Die Arbeit setzt sich mit Zinsaufwendungen im deutschen Steuerrecht auseinander, welche üblicherweise voll abzugsfähig sind. Ein Blick auf den Verlauf des Verhältnisses von Zinsaufwand zu EBIT (Earnings before interest and taxes) der Unternehmen des S&P 500 zeigt jedoch, dass Zinsaufwendungen in den letzten 30 Jahren durchschnittlich lediglich 30% des EBIT ausmachten, obwohl mehr als 90% der Unternehmen positive zu versteuernde Erträge aufwiesen. Sie hätten demnach von einem stärkeren fremdfinanzierungsbedingten Steuervorteil profitieren können, um ihren UW zu steigern.
Es stellt sich daher die Frage, was Unternehmen dazu veranlasst sich diesen steuerrechtlichen Vorteil entgehen zu lassen. Nach Baxter kann dies auf das mit einer wachsenden FKQ verbundenen Insolvenzrisiko (IR) zurückgeführt werden. Aus dieser Intention heraus soll in dieser Arbeit die Rolle des TS und IR unter Berücksichtigung der Finanzierungspolitik, sowie dessen grundlegender Zusammenhang in der Unternehmensbewertung (UB) analysiert und aufgezeigt werden. Dies geht mit der Frage der wertmaximierenden Kapitalstruktur einher. Außerdem soll die Frage beantwortet werden, weshalb eine 100% Fremdfinanzierung nicht zu einer Wertmaximierung führen kann, selbst wenn dadurch die Steuervorteile maximiert werden. Da sich die adjusted present value (APV)-Methode für die Darstellung des grundlegenden Zusammenhangs anbietet, wird die Beziehung mit Hilfe dieses DCF-Verfahrens verdeutlicht.
Zunächst wird ein Überblick über die relevanten Grundlagen zum Themengebiet der Kapitalstruktur und UB kompakt dargestellt. Dabei wird im ersten Unterpunkt die zentrale These von Modigliani und Miller (MM) zur Kapitalstruktur vorgestellt, während im zweiten Unterpunkt die Insolvenz von Unternehmen im Vordergrund steht. Im dritten Abschnitt des Grundlagenkapitels wird auf die zentralen DCF-Verfahren und insbesondere auf die APV-Methode eingegangen. Im anschließenden Hauptkapitel wird zunächst der fremdfinanzierte Steuervorteil thematisiert und anschließend die Rolle des IR in der UB analysiert. Im darauffolgenden Kapitel wird der Trade Off, welcher mit Anstieg der FKQ passend dargestellt werden kann, explizit aufgezeigt. Dieser theoretische Zusammenhang wird im letzten Kapitel mit Hilfe eines fiktiven Zahlenbeispiels unter vereinfachten Annahmen und der Verwendung der APV-Methode verdeutlicht. Zum Schluss werden die wesentlichen Erkenntnisse zusammengefasst.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Motivation und Problemstellung der Arbeit
1.2 Aufbau der Arbeit
2 Grundlagen zur Kapitalstruktur, Insolvenz und Bewertungsverfahren
2.1 Irrelevanztheorem von Modigliani-Miller
2.2 Insolvenz von Unternehmen
2.3 Discounted Cash Flow - Verfahren
3 Tax Shield und Insolvenzrisiko in der Unternehmensbewertung
3.1 Tax Shield
3.2 Insolvenzkosten und -risiko
3.3 Trade Off zwischen Tax Shield und Insolvenzrisiko
3.4 Fallbeispiel
3.4.1 Annahmen und Berechnung
3.4.2 Ergebnisse und Kritik
4 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Diese Seminararbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen dem steuerlichen Vorteil durch Fremdfinanzierung (Tax Shield) und den damit verbundenen Insolvenzrisiken bei der Unternehmensbewertung. Das primäre Ziel ist es, den Trade-Off zwischen diesen beiden Faktoren zu analysieren und zu klären, warum eine maximale Fremdfinanzierung trotz Steuervorteilen nicht zwangsläufig zu einer Wertmaximierung führt.
- Theoretische Grundlagen zur Kapitalstruktur und zu DCF-Bewertungsverfahren.
- Analyse des Tax Shields als wertsteigernder Faktor der Fremdfinanzierung.
- Untersuchung der direkten und indirekten Insolvenzkosten als wertmindernde Faktoren.
- Quantifizierung des Trade-Offs zwischen Steuervorteil und Insolvenzrisiko mittels eines APV-basierten Fallbeispiels.
Auszug aus dem Buch
3.3 Trade Off zwischen Tax Shield und Insolvenzrisiko
Die Aussage von Baxter, dass die Insolvenzkosten der „Gegenspieler“ des Steuervorteils ist, wird jetzt deutlich. Im Bereich niedriger Verschuldungsgrade übersteigen die mit einer Erhöhung der FKQ verbundenen Steuervorteile die damit einhergehenden Nachteile eines Anstiegs der Insolvenzkosten. Dieser marginale Vorteil wird allerdings mit zunehmender FKQ bzw. Verschuldungsgrad immer kleiner und kehrt sich im Bereich hoher Verschuldungsgrade ins Gegenteil um. Ab dem Zeitpunkt, ab dem die Grenzkosten der Insolvenz größer sind, als die Grenzerträge aus den Steuervorteilen, kommt es zur Überkompensation der Steuervorteile durch die Insolvenzkosten und der UW sinkt. Das Optimum des UW liegt demnach dort, wo die Grenzinsolvenzkosten den Grenzsteuerertrag entsprechen. Diese Tatsache führt dazu, dass auch die Antwort auf die Frage zur optimalen Kapitalstruktur nicht nur vom Steuervorteil der Fremdfinanzierung, sondern auch von dem gegenläufigen Effekt der Insolvenzrisiken abhängt. Abbildung 2 verdeutlicht diesen Zusammenhang graphisch.
Wird bei der UB zudem von einer diskontinuierlichen Finanzierungspolitik, d.h. die der Laufzeit des FK in die UB integriert, ausgegangen, so besteht nicht nur ein Trade Off analog zur Kapitalstrukturentscheidung, sondern auch bezüglich der angesprochenen Laufzeitentscheidung des FK. Durch einen Anstieg der Laufzeit wird der Steuervorteil erhöht und die Refinanzierungskosten gesenkt. Eine lange Laufzeit wirkt sich daher zunächst positiv auf den UW aus. Anderseits erhöht der Laufzeitanstieg auch das Risiko der Insolvenz und die erwarteten Insolvenzkosten. Dies hat wiederum einen wertmindernden Effekt zur Folge. Eine kurze Laufzeit hingegen führt zum genauen Gegenteil. Dieser gegenläufige Zusammenhang sollte bei der UB ebenfalls berücksichtigt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Zinsabzugsfähigkeit und das damit verbundene Insolvenzrisiko bei der Unternehmensbewertung ein und erläutert den strukturellen Aufbau der Arbeit.
2 Grundlagen zur Kapitalstruktur, Insolvenz und Bewertungsverfahren: Das Kapitel liefert die notwendigen theoretischen Fundamente, beginnend mit dem Modigliani-Miller-Theorem über die Insolvenzproblematik bis hin zu den gängigen Discounted Cash Flow-Verfahren.
3 Tax Shield und Insolvenzrisiko in der Unternehmensbewertung: Hier erfolgt die detaillierte Analyse des Zusammenspiels von Steuervorteilen, Insolvenzkosten und dem resultierenden Trade-Off, ergänzt durch ein numerisches Fallbeispiel zur praktischen Veranschaulichung.
4 Zusammenfassung: Dieses Kapitel fasst die wesentlichen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und beantwortet abschließend die zentrale Forschungsfrage nach der optimalen Kapitalstruktur.
Schlüsselwörter
Unternehmensbewertung, Tax Shield, Insolvenzrisiko, Kapitalstruktur, Fremdfinanzierung, DCF-Verfahren, APV-Methode, Insolvenzkosten, Unternehmenswert, Zinsabzugsfähigkeit, Trade-Off, Finanzierungspolitik, Wertmaximierung, Insolvenzwahrscheinlichkeit, Gesamtkapital.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Bewertung von Unternehmen unter Berücksichtigung der steuerlichen Vorteile durch Fremdkapital und der gleichzeitig steigenden Risiken durch eine mögliche Unternehmensinsolvenz.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die steuerliche Zinsabzugsfähigkeit (Tax Shield), Insolvenzrisiken, die Kapitalstrukturpolitik sowie verschiedene Bewertungsmodelle wie die APV-Methode.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Trade-Off zwischen dem Anstieg des Tax Shields bei höherer Fremdkapitalquote und den damit korrespondierenden Insolvenzkosten zu analysieren, um das Optimum des Unternehmenswertes zu bestimmen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt Literaturanalysen zur theoretischen Fundierung sowie die Adjusted Present Value (APV)-Methode, um den Trade-Off anhand eines fiktiven Fallbeispiels zu berechnen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung der Steuervorteile und Insolvenzkosten, die Analyse des Trade-Offs sowie die praktische Anwendung in einem Fallbeispiel mit unterschiedlichen Fremdkapitalquoten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe umfassen Unternehmensbewertung, Tax Shield, Insolvenzrisiko, Kapitalstruktur, Fremdfinanzierung sowie die APV-Methode.
Wie wirkt sich eine 100%ige Fremdfinanzierung auf den Unternehmenswert aus?
Trotz der Maximierung des Steuervorteils führt eine 100%ige Fremdfinanzierung nicht zur Wertmaximierung, da das drastisch steigende Insolvenzrisiko und die damit verbundenen Insolvenzkosten den Unternehmenswert negativ beeinflussen.
Welche Bedeutung hat die Finanzierungspolitik für das Tax Shield?
Die Finanzierungspolitik beeinflusst die Sicherheit und Planbarkeit der Steuervorteile, was wiederum Auswirkungen auf den gewählten Diskontierungssatz für das Tax Shield hat.
Welchen Einfluss hat die Kreditlaufzeit auf das Ergebnis?
Eine lange Laufzeit kann kurzfristig den Steuervorteil erhöhen und Refinanzierungskosten senken, erhöht jedoch gleichzeitig das Insolvenzrisiko, was zu einem gegenläufigen Effekt führt.
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- Stefan Mathias (Autor), 2019, Finanzierungspolitiken, Tax Shield und Insolvenzrisiko in der Unternehmensbewertung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/918546