Religiöser Tourismus

Gezielte wirtschaftliche Vermarktung religiöser Orte und die Auswirkungen am Beispiel des Kloster Andechs


Seminararbeit, 2006

13 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Wallfahrt
2.1 Der Wallfahrtsort
2.2 Der Wallfahrer
2.3 Wallfahrt gestern und heute

3 Entwicklung des Kloster Andechs
3.1 Geschichte: Entstehung und Bedeutung des Wallfahrtsortes
3.1.1 Betreuung der Wallfahrer
3.1.2 Das Kloster als Wirtschaftsgut
3.2 Kloster Andechs heute
3.2.1 Das Kloster als touristisches Ausflugsziel und Wallfahrtsort
3.2.2 Die heutigen Wirtschaftsbetriebe des Klosters
3.2.3 Die regionale Bedeutung des Klosters
3.2.4 Vermarktung des Kloster Andechs

4 Fazit

5. Zitierte Quellen

1 Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Thema „Formen von religiösem Tourismus“ aus ethnologischer Sicht und geht insbesondere der Frage nach, welche Auswirkungen ein gezieltes Marketing religiöser Einrichtungen auf die Bevölkerung vor Ort, die wirtschaftliche Situation der Umgebung und weiterhin auf die religiöse Einrichtung selbst hat.

Als Grundlage meiner Arbeit werde ich von Rinschedes Text „Forms of Religious Tourism“ ausgehen und in einem ersten Schritt auf das Thema der Wallfahrt eingehen. Der Hintergrund von religiösem Tourismus und die Motivation der Reisenden sollen hier allgemein und einleitend in kurzer Form beleuchtet werden.

Zur Konkretisierung in Bezug auf die Auswirkungen von religiösem Tourismus habe ich exemplarisch das Beispiel des Kloster Andechs ausgewählt. Am Beispiel dieses Wallfahrtsortes werde ich aufzeigen, in welcher Art das Kloster als Wirtschaftsunternehmen die umliegende Region beeinflusst und welche Auswirkungen die vermehrten Marketingaktivitäten auf das Wallfahrtsziel haben. Neben öffentlich zugänglichen Quellen zu den wirtschaftlichen Aktivitäten des Klosters werden sich meine Ausführungen insbesondere auf Fragenkataloge stützen, welche mir vom Leiter der Öffentlichkeitsarbeit des Kloster Andechs (Herrn Martin Glaab), von einem Mitarbeiter der Gemeinde Andechs (Herrn Peter Kirchbichler in Zusammenarbeit mit Sachbearbeitern im Ordnungsamt/Meldeamt und nach Rücksprache mit Mitarbeitern des Bauamtes/Bauplanungsamtes) und vom zuständigen Tourismusverband Starnberger Fünf-Seen-Land (Herrn Werner Schmid) beantwortet wurden.

2 Die Wallfahrt

Das Nachschlagewerk „Religion in Geschichte und Gegenwart“ (2005: 1279) definiert den Begriff Wallfahrt als[1]

„eine religiös motivierte, individuelle oder kollektive Reise, die meist über eine größere Distanz auszuführen und (v. a. in früheren Zeiten) mit großen Mühen verbunden ist.“

Eine Wallfahrt ist also vor allem charakterisiert durch die Motivation des Reisenden, welcher vollständig oder auch nur teilweise aus religiösen Beweggründen eine Reise unternimmt (Rinschede 1992: 52). Ergänzend anzuführen ist dazu, dass auch bei vorrangig religiös motivierten Reisen andere Tourismustypen wie beispielsweise Kulturtourismus mit eingeflochten sind (so etwa in Form von Tagesausflügen) und vor allem heute Reisen multifunktionell angelegt sind. Auch sind zum Beispiel die Sehenswürdigkeiten des Bildungstourismus oft eng verknüpft mit religiösen Einrichtungen (ebd.: 52, 53).

2.1 Der Wallfahrtsort

Eine Wallfahrtstradition ist immer mit einem bestimmten Wallfahrtsort verbunden. Dieser Wallfahrtsort zeichnet sich meist durch das Wirken einer Gottheit oder wichtigen religiösen Gestalt in Form von „Wundern“ und „Visionen/Erscheinungen“ (Winter 2005: 1280) oder auch durch die Verehrung religiöser Objekte aus (Reliquien, wie beispielsweise das Turiner Grabtuch) (ebd.: 1286). Im Christentum und anderen Religionen existiert der Glaube, dass das Göttliche sich an bestimmten Orten manifestiert und wirkmächtig erfahrbar ist (ebd.: 1282).

2.2 Der Wallfahrer

Der Besuch eines Wallfahrtsortes kann motiviert sein aus einem Gefühl der Dankbarkeit oder Verehrung, als Bußübung, als Suche nach neuen, tieferen religiösen Erfahrungen oder aus einer grundsätzlichen religiösen Verpflichtung oder Frömmigkeit heraus. Auch die Suche nach Gleichgesinnten, Hoffnung auf körperliche und seelische Genesung und das Feiern von Gedächtnistagen spielen für den religiös motivierten Reisenden oft eine wichtige Rolle (ebd.: 1282). So geht es beim religiösen Reisen traditionell darum, den Glauben zu verstärken, zu erneuern und zu verdeutlichen, insbesondere unter dem Aspekt des Verzichts auf Bequemlichkeiten (ebd.: 1282, 1283).

Die Wallfahrt ist zudem oft charakterisiert durch Wunsch, etwas mitzubringen (Votivgaben) und etwas mit nach Hause zu nehmen (Reliquien, Pilgerzeichen etc.) (ebd.: 1283).

2.3 Wallfahrt gestern und heute

Traditionell fanden Wallfahrten in früheren Zeiten zu Fuss statt, wobei auch schon früh Transportmittel wie beispielsweise das Schiff genutzt wurden (Rinschede 1992: 60). Die Entwicklung des Schienentourismus hatte einen großen Einfluss auf die Wallfahrt und spielte eine bedeutende Rolle für die Pilgerzahlen und die Ausweitung des Einzugsgebietes, denn es war damit für immer mehr Wallfahrer möglich größere Strecken zu überwinden (ebd.: 60). Seit dem 2. Weltkrieg gewann auch die Flugreise an Bedeutung für die Wallfahrt (ebd.: 61). Heute zählen Auto und Bus zu den wichtigsten Transportmitteln im religiösen Tourismus und in westlichen Industrieländern ist der Anteil der Auto- und Busreisenden erheblich. Besonders organisierte Reisen finden vornehmlich in Form von Busreisen statt (ebd.: 60, 61)

3 Entwicklung des Kloster Andechs

3.1 Geschichte: Entstehung und Bedeutung des Wallfahrtsortes

Das Kloster Andechs am Ammersee ist bereits seit über 875 Jahren (seit dem Jahr 1128) Ziel von Wallfahrern (Klemenz 2005: 34) und seine Geschichte reicht bis ins 10. Jahrhundert zurück. Darin spielte vor allem die Verehrung religiöser Objekte eine besondere Rolle: so legte der ständig vergrößerte Reliquienschatz (beispielsweise die „Heiligen Drei Hostien“, ein Partikel aus der Dornenkrone Christi, ein Stück aus dem Gewand des heiligen Nikolaus, Brautkleid und Brustkreuz der heiligen Elisabeth, das Siegeskreuz Karls des Großen etc.) den Grundstein für die Bedeutung des Klosters als Wallfahrtsort.

Ziel der Wallfahrer in Andechs waren traditionell die konkreten Reliquien und Heilthümer (ebd.: 25), sie wollten auf dem heiligen Berg des Klosters insbesondere den Reliquien und damit den Heiligen selbst nahe sein, um die Gegenwart Gottes zu spüren und Zuflucht zu suchen (ebd.: 28).

[...]


[1] In Bezugnahme auf die Einteilung von Rinschede, der die Pilgerfahrt als eine religiös motivierte Reise mit mindestens einer Übernachtung definiert und die Wallfahrt als eine Reise ohne Übernachtung (1992: 57), verwende ich in dieser Arbeit vorrangig möglichst den Begriff der Wallfahrt, da diese in Andechs dominiert (Kirchbichler 2006).

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Details

Titel
Religiöser Tourismus
Untertitel
Gezielte wirtschaftliche Vermarktung religiöser Orte und die Auswirkungen am Beispiel des Kloster Andechs
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für Ethnologie und Afrikanistik)
Veranstaltung
Auswirkung unterschiedlicher Tourismusarten auf lokale Bevölkerungsgruppen im regionalen Vergleich
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
13
Katalognummer
V91763
ISBN (eBook)
9783638058681
Dateigröße
394 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Religiöser, Tourismus, Auswirkung, Tourismusarten, Bevölkerungsgruppen, Vergleich, Thema Tourismus
Arbeit zitieren
Alexandra Schulz (Autor), 2006, Religiöser Tourismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/91763

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