Zur Geschichte der Lokalanästhetika im 19. und frühen 20. Jahrhundert


Projektarbeit, 2020

69 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Zielstellung

3 Material und Methodik

4 Zur geschichtlichen Entwicklung der Lokalanästhetika
4.1 Entwicklung bis zur Entdeckung des Cocains als Lokalanästheticum
4.1.1 Lokalanästhesie vor Cocain
4.1.2 Die Cocapflanze
4.1.3 Einführung der Pflanze in Europa
4.1.4 Anfängliches Interesse an Cocain in der Medizin
4.1.5 Isolierung des Cocains
4.1.6 Erste Hinweise auf eine lokalanästhesierende Wirkung des Cocains
4.2 Entdeckung des Cocains zur Lokalanästhesierung
4.2.1 Cocain zur Anästhesierung des Auges
4.2.2 Anästhesierung der Schleimhaut in Rachen und Kehlkopf
4.2.3 Lokalanästhesie von Cocain in der Zahnmedizin
4.2.4 Infiltrationsanästhesie mit Cocain
4.2.5 Leitungsanästhesie nach Oberst
4.2.6 Cocainisierung des Rückenmarks
4.2.7 Kombination mit Adrenalin
4.2.8 Therapien mit Cocain
4.3 Erkennen der Gefahren von Cocain
4.3.1 Dosierung des Cocains
4.3.2 Vergiftungserscheinungen bei der Lokalanästhesie mit Cocain
4.3.3 Cocainabhängigkeit von Ärzten
4.3.4 Psychische Nebenwirkungen von Cocain
4.4 Suche nach Ersatzpräparaten
4.4.1 Tropacocain
4.4.2 Orthoform
4.4.3 Eucain B
4.4.4 Holocain
4.4.5 Alypin
4.4.6 Stovain
4.4.6 Novocain (Procain)
4.4.7 Anaesthesin (Benzocain)

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Schon seit jeher war es ein Bestreben des Menschen, den Schmerz zu unterdrücken. Die Einführung der Äthernarkose1 am 16. Oktober 1846 durch William Thomas G. Morton (1819–1868) in Boston sowie die am 4. November des nächsten Jahres von James Young Simpson (1811–1847) vorgestellte Chloroformnarkose2 führten dazu, dass Operationen ausgeführt werden konnten, ohne dass der Patient dabei irgendeine Art von Schmerz empfand. Jedoch war diese Betäubung nicht ungefährlich, oftmals hatte sie Komplikationen wie Erbrechen und Laryngospasmen zur Folge. Immer wieder konnte es zu einer gravierenden Beeinträchtigung der Atmung, des Herzens, des Kreislaufs und der Leberfunktion kommen. Mit der Entdeckung der anästhesierenden Wirkung des Alkaloids Cocain aus den Blättern des Strauches Erythroxylon coca Lam. durch den Wiener Ophthalmologen Karl Koller (1857–1944) begann die Geschichte der lokal wirksamen Anästhetika.3 Nun war es möglich, kleinere Operationen schmerzlos für den Patienten durchzuführen, ohne sich den Gefahren einer Narkose aussetzen zu müssen. Die Entdeckung des Cocains erfolgte im Rahmen der damals in der Pharmazie sehr aktiv betriebenen Alkaloidforschung.4 Nach der Isolierung des Morphins im Jahre 1803/04 verstärkten sich die Bemühungen, die Wirksubstanzen aus Drogen zu isolieren.5 Des Weiteren muss die Entdeckung des ersten Lokalanästhetikums im Zusammenhang mit dem Aufkommen einer sich entwickelnden synthetische Chemie und einer sich ausbildenden experimentellen pharmakologischen Forschung betrachtet werden. Bis zur Entdeckung der Sucht des Cocains gab es nur diese Substanz zur lokalen Anästhesie. Sie fand eine rasche, weltweite Verbreitung und wurde vor allem in der Ophthalmologie, Laryngologie und Rhinologie eingesetzt.6 In kürzester Zeit wurden alle Wege beschritten, die zur lokalen Anästhesie mit Cocainlösungen denkbar waren.7 Der häufige Einsatz der Substanz führte jedoch zu einer Vielzahl von Zwischenfällen. Wegen der sorglosen Anwendung des Cocains in der Medizin und infolge des damals auch in Mode kommenden Konsums mit Alkohol (Cocainsekt, Cocainlikör) kam es zu zahllosen schweren Vergiftungserscheinungen und auch Todesfällen. Dies führte zu einer verstärkten Suche nach Cocainersatzstoffen mit geringerem Gefahrenpotential.8 1902 wurde das von dem Apotheker Eduard Ritsert (1859–1946)9 bereits vor zwölf Jahren entdeckte Benzocains als Oberflächenanästhetikum eingeführt. Die Entwicklung weiterer Lokalanästhetika erfolgte in Zusammenhang mit der Aufklärung der Struktur des Cocains. Die Abwandlung des Moleküls ermöglichte die Synthese weiterer lokalanästhetischer Arzneistoffe wie Eucain A (1895), Eucain B (1897), Orthoform (1897) und 1903/1904 das Stovain. Allerdings sollten noch zwei Jahrzehnte bis zur Entdeckung eines leistungsfähigen, reizlosen Cocainersatzmittels vergehen. 1905 wurde das Novocain von dem Chemiker Alfred Einhorn (1856–1917) synthetisiert, das im Vergleich zu Cocain eine ausgeprägtere lokalanästhetische Wirkung bei deutlich geringerer Toxizität zeigt.10

Die Geschichte der Arzneistoffgruppe Lokalanästhetika ist in der Pharmaziehistoriographie bislang noch nicht zusammenhängend untersucht worden. Es gibt jedoch einige pharmaziehistorische Arbeiten über das Alkaloid Cocain. Jürgen Müller11 analysiert innerhalb seiner historischen Studien zur Konstitutionserforschung der Alkaloide auch die des Cocains, und die Monographie von Sabine Anagnostou12 enthält eine ausführliche Darstellung der historischen Verwendung des Coca-Strauches. Bei seiner Untersuchung der Geschichte der deutschen Pharmakopsychiatrie erörtert Frank Hall13 (1997) die Verwendungsmöglichkeit des Cocains in der psychiatrischen Therapie. Er beschreibt kurz die Isolierung des Alkaloids aus den Blättern des Cocastrauches sowie die Entdeckung seiner lokalanästhetischen Wirkung.

Bela Issekutz sen. beschreibt in seiner Monographie ‘Die Geschichte der Arzneimittelforschung’14 auch die Entwicklung der Lokalanästhetika, ausgehend vom Cocain bis zum Lidocain. Das Buch bietet eine detaillierte Beschreibung der Umstände, die zur Entdeckung der lokalanästhesierenden Wirkung dieses Alkaloids geführt haben. Ausführlich erklärt er die chemischen Strukturveränderungen ausgehend von Cocain, die zu neuen synthetischen Lokalanästhetika führten. In der pharmaziehistorischen Arbeit ‘Drug Discovery. A History’15 zeichnet der Verfasser Walter Sneader ein sehr ähnliches Bild der Geschichte der Lokalanästhetika, endet jedoch mit dem Novocain. Das Standardwerk ‘Geschichte der Pharmazie II’16 von Christoph Friedrich und Wolf-Dieter Müller-Jahnke verweist mehrfach auf den Arzneistoff Cocain und gibt zudem einen kurzen Abriss über die Anfänge der Geschichte der Lokalanästhetika.

Unter dem Oberbegriff synthetische, auf das Nervensystem wirkende Pharmaka vermittelt die ‘Arzneimittelgeschichte’17 einen Überblick über die Entwicklung der lokal wirksamen Anästhetika von Cocain bis zu Lidocain. Bei dieser Entwicklung werden sowohl die relevanten Personen als auch die chemischen Modifikationen berücksichtigt.

In seiner Monographie 50 Jahre Arzneimittelforschung schildert C[arl] L[udwig] Lautenschläger die Geschichte der Lokalanästhetika. Neben einer kurzen Beschreibung des aktuellen Stands skizziert er die Innovation in der Chemie und Medizin. An den Anfang der chemischen Entwicklung der Lokalanästhetika stellt er die Konstitutionsermittlung des Cocains und beschreibt anschließend die nach dem Vorbild dieses Alkaloids synthetisierten Verbindungen. Anhand der chemischen Veränderungen demonstriert er die Entwicklung der Stoffgruppe, wobei er bei jeder einzelnen kurz auf die Entdecker und die beteiligten Firmen eingeht. Der Autor charakterisiert ferner die einzelnen Lokalanästhetika anhand ihrer chemischen Eigenschaften, ihrer Wirkungsstärke und Toxizität. Seiner Meinung nach waren Cocain und Novocain die wichtigsten Leitstrukturen, die die Grundlage für die Synthese weiterer Verbindungen bildeten. Auch der wechselseitige Einfluss zwischen Synthesechemie und Pharmakologie findet Berücksichtigung. Nach der Beschreibung der verschiedenen Methoden zur Leitungsunterbrechung der Nerven geht L. am Ende noch auf den Begriff der ‘Heilanästhesie’ ein. Lokalanästhetika besitzen nicht nur eine anästhetische Wirkung, sondern auch einen antineuralgischen und antiphlogistischen Effekt. Anhand systematischer Versuche seit 1925 haben Ferdinand (1891–1966) und Walter Huneke (1897–1925) diese Wirkungen zu einer eigenen Therapie ausgebaut. Nach der Darstellung der verschiedenen Behandlungsarten zu dieser Therapie führt der Autor noch die physiologische Wirksamkeit detailliert auf.18

Eine Reihe von Arbeiten beschäftigt sich mit der Vorgeschichte der Entdeckung des Cocains. Zur Geschichte der Konstitutionsforschung des Cocains existiert eine Studie von Brigitte Hoppe19. Sie beschreibt detailliert die Entwicklung der Syntheseversuche. Erst 1885 gelang die Partialsynthese des Cocains, die die Verbreitung des 1884 in die Therapie eingeführten Lokalanästhetikums begünstigte. Der Medizinhistoriker Hans Schadewaldt schildert die Vorgeschichte der Entdeckung des Cocains und untersucht die Frage, warum Albert Niemann es 1859 schaffte, das Cocain in kurzer Zeit zu isolieren, obwohl die richtige Formel erst 1862 von Wilhelm Lossen (1838–1906) ermittelt werden konnte. In seiner Dissertation ‘Über eine neue organische Base in den Cocablättern’20 nannte Niemann bereits fünf Autoren, die bei dem Versuch, das Wirkprinzip der Cocablätter zu isolieren, erfolglos geblieben waren, darunter Heinrich Wilhelm Ferdinand Wackenroder (1798–1854) und James Finlay Weir Johnston (1796–1855) im Jahre 1853, ein Jahr später der mecklenburgische Apotheker Friedrich Gaedcke (1828–1890), des weiteren Andrew Douglas Maclagan (1812–1900) 1856 und der italienische Apotheker Don Enrique Pizzi. Angeblich war der Wirkstoffgehalt der Blätter, die Niemann von dem österreichischen Naturforscher Carl von Scherzer (1821–1903) bekam, der diese auf einer Reise durch Südamerika erworben hatte, in einem erheblichen Maße höher als die der handelsüblichen Blätter. Außerdem weist Schadewaldt darauf hin, dass Scherzer bereits 1862 die anästhesierende Wirkung des Cocains in einem wissenschaftlichen Bericht über die Novarra-Expedition erwähnt hatte.21 Rudolph Zaunick (1893–1967) klärt in seinem Aufsatz „Zur Vorgeschichte der Kokainisolierung: Der Dömitzer Apotheker Friedrich Gaedcke (1828–1890)“22 zwei Aspekte der Geschichte des Cocains, die in vielen anderen Studien falsch dargestellt wurden. 1860 gelang Albert Niemann die Isolierung und Reindarstellung des Alkaloids Cocain und 1862 wurde die richtige Summenformel durch Wilhelm Lossen (1834–1861) ermittelt. Zusätzlich würdigt er die Arbeit des Apothekers Gaedcke, der mit der Isolierung eines Gemischs der Coca-Alkaloide dem Hauptprinzip der Coca-Blätter sehr nahe kam.

Eine weitere Anzahl von Arbeiten befasst sich mit der Geschichte der Droge Coca und seiner mythologischen Bedeutung und Verwendung. Thomas Schweer und Hermann Strasser schildern die Geschichte des Wirkstoffs Cocain in den Ursprungsländern. Zur Steigerung der Leistungskraft kauten die Indios bereits um 3000 v. Chr. Cocablätter. Aufgrund der positiven Wirkungen war die Coca den Andenbewohnern heilig, und sie widmeten ihr vielerlei Mythen. Die Autoren stellen differenziert die Entwicklung von Cocain als Wunderdroge zum Unheilmittel dar, wobei sie die Wirkung, den Missbrauch und die Therapie des Cocainkonsums behandeln.23 Unter dem Titel ‘Drogen Pfeilgift und Indianermedizin. Arzneipflanzen aus Südamerika’ wird von Bruno Wolters die Geschichte und volksmedizinische Anwendung der Cocablätter untersucht. Ferner geht er auf die heutige Verwendung der Droge im Leben der Indianer, sowie detailliert auf die Geschichte der Droge in Europa und Nordamerika ein.24 Das ‘Handbuch der Rauschdrogen’25 enthält ebenso eine allgemeine Beschreibung des Kokastrauchs und eine Darstellung seiner Geschichte. Ausgehend von der Entdeckung der lokalanästhetischen Wirkung wird die physiologische und psychische Wirksamkeit des Cocains beschrieben. Unter den Aspekten der Ethnobotanik, Kunst und Chemie betrachten Christian Rätsch und Jonathan Ott die Droge, d. h. die Blätter des Kokastrauchs.26 Neben der mythologischen Bedeutung beschreiben sie die verschiedenen Arten des Konsumierens von Cocain, sowie die damit verbundenen Rituale. Sie präsentieren Beispiele zur Werbung mit Cocain und Romane über diesen Arzneistoff. Hans Maier untersucht in seiner Monographie ausführlich zahlreiche Aspekte des Kokainismus. Bezüglich der Geschichte des Cocains stellt er die historische Entwicklung und die geographische Verbreitung der Cocainkrankheiten vor, er betrachtet die Art und Weise, wie sich das Cocain nach seiner Entdeckung sowohl als Medikament als auch als Genussmittel verbreitet.27 Unter dem Titel ‘Gifte. Geschichte der Toxikologie’28 wird ausführlich die Geschichte vom Cocain bis zum Novocain abgehandelt, wobei ein besonderes Gewicht auf der Beschreibung der Cocainintoxikation liegt. Der Drogenmissbrauch wird sowohl zeitlich als auch geographisch untersucht. Die Arbeit enthält ein ausführliches Literaturverzeichnis.

Zur Geschichte der örtlichen Betäubung in der Veterinärchirurgie liegt eine Arbeit von I.-I. Magda vor.29 Sie beschäftigt sich mit den gebräuchlichsten Lokalanästhetika im Veterinärbereich, von Cocain bis zu Novocain. Jedoch postuliert der Verfasser einige den gängigen Lehrmeinungen widersprechende Thesen, so soll nicht Koller der Begründer der örtlichen Betäubung gewesen sein, sondern der russische Wissenschaftler W. K. Anrep. Auch sei die Leitungsanästhesie nicht von Halsted und Oberst entdeckt worden, sondern von N. W. Maklakow und W. K. Anrep.

Lokalanästhetika werden außerdem in Arbeiten zur Geschichte der Anästhesie behandelt. Da die Geschichte der Lokalanästhetika hier nur einen Teilaspekt darstellt, wird das Thema nur am Rande bearbeitet. Hier sind die Studien von Thomas E. Keys30, Bernt Karger-Decker31, Paul Ridder32, Paul Siedler33 und F.-W. Sydow34 zu nennen. Keys bietet auf fünf Seiten eine kurze Geschichte der Lokalanästhetika. Er beginnt mit der Geschichte des Cocains und endet mit der Entdeckung des Novocain durch Einhorn 1904. Von den Anfängen der örtlichen Betäubung über die Isolierung des Cocains bis zur Entdeckung des Novocains erstreckt sich die Geschichte der Narkose und der Lokalanästhesie von Karger-Decker. Ausführlich erläutert dieser die verschiedenen Methoden der Anästhesie und deren Entdecker, deren Kurzbiographie er vorstellt. Die Monographie von Ridder behandelt eingehend die zu den Lokalanästhetika veröffentlichten Aufsätze, die der Autor auch jeweils bewertet. Neben der Entdeckung der lokalanästhetischen Wirkung des Cocains analysiert er zudem die Ursachen, die dazu geführt haben und die Art und Weise, wie das Wissen über die praktische Anwendung aufgenommen und in die medizinische Praxis Eingang fand. Die Arbeit von Paul Siedler gibt ebenfalls einen kurzen Überblick über die Entdeckung der lokalanästhetischen Wirkung des Cocains und der Entwicklung von Ersatzstoffen hin zum Novocain und Stovain.

F.-W. Sydow beschreibt in seinem medizinhistorischen Beitrag ‘Geschichte der Lokal- und Leitungsanästhesie’ exakt die Entwicklung vom Cocain zum Lidocain. Neben der Erwähnung fast aller für dieses Thema relevanten Personen bewertet er die die Entwicklung der Lokalanästhesie unter dem Gesichtspunkt ihrer Gefährlichkeit für den Patienten.

Im Folgenden sollen noch einige Übersichtsarbeiten zum Thema Lokalanästhetika vorgestellt werden. Hier sind die Beiträge von Karl-Dieter Hoffmann35, Bernard Unterhalt36 und Rüdiger Meyer37 zu nennen. Hoffmann beschreibt die Entwicklung der Koka von der heiligen Inka-Pflanze zur illegalen Droge, wobei er einen ausführlichen Bericht über die heutige Drogenproblematik mit ihren Vertriebswegen, Konsumenten und Gründen darlegt. Unterhalt gibt einen kurzen Abriss zur Geschichte des Cocains und Meyer behandelt sich mit den massiven Intoxikationserscheinungen des Alkaloids.

Mit der Arzneimittelgruppe der Lokalanästhetika beschäftigten sich bisher nur medizinhistorische Arbeiten. Die Dissertationen von Inge Krüssmann38, Mary Zemaitis39, Elisha Ben-Zur40, Herbert Hessler41, Michael Dosch42 und Ronald Dietmar Gerste43 untersuchen die Entdeckung der lokalanästhetischen Wirkung des Cocains unter unterschiedlichen Aspekten. In ihrer Arbeit schildert Krüssmann die Geschichte der Anästhesie bis zur Entdeckung der lokalanästhesierenden Wirkung des Cocains. Nach der Beschreibung der Cocainvergiftung behandelt sie zu den Cocainersatzstoffen bis zum Larokain jeweils Entdecker, chemische Eigenschaften und Anwendungsmöglichkeiten. Es gibt jedoch keine ausführlichen Biographien der erwähnten Personen, und es wurden keine Archive besucht. Der Umfang beträgt 34 Seiten, von denen zwei auf das Literaturverzeichnis entfallen. Zemaitis beschreibt die Vorläufer der chirurgischen Anästhesie sowie die Entdeckung der Anästhesie und bezieht hier auch die Cocaingeschichte mit ein. Die Studie umfasst 106 Seiten, davon entfallen 28 Seiten auf das Literaturverzeichnis, das entsprechend den Hauptkapiteln untergegliedert ist. Zu einem großen Teil basiert die Untersuchung auf Primärquellen, sie enthält jedoch keine Biographien über die erwähnten Personen. Die medizinhistorische Promotionsschrift von Ben-Zur schildert die Geschichte der Anästhesie bis zur Entdeckung des Cocains und beschreibt die medizinische Anwendung des Alkaloids sowie dessen Vergiftungsproblematik. Zudem enthält sie eine kurze Auflistung der synthetischen Ersatzstoffe des Cocains bis hin zum Novocain. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht die Klärung des Prioritätsstreites zwischen den Entdeckern des ersten Lokalanästhetikums. Die Dissertation umfasst jedoch nur 43 Seiten, von denen vier Seiten Literaturangaben enthalten, biographische Analysen fehlen ebenso wie Archivbesuche. Hessler untersucht in seiner Monographie die genauen Umstände, die zur Entdeckung des Cocains als erstem Lokalanästhetikum führten. Auf 52 Seiten (6 Seiten Literaturverzeichnis) zeichnet er diesen Weg nach und beschreibt detailliert die Beziehungen zwischen Karl Koller (1857–1944), Sigmund Freud (1856–1939) und Leopold Königstein (1859–1924). Zu den beiden Erstgenannten liefert der Autor eine kurze Beschreibung von Jugend und Studium. Ausführlich wird der Beginn der Lokalanästhesie mit Cocain anhand der erschienen Aufsätze in den medizinischen Fachzeitschriften untersucht. Außerdem wurden Akten des Universitätsarchivs in Heidelberg ausgewertet. Die medizinhistorische Promotionsschrift von Dosch analysiert den Wandel der therapeutischen Anwendung von Lokalanästhetika. Ausgehend von Cocain als erstem Lokalanästhetikum skizziert er die Weiterentwicklung dieser Arzneimittelgruppe bis zum Novocain unter den Aspekt der Verwendung in der Therapie. Die Relevanz der Lokalanästhetika für die Entzündungstherapie wird ebenso wie das Sekundenphänomen44 und die Neuraltherapie45 behandelt. Die Arbeit umfasst 111 Seiten, in denen ein 23-seitiges Literaturverzeichnis enthalten ist, das auch ungedruckte Quellen, die sich im Besitz des Vaters von Dosch befanden, aufführt. Ausführliche biographische Abgaben fehlen jedoch.46

In seiner Monographie ‘Die Entwicklung der Anästhesie im Spiegel der medizinischen Fachzeitschriften des 19. Jahrhunderts’ erläutert Gerste die Einführung der Lokalanästhetika bis zu den ersten Cocainersatzstoffen Eukain und Orthoform. Anhand der Veröffentlichungen in den damaligen medizinischen Zeitschriften rekonstruiert er die Einführung des ersten Lokalanästhetikums Cocain. Der Autor untersucht ferner die Rolle der Fachzeitschriften für die Durchsetzung von Neuerungen auf dem Gebiet der Schmerzausschaltung und damit letztendlich für die Entwicklung der Therapie. Der Umfang der Arbeit beträgt 156 Seiten, es gibt ein achtseitiges Literaturverzeichnis, jedoch keine ausführlichen Biographien. Alle diese Dissertationen bieten keine wesentlich neuen Erkenntnisse. Die Entdeckung der lokalanästhetischen Wirkung des Cocains und seine Einführung in die Therapie werden zwar ausführlich beschrieben, indes die übrigen Lokalanästhetika nur kurz abgehandelt. Auch finden sich zu den Entdeckern keine Biographien.

Die Dissertationen von Hans Mente47, Barbara Rupp48, Aleksander Sokolow49, Roman Kudella50 und Mikhail Liakhovitski51 aus dem Bereich der Zahnmedizin behandeln die Einführung der Lokalanästhesie in ihrem Fachgebiet. Mente beschreibt in seiner Monographie die Anästhesieversuche vor der Entdeckung des Cocains und bezeichnet diese als wenig praktikabel. Es folgt eine Schilderung der Entdeckung des Cocains mit der Isolierung durch Albert Niemann (1834–1861) und Wilhelm Lossen (1838–1906). Der Autor nennt die Vor- und Nachteile der Ersatzpräparate für Cocain und beschreibt mögliche Vergiftungen durch das Alkaloid. Die Autorin der Dissertation ‘Zur Geschichte der Anästhesie in der Zahnheilkunde’ beginnt mit einer Gegenüberstellung von Lokalanästhesie und Narkose. Außerdem verweist sie auf Komplikationen, die mit einer Allgemeinnarkose verbunden sein können. Auf 11 Seiten gibt sie ferner einen Überblick über die Geschichte der Lokalanästhesie bis zum Wissensstand in den 1970er Jahren und behandelt dabei die Lokalanästhetika bis hin zum Ultracain. Es gibt 91 Literaturzitate, Archive wurden jedoch nicht besucht. Sokolow geht in seiner Untersuchung nur auf einer Seite auf die Forschung nach neuen Narkosemitteln ein. Auf 32 Seiten schildert Kudella die geschichtliche Entwicklung der Lokalanästhesie zu Beginn der Cocainanästhesie und deren geographischer Ausbreitung. Differenziert veranschaulicht er allerdings die Entwicklung der Lokalanästhetika in Amerika und in Europa. Von den 153 Seiten der Arbeit entfallen 16 auf das Literaturverzeichnis. Es gibt keine Biographien der Entdecker und Archivalien wurden nicht einbezogen. Die Dissertation von Liakhovitski untersucht die Einführung der Lokalanästhesie in die Zahnheilkunde in Russland im 19. Jahrhundert anhand von russischen zahnärztlichen Fachzeitschriften. Schwerpunkte der Arbeit sind der Wissenstransfer der zahnärztlichen Lokalanästhesie nach Russland und die Beteiligung der russischen Ärzte und Zahnärzte an ihrer Einführung. Neben einer allgemeinen Schmerzdefinition erläutert der Autor die Bedeutung des Schmerzes in der zahnärztlichen Praxis und die Problematik der Schmerzbekämpfung. Bei der Darstellung der Versuche zur Entwicklung eines brauchbaren Lokalanästhetikums charakterisiert Liakhovitski kurz die Arzneistoffen Cocain, Eukain, Acoin, Anesin, Orthoform, Nirvanin, Alipin und Novocain. Die Arbeit umfasst 76 Seiten, 148 Eintragungen im Literaturverzeichnis. Sie enthält keine Biographien und als Quellen dienten vor allem russische gedruckte Primärquellen. Diese Dissertationen bieten wie die medizinhistorischen bezüglich Biographien und Archivbesuchen keine neuen Erkenntnisse.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass alle Lokalanästhetika, die nach dem Cocain bis zum Lidocain eingeführt wurden, fast nur in pharmakologischen Werken Erwähnung finden. Die Vorgeschichte der Entdeckung der lokalanästhetischen Wirkung des Cocains und die Entdeckung selbst ist zwar häufig beschrieben und untersucht worden, jedoch auch mit vielen Unstimmigkeiten. Die Dissertationen enthalten fast keine Biographien der Forscher und es sind kaum Archivalien in die Untersuchungen einbezogen worden Es gibt keine neuen Erkenntnisse zu den Lokalanästhetika, die nach dem Cocain eingeführt wurden. Eine arzneigeschichtliche Untersuchung der Geschichte der Lokalanästhetika blieb also bis heute ein Desiderat.

2 Zielstellung

Die Arbeit möchte zur Kenntnis folgender Aspekte der Geschichte der Lokalanästhetika beitragen:

- die Entwicklungs-, Prüfungs-, Einführungs- und Vermarktungsstrategien von Lokalanästhetika unter Berücksichtigung der unterschiedlichen gesundheits- und wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen,
- der Einsatz von Lokalanästhetika in der Medizin,
- die beteiligten Firmen, Personen und staatlichen Institutionen insbesondere im deutschsprachigen Raum

3 Material und Methodik

Eine Einführung in das Thema ermöglichten die Monographien ‘Die Geschichte der Arzneimittelforschung’52 von Béla Issekutz und die ‘Arzneimittelgeschichte’53 von Wolf-Dieter Müller-Jahnke, Christoph Friedrich und Ulrich Meyer sowie ‘Drug Discovery. A History’54 von Walter Sneader und das Standardwerk ‘Geschichte der Pharmazie II’55 von Christoph Friederich und Wolf-Dieter Müller-Jahnke. Dazu kamen Übersichtsarbeiten zu Cocain, Lokalanästhetika und zur Lokalanästhesie56 sowie ferner ältere Auflagen einschlägiger Pharmakologie-Lehrbücher.57 Um den derzeitigen wissenschaftshistorischen Forschungsstand erfassen zu können, begann eine umfangreiche Literaturrecherche. Den Ausgangspunkt hierfür bildeten der ‘Index wissenschaftshistorischer Publikationen’58 von Gerhard Fichtner und die ‘Medical Bibliographie’59 von Garrison und Morton. Des Weiteren wurden die Verzeichnisse des Heidelberger Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin, des Marburger und des Braunschweiger Instituts für Geschichte der Pharmazie sowie die Greifswalder Schriften zur Geschichte der Pharmazie und Sozialpharmazie, die Düsseldorfer Arbeiten zur Geschichte der Medizin und die Veröffentlichungen in den ‘Pharmaziehistorischen Bibliographien’ durchgesehen. Eine Internetrecherche brachte eine immense Anzahl an Publikationen. Die Auswertung zeigte jedoch, dass der Schwerpunkt der vorhandenen Literatur zu der Geschichte der Lokalanästhetika auf dem Alkaloid Cocain liegt. Die Vorgeschichte der Entdeckung der lokalanästhetischen Wirkung des Alkaloids, die Entdeckung und die damit verbundenen Personen sowie die Einführung in die Therapie, der Kokainismus und seine Erscheinungsformen sind am häufigsten bearbeitet worden, während die weiteren Lokalanästhetika bisher nur kurz charakterisiert wurden.

Zeitschriftenrecherche

An die Auswertung der Übersichtsliteratur soll sich eine systematische Zeitschriftenrecherche anschließen. Folgende Zeitschriften werden zur Untersuchung herangezogen:

- Arzneimittelforschung / Drug Research,
- Die Pharmazie
- Die Münchner Medizinische Wochenschrift
- Die Medizinische Welt
- Die Deutsche Medizinische Wochenschrift

4 Zur geschichtlichen Entwicklung der Lokalanästhetika

4.1 Entwicklung bis zur Entdeckung des Cocains als Lokalanästheticum

4.1.1 Lokalanästhesie vor Cocain

Seit Jahrtausenden ist es ein Anliegen der Menschen, Schmerzen zu lindern. Erste schriftliche Hinweise dafür stammen aus der Zeit 2250 v. Chr., als auf einer babylonischen Tafel eine schmerzstillende Zahnfüllung erwähnt wurde. Vermutlich handelte es sich dabei um Bilsenkraut.60 Im alten Ägypten wurden getrocknete und kondensierte Häute sowie das Fett von Krokodilen auf die Haut gebracht, um eine örtliche Betäubung zu erreichen.61 Ein weiteres altes Verfahren zur lokalen Betäubung ist die Kompression von Nervenstämmen. Schon Ärzte aus dem alten Arabien setzten Knebel ein, um damit eine Blutstillung und Empfindungslosigkeit zu erreichen.62 Dabei wurde dieses Verfahren vor allem durch den arabischen Arzt Avicenna (980-1037) entwickelt.63 Im 12. Jahrhundert setzte man Kataplasmen von Mohn, Alraunwurzel und Bilsenkraut ein, um die die Haut örtlich empfindungslos zu machen.64 Dieses Gemisch wurde auch in Form von Ölen und Salben angewendet.65

Ein ebenfalls altes, physikalisches Verfahren zur lokalen Schmerzminderung ist Kälte. So gibt es Hinweise darauf, dass die Menschen seit Jahrhunderten oder sogar seit Jahrtausenden verwundete oder schmerzende Stellen kühlem Wasser aussetzten. Eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit diesem Verfahren erfolgte durch den italienischen Anatomen und Chirurgen Marco Aurelio Severino (1580-1656). Dessen Erkenntnisse gerieten jedoch in Vergessenheit bis der englische Chirurg John Hunter (1728-1793) herausfand, dass eine Kältemischung Kaninchenohren unempfindlich machen könne. Der französische Chirurg Dominique Jean Larrey (1766-1842), Chefarzt der napoleonischen Armee, berichtete 1807 darüber, dass bei einer Temperatur von -19 Grad Celsius die Sensibilität an den Extremitäten völlig aufgehoben wird, so dass Amputationen relativ schmerzfrei erfolgen können.66 Bei der klassischen Lokalanästhesie mit Kälte wird durch das Verdampfen von Flüssigkeiten der Haut Wärme entzogen, wobei die dadurch entstehende Kälte zu einer örtlichen Schmerzarmut führt. Flüchtige Substanzen wie Chloräthyl oder Äther mit einem niedrigen Siedepunkt haben dabei in kurzer Zeit eine örtliche „Vereisung“ mit Schmerzausschaltung zur Konsequenz. Im Jahr 1866 berichtete der englische Zahnarzt Benjamin Ward Richardson (1828-1896) über den erfolgreichen Einsatz mit örtlich versprühtem Äther.67

Ein Meilenstein für die Entwicklung der bildeten die von Alexander Wood (1817-1884) im Jahr 1853 vorgenommene hyperdermatische Einspritzung mittels einer durchbohrten Hohlnadel. Dank dieser Injektionsspritze war es möglich, Mittel, die bis dahin nur zur allgemeinen Anästhesie eingesetzt wurden (wie Morphin oder Opium), örtlich zu injizieren. Damit wurden einige Erfolge erzielt, die aber mitunter auf die Allgemeinwirkung der Mittel zurückgeführt werden konnten.68

4.1.2 Die Cocapflanze

Als Coca bezeichnet man die Blätter von Erythroxylaceen, die verschiedene Alkaloide, insbesondere Cocain, enthalten. Die wichtigste Art ist die Spezies Erythroxylon coca Lamark, die von dem französischen Naturforscher Jean Baptiste Lamark (1744-1829) als erstem bestimmt wurde. Die Cocapflanze ist ein pyramidenförmiger Strauch und kann eine Höhe von über fünf Metern erreichen.69 In Kulturen wird die Cocapflanze, die in ihrem Aussehen an den Schwarzdorn erinnert, jedoch auf etwa drei Meter zurückgeschnitten.70 Ihre Heimat liegt in den östlichen Abhängen der Anden.71 Die Verbreitung der Pflanze wird hauptsächlich durch ihre Empfindlichkeit gegenüber extremen Temperaturen begrenzt. So verlangen die Sträucher eine konstante Wärme zwischen 15 und 20 Grad Celsius. Tiefe Temperaturen führen dazu, dass nur kleine und wertlose Blätter wachsen. Dagegen verlieren die Blätter an heißen Standorten an Kraft und Gehalt. Obwohl auch schon in der Rinde der Cocapflanze Cocain nachgewiesen wurde, kommen für die Gewinnung des Coca-Alkaloids nur die Blätter in Frage. Die dunkelgrünen, ei- oder lanzettförmigen Blätter werden bei den drei existierenden Abarten der Cocapflanze unterschiedlich groß. Maximal sind die Blätter 9,5 cm lang und 4,5 cm breit. Sie sind ganzrandig, kurzstielig und weisen zwei Nebenblätter auf.72 Neben den Alkaloiden enthalten die Blätter auch Gerbstoffe und verschiedene ätherische Öle enthalten.73 Die Coca-Blätter können alle vier Monate geerntet werden. Der Anbau und die Ernte waren seinerzeit mit sehr großen Mühen verbunden. Die Indianer mussten von den kühlen Gebirgsregionen in die äußerst heißen Täler herabsteigen, wo es die meiste Zeit regnet. Bei der Ernte wurden die Blätter in lange, schmale Körbe gelegt und auf Lamas abtransportiert.74

Die älteste Genussform der Pflanze war das Kauen der getrockneten Blätter, wobei die Blätter zuvor mit Pflanzenasche oder Kalk und Wasser geknetet wurden.75 Die Pflanzenasche stammt dabei beispielsweise von Maisstengeln oder von der Quinoa (Chenopodium quiona), die auch als Inkareis bezeichnet wird.76 Durch das Knet-Verfahren wird das an Tannin und Pflanzensäure gebundene Cocain nach und nach freigesetzt.77 Der Genuss der Blätter war allerdings den Herrschern, Adeligen und Priestern vorbehalten. Jedoch wurden sie im Rahmen von religiösen Zeremonien und staatlichen festen auch an das Volk ausgeteilt.78

Cocablätter werden seit mindestens 5.000 Jahre verwendet. Die ältesten Funde stammen aus der Umgebung von Lima aus der Zeit von 2500-1800 v. Chr.. Die Tatsache, dass die Stammpflanzenarten nur als Kulturpflanzen bekannt sind und nicht wildwachsend vorkommen, lässt zudem auf ein hohes Alter dieser Züchtungen schließen.79 Nach dem Untergang des Inkareiches nahm während der spanischen Kolonialzeit der Gebrauch, Handel und Anbau der Coca stark zu. Die katholische Kirche und zunächst auch die spanischen Konquistadores versuchten indes weitgehend vergeblich, das Kauen der Coca-Blätter zu unterbinden. Die europäischen Eroberer gingen bald dazu über, den Coca-Gebrauch zu forcieren, weil sie eine erhebliche Steigerung der Arbeitsleistung bei den Indianern unter Coca-Einfluss konstatieren konnten.80

4.1.3 Einführung der Pflanze in Europa

Die Kunde vom Genuss der Cocapflanze gelangte 1499 durch den spanischen Priester Thomas Ortiz nach Europa. In einem Brief an seinen geistlichen Vorgesetzen berichtete Ortiz über den Gebrauch eines Genussmittels durch die Ureinwohner der Nordküste Südamerikas. Von den Ureinwohnern wurde diese Pflanze als ‚hayo‘ bezeichnet. Der spanische Konquistador Francisco Pizzaro (1476-1541) kam 1533 in nähere Berührung mit der Pflanze.81 Dessen Sekretär Francisco de Xeres berichtete nach seiner Rückkehr nach Spanien, dass die Ureinwohner bei ihrer schweren Arbeit in den Bergwerken ihre Leistungsfähigkeit durch das Kauen der Cocablätter gesteigert hatten.82 Zudem war es ihnen möglich, mühelos Hunger und Durst zu ertragen. Aufgrund dieser Wirkungen wurde Cocain von den Ureinwohnern seit jeher als heilig angesehen.83 Auch der spanische Konquistador Pedro de Cieza de Léon (1515-1560), der im Zeitraum von 1535 bis 1552 in verschiedenen Gebieten des ehemaligen Inkareiches weilte, berichtete 1553 über die Leistungssteigerung und anregende Wirkung des Cocagenusses.84

[...]


1 Siehe hierzu L. L. Brandt / G. Fehr (1996).

2 P. Ridder (1993), S. 86–93.

3 Siehe hierzu H. Hessler (1970), S. 1–10.

4 Als pharmaziehistorische Dissertation ist hier die Arbeit von J. Müller (1984) zu nennen.

5 Vgl. W.-D. Müller-Jahncke / C. Friedrich / U. Meyer (2005), S. 69f. und A. Helmstädter / Jutta Hermann (2001), S. 59–67.

6 Vgl. H. Hessler (1970), S. 33–36.

7 Vgl. H. Braun (1907), S. 77.

8 Vgl. W.-D. Müller-Jahncke / C. Friedrich / U. Meyer (2005), S. 149.

9 Zu Leben und Werk von Eduard Ritsert vgl. W.-H. Hein / H.-D. Schwarz (1997), S. 532.

10 Vgl. W.-D. Müller-Jahncke / C. Friedrich / U. Meyer (2005), S. 150f.

11 Siehe hierzu J. Müller (1985).

12 Siehe hierzu S. Anagnostou (2000), S. 96, S. 114, S. 138–141, S. 200f und S. 414.

13 Siehe hierzu F. Hall (1997), S. 83–86.

14 Siehe hierzu B. Issekutz (1971), S. 219–231.

15 Siehe hierzu W. Sneader (2005), S. 97f, S. 127–129.

16 Siehe hierzu C. Friedrich / W.-D. Müller Jahncke (2005), S. 540, S.579f und S. 585f.

17 Siehe hierzu W.-D. Müller-Jahncke / C. Friedrich / U. Meyer (2005), S. 147–151.

18 Siehe hierzu C. L. Lautenschläger (1955), S. 393–403.

19 Siehe hierzu B. Hoppe (1979), S. 9–29.

20 Siehe hierzu A. Niemann (1860).

21 Siehe hierzu H. Schadewaldt (1981), S. 149–157.

22 Vgl. R. Zaunick (1956).

23 Siehe hierzu T. Schweer / H. Strasser (1994).

24 Siehe hierzu B. Wolters (1994), S. 82–99.

25 Siehe hierzu W. Schmidbauer / J. vom Scheid (1975), S. 81–89.

26 Siehe hierzu C. Rätsch / J. Ott (2003).

27 Siehe hierzu H. Maier (1926).

28 Siehe hierzu M. Amberger-Lahrmann / D. Schmähl (1988), S. 33–46.

29 Siehe hierzu I.-I. Magda (1960).

30 Siehe hierzu T. Keys (1963), S. 61–66.

31 Siehe hierzu B. Karger-Decker (1984), S. 180–229.

32 Siehe hierzu P. Ridder (1993).

33 Siehe hierzu P. Siedler (1914), S. 92–95.

34 Siehe hierzu F. -W. Sydow (1971), S. 38–53.

35 Siehe hierzu K.-D. Hoffmann (1995), S. 36–44.

36 Siehe hierzu B. Unterhalt (1998), S. 54.

37 Siehe hierzu R. Meyer (1994), S. 9–14.

38 Siehe hierzu I. Krüssmann (1947).

39 Siehe hierzu M. Zemaitis (1957).

40 Siehe hierzu E. Ben-Zur (1960).

41 Siehe hierzu H. Hessler (1970).

42 Siehe hierzu M. Dosch (1976).

43 Siehe hierzu R. Gerste (1985).

44 Das Sekundenphänomen gehört zur Neuraltherapie. Ein solches Störfeld, das in irgendeiner Körperregion ein Krankheitsbild entwickelt, kann durch Injektion eines Lokalanästhetikums ausgelöscht werden. Siehe hierzu M. Dosch (1976), S. 57–75.

45 Die Neuraltherapie ist eine Behandlungsmethode zur Einwirkung auf erkrankte Organsysteme mittels Injektionen von Lokalanästhetika im Segmentbereich des Organs und Schmerzpunkten. Vgl. H. Hessler (1970), S. 56.

46 M. Dosch (1976), S. 81.

47 Siehe hierzu H. Mente (1922).

48 Siehe hierzu B. Rupp (1978).

49 Siehe hierzu R. Kudella (1989), S. 40–72.

50 Siehe hierzu A. Sokolow (1989), S. 45f.

51 Siehe hierzu M. Liakhovitski (2007).

52 Siehe hierzu B. Issekutz (1971), S. 219–231.

53 Siehe hierzu W.-D. Müller-Jahncke / C. Friedrich / U. Meyer (2005), S. 147–151.

54 Siehe hierzu W. Sneader (2005), S.97f, 127–129.

55 Siehe hierzu C. Friedrich / W.-D. Müller-Jahncke (2005), S. 540, 579f, 585f.

56 Siehe hierzu E. Bibra (1855), A. Zart (1903), L. Lewin (1924), S. 67–76, C.-L. Ludwig (1926), K. Vogeler (1942), V. Robinson (1946), W. Schneider (1956), S. 85–88, O. Zekkert (1960), H. H. Killian (1964), S. 256–260, P. Dosch (1973), E. Eriksson (1980), K.-L. Täschner / W. Richtenberg (1982), H.-D. Schwarz (1984), S. 6, C. Müller-Ebeling / C. Rätsch (1986), S. 153–157, G. Stille (1994), S. 45, L. L. Brandt (1997), R. Rahn (2003), S. 10–13.

57 Siehe hierzu H. Braun (1907), F. Härtel (1936), E. Mutschler (1975), S. 144–150, J. Meyer / H. Nolte (1977), K. Werning (1987), S. 386, H. J. Roth / H. Fenner (2000), S. 298, E. Eriksson (1980) und H. H. Killian (1973).

58 Siehe hierzu G. Fichtner (1992).

59 Siehe hierzu L. T. Morton (1943).

60 Vgl. F. POVACZ (2007), S. 94.

61 Vgl. R. HILDEBRANDT (1951), S. 3.

62 Vgl. I. KRÜSSMANN (1947), S. 3.

63 Vgl. R. HILDEBRANDT (1951), S. 2.

64 Vgl. I. KRÜSSMANN (1947), S. 3.

65 Vgl. R. HILDEBRANDT (1951), S. 3.

66 Vgl. E. BEN-ZUR (1960), S. 9.

67 Vgl. A. SCHOLZ (2005), S. 42.

68 Vgl. I. KRÜSSMANN (1947), S. 3.

69 Vgl. E. BEN-ZUR (1960), S. 15.

70 Vgl. A. BÜHLER (1958), S. 3046f.

71 Vgl. E. BEN-ZUR (1960), S. 15.

72 Vgl. A. BÜHLER (1958), S. 3046f.

73 Vgl. A. BÜHLER (1958), S. 3046f.

74 Vgl. S. ANAGNOSTOU (2000), S. 139.

75 Vgl. H. GEBHARDT (1947), S. 231.

76 Vgl. S. ANAGNOSTOU (2000), S. 139.

77 Vgl. H. GEBHARDT (1947), S. 231.

78 Vgl. S. ANAGNOSTOU (2000), S. 139.

79 Vgl. B. WOLTERS (1994), S. 82.

80 Vgl. S. ANAGNOSTOU (2000), S. 139.

81 Vgl. E. BEN-ZUR (1960), S. 15.

82 Vgl. H. KILLIAN (1973), S. 4.

83 Vgl. M. Dosch (1976), S. 4.

84 Vgl. S. KNEER (1987), S. 5.

Ende der Leseprobe aus 69 Seiten

Details

Titel
Zur Geschichte der Lokalanästhetika im 19. und frühen 20. Jahrhundert
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Note
2,3
Autor
Jahr
2020
Seiten
69
Katalognummer
V917180
ISBN (eBook)
9783346237323
ISBN (Buch)
9783346237330
Sprache
Deutsch
Schlagworte
geschichte, lokalanästhetika, jahrhundert
Arbeit zitieren
Diplom-Soziologe / PR-Berater (DPRG) Tilmann Wörner (Autor), 2020, Zur Geschichte der Lokalanästhetika im 19. und frühen 20. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/917180

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