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Probleme der bilingualen Erziehung von Immigrantenkindern und die Situation in der Bundesrepublik Deutschland

Title: Probleme der bilingualen Erziehung von Immigrantenkindern und die Situation in der Bundesrepublik Deutschland

Term Paper (Advanced seminar) , 2002 , 34 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Evelyn Naudorf (Author)

English Language and Literature Studies - Linguistics
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1. Einleitung

"PISA-Nachbeben - die Kultusminister planen radikale Schulreformen" (Spiegel online, 23.05.2002)
"Nach dem PISA-Alarm; Sechs, setzen!" (Spiegel online, 04.03.2002)
"PISA-Fiasko: Das Land der Dichter und Denker - abgehängt!" (Spiegel online, 14.12.2001)

So oder so ähnlich lesen sich bundesdeutsche Schlagzeilen seit Wochen und Monaten - auch heute noch, mehr als ein halbes Jahr nach Veröffentlichung der Ergebnisse der PISA-Studie , die in Deutschland derartig kontroverse, bildungspolitische Diskussionen ausgelöst hat. Platz 21 der Bundesrepublik im internationalen Vergleich erschütterte das Vertrauen in die Bildungspolitik und die Suche nach einem Schuldigen ließ nicht lange auf sich warten: Nach Bekanntgabe der Ergebnisse wurden unter anderem von Politikern die hohen Prozentsätze an Migrantenkindern in den Klassen für das schlechte Abschneiden der bundesdeutschen Schüler und Schülerinnen verantwortlich gemacht.
In Rahmen und im Umfeld dieser Studie werden nun Probleme diskutiert, die in ihrer Dringlichkeit bereits seit den ersten Migrationswellen in den sechziger Jahren bestehen. Durch das Anwerben von Gastarbeitern, der darauf folgenden Entscheidung dieser Menschen in Deutschland zu bleiben und durch den damit verbundenen Familiennachzug ergaben sich Schwierigkeiten, die auch heute noch nicht annähernd gelöst sind. Im Mittelpunkt dieser Diskussionen steht vor allem und immer wieder die Sprachproblematik: Erreicht man Integration durch den Erwerb von Deutschkenntnissen? Ist Integration generell (und damit häufig verbunden der Verlust der Muttersprache und der eigenen kulturellen Identität) das oberste Ziel? Im Rahmen dieser Hausarbeit möchte ich mich mit den Problemen von Migrantenkindern beschäftigen. Dabei soll im ersten Teil der Arbeit die spezielle Situation von diesen Kindern sowie der linguistische Aspekt in Form von Theorieansätzen im Vordergrund stehen. Im zweiten Teil möchte ich das Schulsystem in der Bundesrepublik unter dem Aspekt betrachten, welche Möglichkeiten für Migrantenkinder bestehen - insbesondere im Hinblick auf den Erhalt ihrer Muttersprache. Zum Abschluss möchte ich eine Bewertung vornehmen, ob und inwiefern der Erhalt der Zweisprachigkeit im Schulsystem der Bundesrepublik eine Rolle spielt.

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was ist Bilingualismus und bilinguale Erziehung? Ein Definitionsversuch

3. Theoretische Konzepte als Lösungsansätze für Unterrichtserfolge

3.1 Der Begriff des Semilingualismus – bis heute umstritten

3.2 Schlechteres Abschneiden der Immigrantenkinder – warum?

3.2.1 BICS/CALP

3.2.2 Die “Threshold Theory”

4. Beschreibung der besonderen Situation zweisprachiger Immigrantenkinder

4.1 Definitionen

4.2 Kultur und Sprache

4.3 Spezielle Probleme von Immigranten

5. Immigranten in der Bundesrepublik

5.1 Geschichtliche Entwicklung

5.2 Statistiken und Studien

6. Die Darstellung des Schulsystems in Deutschland in Hinblick auf den Erhalt der Zweisprachigkeit von Immigrantenkindern

6.1 Zuständigkeiten im deutschen Schulsystem

6.2 Rechtliche Grundlagen für Migrantenkinder

6.3 Maßnahmen und Programme

6.3.1 Das Beispiel Bayern

6.3.2 Das Krefelder Modell

7. Fazit

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die Problematik der bilingualen Erziehung von Immigrantenkindern im deutschen Schulsystem. Ziel ist es, den Status quo der schulischen Integrationsmaßnahmen kritisch zu hinterfragen und zu bewerten, inwieweit diese den Erhalt der Muttersprache und eine echte Zweisprachigkeit fördern.

  • Grundlagen des Bilingualismus und definitorische Abgrenzungen.
  • Theoretische Konzepte wie Semilingualismus, BICS/CALP und die Schwellentheorie.
  • Die soziokulturelle Situation von Migrantenkindern in Deutschland.
  • Analyse und Vergleich verschiedener schulischer Förderprogramme (z. B. Bayern vs. Krefelder Modell).
  • Ableitung von Empfehlungen für eine zukunftsorientierte Bildungspolitik.

Auszug aus dem Buch

3.1 Der Begriff des Semilingualismus – bis heute umstritten

Der Begriff des Semilingualismus wird als „linguistic handicap“ definiert, „which prevents the individual from acquiring the linguistic skills appropriate to his linguistic potential in any of his languages.” Er wurde von dem skandinavischen Linguisten Hansegard (1976) geprägt, der die Sprache der finnischen Minderheitenkinder in Schweden untersuchte, und findet seither häufig Anwendung in der Diskussion um den Sprachstand von diesen Kindern. Hansegard stellte fest, dass finnische Minderheitenkinder, obwohl sie in Finnisch und Schwedisch fließend kommunizieren konnten, keine der beiden Sprachen auf einem strukturellen, akademischen Level beherrschten. Seine Definition von Semilingualismus begründete sich auf sechs linguistische Defizite, darunter der Umfang des Wortschatzes, die Fähigkeit in einer Sprache neue Wörter zu kreieren und ein Automatismus beim Sprechen und Verstehen von Sprachen.

Semilingualismus ist bis heute umstritten: Skutnabb-Kangas betrachtet dieses Konzept eher als eine politisch geprägte Idee, die dazu beiträgt, Machtverhältnisse klarzustellen und nicht als ein linguistisches oder wissenschaftliches Konzept. Zudem betont sie in ihren Ausführungen, dass Semilingualismus kein der Person selbst zuzuschreibender Mangel ist, sondern dass es sich dabei um eine Auswirkung der linguistischen und sonstigen Situation handelt, in der diese Person sich befindet. Viele Forscher distanzieren sich jedoch von der Bezeichnung, die mit pejorativen Konnotationen behaftet ist. Daller (1999) wirft des Weiteren die Frage auf, ob es sich bei diesem Phänomen nicht um eine vorübergehende Erscheinung handeln könnte. Für Migrantenkinder, die sich in der Übergangsphase befinden und getestet werden, ist es sehr wahrscheinlich, dass die Zielsprache noch nicht vollständig erlernt ist und die Ausgangssprache nicht ausreichend gefördert wird.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert die aktuelle bildungspolitische Diskussion in Deutschland, die durch das schlechte Abschneiden bei der PISA-Studie und die schwierige Integrationssituation von Migrantenkindern geprägt ist.

2. Was ist Bilingualismus und bilinguale Erziehung? Ein Definitionsversuch: Es erfolgt eine Herleitung der Begrifflichkeiten, wobei Faktoren wie das Lernalter und das Sprachniveau (Proficiency) zentral diskutiert werden.

3. Theoretische Konzepte als Lösungsansätze für Unterrichtserfolge: Das Kapitel erläutert wissenschaftliche Modelle zur Zweisprachigkeit, insbesondere die Unterscheidung von BICS und CALP sowie die Schwellentheorie von Cummins.

4. Beschreibung der besonderen Situation zweisprachiger Immigrantenkinder: Hier werden zentrale Begriffe wie Immigration und ethnische Minderheit geklärt und das komplexe Spannungsfeld zwischen Sprache, Kultur und Identität beleuchtet.

5. Immigranten in der Bundesrepublik: Ein historischer Abriss der Migrationswellen und die statistische Entwicklung der Situation von Migrantenkindern im deutschen Bildungssystem werden dargelegt.

6. Die Darstellung des Schulsystems in Deutschland in Hinblick auf den Erhalt der Zweisprachigkeit von Immigrantenkindern: Es werden die föderalen Zuständigkeiten sowie verschiedene Praxisbeispiele, namentlich das bayerische Modell und das Krefelder Modell, kritisch analysiert.

7. Fazit: Die Autorin resümiert, dass das deutsche Schulsystem bisher kaum die notwendigen Voraussetzungen für echten Bilingualismus schafft und plädiert für eine grundlegende Reform des Umgangs mit Mehrsprachigkeit.

Schlüsselwörter

Bilingualismus, Migrantenkinder, Schwellentheorie, BICS, CALP, Semilingualismus, Integrationsmaßnahmen, Zweisprachigkeit, Muttersprache, Kultusministerkonferenz, Subtraktiver Bilingualismus, Krefelder Modell, Bildungsbenachteiligung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Herausforderungen bei der Erziehung von Immigrantenkindern in Deutschland unter dem spezifischen Aspekt der Förderung ihrer Zweisprachigkeit und ihrer kulturellen Identität.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die Arbeit verknüpft linguistische Theorien zur Zweisprachigkeit mit den soziokulturellen Realitäten von Migrantenfamilien und der institutionellen Schulpraxis in Deutschland.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, den Erfolg bzw. das Scheitern bestehender Schulmodelle bei der Förderung einer nachhaltigen Bilingualität kritisch zu evaluieren und aufzuzeigen, wie Theorie und Praxis besser vereinbart werden könnten.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit stützt sich auf eine fundierte Literaturanalyse bestehender pädagogischer und linguistischer Forschungsergebnisse sowie den Vergleich verschiedener regionaler Schulmodelle in Deutschland.

Welche Inhalte prägen den Hauptteil?

Den Kern bilden die Erörterung theoretischer Konzepte zur Zweisprachigkeit (Cummins, Skutnabb-Kangas), die Definition der Lebenssituation von Migrantenkindern und eine detailreiche Analyse von Maßnahmen des deutschen Schulsystems.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Schlagworte umfassen Bilingualismus, BICS/CALP, Semilingualismus und die Problematik des subtraktiven versus additiven Bilingualismus im deutschen Schulkontext.

Wie unterscheidet sich das Krefelder Modell vom üblichen bayerischen Ansatz?

Das Krefelder Modell verfolgte einen bikulturellen, integrativen Ansatz mit Pflichtunterricht in der Herkunftssprache, während das bayerische Modell lange Zeit die Integration durch Assimilation und den muttersprachlichen Unterricht eher als freiwilliges Zusatzangebot behandelte.

Warum ist das Alter der Kinder für den Integrationserfolg so entscheidend?

Laut der Arbeit ist das Alter bei Ankunft in Deutschland ein kritischer Faktor: Ältere Kinder verfügen bereits über eine gefestigtere Persönlichkeit und kognitive Basis in der Muttersprache, während jüngere Kinder anfälliger für kulturelle Identitätskonflikte und Leistungsdefizite sind.

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Details

Title
Probleme der bilingualen Erziehung von Immigrantenkindern und die Situation in der Bundesrepublik Deutschland
College
University of Mannheim  (Lehrstuhl Angl. Linguistik)
Course
HS Bilingual Education
Grade
2,0
Author
Evelyn Naudorf (Author)
Publication Year
2002
Pages
34
Catalog Number
V9170
ISBN (eBook)
9783638159449
Language
German
Tags
Probleme Erziehung Immigrantenkindern Situation Bundesrepublik Deutschland Bilingual Education
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Evelyn Naudorf (Author), 2002, Probleme der bilingualen Erziehung von Immigrantenkindern und die Situation in der Bundesrepublik Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9170
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