Das Interesse an der Jugend, an ihrer Sprache und ihrer Kommunikation seitens der Gesellschaft ist hoch. In vielerlei Bereichen unseres alltäglichen Lebens begegnen uns die sog. „jugendsprachlichen Ausdrücke“, im Fernsehen, im Radio, in der Schule, auf der Straße. Immer wieder wird dabei von „einer Jugendsprache“ oder „der Sprache der Jugend“ gesprochen. Doch kann man wirklich von „einer Jugendsprache Sprechen? Und wer spricht eigentlich diese Sprache? Nur die Jugendlichen? Sprechen Jugendliche denn tatsächlich eine andere Sprache als die Erwachsenen? Und wenn ja, woher kommt diese Sprache? Ist sie eine Erfindung der Jugendlichen oder wird sie ihnen durch die Medien in den Mund gelegt. Wollen sich Jugendliche tatsächlich nur von den Erwachsenen durch ihre Sprache abheben oder gibt es dafür vielleicht noch andere Gründe? Und auf welchem Stand steht die Forschung hinsichtlich der Jugendsprache? Mit diesen Fragen und auch einem gewissen Interesse an der eigenen Jugendsprache sind wir an das Thema herangegangen und wollen nun im weiteren Verlauf versuchen, die uns gestellten Fragen weitgehend auf dem Hintergrund der vorhandenen Forschungsergebnisse zu beantworten.
Im ersten Teil der Arbeit geht es darum einen Überblick zu schaffen, was man überhaupt unter dem Begriff Jugend versteht Als nächstes wird versucht zwei als typische jugendsprachlich angesehene Merkmale zu untersuchen. Des Weiteren werden wir die Forschungsmethoden und Ergebnisse Helmut Hennes (1986) und Schlobinski, Kohl und Ludwig (1993) betrachten. Um dann die Frage zu klären, ob den Jugendlichen ihrer Sprache durch die Medien in den Mund gelegt wird, betrachten wir den Aspekt der „Jugendsprache und Medien“. Ebenso richten wir ein Merkmal auf die regionalen Unterschiede am Beispiel der Ost – West Jugend sowie die auf gruppenspezifischen Aspekte der Jugendsprache
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Was ist Jugend und welcher Personenkreis zählt dazu?
3. Merkmale der Jugendsprache
4. Ein Überblick über zwei verschiedenen Forschungsansätze
4.1 Forschungsansätze Helmut Hennes um 1986
4.2 Forschungsansätze von Schlobinski, Kohl und Ludwig um 1993
5. Der Einfluss von Medien auf den Sprachgebrauch von Jugendlichen
6. Jugendsprache als Gruppensprache
6.1 Das Bricolage-Prinzip als zentrales Merkmal von Jugendlicher Gruppenkommunikation
6.2 Parallelen des Bricolage-Kommunikationsstils zu anderen Phänomenen der „Jugendkultur“
6.2.1 Stilbastelei in der HipHop Musik
7. Regionale Unterschiede im Jugendlichen Sprachgebrauch
8. Schlussbemerkungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der Jugendsprache in Deutschland, wobei der Fokus darauf liegt, ob es eine einheitliche „Jugendsprache“ überhaupt gibt oder ob diese eher als gruppenspezifisches Phänomen zu betrachten ist. Basierend auf verschiedenen Forschungsansätzen wird die Rolle von Medien, regionalen Unterschieden und dem soziolinguistischen Kontext beleuchtet, um die kreativen Sprachstile Jugendlicher zu verstehen.
- Kritische Auseinandersetzung mit dem Begriff „Jugendsprache“
- Vergleich zweier zentraler Forschungsansätze (Henne vs. Schlobinski et al.)
- Analyse des „Bricolage-Prinzips“ als Strukturierungsmechanismus in der Jugendkommunikation
- Untersuchung des Einflusses von Medien auf den jugendlichen Sprachgebrauch
- Betrachtung regionaler Unterschiede in der jugendlichen Ausdrucksweise
Auszug aus dem Buch
6.1 Das Bricolage-Prinzip als zentrales Merkmal von Jugendlicher Gruppenkommunikation
Das Wort „Bricolage“ kommt aus dem Französischen (von bricoler = basteln) und heißt soviel wie „Bastelei“ gemeint ist „die spielerische Bastelei mit verschiedenen Sprechstielen“ (Schlobinski et al. 1993, S.112). Diese Beschreibung vermittelt allerdings noch keine Vorstellung davon worum es wirklich geht. Etwas genauer ist dagegen folgende Beschreibung: Bricolage bedeutet,
daß mit sprachlichen Versatzstücken aus unterschiedlichsten kulturellen Hintergründen etwas Eigenes, Neues zusammengebastelt wird, daß durch den Prozeß der De- und Rekontextualisierung eines (Sprachlichen Objektes ein neuer Diskurs entsteht und so jugendkulturelle Stile formiert werden (Schlobinski et al. 1998, S.13).
Bricolage-Gespräche sind von einem hohen Maß an Spontanität gekennzeichnet und finden meist in einem ungezwungenen Rahmen statt. Eine weitere wichtige oder vielleicht sogar die wichtigste Bedingung für das zustande kommen solcher Gesprächssequenzen ist ein gemeinsamer Erfahrungshintergrund der Gesprächspartner. Das heißt umso besser man sich untereinander kennt und umso mehr man gemeinsam erlebt hat desto einfacher lassen sich „Bricolage“ Sequenzen realisieren. Da in solchen Gesprächen auf bestimmte Schlüsselwörter, die wiederum nur für einen bestimmten Personenkreis mit ähnlichem Erfahrungshintergrund als solche fungieren, blitzschnell assoziativ reagiert wird. Mann könnte sozusagen von Zitaten aus den eigenen gemeinsam erlebten Situationen sprechen. Wer in der entsprechenden Situation nicht anwesend war wird das Zitat nicht als solches erkennen und folglich auch anders reagieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die zentrale Forschungsfrage, ob es eine homogene Jugendsprache gibt und wie die Sprache Jugendlicher wissenschaftlich einzuordnen ist.
2. Was ist Jugend und welcher Personenkreis zählt dazu?: Dieses Kapitel beleuchtet soziologische und biologische Definitionen des Begriffs Jugend als Grundlage für die Untersuchung.
3. Merkmale der Jugendsprache: Hier werden die zwei zentralen Merkmale Anglizismen und Lautwörter auf ihre tatsächliche Relevanz im Sprachgebrauch geprüft.
4. Ein Überblick über zwei verschiedenen Forschungsansätze: Das Kapitel vergleicht den fragebogenbasierten Ansatz von Helmut Henne mit dem ethnographischen Ansatz von Schlobinski, Kohl und Ludwig.
5. Der Einfluss von Medien auf den Sprachgebrauch von Jugendlichen: Es wird erörtert, inwieweit Medien als Quelle für jugendsprachliche Elemente dienen, ohne sie jedoch den Jugendlichen direkt vorzugeben.
6. Jugendsprache als Gruppensprache: Der Fokus liegt auf der Neubewertung von Jugendsprache als Ausdruck situativer Gruppendynamik und der Einführung des Bricolage-Konzepts.
7. Regionale Unterschiede im Jugendlichen Sprachgebrauch: Dieses Kapitel analysiert vergleichend den Sprachgebrauch in verschiedenen deutschen Regionen, insbesondere im Ost-West-Vergleich.
8. Schlussbemerkungen: Das Fazit fasst die Schwierigkeiten einer einheitlichen Definition zusammen und plädiert für eine ethnographisch orientierte weitere Forschung.
Schlüsselwörter
Jugendsprache, Gruppensprache, Bricolage-Prinzip, Sprachstil, Soziolinguistik, Ethnographie, Jugendkultur, Anglizismen, Lautwörter, Sprechmuster, Medien, Ost-West-Vergleich, Kommunikation, Sprachregister, Identität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der wissenschaftlichen Erfassung und Einordnung der Jugendsprache in Deutschland unter Berücksichtigung verschiedener soziolinguistischer Forschungsansätze.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Felder umfassen die Definition von Jugend, die Rolle von Anglizismen und Lautwörtern, den Einfluss der Medien sowie den gruppenspezifischen Charakter jugendlicher Kommunikation.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Autoren hinterfragen den Mythos einer einheitlichen Jugendsprache und untersuchen, ob es stattdessen eher gruppenspezifische Sprechstile sind, die das Sprachverhalten prägen.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär diskutiert?
Es erfolgt eine kritische Gegenüberstellung von reinen Fragebogenerhebungen (Henne) und ethnographischen Beobachtungsmethoden (Schlobinski et al.).
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Definitionen von Jugend, Sprachmerkmale, die Rolle von Medien bei der Sprachbildung sowie das Bricolage-Prinzip als kreativen Prozess der Sprachgestaltung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Bricolage, Gruppensprache, Sprachstile und soziolinguistische Varianz geprägt.
Was genau versteht die Arbeit unter dem „Bricolage-Prinzip“?
Das Bricolage-Prinzip beschreibt die spielerische und kreative Art, bei der Jugendliche Versatzstücke aus Sprache, Medien und gemeinsamen Erfahrungen neu kombinieren, um in spezifischen Gruppen zu kommunizieren.
Warum spielt der Ost-West-Vergleich eine Rolle für die Forschung?
Der Vergleich der alten und neuen Bundesländer dient dazu, aufzuzeigen, wie unterschiedliche Sozialisationsbedingungen und historische Entwicklungen die Sprachbildung und Wortbedeutungen innerhalb der Jugend beeinflussen.
Welche Rolle spielen die Medien laut der Untersuchung?
Die Medien liefern eine Art „Humus“ oder Vorrat an sprachlichen Bausteinen, aus denen Jugendliche auswählen können, legen den Jugendlichen die Sprache jedoch nicht verbindlich in den Mund.
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- Ines Haier (Author), Hannes Haier (Author), 2004, Jugendsprache in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/91849