Diese Hausarbeit ist ein Abriss über das Augenmotiv in der europäischen Literatur mit besonderem Fokus auf die Augenmotivik Tozzis in Con gli occhi chiusi. Auf theoretischer Basis werden zunächst Begrifflichkeiten wie 'Auge' und 'Motiv' in der Literatur geklärt. Es folgt ein theoretischer Teil über die Funktionalität des Augenmotivs in der europäischen Literatur, um dann zur metaphorischen und autobiographischen Bedeutsamkeit des Augenmotivs in Tozzis Con gli chiusi hinzuführen. Besonders prägnante Textstellen des Romans werden zu diesem Zweck hervorgehoben und gedeutet. Im Kapitel Fazit und Ausblick wird die Bedeutsamkeit der Augenmotivik bei Tozzi zusammenfassend bewertet und ein Ausblick auf die Augenmotivik in Tozzis Romane Il podere und I ricordi di un impiegato gegeben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zur Theorie des Augenmotivs in der Literatur
2.1. Das Wortfeld 'Auge'
2.2. Definition 'Motiv'
2.3. Das Augenmotiv in der europäischen Literatur
3. Zur Funktion des Augenmotivs in der Literatur
3.1. Autobiographische und Metaphorische Deutungen des Augenmotivs in Tozzis Con gli occhi chiusi
3.1.1. Der Titel des Romans
3.1.2. Blindheit versus Realitätsflucht
3.1.3. Außenwelt versus Innenwelt
3.1.4. Wahrnehmen versus Sehen und Gesehen werden
3.1.5. Die Augen-Seele-Verbindung
3.1.6. Die Augen als Tor zum Tod
4. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die autobiographische und metaphorische Bedeutung des Augenmotivs in Federigo Tozzis Roman "Con gli occhi chiusi" und analysiert, wie das Motiv zur Charakterisierung des Protagonisten und zur inhaltlichen Kohärenz des Werkes beiträgt.
- Theoretische Grundlagen zum Augenmotiv und zum Motivbegriff
- Die Funktion des Augenmotivs als metaphorisches Bindeglied im Roman
- Autobiographische Parallelen zwischen Federigo Tozzi und der Figur Pietro
- Psychologische Deutung von Blindheit, Realitätsflucht und zwischenmenschlicher Kommunikation
- Die symbolische Verknüpfung von Augen, Seele und dem Tod
Auszug aus dem Buch
3.1.2. Blindheit versus Realitätsflucht
Das 'Auge' im Roman könnte als 'Angst vor Erblindung' oder 'erlebte Hilflosigkeit' gedeutet werden.
Frederigo Tozzi litt unter einer Augenkrankheit. Die Bedeutung des 'Sehens' bzw. dessen Einschränkung und die damit verbundene Hilflosigkeit war ihm bewusst.
Im Roman lässt er Pino für sich sprechen: „Pietrino, come mi bruciano gli occhi! Qualche volta ho paura d'accecare.“ Pietrino, wie mir die Augen brennen! Manchmal habe ich Angst zu erblinden.
Pietro [Tozzi] ist 'gelebte Hilflosigkeit': Er findet sich im Alltag nicht zurecht. Er wird den [beruflichen] Wünschen seines Vaters nicht gerecht. Es ist ihm unmöglich, einen Sinn im Leben für sich auszumachen geschweige denn seinen Mitmenschen gedanklich und gefühlsmäßig mitzuteilen. Er fühlt sich unterlegen, schwach, antriebslos und 'ausgeschlossen'.
Blindheit könnte auch als Realitätsflucht gedeutet werden. 'Nicht sehen können' kann als 'nicht sehen wollen' verstanden werden. Petroni spricht von Charakteren, die sich im 'eigenen Leid suhlen', ohne das Leben der Mitmenschen wahrzunehmen: Il titolo, Con gli occhi chiusi, allude non alla 'cecità' del protagonista, ma a quella di tutti i personaggi, nessuno dei quali sa uscire dalla sofferenza ed aprire gli occhi sulla realtà degli altri.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Fragestellung zur Rolle der Augenmotivik bei Tozzi und Definition des Ziels der Arbeit.
2. Zur Theorie des Augenmotivs in der Literatur: Darstellung der theoretischen Grundlagen zum Wortfeld 'Auge', dem Motivbegriff und der literarischen Tradition des Augenmotivs.
3. Zur Funktion des Augenmotivs in der Literatur: Analyse der spezifischen Verwendung des Motivs in "Con gli occhi chiusi" unter Einbeziehung biographischer Bezüge.
3.1. Autobiographische und Metaphorische Deutungen des Augenmotivs in Tozzis Con gli occhi chiusi: Untersuchung der Lebensumstände Tozzis und deren Spiegelung im Charakter Pietro.
3.1.1. Der Titel des Romans: Deutung des Romantitels im Kontext der Kommunikationsunfähigkeit.
3.1.2. Blindheit versus Realitätsflucht: Analyse der symbolischen Blindheit als Ausdruck von Hilflosigkeit und Verweigerung der Realität.
3.1.3. Außenwelt versus Innenwelt: Untersuchung des Rückzugs in das eigene Innere durch das Schließen der Augen.
3.1.4. Wahrnehmen versus Sehen und Gesehen werden: Erläuterung der tozzianischen Erzähltechnik und der Wahrnehmung der Figuren.
3.1.5. Die Augen-Seele-Verbindung: Analyse der Verbindung zwischen dem Blick in die Augen und dem Blick in die Seele des Gegenübers.
3.1.6. Die Augen als Tor zum Tod: Betrachtung der Augenmetaphorik im Zusammenhang mit dem Tod und dem Lebensende der Figuren.
4. Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der Bedeutung des Augenmotivs für Tozzis Gesamtwerk.
Schlüsselwörter
Augenmotiv, Federigo Tozzi, Con gli occhi chiusi, autobiographische Literatur, Realitätsflucht, Inkompatibilität, Kommunikationsunfähigkeit, Wahrnehmung, Blindheit, symbolische Deutung, Psychologie, Literaturwissenschaft, Anti-Held, Pietrino, Identitätsverlust.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die vielfältige Bedeutung und Funktion des Augenmotivs im Roman "Con gli occhi chiusi" von Federigo Tozzi.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die Themen Wahrnehmung, psychologische Hilflosigkeit, Realitätsflucht, zwischenmenschliche Isolation und die autobiographische Verknüpfung der Romanhandlung mit dem Leben des Autors.
Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?
Die zentrale Frage lautet: Welche autobiographische und metaphorische Rolle spielt die Augenmotivik in Tozzis Roman "Con gli occhi chiusi"?
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse herangezogen?
Die Autorin nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die theoretische Grundlagen des Motivbegriffs mit einer textnahen Untersuchung des Romans sowie biographischen und rezeptionsästhetischen Ansätzen verbindet.
Was sind die wesentlichen Inhalte des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung zum Augenmotiv und eine detaillierte Untersuchung spezifischer Aspekte wie Blindheit, Titeldeutung, Innenwelt versus Außenwelt und die Verbindung von Augen und Seele.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen das Augenmotiv, autobiographisches Schreiben, Kommunikationsunfähigkeit, Realitätsverweigerung und die literarische Technik der 'neuen' Wahrnehmung bei Tozzi.
Welche Bedeutung hat das 'Schließen der Augen' für den Protagonisten Pietro?
Das Schließen der Augen dient für Pietro primär als Schutzmechanismus vor einer als feindselig wahrgenommenen Außenwelt und ermöglicht den Rückzug in eine subjektive, idealisierte Innenwelt.
Wie unterscheidet sich die 'lavatura' in den Augen von Ghisola von der Wahrnehmung der anderen Figuren?
Die 'lavatura' fungiert als komplexes Metaphernbild, das einerseits die Undurchsichtigkeit der Seele Ghisolas betont und andererseits Pietros subjektive Projektionen von Unschuld oder moralischer Reinheit widerspiegelt.
- Quote paper
- Susanne Lauer (Author), 2020, Zur Augenmotivik in Tozzis "Con gli occhi chiusi", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/917948