Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob und auf welche Art sich die sprachlichen Mittel, mit denen die Ausführungen weiblicher und männlicher Politiker in Interviewsituationen umgesetzt werden, unterscheiden. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Bestimmtheit, Zielgerichtetheit und Themenbezogenheit, die von Politikerinnen und Politikern in den Reaktionen auf Interviewfragen im Rahmen politischer Talkshows zum Ausdruck gebracht werden. Diese Phänomene werden durch den Terminus der Assertivität erklärt. Auf Grundlage dessen werden anschließend Theorien zu sprachlichen Ausweichstrategien in politischen Interviews mit dem Assertivitätskonzept verknüpft und zu einem Analysekatalog verschmolzen, der ein Kontinuum an verschiedenen Assertivitätsgraden und deren Umsetzung durch sprachliche Mittel definiert.
Auf der Basis der in diesem Katalog enthaltenen Kategorien werden mittels einer Untersuchung ausgewählter Interviewbeispiele aus der politischen Talkshow „Late Edition“ des amerikanischen Nachrichtensenders „CNN“ vier Fragestellungen überprüft:
1. Sind männliche und weibliche Politiker in unterschiedlichem Maße assertiv?
2. Bringen Politiker und Politikerinnen Assertivität unter Verwendung unterschiedlicher sprachlicher Mittel zum Ausdruck?
3. Gibt es in politischen Interviews von Seiten männlicher und weiblicher Interviewter unterschiedliche Präferenzen für verschiedene Modi, mit denen linguistische Signale von Assertivität vorgebracht werden können?
4. Sind weibliche Politiker in einem höheren Maße als ihre männlichen Kollegen dazu geneigt Fragen ausweichend zu beantworten?
Inhaltsverzeichnis
I Einleitung
II Institutioneller und gesellschaftlicher Hintergrund
II.I Die Institution „CNN“ als Initiator politischer Interviews
II.II Geschlechterrollen im politischen Diskurs
III Theoretischer Hintergrund
III.I Das Genre des politischen Interviews
III.II Das Konzept der Assertivität
III.III Die Relation von Geschlechterrolle und Assertivität
IV Die Untersuchungsgrundlagen
IV.I Der Untersuchungsgegenstand / Interviewauswahl
IV.II Der Analysekatalog
IV.II.I Die Kategorien
IV.II.I.I Vollständige Antworten (VA)
IV.II.I.II Unvollständige Antworten (UVA)
IV.II.I.III Anerkennen der Frage / Nichtbeantwortung (NB)
IV.II.II Der Modalitätsbegriff
IV.III Methodologie
V Hypothesen, Analysen und Diskussion
V.I Hypothese 1
V.II Hypothese 2
V.III Hypothese 3
V.IV Hypothese 4
VI Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht anhand von Interviews des Nachrichtensenders „CNN“, inwieweit sich die sprachlichen Mittel weiblicher und männlicher Politiker in Interviewsituationen unterscheiden und ob geschlechtsspezifische Unterschiede in der Ausprägung und Anwendung assertiver Verhaltensweisen vorliegen.
- Analyse geschlechtsspezifischer Redemuster im politischen Diskurs.
- Untersuchung des Konzepts der Assertivität in politischen Talkshows.
- Evaluierung sprachlicher Ausweichstrategien und Antwortkategorien.
- Vergleichende quantitative Auswertung von Modalitätsformen.
- Überprüfung der Hypothese, dass das Geschlecht die Manifestierung von Assertivität beeinflusst.
Auszug aus dem Buch
III.I DAS GENRE DES POLITISCHEN INTERVIEWS
Das politische Interview ist eine spezielle Form des mündlichen Diskurses, die sich in essentiellen Punkten, wie der Rollenverteilung zwischen den Interaktanten, Organisation, Struktur und Zeitrahmen, von herkömmlicher zwischenmenschlicher Konversation unterscheidet. In den meisten Fällen findet das Gespräch von Angesicht zu Angesicht an einem dafür vorgesehenen Ort, z. B. in einem Studio oder auf einer Pressekonferenz statt und wird durch die Medien des Radios, Fernsehens oder Internets in Echtzeit oder zeitversetzt übertragen. (vgl. Jucker 1986: 3) Daneben liegt eine gewisse Zahl von Interviews auch in schriftlicher Form, als Artikel in den Printmedien oder im Internet, vor. Allerdings gehen diesen Transkripten stets mündliche Interviews voraus.
So begreift Ekström (2001: 564ff.) das politische Interview als eine institutionelle Form sozialer Interaktion. Für den Interviewer und den Interviewten gelten bestimmte Rollenmuster, die sich sowohl aus dem institutionellen Kontext als auch aus der Gesprächssituation heraus ergeben. Von diesen Konventionen wird angenommen, dass beide Parteien sie einerseits kennen und sich andererseits in Übereinstimmung mit ihnen verhalten. Unter der Grundannahme, dass das politische Fernsehinterview eine Diskursform ist, die die öffentliche Wahrnehmung von Politikern maßgeblich beeinflusst, werden vier Kriterien definiert, die für das Genre als solches charakteristisch sind:
Das Interview wird vom Moderator begonnen und beendet.
Der Interviewer ergreift die Initiative, indem er den Interviewten auffordert zu sprechen.
Zusammenfassung der Kapitel
I Einleitung: Diese Einleitung führt in das Feld der Geschlechterrollenforschung ein und definiert das Ziel, die geschlechtsspezifische Anwendung sprachlicher Mittel in Interviews zu untersuchen.
II Institutioneller und gesellschaftlicher Hintergrund: Das Kapitel beleuchtet die Rolle des Fernsehens und speziell der politischen Talkshow als Vermittler zwischen Politik und Öffentlichkeit.
III Theoretischer Hintergrund: Hier werden das Genre des politischen Interviews sowie der Terminus der Assertivität definiert und die Zusammenhänge zwischen Geschlechterrolle und assertiver Kommunikation diskutiert.
IV Die Untersuchungsgrundlagen: Dieses Kapitel erläutert die Auswahl der Interviewbeispiele sowie die methodische Kategorisierung der Reaktionen und Modalitätsformen für die spätere Analyse.
V Hypothesen, Analysen und Diskussion: Auf Basis des Analysekatalogs werden vier Hypothesen formuliert und durch eine quantitative Auswertung der Interviewtranskripte überprüft.
VI Schluss: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Untersuchung zusammen, wonach männliche Politiker assertiver kommunizieren als ihre weiblichen Kolleginnen, und gibt Anregungen für zukünftige Forschungsansätze.
Schlüsselwörter
Assertivität, Politische Interviews, Geschlechterforschung, Politischer Diskurs, Sprachwissenschaft, Interviewtechniken, CNN, Late Edition, Modalität, Ausweichmanöver, Geschlechterrolle, Kommunikationsverhalten, Sprachanalyse, Politische Rhetorik, Quantitative Linguistik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Magisterarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht geschlechtsspezifische Unterschiede im Kommunikationsverhalten von Politikern in TV-Interviews, wobei der Fokus auf dem Einsatz sprachlicher Assertivität liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Die zentralen Themen umfassen die Geschlechterrollenforschung, das Genre des politischen Interviews sowie sozialpsychologische Theorien zur Assertivität.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit geht der Frage nach, ob sich die sprachlichen Mittel, mit denen weibliche und männliche Politiker auf Interviewfragen reagieren, signifikant unterscheiden und ob männliche Politiker assertiver auftreten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine quantitative Inhaltsanalyse von Interviewtranskripten durchgeführt, bei der Antworten in verschiedene Kategorien eingeteilt und mittels relativer Werte verglichen werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung, die Erläuterung des Analysekatalogs inklusive der Kategorisierung von Antworten und Modalität sowie die empirische Überprüfung der vier aufgestellten Hypothesen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Assertivität, politischer Diskurs, Geschlechterrollen, sprachliche Ausweichstrategien und die Analyse von Modalitätsformen in Interviews.
Welches Ergebnis liefern die Analysen zu den Ausweichmanövern?
Es zeigt sich, dass Politikerinnen in TV-Interviews fast doppelt so häufig wie männliche Politiker auf Ausweichmanöver zurückgreifen, was als Kompensation für ein wahrgenommenes geringeres Maß an Assertivität interpretiert wird.
Warum spielt der Begriff der Modalität eine wichtige Rolle?
Die Modalität dient als Indikator für den Grad an Assertivität, da bestimmte modale Ausdrücke (wie Hedges) die Direktheit einer Aussage abschwächen können.
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- M.A. BA (Hons) Robert Trillitzsch (Author), 2007, Grade geschlechtsspezifischer Assertivität am Beispiel von politischem Diskurs, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/91745