Die vorliegende Bachelorarbeit soll einen Überblick über das Böse in den verschiedenen Medeavarianten geben. Dabei soll das Hauptaugenmerk auf die Bösartigkeit der einzelnen Figuren gelegt werden, insbesondere auf Medea, wobei diese in die zehn Figurentypen des Bösen zugeordnet werden sollen. Darüber hinaus sollen die einzelnen Aspekte, welche das bösartige Verhalten der Figuren begründet, behandelt und analysiert werden. Mit dieser Arbeit soll das Ziel verfolgt werden, zu klären, ob die Protagonistin Medea zu den grausamen Taten getrieben wurde und welche sozialen Umstände für ihr Handeln verantwortlich sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definitionen des Bösen
2.1. Definition des Bösen in der Antike
2.2. Definition des Bösen in der Biedermeierzeit
2.3. Definition des Bösen in der Gegenwart
3. Analyse und Einordnung der Figurentypen in Euripides Medea
3.1. Medea
3.2. Jason
3.3. Fazit
4. Analyse und Einordnung der Figurentypen in Grillparzers Medea
4.1. Medea
4.2. Jason
4.3. Kreusa
4.4. Die Söhne
4.5. Fazit
5. Analyse und Einordnung der Figurentypen in Wolfs Medea. Stimmen.
5.1. Medea
5.2. Die Gesellschaft
5.3. Jason
5.4. Kreon
5.5. Akamas
5.6. Agameda
5.7. Presbon
5.8. Glauke
5.9. Leukon
5.10. Fazit
6. Vergleich der Werke
7. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Phänomen des Bösen in drei verschiedenen Medea-Varianten (Euripides, Grillparzer, Wolf) und analysiert, inwieweit das soziale Umfeld und gesellschaftliche Rahmenbedingungen die Protagonistin zu ihren Handlungen treiben oder sie zur Sündenbockfigur machen.
- Vergleichende Analyse des Begriffs "das Böse" in Antike, Biedermeier und Gegenwart
- Anwendung von Julian Bagginis zehn Figurentypen des Bösen auf die literarischen Charaktere
- Untersuchung der Anerkennungsmodi nach Axel Honneth als Ursache für mediales Fehlverhalten
- Analyse patriarchaler Strukturen und deren Einfluss auf die weibliche Identität und Rache
- Diskussion des Sündenbock-Mechanismus in Christa Wolfs "Medea. Stimmen."
Auszug aus dem Buch
3.1. Medea
Medea, die Protagonistin in Euripides gleichnamigem Werk, verkörpert eine verlassene und rachelustige Frau. Innerhalb der Tragödie verübt sie insgesamt fünf Morde, sie tötet ihren Bruder, ihre beiden Kinder, König Kreon und dessen Tochter. Durch diese Taten wird sie von der Gesellschaft abgelehnt, verliert ihre ohnehin sehr geringe Anerkennung und wird aus dem Land getrieben. Das Lesepublikum sieht Medea sofort als bösartige und rachsüchtige Frau an. Die Morde an ihrem Bruder und ihren Kindern werden dabei als besonders grausam und böse wahrgenommen, betrachtet man jedoch die Umstände unter welchen Medea die Morde begangen hat, lässt sich nicht unmittelbar feststellen, wer in diesem Werk als böse zu bezeichnen ist. Exemplarisch dafür ist der Brudermord, Medea tötet ihren Bruder, um mit Jason das Goldenen Vlies zu stehlen. Sie verrät ihre Familie, ihre Heimat und tötet sogar ihren Bruder, um Jason ihre Liebe zu beweisen.
„O Vater und Heimat, denen ich schnöd Absagt, indem ich den Bruder erschlug!“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die zentrale Forschungsfrage vor, ob Medea aus reiner Bösartigkeit handelt oder durch ihr soziales Umfeld zu ihren Taten getrieben wird.
2. Definitionen des Bösen: Das Kapitel erläutert unterschiedliche philosophische Sichtweisen auf das Böse in der Antike, der Biedermeierzeit und der Gegenwart.
3. Analyse und Einordnung der Figurentypen in Euripides Medea: Hier werden die Charaktere bei Euripides auf Basis der Anerkennungstheorie nach Honneth analysiert und als Reaktion auf Demütigung interpretiert.
4. Analyse und Einordnung der Figurentypen in Grillparzers Medea: Dieses Kapitel zeigt, wie Medea bei Grillparzer versucht, sich anzupassen, und durch sozialen Ausschluss und Kränkungen in die Rache getrieben wird.
5. Analyse und Einordnung der Figurentypen in Wolfs Medea. Stimmen.: Die Analyse untersucht, wie Medea hier zur Sündenbockfigur konstruiert wird, da sie keine Morde begeht, sondern das Opfer patriarchaler Intrigen ist.
6. Vergleich der Werke: Dieser Abschnitt zieht eine vergleichende Bilanz, wie sich das Verständnis und die Darstellung des Bösen über die Epochen und Autoren hinweg verändert hat.
7. Resümee: Die Zusammenfassung unterstreicht die These, dass Medea primär ein Opfer ihres sozialen Umfelds ist und durch äußere Zwänge in ihre Rollen gedrängt wird.
Schlüsselwörter
Medea, Das Böse, Euripides, Grillparzer, Christa Wolf, Anerkennungstheorie, Axel Honneth, Julian Baggini, Sündenbock-Syndrom, Kindsmörderin, Patriarchat, Rache, soziale Ausgrenzung, Geschlechtergeschichte, Figurenanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Bachelorarbeit?
Die Arbeit analysiert das Handeln der Protagonistin Medea in drei unterschiedlichen literarischen Fassungen unter dem Fokus, wie und warum sie jeweils als böse wahrgenommen wird.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Arbeit?
Zentrale Themen sind die philosophische Definition des Bösen, die Rolle der Frau im Patriarchat, soziale Anerkennung und die Konstruktion von Identität unter extremem Druck.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, ob Medea eine intrinsisch böse Figur ist oder ob soziale Umstände und Demütigungen sie zu ihren Taten zwingen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Verfasserin?
Es wird eine Figurenanalyse vorgenommen, die auf den Methoden der Gender Studies, psychoanalytischen Ansätzen und den philosophischen Kategorien von Julian Baggini und Axel Honneth beruht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in drei detaillierte Figurenanalyse-Kapitel zu Euripides, Grillparzer und Christa Wolf, in denen die spezifischen Handlungsweisen und Motivationen der Figuren verglichen werden.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Untersuchung?
Neben dem zentralen Motiv der "Medea" sind Begriffe wie Anerkennungsmodus, Sündenbockmechanismus, Mittäterschaft und patriarchale Unterdrückung essenziell.
Inwiefern unterscheidet sich die Medea von Christa Wolf von den anderen Versionen?
Im Gegensatz zu Euripides und Grillparzer begeht Medea bei Wolf keinen Mord; sie wird stattdessen von der Gesellschaft als Sündenbock instrumentalisiert und durch Intrigen politisch beseitigt.
Welche Rolle spielt die Theorie von Axel Honneth für die Analyse?
Honneths Anerkennungstheorie dient als Instrument, um aufzuzeigen, wie Medea durch den Entzug von Liebe und sozialer Wertschätzung in den "sozialen Tod" getrieben wird.
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- Yvonne Pichler (Author), 2020, Das Böse in den verschiedenen Medea-Varianten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/917590