Verfassen eines offenen Briefs zu Verbraucherschutzmaßnahmen im Zusammenhang mit Fehlernährung


Hausarbeit, 2019

42 Seiten, Note: 1.0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Bedingungsanalyse
1.1 Institutionelle Bedingungen
1.2 Anthropologische Bedingungen

2. Sachanalyse
2.1 Der offene Brief
2.2 Verbraucherschutzmaßnahmen

3. Didaktische Analyse
3.1 Legitimation des Themas auf Grundlage der Lehrpläne
3.2 Didaktische Analyse: Bedeutsamkeit des Themas für die Schülerinnen und Schüler
3.3 Exemplarität
3.4 Einbettung der Stunden in die Unterrichtseinheit

4. Methodische Überlegungen
4.1 Einstiegmöglichkeiten
4.2 Erarbeitungsphasen
4.3 Sicherungsphase
4.4 Schluss

5. Ziele der Unterrichtsstunden

6. Reflexion

7. Verlaufsplan

Literaturverzeichnis

Anhang

Abkürzungsverzeichnis

EA Einzelarbeit

GA Gruppenarbeit

LV Lehrervortrag

PA Partnerarbeit

SuS Schülerinnen und Schüler

UG Unterrichtsgespräch

1. Bedingungsanalyse

1.1 Institutionelle Bedingungen

Die von mir geplante Doppelstunde wird an der Realschule X im rheinland-pfälzischen Maikammer abgehalten. Bei der Klasse handelt es sich um eine 10. Realschulklasse, in der alle SuS den Abschluss der mittleren Reife anstreben. Die Klasse besteht aus insgesamt 20 SuS, die sich in jeweils 10 Jungen und 10 Mädchen aufteilen lassen. Unter den 20 SuS befinden sich sieben SuS mit Migrationshintergrund. Alle SuS mit Migrationshintergrund sind in Deutschland zur Welt gekommen oder dort aufgewachsen, so dass es keine Sprachbarrieren gibt und alle SuS fließend Deutsch sprechen und schreiben. Die SuS sind in einem Alter zwischen 15 und 16 Jahren. Einzige Ausnahme ist eine Schülerin, die zuvor eine Klasse wiederholt hat und daher ein Jahr älter als der Rest ist. Der Unterricht in der Klasse findet in einem großen Klassenraum im 1.OG des Hauptgebäudes der Schule statt. Bei diesem Raum handelt es sich um den festen Klassensaal dieser Klasse. Wie in jedem Raum dieser Schule besitzt auch dieser Klassenraum einen Beamer mit Lautsprechern und dazugehöriger Leinwand. Im Falle eines Funktionsausfalls steht in dem Klassenraum zusätzlich ein Overhead-Projektor bereit. Als Tafel dient ein Whiteboard, auf welches mit den dazugehörigen Stiften Notizen und Tafelanschriebe verfasst werden können. Dieses Whiteboard bietet zusätzlich die Möglichkeit, Materialien mit Magneten an das Board zu heften. Die SuS sitzen paarweise in dem Klassenraum an den Tischen in drei Reihen hintereinander. Eine Reihe besteht aus vier Tischen, an denen pro Tisch immer ein Junge und ein Mädchen nebeneinandersitzen. An der Realschule X dauert eine Schulstunde 45 Minuten. Bei der geplanten Einheit handelt es sich um eine Doppelstunde. Die Stunden werden an einem Mittwochmorgen in zwei Einheiten von 8:00 Uhr bis 9:30 Uhr durchgeführt.

1.2 Anthropologische Bedingungen

Bei der 10. Klasse, in der die Unterrichtseinheit durchgeführt wird, handelt es sich um eine heterogene Gruppe. Es gibt einige SuS, die sich in ihren Leistungen deutlich vom Durchschnitt der Klasse abheben und durch bessere Leistungen auffallen. Die Klasse besteht zum Großteil aus SuS mit durchschnittlichem und der Jahrgangsstufe angemessenem Leistungsniveau. Allerdings gibt es in der Klasse auch ein paar wenige SuS, die deutlich unter dem Leistungsdurchschnitt in ihrer Klasse liegen. Der Großteil dieser SuS muss daher zusätzliche Fördermaßnahmen in Anspruch nehmen. Im Hinblick auf den Unterrichtsgegenstand der Doppelstunde, das Verfassen eines offenen Briefes, können die SuS bereits auf Erfahrungen aus vorherigen Klassenstufen zum Verfassen eines Briefes vorweisen. Die SuS kennen den Aufbau eines sachlichen Briefes und kennen dessen Merkmale. Da ein Teil der SuS das Wahlpflichtfach Hauswirtschaft gewählt haben, besitzen diese zudem ein Maß an Vorwissen zu den Unterthemen des offenen Briefes zur Zuckersteuer und der Lebensmittelampel. Untereinander weisen die SuS der 10. Klasse einen hohen Klassenzusammenhalt auf und pflegen ein freundschaftliches Verhältnis. Aus diesem Grund stellen Sozialformen wie Gruppenarbeit (GA) und Partnerarbeiten (PA) kein größeres Problem dar und laufen daher in Arbeitsphasen zumeist reibungslos ab. Während Gruppenarbeitsphasen arbeiten die SuS stets zusammen und helfen sich gegenseitig. Allgemein ist festzustellen, dass die Klasse sehr lernfreudig ist und sich für neue Themen in der Regel schnell begeistern lässt. Bisher sind noch keinerlei größere Konflikte zwischen SuS untereinander oder mit Lehrkräften während des laufenden Schuljahres zu beobachtet gewesen. Wie zuvor bereits erwähnt wurde, weisen einige SuS einen Migrationshintergrund auf. Die kulturellen Unterschiede führen in dieser Klasse allerdings zu keinerlei Streitigkeiten. All dies führt dazu, dass sich der Unterricht in dieser Klasse sehr gut durchführen lässt.

2. Sachanalyse

In der geplanten Doppelstunde wird das zentrale Thema offener Brief behandelt. Im Rahmen des fächerübergreifenden integrativen Deutschunterrichts sind zudem auch Verbraucherschutzmaßnahmen wie die Lebensmittelampel und die Zuckersteuer in diesen Stunden von zentraler Bedeutung und werden nachfolgend fachwissenschaftlich erläutert.

2.1 Der offene Brief

Der Begriff des offenen Briefes lässt sich immer noch sehr schwer definieren. Es herrscht noch immer keine Einigkeit darüber, wie sich der offene Brief sprachwissenschaftlich exakt definieren lässt. Viele Jahrhunderte bezeichnete man mit dem offenen Brief einen Befehl oder ein Mandat. Erst seit dem 19. Jahrhundert bezeichnet der offene Brief das uns heute geläufige Schriftstück. Der Begriff offen bezieht sich dabei auf den Umstand, dass der Inhalt des Briefes nicht verschlossen ist und damit nicht nur vom Empfänger eingesehen und gelesen werden kann, sondern auch der Öffentlichkeit zugänglich ist. Der Begriff Brief hingegen ist klarer zu definieren und bezeichnet eine Mitteilung, die von einem Sender an einen Empfänger gerichtet ist (Essig 2000: 13f.).

Der offene Brief zählt zur Sachtextsorte der appellativen Texte (vgl. Klett-Verlag: 5.). Ebenso wie die mit dem offenen Brief verwandte Textsorte Leserbrief, handelt es sich bei dem offenen Brief um eine Form des Briefes an die Öffentlichkeit, der sich zumeist an einen unbegrenzten Leserkreis richtet (vgl. Bambach-Horst 2010: 192.). Der offene Brief ist eine öffentliche Aufforderung in schriftlicher Form, die in Zeitungen, Flugblättern oder als Anschläge veröffentlicht werden. Diese Aufforderung kann in handschriftlicher oder gedruckter Form auftreten. Ein wesentliches Merkmal eines offenen Briefes ist, dass dieser eine doppelte Adressierung aufweist (vgl. Essig 2000: 15f.). Er ist an einen expliziten Empfänger gerichtet, etwas Bestimmtes zu tun oder dazu Stellung zu beziehen. In der Regel handelt es sich bei den Empfängern um Personen, die in der Öffentlichkeit stehen und von öffentlicher Wichtigkeit sind (vgl. Arthur: 122.). Als zweiter Adressat wird die Öffentlichkeit angesehen, an die sich der Verfasser des Briefes implizit wendet. Durch die Veröffentlichung des Briefes in der Öffentlichkeit erhofft sich der Verfasser, größeren Druck auf die adressierten Personen ausüben zu können (vgl. Veritas-Verlag Linz: 4.). Die in den offenen Briefen behandelten Themen und Sachverhalte sind stets aktuell und von öffentlicher Relevanz (vgl. Arthur: 122.).

Ein offener Brief beinhaltet immer drei grundlegende Bestandteile: er bezieht sich auf ein Thema, einen Sachverhalt oder ein Ereignis. Der offene Brief vertritt zudem die klare Darlegung der Position des Verfassers. Er ist die subjektive Meinung eines Verfassers (vgl. Neuwirth.). Die Meinung des Verfassers wird dabei durch Thesen, Argumente und dazugehörige Beispiele gestützt. Somit soll der Leser von der Meinung des Verfassers überzeugt werden. Der dritte wesentliche Bestandteil des offenen Briefs ist die Funktion und Intention des offenen Briefes (vgl. Arthur: 122.). Ein offener Brief kann über Sachverhalte informieren, dazu dienen, sich zu einer Sache zu bekennen oder die Funktion eines Appells übernehmen, der die adressierten Personen zum Handeln auffordert (vgl. Essig 2000: 19f.). Der offene Brief ist keine Pro- und Kontra-Diskussion, in der mehrere Seiten ausführlich erörtert werden. Der Verfasser verwendet dabei nur Argumente, die den eigenen Standpunkt unterstützen. Die vom Verfasser gewählten Argumente besitzen einen inhaltlichen roten Faden und dienen dazu, einzelne Textabschnitte miteinander zu verbinden und zu verknüpfen (vgl. Veritas-Verlag Linz: 5.).

Die Absicht des offenen Briefs ist es, ein sichtbares Zeichen für die Öffentlichkeit zu setzen, da mit ihm bestimmte öffentliche Interessen vertreten werden. Der Verfasser erhofft sich, dass auf den Appell des offenen Briefs reagiert wird und eine Handlung oder Stellungnahme seitens des Empfängers erfolgt (vgl. Bambach-Horst 2010: 195.).

Der offene Brief ist leserorientiert und wird direkt an eine bestimmte Person adressiert (vgl. Veritas-Verlag Linz: 5.). Ein wesentliches Merkmal der Sprache eines offenen Briefs ist der kurze und prägnante Schreibstil. Dabei formuliert der Verfasser seine Argumente stets höflich, aber bestimmend. Der Verfasser hält sich dabei stets an die Standardsprache und verzichtet auf Beleidigungen, Beschimpfungen oder jegliche Form von Diskriminierung. Der offene Brief ist sprachlich lebendig formuliert und soll bei den Lesern Emotionen wecken. Vom Verfasser wird daher eine bestimmte Schreibhaltung eingenommen, die sich etwa durch eine ironische oder wütende Wortwahl äußert. Um diese Schreibhaltung zu verstärken, bedient sich der Verfasser verschiedener rhetorischer Stilmittel wie etwa Metaphern, Vergleichen oder rhetorischer Fragen, um den Sachverhalt zu verdeutlichen und seine subjektive Meinung zum Ausdruck zu bringen. Offene Briefe werden in der Zeitform des Präsens verfasst (vgl. Arthur: 123.). In einigen Ausnahmen ist es auch möglich, die Zeitform des Perfekts zu verwenden. Dies ist der Fall, wenn der Verfasser beabsichtigt, über einen gerade abgeschlossenen oder beendeten Sachverhalt zu schreiben (vgl. Veritas-Verlag Linz: 5.).

Der Aufbau eines offenen Briefes ähnelt dem formal gegliederten Aufbau eines Leserbriefes und folgt generell dem Aufbau eines sachlichen Briefes in seiner äußeren Form (vgl. Essig 2000: 15.). Zu Beginn des Briefes steht der Titel des Briefes, den der Verfasser selbstständig formulieren kann. Neben dem Titel werden vom Verfasser der Ort, an dem der Brief verfasst wurde und das tagesaktuelle Datum des Briefes genannt. Darauf folgt die Anrede. In dieser wird der Empfänger genannt, an den der Brief adressiert ist. Wie bei einer formalen Anrede üblich, wird hier eine höfliche Anrede verwendet, gefolgt von dem Namen oder der Funktionsbezeichnung des Empfängers. Anschließend erläutert der Verfasser kurz den Anlass für den Brief. Ziel dieses Abschnitts vor der Einleitung ist es, eine Referenz auf den Sachverhalt herzustellen, auf den sich der Brief bezieht (vgl. Arthur: 123.).

In der Einleitung des offenen Briefes wird zuerst der persönliche Bezug des Verfassers zum Sachverhalt geschildert, wieso er diesen offenen Brief verfasst. Dabei kann der Verfasser eine Quelle nennen, auf die er sich in diesem Schreiben bezieht, falls diese vorhanden ist. Daraufhin schildert der Verfasser die Probleme und Themen, die von ihm in dem Brief behandelt werden (vgl. Veritas-Verlag Linz: 4.).

Den wichtigsten Teil des offenen Briefes macht der Hauptteil aus. In ihm wird der Sachverhalt, auf den sich der Verfasser bezieht, klar geschildert. Hierbei muss der Verfasser des offenen Briefes die eigene Position deutlich machen, indem er klar und schlüssig argumentiert und bei der Argumentationstruktur nach dem folgendem Prinzip vorgeht: zuerst stellt der Verfasser eine These auf, danach liefert er hierfür Argumente, die er durch eigene Beispiele belegt. Dabei liefert der Verfasser nur Argumente, die seine eigene Meinung untermauern. Ziel ist es, den Standpunkt des Verfassers deutlich hervorzuheben. Eine Möglichkeit angeprangerte Probleme zu lösen, kann sein, dass der Verfasser dem Empfänger Lösungsansätze anbietet (vgl. Neuwirth.). Um etwas zu verändern, richtet der Verfasser zum Abschluss des Hauptteils einen konkreten und realistischen Appell an den Empfänger. Dieser Appell dient dazu, dass der Empfänger zu einer Handlung aufgefordert wird und auf das in dem offenen Brief beschriebene Problem reagiert (vgl. Arthur: 123.).

Im letzten Teil des offenen Briefes, dem Schluss, fasst der Verfasser seine Forderungen und Argumente kurz und knapp zusammen. Somit erhält der Empfänger eine Zusammenfassung der Forderungen. Dem im Hauptteil des offenen Briefes verfassten Appell wird an dieser Stelle noch einmal Ausdruck verliehen, indem der Verfasser den Empfänger zum Schluss nochmals zum Handeln auffordert (vgl. Veritas-Verlag Linz: 4.).

Der offene Brief endet mit einer Grußformel und der Unterschrift des Verfassers (vgl. Arthur: 123.). Auch eine Unterschriftensammlung unter dem Brief ist an dieser Stelle möglich. Eine solche Unterschriftensammlung, die unter dem offenen Brief der Öffentlichkeit präsentiert wird, erhöht den Druck auf den Adressaten und weist darauf hin, dass die Aufforderung zur Handlung gemeinschaftlich erfolgt (vgl. Bambach-Horst 2010: 195.).

2.2 Verbraucherschutzmaßnahmen

Wie in der Einleitung bereits erklärt wurde, spielen in der Doppelstunde die Verbraucherschutzmaßnahmen Zuckersteuer und Lebensmittelampel eine wichtige Rolle. Nachfolgend werden diese beiden Verbraucherschutzmaßnahmen erklärt.

Zuckersteuer

Bei der Zuckersteuer handelt es sich um eine sogenannte Verbrauchsteuer, die in Deutschland lange Zeit auf die Zuckerherstellung oder Zuckereinfuhr erhoben wurde. In ihrer ursprünglichen Form war die Zuckersteuer eine gemeinschaftliche Materialsteuer (vgl. Gabler Wirtschaftslexikon: Zuckersteuer.). Die Zuckersteuer wurde allerdings in Deutschland zur Vermeidung von Wettbewerbsverzerrung auf dem Europäischen Binnenmarkt zum 01.01.1993 abgeschafft (vgl. Manager-Magazin 2002.). Heutzutage dient die Zuckersteuer nicht mehr dazu, das Rohmaterial Zucker zu besteuern, sondern dient als Verbraucherschutzmaßnahme für Konsumenten und kann daher als gesundheitliche Maßnahme angesehen werden. Die in der heutigen Zeit in der Politik diskutierte Zuckersteuer bezieht sich dabei auf den Zuckergehalt in Getränken und Softdrinks (vgl. Süddeutsche Zeitung 2016.).

Wissenschaftliche Studien ergaben, dass der Mensch bei zu viel Zuckerkonsum zunimmt und das Risiko für Herzkreislauferkrankungen wie Bluthochdruck oder Schlaganfälle steigt. Zucker bewirkt beim Menschen Stoffwechselveränderungen, die für das Herz und Blutgefäße schädlich sind (vgl. Süddeutsche Zeitung 2019.). Dabei wird der Zucker überwiegend in Fett umgewandelt (vgl. Simmank/Stockrahm 2018.). Stark zuckerhaltige Getränke werden laut einiger Studien häufiger von Menschen mit geringem Grundeinkommen konsumiert. Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit einem geringen Einkommen trinken dreimal so viel zuckerhaltige Getränke, wie die restliche Gesellschaft (vgl. Süddeutsche Zeitung 2016.).

Ein aktuelles Beispiel für eine Zuckersteuer ist die seit 06.04.2018 eingeführte Zuckersteuer auf Getränke in Großbritannien (vgl. ebd.). In Großbritannien wird eine Zuckersteuer für Getränke mit einem Zuckergehalt von 5 Gramm pro 100 Milliliter mit umgerechnet 0,20 Euro pro Liter besteuert. Ab einem Zuckergehalt von 8 Gramm pro 100 Milliliter werden für einen Liter umgerechnet 0,27 Euro an Steuern fällig. Die Regierung Großbritanniens erhofft sich dadurch, eine 20 prozentige Reduzierung des allgemeinen Zuckerkonsums.

Mithilfe der erzielten Erlöse durch die Steuerabgaben möchte man in Großbritannien die Ausgaben für Sport in Schulen und für Frühstücksclubs erhöhen (vgl. Deutscher Bundestag - Fachbereich WD 5: Wirtschaft und Verkehr; Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz 2018: 17f.).

Ziel der Zuckersteuer als Verbraucherschutzmaßnahme ist es, die in der Welt vorherrschenden Probleme des Übergewichtes und Diabetes zu reduzieren (vgl. Süddeutsche Zeitung 2016.). Jährlich werden in Deutschland und anderen europäischen Staaten mehrere Milliarden Euro für Gesundheits- und Sozialkosten wegen mangelhafter Ernährung ausgegeben. Die Zuckersteuer soll demnach auch ein Anreiz für die Hersteller sein, ihre Rezepte zu verändern und den Zuckergehalt zu senken (vgl. Zeit Online 2018.).

Lebensmittelampel

Die Lebensmittelampel ist ein Konzept zur Nährwertkennzeichnung, die auf der Vorderseite eines Produktes abgedruckt ist (vgl. Handel-erklärt.). Die erste Lebensmittelampel wurde von der britischen Food Standards Agency (FSA) nach diversen Verbraucherbefragungen 2006 auf den Markt gebracht. Mithilfe eines Farbleitsystemes erhält der Verbraucher Informationen über die wichtigsten Nährwerte pro 100 Gramm oder 100 Milliliter eines Produktes (vgl. Verbraucherzentrale Bundesverband.). Dabei werden mit der Ampel folgende Nährwertgehalte ausgewiesen: Fett, gesättigte Fettsäuren, Salz und Zucker. Der Gehalt der einzelnen Nährwerte wird farblich ausgewiesen. Die Farbe Grün kennzeichnet einen geringen Gehalt mit einem Anteil bis zu drei Gramm des jeweiligen Nährstoffes. Eine gelbe Kennzeichnung weist auf einen mittleren Gehalt mit einem Anteil von drei bis zwanzig Gramm hin. Die Farbe Rot zeigt an, dass ein Produkt einen hohen Gehalt an dem jeweiligen Nährstoff aufweist. Diese Farbkennzeichnung bezeichnet ein Gehalt ab zwanzig Gramm immer bezogen auf 100 Gramm oder 100 Milliliter des jeweiligen Produktes. Die Kennzeichnung der Produkte geschieht auf freiwilliger Basis, denn eine europäische Verordnung verbietet gesetzlich die europaweit unterschiedlichen Pflichtkennzeichnungen. Daher haben einige Unternehmen die Ampel auf freiwilliger Basis eingeführt. Lediglich eine tabellarische Übersicht auf der Rückseite von Produkten über deren Nährwerte ist nach der Lebensmittelkennzeichnungsverordnung in der gesamten Europäischen Union für die Lebensmittelhersteller vorgeschrieben (vgl. Handel-erklärt.). Ziel der Lebensmittelampel ist es, dass dem Verbraucher beispielsweise der Vergleich zwischen Produkten innerhalb einer Produktkategorie leichter fällt und damit einer möglichen Fehlernährung entgegengewirkt werden kann (vgl. Verbraucherzentrale Bundesverband.).

Im Jahr 2017 wurde in Frankreich ein Konzept auf freiwilliger Basis zur Nährwertkennzeichnung von einigen Lebensmittelherstellern eingeführt. Der sogenannte Nutri-Score ist eine farbliche Nährwertkennzeichnung, welche die verschiedenen Eigenschaften eines Lebensmittels zusammenfasst. Das System besteht aus einer fünfstufigen Skala, die von einem grünen A bis zu einem roten E reicht. Eine Punkteliste lässt dabei die oben genannten Komponenten der Lebensmittelampeln, als auch den Obst- und Gemüseanteil in die Bewertung eines Produktes miteinfließen (vgl. Verbraucherzentrale Hamburg.).

3. Didaktische Analyse

3.1 Legitimation des Themas auf Grundlage der Lehrpläne

Das Thema offener Brief lässt sich an mehreren Stellen des Lehrplanes für das Fach Deutsch in Rheinland-Pfalz begründen. Bereits in der Orientierungsstufe in den Klassenstufen fünf oder sechs, sollen die SuS lernen, im Rahmen des Kompetenzbereiches Schreiben mit der Teilkompetenz Informieren, Briefe zu verfassen. Zu diesem Zeitpunkt lernen die SuS dabei die formalen Aspekte eines Briefes kennen, was als Grundlage für das Verfassen eines Briefes angesehen werden kann und für den weiteren Verlauf im Unterrichtsfach Deutsch essenziell ist (vgl. Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Weiterbildung 1998: 62f.).

In den Klassenstufen neun bis zehn kann die Sachtextsorte offener Brief im Fach Deutsch im Rahmen des argumentativen Schreibens behandelt werden. Diese Sachtextsorte lässt sich dem Kompetenzbereich Schreiben im Lehrplan der Realschule zuordnen. Ziel innerhalb dieses Kompetenzbereiches ist es, dem freien Schreiben der SuS ausreichend Platz einzuräumen. Die Schreibintention für den offenen Brief ist das Argumentieren. Die SuS sollen innerhalb dieses Kompetenzbereiches lernen, ihre Meinung zu äußern und Stellung zu aktuellen Problemen zu beziehen. Dabei soll ein ausgewählter Sachverhalt aspektenreich von den SuS durchdacht und argumentativ Stellung in Form eines offenen Briefes bezogen werden (vgl. ebd. 1998: 167.).

Als Sachverhalte für den in der geplanten Doppelstunde offenen Brief, wurden die Verbraucherschutzmaßnahmen Lebensmittelampel und Zuckersteuer ausgewählt, die innerhalb der fächerübergreifenden integrativen Einheit von den SuS erarbeitet werden. Auch der Lehrplan des Faches Deutsch zieht die Möglichkeit in Betracht, hierbei fächerübergreifende Sachverhalte zu bearbeiten. Bei den beiden Themen handelt es sich um Sachverhalte, die dem Lehrplan des Wahlpflichtfaches Hauswirtschaft und Soziales zu entnehmen sind. Dabei lassen sich die Themen der Verbraucherschutzmaßnahmen innerhalb der Teilkompetenzen der zehnten Klasse für die Realschule in den Bereichen Sicherheit, Gesundheit und Umweltschutz im Haushalt, sowie Verbraucherberatung zuordnen (vgl. Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur 2011: 30.).

3.2 Didaktische Analyse: Bedeutsamkeit des Themas für die Schülerinnen und Schüler

In der didaktischen Analyse geht es darum, die Auswahl des Lehrinhaltes als Bildungsinhalt für die SuS zu begründen. Der weiteste verbreitete Ansatz geht auf Wolfgang Klafki zurück. Dementsprechend wird bei dessen Ansatz versucht, den Unterrichtsinhalt mit Blick auf die Gegenwarts- und Zukunftsbedeutung für die SuS zu begründen. Nachfolgend wird dieser Ansatz auf den geplanten Unterricht angewendet (vgl. Gonschorek/Schneider 2010: 159.). Dabei wird immer auf die jeweiligen Inhalte aus dem Lehrplan des Faches Deutsch und den Inhalten des Wahlpflichtfaches Hauswirtschaft und Soziales im Hinblick auf deren Gegenwarts- und Zukunftsbedeutung für die SuS eingegangen.

3.2.1 Gegenwartsbedeutung

Schon im ersten Artikel des Schulgesetzes des Landes Rheinland-Pfalz wird als zentraler Auftrag der Schule die Erziehung der SuS zur Selbstbestimmung und zur Entfaltung der selbstständigen Urteilskraft der SuS genannt. Diese Fähigkeit der selbstständigen Urteilskraft soll bei den SuS zu eigenverantwortlichem Handeln führen (vgl. SchulG RLP § 1 Abs. 2.). Bezieht man nun diesen Auftrag der Schule auf den Kompetenzbereich Schreiben im Fach Deutsch und dessen Teilbereich Argumentieren, ist es für die SuS von großer Wichtigkeit, dass sie lernen ihre eigene Meinung zu äußern und zu diese zu vertreten. Dabei nehmen die SuS zu Problemen der Gegenwart Stellung, indem sie einen bestimmten Sachverhalt selbstständig durchdenken und dazu schriftlich Stellung beziehen (vgl. Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Weiterbildung 1998: 167.). Bereits in vergangenen Klassenstufen sollte das Argumentieren im schulischen Kontext bei den SuS eine Rolle gespielt haben. In der Orientierungsstufe, der fünften und sechsten Klasse, tritt der Teilbereich Argumentieren des Kompetenzbereichs Schreiben erstmals im Lehrplan des Faches Deutsch auf. In diesen Klassenstufen sollen die SuS im Rahmen des Deutschunterrichtes lernen, zu einem bestimmten Sachverhalt, wie etwa aktuellen Erscheinungen Stellung zu beziehen. Dabei lernen die SuS bereits Gedanken und Meinungen zu begründen (vgl. ebd. 1998: 64.). Auch in den Klassenstufen sieben und acht tritt der Teilbereich Argumentieren im Lehrplan des Faches Deutsch erneut auf und sollte mit den SuS im Unterricht behandelt werden. In diesen Klassenstufen lernen die SuS Probleme zu erörtern und zu aktuellen Problemen Stellung zu beziehen. Die SuS lernen innerhalb dieses Teilbereichs des Kompetenzbereiches Schreiben unter anderem, ihre Meinung begründet zu formulieren, indem sie Argumente zu einem Sachverhalt sammeln, ordnen und anhand von Beispielen begründen (vgl. ebd. 1998: 89.). In den Klassenstufen neun und zehn sollen die SuS ein höheres Niveau im Hinblick auf das Argumentieren erreichen. Die Sachtextsorte offener Brief, die sich den appellativen Texten zuordnen lässt, bietet sich hierzu an. Die SuS sollen sich mithilfe des offenen Briefes unvoreingenommen auf einen problembestimmten Sachverhalt einlassen, diesen durchdenken und den eigenen Standpunkt zu dem Sachverhalt überzeugend anhand von Argumenten erläutern. Das argumentative Schreiben fördert dabei die Fähigkeit der SuS, ihre eigene Meinung schriftlich begründen zu können (vgl. ebd. 1998: 165ff.).

Da der geplante Unterricht integrativ geplant wurde und fächerübergreifende Inhalte des Wahlpflichtfaches Hauswirtschaft und Soziales in den Deutschunterricht miteinfließen, müssen auch diese Inhalte in der Gegenwart der SuS eine Rolle spielen.

Wie in dieser Arbeit in der Sachanalyse zu den Verbraucherschutzmaßnahmen bereits erwähnt wurde, sind dies Maßnahmen, um die Gesundheit der Menschen zu schützen. Immer mehr Menschen auf der Welt leiden an Übergewicht, da sie sich zu wenig bewegen, zu wenig Sport treiben und sich ungesund ernähren. Auch vor den SuS macht diese Problematik nicht halt. Der Leistungsdruck in den Schulen nimmt immer weiter zu und um fit für die Schule zu sein, trinken in den letzten Jahren immer mehr SuS die sogenannten Energy-Drinks, deren Werbeversprechen häufig „zusätzliche Energie“ verspricht. Was die meisten SuS allerdings nicht wissen, ist, dass diese Energy-Drinks und andere Softdrinks häufig voller Zucker und anderen schädlichen Stoffen stecken. Werden diese Softdrinks über einen längeren Zeitraum von den SuS konsumiert, können, wie in der Sachanalyse bereits beschrieben, gesundheitliche Probleme bei den Konsumenten auftreten. Diese gesundheitlichen Beschwerden äußern sich häufig in Übergewicht, Diabetes oder Herzkreislaufbeschwerden. Innerhalb der geplanten Unterrichtseinheit erhalten die SuS einen groben Überblick darüber, wie schädlich die zuckerhaltigen Produkte sind. Bekanntlich ein Großteil der SuS konsumieren diese Getränke, ohne zu wissen, welche negativen Folgen sich für ihre Gesundheit ergeben In Deutschland wird von der Bundesregierung in Sachen Lebensmittel und Getränke leider immer noch viel auf das Prinzip der Freiwilligkeit gesetzt. Konzernen bleibt es daher selbst überlassen, ob sie beispielsweise weniger Zucker oder weniger Salz in ihre Produkte verarbeiten. Einige Länder handhaben dies mittlerweile anders, indem sie wie beispielsweise in Großbritannien, Konzerne deren Getränke einen hohen Gehalt an Zucker aufweisen, mit einer Zuckersteuer belasten. Auch die Verbraucherschutzmaßnahme der Lebensmittelampel führt in Frankreich dazu, dass Konzerne die Rezepturen ihrer Produkte änderten, um eine positive Bewertung bei dem Nutri-Score-System zu erhalten. Anhand dieser gewählten Beispiele erkennen die SuS, dass solche Verbraucherschutzmaßnahmen wirken können. Die SuS sollen lernen dabei, dass die Verbraucherschutzmaßnahmen dazu dienen, ihre Gesundheit zu schützen. Mithilfe der in den Stunden angeführten Verbraucherschutzmaßnahmen ist es ein Ziel, dass die SuS Kompetenzen zu einer ausgewogenen Ernährung und gesundheitlicher Vorsorge entwickeln.

3.2.2 Zukunftsbedeutung

Auch in Zukunft werden die Themen offener Brief und die aufgezeigten Verbraucherschutzmaßnahmen im Leben der SuS eine Rolle spielen. Insbesondere in Zeiten, in der beispielsweise Protestaktionen wie etwa Fridays For Future in der Gesellschaft für Aufsehen sorgen, ist es wichtig, dass die SuS lernen einen bestimmten Sachverhalt aufzuarbeiten, schriftlich zu argumentieren und damit ihrem Standpunkt Ausdruck zu verleihen. Kinder und Jugendliche richteten in den letzten Monaten weltweit vermehrt Appelle an Politiker zu den Themen Klimawandel und Klimaschutz. Oft geschah dies auch in schriftlicher Form, wie etwa Leserbriefen und offenen Briefen, die direkt an die Politiker adressiert waren. Wie bereits in der Gegenwartsbedeutung aufgezeigt wurde, ist es eine Aufgabe von Schule, die Kinder und Jugendlichen zu mündigen Bürgern zu erziehen, die ihre eigene Meinung und den eigenen Standpunkt begründet vertreten können (vgl. SchulG RLP § 1 Abs. 2.). Demnach kann die schriftliche Argumentationsform des offenen Briefes als eine Mittel zur freien Meinungsäußerung der SuS angesehen werden, indem sie als mündige Bürger ihren eigenen Standpunkt glaubhaft vertreten können.

Auch die beiden Verbraucherschutzmaßnahmen Lebensmittelampel und Zuckersteuer sollen im Leben der SuS in Zukunft eine wesentliche Rolle spielen. Dabei können diese beiden Verbraucherschutzmaßnahmen exemplarisch für unzählige weitere mögliche Maßnahmen angesehen werden.

Ziel des Unterrichtes an dieser Stelle ist es, dass die SuS ein Gespür dafür bekommen, wie wichtig gesunde Ernährung für ihre Gesundheit ist. Sie sollen erkennen, dass nicht jedes Produkt, auf dem etwa die Begriffe Fitness oder Sport abgedruckt werden, auch gleichzeitig gesund sind, obwohl mit Sport oder Fitness zumeist der Begriff Gesundheit assoziiert wird. Der Unterricht soll die SuS an dieser Stelle dazu anleiten, bewusster mit der eigenen Ernährung in Hinblick auf die eigene Gesundheit umzugehen und beim Einkaufen kritischer auf die Inhaltsstoffe der Produkte zu achten. Den SuS soll klar gemacht werden, dass Verbraucherschutzmaßnahmen dem Schutz der Bevölkerung dienen und Werkzeuge, wie die Lebensmittelampel oder die Zuckersteuer dazu dienen können, Ernährungsgewohnheiten zu hinterfragen und diese zu ändern.

3.3 Exemplarität

Wie bereits in den beiden Kapiteln zuvor angesprochen wurde, kann der offene Brief bei den appellativen Texten verortet werden. Dabei steht die Textsorte offener Brief exemplarisch für schriftlich verfasste Texte, bei denen bestimmte Sachverhalte argumentativ behandelt werden. Die SuS lernen im Lauf ihrer Schullaufbahn in dem Fach Deutsch verschiedene Textsorten kennen, bei der sie sich SuS die Fähigkeit des schriftlichen Argumentierens aneignen. Der in den Stunden zu verfassende offene Brief steht somit exemplarisch für eine Textsorte, die dem Grundprinzip des schriftlichen Argumentierens folgt.

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Ende der Leseprobe aus 42 Seiten

Details

Titel
Verfassen eines offenen Briefs zu Verbraucherschutzmaßnahmen im Zusammenhang mit Fehlernährung
Hochschule
Universität Koblenz-Landau
Note
1.0
Autor
Jahr
2019
Seiten
42
Katalognummer
V916982
ISBN (eBook)
9783346237132
ISBN (Buch)
9783346237149
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Integrativer Deutschunterricht, Didaktik, Deutsch, Wirtschaft und Verwaltung, Offener Brief, Unterricht, Unterrichtsentwurf
Arbeit zitieren
Max Barlang (Autor:in), 2019, Verfassen eines offenen Briefs zu Verbraucherschutzmaßnahmen im Zusammenhang mit Fehlernährung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/916982

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