Die Wortstellung des Mittelfranzösischen

Eine Untersuchung anhand zweier Werke der mittelfranzösischen Epoche


Seminararbeit, 2008
13 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. ) Einleitung

2. ) Literatur

3. ) Analyse - Jean Froissart

4. ) Analyse - Phillippe de Commynes

5. ) Fazit

6. ) Bibliographie

1. ) Einleitung

Die folgende Arbeit beschaftigt sich mit dem Thema der Wortstellung der Elemente Subjekt, Objekt und Verb des Mittelfranzosischen. Hierzu ist es notwendig, vorab die Epoche des Mittelfranzosischen mit einem zeitlichen Rahmen zu versehen, um Missverstandnisse zu vermeiden.

Dans la marche de revolution, on doit situer la fin de Tancien frangais proprement dit au moment ou le systeme de la declinaison k deux cas est profondement atteint, c'est-k-dire vers le milieu du 13e siecle ; le frangais moderne ne regoit son acte veritable de naissance qu'k la fin du premier tiers du 17e siecle, [.. .]1

In dieser Arbeit seien der Beginn des 100-jahrigen Krieges (1328) als Anfangspunkt und die Erlassung der Ordonnance de Villers-Cotteret (1539) als Endpunkt zur ungefahren Begrenzung der mittelfranzosischen Epoche gegeben. Dennoch sei darauf hingewiesen, dass es in der Wissenschaft diesbezuglich auch andere Auffassungen gibt.

Die Methode dieser Arbeit soll sein, zwei Werke der mittelfranzosischen Epoche, die zu verschiedenen Zeitpunkten entstanden sind, anhand von historischen Grammatiken zu untersuchen, um herauszufinden, was die Eigenheit der mittelfranzosischen Wortstellung der Satzelemente Subjekt, Verb, Objekt charakterisiert. Eingangs jeden Abschnitts wird das syntaktische Phanomen kurz erortert, wonach dann Beispiele aus der jeweiligen Primarliteratur folgen, die am Ende kontrastiert werden.

Wichtig zu beachten ist allerdings im Allgemeinen, dass das Mittelfranzosisch noch fernab jedweder Normierung war, was sich darin auBert, dass innerhalb eines Werkes z.B. die Orthographie eines einzigen Wortes in mindestens zwei verschiedenen Formen vorliegen konnte. Des Weiteren ist es wichtig, dass eine Untersuchung mittelfranzosischer Literatur nicht notwendigerweise maBgebend fur die gesamte Sprache der Epoche ist, da zum einen der Unterschied zwischen gesprochener und geschriebener Sprache auch im Mittelalter merklich war und zum anderen, da die untersuchte Literatur aus der Feder gebildeter Menschen stammt. Bildung war jedoch zu dem Zeitpunkt beieinem wesentlich geringeren Teil der Gesellschaft vorhanden, da Schulen oder gar Universitaten fur nur wenige zuganglich waren.

Zudem sei an dieser Stelle erwahnt, dass es im Rahmen dieser Arbeit unmoglich ist, auf jeden Satz der zu behandelnden Werke einzeln einzugehen. Viel mehr sollen exemplarisch selektierte Passagen prasentiert und analysiert werden, um so im Fazit eine allgemeine Ubersicht der Werke darstellen zu konnen.

2. ) Literatur

Bei den Werken handelt es sich um die Chroniques von Jean Froissart (Livre I, 1325 - 1350) und die Memoires von Philippe de Commynes (Livre III, 1469 - 1474). Sie sind fur diese Arbeit pradestiniert, da sie derselben Textgattung entspringen: historische Chroniken in Prosaform. « Il faut surtout noter le developpement des ouvrages en prose. Ils ne se bornent plus a l'histoire contemporaine, representee par Froissart et par Commines, [...]. »2 In den jeweiligen Buchern dokumentieren die Autoren das Zeitgeschehen aus ihrer Sicht, Froissart den 100-jahrigen Krieg, de Commynes die Herrschaft Louis XI. Auch die zeitliche Distanz der beiden Werke ist maBgebend fur ihre Auswahl, da man somit auch etwaige Strukturwandel innerhalb der Epoche beweisen konnte.

3. ) Analyse - Froissart

Froissart est a la fois poete et un historiographe. [...] La langue, tres riche et pittoresque, fait revivre pour nous ce que fut Fexistence et la mentalite des grands personnages de cette epoque particulierement troublee.3

In der neufranzosischen Syntax ist die Wortstellung weitestgehend fixiert. Die Grammatiken schreiben folgende Ordnung vor: sujet - verbe - complement d'objet.4 Dies gilt auch schon fur das Mittelfranzosische des 14. und 15. Jahrhundert, was zu einem GroBteil damit zusammenhangt, dass « [a]pres la disparition de la flexion casuelle, un ordre des mots rigoureux devait s'etablir, qui permit de distinguer sujet et regime »5 Dennoch gibt Cohen zu bedenken, dass « [...], dans les ouvrages savants, on voit la phrase se compliquer de nouvelles subordonnees et il apparait un reflet de la priode latine. 6

Brunot geht im Kapitel Ordre des mots zuerst auf die Inversion des Subjekts nach Adverb am Satzanfang ein. Jener Satzbau ist im Altfranzosischen obligatorisch, welcher sich teilweise noch bis ins 15. Jahrhundert zieht, jedoch heute nicht mehr ublich ist7 Dies ist ein Phanomen, welches im Neufranzosischen in wenigen Fallen existiert. ,,Die Inversion ist nach den satzeinleitenden Modaladverbien sans doute und peut-etre obligatorisch: Dabei steht die einfache Inversion, wenn das Subjekt ein Personalpronomen ist“8

« Or ai je mis, ou premier chief de mon proisme, que je voel parler et trettier de grans mervelles. »9

« Ossi en armes aviennent tant de grans merveilles et de belles aventures[...] »10

« Aneois eut il fait moult de coses damagables ou pays, si com vous ores chi apres. »11

« Atant se departi li messires de Maubuisson, [...] »12

In den vier Zitaten sind die Adverbien und die dadurch bedingte Inversion des Subjekts und des Pradikats kursiv gekennzeichnet und die Adverbien zudem unterstrichen. Die doch recht hohe Frequenz dieser Form der Inversion steht im Gegensatz zu Brunots Behauptung, dass « Froissart est un des ecrivains qui s'ecartent le plus de la vieille regle, [...] »13. Doch noch im selben Satz relativiert er seine Aussage, indem er behauptet, dass « en general, au XVe comme au XIVe, cette regle subsiste, [...]. »14 Diese Relativierung, und somit das Eingestandnis der Inkonsistenz des Mittelfranzosisch, scheinen auch bei Froissart programmatisch.

Brunot weist darauf hin, dass sogar die Konjunktion et am Satzanfang eine Inversion zur Folge haben kann, was sich bei Froissart auch bestatigt:15

« Et avoit en se compagnie un chevalier banereth, [...]. »16
« Et eurent conseil entre yaus de retenir saudoiiers a cheval et a piet, [...]. »17

In diesem Falle ist allerdings zu bemerken, dass Froissart haufig dann nach et das Subjekt omittiert, wenn es in Form eines Personalpronomens auftritt und das Subjekt vorher im Kontext schon einmal naher benannt wurde. Auf diese Weise wird die Sprache relatinisiert, indem Froissart das Personalpronomen in der Flexion -oit oder -ent des Verbes impliziert. Dennoch gibt es auch hier wieder syntaktische Gegensatze, bei denen das Subjektpronomen nicht omittiert wurde.

« Et appelle on le ville Quarquefoure, [...] »18

Im Folgenden zwei Beispiele ohne Inversion bei einem Satz mit et am Anfang ohne Personalpronomen als Subjekt.

« Et aucun des saudoiers et des jones bourgois issirent hors encontre yaus : [...] »19

« Et meismement messires Huges de Batefol devint homs ossi au dit conte avoecques chiaus de Montsegur, [...] »20

Somit kann man sehen, dass Brunots Analyse zu diesem Phanomen, zumindest in Hinsicht speziell auf Froissarts Chroniques, nicht vollends aussagekraftig ist.

Das nachste syntaktische Phanomen, auf das Brunot eingeht, ist die Inversion des Objekts. Hier beschreibt er verschiedene Vorkommnisse: zum einen, wenn das Subjekt in Form eines Personalpronomen auftritt, gilt folgende Regelung: « De regime, verbe, sujet, on passe a regime, sujet, verbe. »21

[...]


1 Cohen, 1967, S. 139.

2 Cohen, 1967, S. 142.

3 Bruneau, 1962, S. 110 f.

4 Im Folgenden durch S - V - C abgekurzt

5 Brunot, 1905 S. 480.

6 Cohen, 1967, S. 147

7 Vgl. Brunot, 1905, S. 481.

8 Dethloff/Wagner, 2002, S. 658.

9 Froissart, 2001, S. 72.

10 Ebd., S. 73.

11 Ebd., S. 81.

12 Ebd., S. 289.

13 Brunot, 1905, S. 481.

14 Ebd., S. 481.

15 Vgl. Brunot, 1905, S. 481.

16 Froissart, 2001, S. 144.

17 Ebd., S. 342.

18 Ebd., S. 361.

19 Ebd., S. 361.

20 Ebd., S. 493.

21 Brunot, 1905, S. 481.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die Wortstellung des Mittelfranzösischen
Untertitel
Eine Untersuchung anhand zweier Werke der mittelfranzösischen Epoche
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Romanische Philologie)
Veranstaltung
Einführung in das Mittelfranzösische
Note
2,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
13
Katalognummer
V91740
ISBN (eBook)
9783638058407
ISBN (Buch)
9783638948579
Dateigröße
469 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wortstellung, Mittelfranzösischen, Einführung, Mittelfranzösische
Arbeit zitieren
Kristof Hoppen (Autor), 2008, Die Wortstellung des Mittelfranzösischen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/91740

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