Land erhält.“
Der Entwicklungsprozess im Jugendalter ist eine wichtige Voraussetzung für das Erwachsenenalter. In dieser Phase sind viele Jugendliche auf der Suche nach ihrer eigenen Identität.
In dieser Arbeit wird der Frage nachgegangen, mit welchen Problemen sich jugendliche Spätaussiedler auseinandersetzen müssen und welche funktionale Rolle die Gruppe der Gleichaltrigen einnimmt.
Um diese Frage zu beantworten, wird im 1. Kapitel zunächst der Identitätsbegriff definiert. Es wird zwischen einer personalen und sozialen Identität unterschieden. Anschließend wird die Entwicklung der Identität nach der Identitätstheorie des Psychoanalytikers Erik H. Erikson dargelegt und hierbei spezifischer auf die 5.Phase eingegangen, die Erikson der Jugendphase zuschreibt. Im weiteren Verlauf ist die Theorie der Identität von George Herbert Mead, die in seinem Werk „Geist, Identität und Gesellschaft“ entwickelt wurde, für diese Arbeit relevant. Mead hat auf viele bedeutende Punkte hingewiesen und einen großen Beitrag zur Diskussion um das Identitätskonzept geleistet.
Kapitel 2 beginnt mit einer Definition der Peergroup und beschreibt die Funktion der Peergroup für die Jugendlichen. Hierbei werden sowohl positive, als auch negative Auswirkungen der Peergroup auf die Gesellschaft dargestellt.
Im 3. Kapitel wird der Begriff „russlanddeutsch“ und Spätaussiedler erläutert, um die zum Teil synonymen Verwendungen der Begriffe, wie z.B. Ausländer, Vertriebene, Aussiedler differenzieren zu können. Des Weiteren setzt sich dieses Kapitel insbesondere mit der ethnischen Identität von Spätaussiedlern im Erwachsenen- und im Jugendalter auseinander und geht auf konkrete Problematiken ein, die mit der Einreise in ein Migrationsland gegeben sind. Im letzten Abschnitt dieses Kapitels wird auf die Situation der jugendlichen Spätaussiedler, kurz nach der Einreise eingegangen. Der Exkurs, ein Interview mit sechs jugendlichen Spätaussiedlern im Alter von 16-20 Jahren, verdeutlicht zum großen Teil die zuvor erläuterten Empfindungen nach der Einreise nach Deutschland.
Im 4. Kapitel wird der Zusammenhang von Identitätsbildung und –entwicklung für das Jugendalter und die Bedeutung der Peergroup für die Jugendlichen hergestellt, welcher im abschließenden Fazit noch weiter ausgebaut wird.
Inhaltsverzeichnis
„I am what I am“
1. Identität
1.1. Definition von Identität
1.2. Entwicklung von Identität
1.3. Identität im Jugendalter
1.4. Soziologische Perspektive der Identität (nach Mead)
2. Die Peergroup
2.1. Definition von Peergroup
2.2. Funktion der Peergroup
3. „Russlanddeutsche“
3.1. Definition von „russlanddeutsch“
3.2. Jugendliche Spätaussiedler
Exkurs:
3.3. Ethnische Identität von Spätaussiedlern
4. Die Bedeutung der Peergroup für die Identitätsentwicklung jugendlicher Spätaussiedler
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Herausforderungen bei der Identitätsbildung jugendlicher Spätaussiedler nach der Einreise nach Deutschland und analysiert dabei die funktionale Rolle, die Peergroups in diesem komplexen Prozess der sozialen und persönlichen Neuorientierung einnehmen.
- Identitätskonzepte nach Erikson und Mead
- Soziale und personale Identitätsentwicklung im Jugendalter
- Die Funktion der Peergroup als Pufferzone und Integrationsinstanz
- Ethnische Identität und die Problematik von Zuwanderungserfahrungen
- Analyse der Lebensrealität und Bewältigungsstrategien junger Spätaussiedler
Auszug aus dem Buch
1.4. Soziologische Perspektive der Identität (nach Mead)
Das menschliche Individuum besteht nach Mead aus drei Bestandteilen, die miteinander verknüpft sind:
- das „I“ („Ich“): Das „I“ steht für das Subjekt, welches spontan und kreativ auf unterschiedliche Situationen reagiert.
- das „Me“ („ICH“): Das „Me“ steht für das „soziale Selbst“, in dem sich eine Bezugsperson oder –gruppe in dem Individuum niederschlägt. Das „Me“ steht für soziale Konformität.
- das „Self“: Das „Self“ wird im Deutschen allgemein mit Identität bezeichnet.
Die Begriffe hängen stark miteinander zusammen. Nach Mead entsteht Identität in einem Prozess „der Verknüpfung des eigenen Organismus mit den anderen innerhalb der bestehenden Wechselwirkungen, insoweit sie in das Verhalten des Einzelnen, in den Dialog zwischen „Ich“ und „ICH“ hereingenommen werden.“ Die Identität ist ein gesellschaftliches Phänomen. Sie ist bei der Geburt nicht vorhanden und entwickelt sich im Laufe des Lebens bedingt durch Interaktion. Der Prozess, aus dem sich die Identität entwickelt, ist ein gesellschaftlicher Prozess, der die gegenseitige Beeinflussung der Mitglieder in der Gruppe verlangt. Dabei ist das Bestehen der Gruppe Voraussetzung. So entwickelt sich Identität, indem individuelle Haltungen den Haltungen einer Gesellschaft entsprechen. Deshalb kann sich Identität außerhalb einer Gesellschaft nicht entwickeln.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Identität: Dieses Kapitel definiert den Identitätsbegriff und erläutert die psychologischen sowie soziologischen Ansätze von Erikson und Mead, um die Grundlagen für die spätere Untersuchung zu schaffen.
2. Die Peergroup: Hier werden Definition und zentrale Funktionen der Peergroup für Jugendliche dargestellt, insbesondere ihr Beitrag zur Kompetenzentwicklung und Identitätsfindung.
3. „Russlanddeutsche“: Dieses Kapitel klärt die Begrifflichkeiten, beschreibt die besondere Lebenssituation jugendlicher Spätaussiedler nach der Migration und thematisiert die ethnische Identität.
4. Die Bedeutung der Peergroup für die Identitätsentwicklung jugendlicher Spätaussiedler: Das Kapitel verknüpft die Identitätstheorien mit der speziellen Situation der Spätaussiedler und zeigt auf, welche Rolle die Peergroup bei deren Integration spielt.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Bedeutung der Peergroups für den Aufbau einer stabilen Identität unter den Bedingungen der Migration zusammen und reflektiert sowohl unterstützende als auch potenzielle negative Effekte.
Schlüsselwörter
Identität, Spätaussiedler, Peergroup, Identitätsentwicklung, Migration, Jugendalter, Soziale Identität, Integration, Russlanddeutsche, Ethnische Identität, George Herbert Mead, Erik H. Erikson, Jugendphase, Akkulturation, Selbstkonzept
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert, wie jugendliche Spätaussiedler ihre Identität nach der Umsiedlung nach Deutschland entwickeln und welche Rolle dabei die Gruppe der Gleichaltrigen, die Peergroup, spielt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die soziologische und psychologische Identitätstheorie, die Bedeutung von Peergroups im Jugendalter sowie die spezifische Integrationsproblematik von Spätaussiedlern.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Herausforderungen bei der Identitätsbildung unter Migrationsbedingungen zu beleuchten und aufzuzeigen, wie Peergroups zur Bewältigung dieser Schwierigkeiten beitragen.
Welche wissenschaftlichen Perspektiven werden genutzt?
Die Arbeit stützt sich primär auf die handlungstheoretische Identitätstheorie nach Erik H. Erikson und den sozialbehavioristischen Ansatz von George Herbert Mead.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zu Identität und Peergroup, eine Klärung der Begriffe „russlanddeutsch“ und „Spätaussiedler“ sowie eine Analyse der Bedeutung der Peergroup für eben diese Zielgruppe.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Identitätsbildung, Migration, Spätaussiedler, Peergroup, ethnische Identität und Integrationsprozesse.
Was zeigen die Ergebnisse des Exkurses mit den Interviews?
Die Interviews verdeutlichen die Schwierigkeiten beim Einleben in Deutschland, wie Sprachbarrieren, Diskriminierung und das Suchen nach dem eigenen Platz zwischen der Herkunfts- und der neuen Kultur.
Warum spielt die Abgrenzung laut der Autorin für Spätaussiedler eine Rolle?
Die bewusste Abgrenzung in eigenen Jugendkulturen dient als Schutzraum, um die eigene Identität ohne den direkten Druck der Aufnahmegesellschaft entwickeln zu können.
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- Eva Koch (Author), 2008, "I am what I am" - Die Bedeutung der Peergroup für die Identitätsentwicklung am Beispiel von jugendlichen Spätaussiedlern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/91697