Laut Schätzungen der Weltbank lebten 2001 etwa 1,1 Milliarden Menschen von weniger als einem Dollar am Tag. Gerade in Entwicklungsländern sind diese Ärmsten der Armen einer Fülle von Risiken ausgesetzt. Das Einkommensrisiko gilt dabei als eines der zentralen Risiken. Interessanterweise schlagen sich Einkommensschwankungen der einzelnen Haushalte nicht voll in den Konsumschwankungen der Haushalte durch. Das heißt, es gelingt den Haushalten, ihren Konsum gegen Einkommensschwankungen - wenn auch nur partiell - abzusichern. Dies spricht dafür, dass sie Einkommensrisiken zum Teil bewältigen können. Allgemein lässt sich feststellen, dass Haushalte in Entwicklungsländern eine Vielzahl von Möglichkeiten haben, dies zu tun.Ziel dieser Arbeit ist es daher, genau zu untersuchen, welche Möglichkeiten zur Risikobewältigung arme Haushalte haben. Es soll ganz bewusst auf die Einschränkungen der Risikobewältigungsstrategien eingegangen werden. Es werden sowohl die Einschränkungen der Risikobewältigungsstrategien allgemein, als auch im speziellen Kontext armer Haushalte berücksichtigt. Dies geschieht, um Anhaltspunkte für mögliche Verbesserungsmöglichkeiten bei der Risikobewältigung aufzuzeigen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Risiken und Rahmenbedingungen
2.1 Risiken
2.2 Wirtschaftliche Rahmenbedingungen
3 Strategieanalyse
3.1 Selbstversicherung
3.1.1 Theoretischer Ansatz nach Deaton
3.1.2 Grenzen der Vermögensbildung
3.2 Einkommensbasierte Strategien
3.2.1 Theoretischer Ansatz nach Newberry und Stiglitz
3.2.2 Ex-ante Diversifizierung empirisch
3.2.3 Ex-post Diversifizierung empirisch
3.3 Informelle Versicherung
3.3.1 Theoretischer Ansatz nach Coate und Ravallion
3.3.2 Grenzen der Informellen Versicherung
4 Ansätze
4.1 Mikrokredit
4.2 Mikroversicherung
5 Fazit
Zielsetzung und Themen
Diese Diplomarbeit untersucht die verschiedenen Strategien, die arme Haushalte in Entwicklungsländern zur Risikobewältigung einsetzen, wobei der Fokus insbesondere auf den Einschränkungen dieser Strategien liegt, um Ansatzpunkte für Verbesserungen zu identifizieren.
- Analyse der verschiedenen Formen von Risiken in Entwicklungsländern.
- Untersuchung der Mechanismen von Selbstversicherung, einkommensbasierten Strategien und informellen Versicherungen.
- Beleuchtung der Rolle des Mikrokredits im Rahmen der Einkommensdiversifizierung.
- Diskussion von Mikroversicherungen als ergänzende Absicherungsform.
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Theoretischer Ansatz nach Deaton
Unter der Selbstversicherung ist, wie bereits im vorherigen Abschnitt erwähnt, die Nutzung eigenen Vermögens zur intertemporalen Konsumglättung zu verstehen. Da bereits in Abschnitt 2.2. darauf hingewiesen wurde, dass der Zugang zu formellen Krediten erschwert ist, soll in der weiteren Analyse davon ausgegangen werden, dass bei der Selbstversicherung nur eigenes Vermögen auf- und abgebaut wird, um die Wirkung der Einkommensschwankungen auf den Konsum auszugleichen. Haushalte haben keinen Zugang zu Krediten. Die formale Analyse lässt sich anhand des Modells von Deaton (1992) veranschaulichen, der unter den Voraussetzungen einer Darlehensrestriktion und eines variablen Einkommens versucht, eine optimale Konsumregel abzuleiten.
Die Präferenzen der Haushalte lassen sich wie folgt abbilden.
Über δ > 0 wird die Rate der Zeitpräferenz ausgedrückt. ist die Nutzenfunktion von der angenommen wird, sie sei steigend, streng konkav und differenzierbar. Das Anlagevermögen entwickelt sich wie folgt.
ist das Arbeitseinkommen, At das Anlagevermögen und r Verzinsung des Anlagevermögens. Deaton geht davon aus, dass die Ungeduld größer ist als der Anreiz zu sparen. Also ist r<δ . Das Arbeitseinkommen wird über eine stationäre Zufallsvariable formuliert, für die gilt und .
Für die Vermögensgegenstände gilt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Problematik der Risiken für arme Haushalte in Entwicklungsländern und Zielsetzung der Arbeit.
2 Risiken und Rahmenbedingungen: Definition und Kategorisierung der Risiken sowie Erläuterung der Mängel im formellen Finanzsektor und in sozialen Sicherungssystemen.
3 Strategieanalyse: Detaillierte Untersuchung der drei Hauptstrategien (Selbstversicherung, einkommensbasierte Strategien, informelle Versicherung) anhand theoretischer Modelle und empirischer Beispiele.
4 Ansätze: Diskussion von Mikrofinanzinstrumenten wie Mikrokrediten und Mikroversicherungen als alternative Möglichkeiten zur Risikobewältigung.
5 Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Hürden bei der Risikobewältigung und Ausblick auf die Weiterentwicklung von Mikrofinanzkonzepten.
Schlüsselwörter
Risikobewältigung, Entwicklungsländer, Armut, Selbstversicherung, Einkommensdiversifizierung, Informelle Versicherung, Mikrokredit, Mikroversicherung, Konsumglättung, Kapitalmarkt, Finanzinstrumente, Risiko, Schocks, Haushalte, Wohlfahrt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den Strategien, die arme Haushalte in Entwicklungsländern nutzen, um sich gegen verschiedene Einkommensrisiken abzusichern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Kategorisierung von Risiken, die Analyse von Selbstversicherung, einkommensbasierte Absicherungsstrategien, informelle Versicherungsarrangements sowie Ansätze der Mikrofinanz.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Möglichkeiten und insbesondere die Einschränkungen der bestehenden Risikobewältigungsstrategien zu untersuchen, um Anhaltspunkte für deren Verbesserung zu finden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Kombination aus formaltheoretischen Modellen zur ökonomischen Analyse und der Auswertung empirischer Studien aus verschiedenen Entwicklungsländern.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert drei spezifische Formen der Risikobewältigung: Selbstversicherung mittels Vermögen, einkommensbasierte Diversifizierung und informelle Versicherungssysteme zwischen Haushalten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Risikobewältigung, Einkommensdiversifizierung, Mikrokredite, Mikroversicherungen, informelle Versicherung und Armutsreduktion.
Welche Rolle spielt Vieh als Vermögensgegenstand?
Vieh dient oft als wesentlicher Vermögensgegenstand zur Selbstversicherung, ist jedoch nicht krisensicher und aufgrund seiner "Lumpiness" für arme Haushalte schwer zugänglich, was die Effektivität dieser Strategie einschränkt.
Warum haben arme Haushalte Nachteile bei der Einkommensdiversifizierung?
Arme Haushalte haben höhere Eintrittsbarrieren, da ihnen oft das nötige Kapital, Ausbildung oder Zugang zu diversifizierten Märkten fehlt, was sie dazu zwingt, weniger rentable, aber sicherere Einkommensquellen zu wählen, was zu weiterer Verarmung führen kann.
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- Johannes Burger (Author), 2007, Strategien der Risikobewältigung armer Haushalte in Entwicklungsländern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/91841