Soziale Ungleichheit. Auswirkungen auf die Bildungschancen in Deutschland


Hausarbeit, 2020

13 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Begriffserklärungen
Soziale Ungleichheit
Bildungsungleichheit

Historische Entwicklung sozialer Ungleichheiten

Familie als Bildungsort

Bildung und soziale Ungleichheit

Dimensionen sozialer Ungleichheiten
Soziale Herkunft (Klasse, Schicht, soziales Milieu)
Migration
Geschlecht
Behinderung

Maßnahmen für den Abbau sozialer Bildungsunterschiede

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Menschen leben eingebunden in zwischenmenschlichen Gefügen, wie zum Beispiel in Familien, Vereinen und Stämmen. Innerhalb dieser sozialen Gefüge geraten die Menschen in Beziehungen zueinander und nehmen darin unterschiedliche soziale Positionen ein. Zwischen diesen sozialen Positionen lassen sich sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede erkennen, welche als soziale Ungleichheiten bezeichnet werden (vgl. Hradil, 2001). Nach Hradil (2001) sind soziale Ungleichheiten wichtige Aspekte des menschlichen Zusammenlebens.

Das Thema soziale Ungleichheit und die damit verbundene Bildungsungleichheit in Deutschland ist in der Öffentlichkeit ein viel diskutiertes Thema. Die vorliegende Hausarbeit setzt sich mit der Fragestellung auseinander, inwiefern die soziale Ungleichheit in Deutschland die Bildungschancen der Kinder und Jugendlichen beeinflusst.

Die Arbeit soll einen Überblick über die Entwicklung und die Ursachen der sozialen Ungleichheit geben und die Auswirkungen dieser auf die Bildung der Kinder darstellen. Hierzu werden zunächst die Begriffe soziale Ungleichheit und Bildungsungleichheit näher definiert, um das Verständnis der weiteren Arbeit zu erleichtern. Im weiteren Verlauf wird die zentrale Fragestellung erneut aufgegriffen und unter Verwendung verschiedener Studien beantwortet. Abschließend werden die Maßnahmen der sozialen Arbeit erklärt, welche das Ziel haben, die soziale Ungleichheit und die damit verbundene Bildungsungleichheit zu vermeiden.

Begriffserklärungen

In diesem Abschnitt werden die Begriffe der sozialen Ungleichheit und der Bildungsungleichheit definiert und im Hinblick auf die grundlegende Fragestellung genauer untersucht.

Soziale Ungleichheit

Der Begriff der sozialen Ungleichheit bezeichnet die unterschiedlichen Möglichkeiten der Teilhabe an der Gesellschaft, das heißt die ungleiche Verfügung über gesellschaftlich relevante Ressourcen wie Geld, politische Macht und Wissen. Um soziale Ungleichheit handelt es sich vor allem wenn größere Personengruppen relativ dauerhaft benachteiligt sind (vgl. Martin, Bürkle & Eiblmaier, 2001).

In der Soziologie wird von sozialer Ungleichheit gesprochen, wenn eine strukturell bedingte und relativ dauerhaft wahrgenommene ungleiche Verteilung materieller und immaterieller Ressourcen in einer Gesellschaft vorliegt (vgl. Krause, 2008, S. 686).

Nach Wernstedt und John-Ohnesorg (2008) sind zwar in jedem Land der Welt diese Ressourcen ungleich verteilt, die Lebensbedingungen der Bürger sind unterschiedlich vorteilhaft und ihre gesellschaftlichen Positionierungen verschieden. Aber in hohem Maße ungerecht ist es, wenn die soziale oder ethnische Herkunft eines Menschen die entscheidende Determinante für seinen weiteren Lebensverlauf ist und somit auch den Bildungsverlauf im weiteren Leben beeinflusst.

Bildungsungleichheit

Der Bildungsgrad eines Menschen entscheidet nicht nur über die individuellen Lebenschancen und den beruflichen Erfolg, sondern auch über die sozialen, kulturellen und politischen Teilhabemöglichkeiten. Eine Ungleichheit der Bildung besteht, wenn Kinder bestimmter Gesellschaftsschichten (zum Beispiel Arbeiterkinder oder Migrantenkinder) durch soziale Barrieren und schichtspezifische Sprachentwicklung in der Entfaltung ihrer Bildungsmöglichkeiten eingeschränkt oder behindert sind.

Die Bildungsungleichheit meint die „Unterschiede im Bildungsverhalten und in den erzielten Bildungsabschlüssen von Kindern, die in unterschiedlichen sozialen Bedingungen und familiären Kontexten aufwachsen. Soziale Bildungsungleichheit beschreibt daher ein Konstrukt, welches die Abhängigkeit des individuellen Bildungserfolgs von der individuellen sozialen Herkunft beschreibt“ (Schlicht, 2011, S. 35).

Des Weiteren bestehen Bildungsungleichheiten im deutschen Bildungssystem vor allem in Abhängigkeit von Geschlecht, der Nationalität und der sozialen Herkunft (vgl. Ditton, 2008, S. 247). Die Bildungsungleichheit ist somit eine Ausprägung von sozialer Ungleichheit beziehungsweise von Chancenungleichheit.

Historische Entwicklung sozialer Ungleichheiten

„Klagen über herkunftsbedingte Bildungsungleichheiten und eine damit verbundene Diskriminierung von Individuen und ganzen sozialen Gruppen beim Zugang zu (höherer) Bildung aufgrund geburtsständischer Privilegien haben in Deutschland eine lange Tradition“ (Herrlitz, Hopf & Titze, 1993). Soziale Ungleichheit existierte schon immer in jeder der uns bekannten Formen von Gesellschaften. Häufig erscheint sie als naturgegeben, jedoch entsteht und entwickelt sie sich aus der Gesellschaft heraus und ist somit immer eine sozial erzeugte Tatsache, welche als ein negatives, gesellschaftliches Problem angesehen wird. (vgl. Greiffenhagen & Greiffenhagen, 2002, S. 567).

Im Mittelalter wurde die soziale Ungleichheit zunächst als von Gott gewollt betrachtet, da zu dieser Zeit der Glaube bestand, dass Gott bereits jedem Menschen seine Stellung in der Schöpfung zugewiesen hat. Schon Aristoteles argumentierte im 4. Jahrhundert v.Chr. dagegen, indem er sagte, dass die soziale Ungleichheit ein naturgebundenes Phänomen sei.

Die Gesellschaft des 19. und frühen 20. Jahrhunderts wurde von einer selbstverständlichen Trennung von hohem und niedrigem Bildungswesen nach Standes- und Klassenzugehörigkeit sowie der grundsätzlichen Trennung von Jungen- und Mädchenbildung geprägt (vgl. Brake & Büchner, 2012, S. 23). Somit wurde soziale Ungleichheit häufig als Gegebenheit der Natur oder mit dem Willen eines Gottes begründet.

Bis in das frühe 20. Jahrhundert war die Schullaufbahn eines Kindes noch vorbestimmt, je nachdem in welche Schicht das Kind hineingeboren wurde. Die individuellen Begabungen und Talente des Kindes wurden dabei nicht berücksichtigt. Es herrschte eine extreme Undurchlässigkeit zwischen den einzelnen Schultypen, sodass zum Beispiel einem Bauernkind die höhere Schullaufbahn im Voraus verwehrt wurde, da diese für die Kinder aus der Oberschicht vorgesehen war.

Mit Beginn der Bildungsexpansion 1950 wurde insbesondere der Bildungsbenachteiligung von Mädchen und Frauen sowie Kindern auf dem Land entgegengewirkt. Das Ziel der Chancengleichheit wurde jedoch nicht erreicht und somit bestand nach wie vor ein starker Zusammenhang zwischen der sozialen Herkunft und den Bildungschancen. Zudem hat sich mit Beginn der 1960er Jahre die soziale Benachteiligung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund verstärkt (vgl. Autorengruppe Bildungsberichterstattung, 2009). Im Zuge der Bildungsexpansion kam es einerseits zwar zu verbesserten Bildungschancen, jedoch nahm andererseits die Bildungsbenachteiligung verschiedener Gruppen und Schichten zu.

Die Trennung von hohem und niedrigem Bildungsgrad sowie die grundsätzliche Trennung von Jungen- und Mädchenbildung wurde zwar überwunden, aber bei der‚ gerechten Bildungsbeteiligung‘ hat die deutsche Gesellschaft auch im 21. Jahrhundert noch einiges nachzuholen, vor allem je mehr verdeutlicht wird, dass Bildung eine Bedingung von Demokratie und gesellschaftlicher Teilhabe ist und ein ungleicher Zugang zu Bildung an möglichst allen Bildungsorten ausgeschlossen werden soll (vgl. Brake & Büchner, 2012).

Familie als Bildungsort

In der zweiten Hälfte der 1960er Jahre war die ungleiche Verteilung von Bildungschancen zwischen den Kindern aus unterschiedlichen sozialen Herkunftsgruppen Teil einer kontrovers geführten Bildungsreformdebatte, welche die Optimierung des bestehenden Bildungssystems als Ziel hatte.

Um den Kindern geeignete Zugangsmöglichkeiten zu Kultur und Bildung zu gewähren, ist es von großer Bedeutung, dass die Familien spezifische Bildungsleistungen erbringen. (vgl. Brake & Büchner, 2012, S. 125). Nach Daten der PISA-Studie zeigen sich vermehrt deutliche Unterschiede ob Jugendliche freiwillig und zum eigenen Vergnügen lesen oder nicht (vgl. Baumert, Schümer & Gundel, 2002). Außerdem zeigt eine Studie zur Lesesozialisation von Kindern in der Familie, dass die Sprach- und Leseförderung im familiären Kontext der entscheidende Faktor für die Praxis des kindlichen Leseverhaltens ist (vgl. Kreibich & Ehmig, 2010). Der Zugang zur Schrift-, Erzähl- und Buchkultur ist somit auch jenseits der Schule von erblicher Bildungsrelevanz.

Hinzu kommt außerdem, dass die Familie die zeitlich erste Bildungsinstanz im Lebenslauf eines Kindes ist und somit alle nachfolgenden Bildungsprozesse von diesen frühen Bildungserfahrungen in der Familie ausgehen und auf diesen aufbauen. Je nachdem, welche Werte die Familie als Bildungsinstanz dem Kind vermittelt hat, so treffen spätere schulische Lern- und Bildungsprozesse auf sehr unterschiedliche Ausgangslagen. Außerdem ist der Bildungsort Familie auch die langandauernste Instanz im Leben eines Menschen. Während anderen Bildungsorte, wie Vereine oder Freunde das Kind meist nur für einen begrenzten Zeitraum begleiten, bleibt die Familie vorwiegend als biographisches Zentrum über die gesamte Lebensspanne erhalten (vgl. Brake & Büchner, 2012, S. 126f). „Es handelt sich hier ganz überwiegend um informelles, situationsabhängiges Lernen, das weniger durch bewusste Zielgerichtetheit oder gar besondere Förderung motiviert ist, als vielmehr durch die Teilnahme am gemeinsamen Lebensalltag und durch die von den Familienmitgliedern, wechselseitig vorgelebten Verhaltensweisen und Werte, bestimmt ist, die sich in bestimmten Phasen des Lebensalltags als bedeutsam erweisen.“ (ebd., S. 127).

Bildung und soziale Ungleichheit

„Bildung ist in unserer Gesellschaft eine wichtige Determinante für individuelle Lebenschancen, Selbstverwirklichung, beruflichen Erfolg sowie soziale, politische und kulturelle Teilhabe. Bildungsarmut verwehrt einem diese Partizipationschancen“ (Solga & Dombrowski, 2009). Aber wodurch wird der Bildungsprozess beeinflusst und inwiefern trägt die soziale Ungleichheit zu Bildungsunterschieden bei?

Nicht alle Bildungsunterschiede erweisen sich als Quelle der sozialen Benachteiligung und damit als Ausdruck von Bildungsungerechtigkeit, also unter welchen Bedingungen werden Bildungsunterschiede zu Bildungsungleichheiten? Die beobachteten Bildungsungleichheiten stehen mit verschiedenen sozialen Dimensionen, wie sozialer Herkunft, Geschlecht und ethnischer Zugehörigkeit, im Zusammenhang (vgl. Brake & Büchner, 2012, S. 37ff).

Indem Bildung die kulturelle Teilhabe und soziale Anschlussfähigkeit ermöglicht, erhält sie einen zentralen biographischen Stellenwert, sowohl für die berufliche Laufbahn, als auch für die Erschließung und Nutzung von gesellschaftlichen Ressourcen und biographischen Optionen im Rahmen der (Selbst-) Gestaltung des Lebenslaufs des Individuums (vgl. ebd., S. 39). Bildung ist vor allem als Herstellungsleistung zu begreifen, dessen Erfolg oder Misserfolg von unterschiedlichen Rahmenbedingungen abhängt und deshalb auch zu entsprechenden Bildungsungleichheiten führt (vgl. ebd., S. 69).

Aus der Sicht des Individuums ist Bildung vor allem von Bedeutung, um die kulturelle Teilhabe, soziale Anschlussfähigkeit und die Erschließung und Nutzung von biographischen Optionen zu ermöglichen. Deshalb gilt die Bildung insbesondere im Kindes- und Jugendalter als entscheidende Ressource für eine angemessene Lebensbewältigung und dient somit nicht als Selbstzweck, sondern befähigt das Individuum ein eigenständiges Leben im Zusammenwirken mit anderen Menschen zu führen (vgl. ebd., S. 75).

Unter Bildungsbenachteiligung wird verstanden, dass eine Gruppe von Kindern oder auch Erwachsenen im Bildungssystem weniger Möglichkeiten hat ein Bildungsziel zu erreichen als andere.

Nach Brake und Büchner (2012) gilt Bildung besonders in Anbetracht der zunehmenden bildungsabhängigen Lebenschancen in einem umfassenden Wortsinn als wichtige Überlebensressource für alle Mitglieder moderner Gesellschaften (vgl. ebd., S. 227).

Dimensionen sozialer Ungleichheiten

„Chancengleichheit ist von zentraler Bedeutung für die Verwirklichung des im Grundgesetz verankerten Verbots der Diskriminierung, unter anderem nach sozialer Herkunft, Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit oder Behinderung“ (Sombra & Dombrowski, 2009). Die Vielfalt der sozialen Ungleichheit wird in der Regel in diesen Dimensionen zusammengefasst. Im folgendem Abschnitt werden soziale Herkunft, Migration, Geschlecht und Behinderung näher mit der sozialen Ungleichheit in Verbindung gebracht und es wird untersucht inwiefern diese Dimensionen ein Grund für soziale Ungleichheit bzw. Bildungsungleichheit sein können.

Soziale Herkunft (Klasse, Schicht, soziales Milieu)

Mit der Veröffentlichung von PISA- oder IGLU-Ergebnissen wird immer wieder gezeigt, dass der Bildungserfolg in Deutschland sehr stark von der sozialen Herkunft abhängt. Somit werden gering qualifizierte Menschen schon früh aufgrund ihrer Herkunft benachteiligt (vgl. Sobra & Dombrowski, 2009, S. 200).

Soziale Ungleichheiten lassen sich heutzutage nicht allein auf einer vertikalen Linie abbilden. Beispielsweise wird ein Jugendlicher der unteren Mittelschicht angehören, ob seine Mutter aber eine alleinerziehende Künstlerin ist oder aus einer Arbeiterfamilie kommt, wird seine familiäre Sozialisation unterschiedlich beeinflussen. Bei der Milieutheorie wird außerdem davon ausgegangen, dass es in verschiedenen ‚Schichten‘ unterschiedliche Lebensstile bzw. Mentalitäten gibt (vgl. Walgenbach u.a., 2017, S. 41).

Migration

Migrationen sind „Bewegungen von Menschen über relevante Grenzen hinweg“ (Mecheril, 2010, S. 7). Diese Grenzen meinen in der Regel die Grenzen von Nationalstaaten. Nach Mecheril (2010) hat es Migrationen „zu allen historischen Zeiten und fast überall gegeben“. Die Qualität und das Ausmaß von Migrationen unterliegen jedoch starken Wandlungsprozesse und auch das, was die Menschen unter Migration verstehen, unterliegt einem ständigen Wandel (vgl. Walgenbach u.a., 2017, S. 51).

Die Arbeits- und Lebensverhältnisse von Personen mit Migrationshintergrund haben sich in den letzten drei Jahrzenten zwar deutlich verbessert, trotzdem aber leben aus sozialstrukturanalytischer Perspektive heute noch große Teile von ihnen unter ähnlichen Bedingungen, wie strukturell benachteiligte deutsche Schichten (vgl. Geißler, 2014, S. 287). Neben der sozialen Benachteiligung sind auch migrationsspezifische Bedingungen zu berücksichtigen, wie unzureichende Sprachkenntnisse oder Diskriminierungen durch die Mehrheitsgesellschaft.

Seit durch die Ergebnisse der ersten PISA-Studie von 2000 deutlich wurde, wie signifikant schlechter, als andere an der Studie beteiligter Länder, das deutsche Bildungssystem offenbar in der Lage ist Herkunftseffekte auszugleichen, wird der Bedeutung von sozialer Herkunft und Migration für Bildungsgerechtigkeit bildungspolitisch mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Infolgedessen haben sich einige Faktoren verbessert, sodass sich der Anteil der Anmeldungen an unter Dreijährigen mit Migrationshintergrund in Kindestageseinrichtungen seit 2009 verdoppelt hat. Außerdem haben sich die Kompetenzen von Jugendlichen mit Migrationshintergrund aus den unteren sozialen Schichten im Sekundarbereich verbessert (vgl. Autorengruppe Bildungsbeichterstattung, 2016, S. 10f). Es gibt jedoch weiterhin Disparitäten zwischen deutschen und ausländischen Jugendlichen hinsichtlich der Schulabschlüsse. „Ausländische Jugendliche verlassen nach wie vor mehr als doppelt so häufig das Schulsystem ohne Hauptschulabschluss und erreichen dreimal seltener die Hochschulreife“ (ebd., S. 10f).

Oft schenkt der Kindergarten den Familien mit Migrationshintergrund auch Hoffnung auf kulturelle Integration, indem die Kindern ihre bestehenden sprachlichen Defizite beim Kontakt zu gleichaltrigen Kindern ohne Migrationshintergrund abzubauen. Nach den Daten des statistischen Bundesamts (2010) beträgt der Anteil der drei- bis unter sechsjährigen Kinder aus Einwandererfamilien, die einen Kindergarten besuchen, 92%. Auch bei Familien mit Migrationshintergrund beträgt der Anteil der Kinder, die einen Kindergarten besuchen, 80%.

Geschlecht

Im Zusammenhang von Geschlecht herrschen oft noch Uneinigkeiten darüber, ob dies noch immer ein bestimmender Faktor sozialer Ungleichheit ist. Die Ungleichheitsdimension „Geschlecht“ weist einen deutlichen Abbau der Bildungsungleichheit auf. Böhringer (2017, S. 1) vertritt jedoch die Meinung, dass Geschlechterungleichheiten in der Wissenschaft nach wie vor ein weit verbreitetes Phänomen sind.

In den 1960er Jahren fand ein traditionelles Familienmodell eine sehr starke Akzeptanz, in dem den Männern die Rolle des Familienernährers zufiel und sie eine gehobene schulische und berufliche Ausbildung absolvieren konnten. Für Frauen war demgegenüber eher die Rolle als Hausfrau und Mutter vorgesehen. Bis 1958 hatte der Ehemann das Recht die Erwerbstätigkeit seiner Frau zu unterbinden.

Benachteiligung und Unterdrückung, aufgrund der Geschlechtszugehörigkeit, gehören heutzutage (größtenteils) der Vergangenheit an. Dennoch bestehen auch heute noch Ungleichheiten zwischen Männern und Frauen im Bildungswesen.

Mittlerweile haben sich die Geschlechterverhältnisse in der Bildungsbeteiligung zu Gunsten der Mädchen verschoben. „Mädchen auf der Überholspur“, so kennzeichnet Geißler (2005, S.80) die derzeitige Situation der Schülerschaft im deutschen Bildungssystem. Zur Untersuchung dieses Zitates, werden die Personen mit einen Abschluss des Schuljahrgangs 2008 betrachtet. Bei den Realschulabschlüssen ist das Geschlechterverhältnis noch sehr ausgeglichen, bei der allgemeinen Hochschulreife beträgt der Anteil junger Frauen 56%. Auch bei der Fachhochschulreife sind 54% der Absolventen weiblich. Der Anteil der Jungen, welche die Schule ohne Hochschulabschluss bzw. mit einem Abschluss für Lernbehinderte verlassen, liegt bei mehr als 60%. Das Risiko für Jungen am Ende ihrer Schullaufbahn mit einem Abschluss dazustehen, der ihnen nur sehr geringe Chancen für einen weiteren qualifizierten Berufsweg eröffnet, sind somit sehr hoch (vgl. Statistisches Bundesamt, 2010).

Die Mädchen gehen zunächst als Gewinner der Bildungsexpansion heraus, jedoch können sie ihren schulischen Bildungserfolg meist nicht im Erwerbsleben umsetzen. Es lassen sich drei Aspekte unterscheiden, die eine arbeitsbezogene Benachteiligung von Frauen darstellen.

Die vertikale Segregation meint, dass sich Männer und Frauen auf unterschiedlichen Hierarchieebenen der beruflichen Tätigkeit befinden. Es sind zum Beispiel 81,5% der Geschäftsführer und Geschäftsbereichsleiter männlich. Im Gegensatz dazu gibt es am unteren Ende der Hierarchie eine weibliche Überrepräsentation und somit sind beispielsweise 91% der Friseure weiblich.

Horizontale Segregation bedeutet, dass Frauen aus einen engerem Berufsspektrum auswählen, somit verteilen sich die Geschlechter nicht gleichmäßig auf die Branchen und Betriebe. Frauen finden sich 2006 mit als mehr 45% hierbei viel häufiger in den (einfachen) Dienstleistungen wieder, 27% der Männer entfallen auf das verarbeitende Gewerbe. Es gibt somit zwischen den verschiedenen Bereichen, in denen sich die Geschlechter verteilen, auch erhebliche Lohnunterschiede, woraus folgt, dass Frauen oft ein geringeres Gehalt bekommen als Männer.

Der dritte Aspekt, der eine arbeitsbezogene Benachteiligung von Frauen darstellt, ist die Verdienstchance. Frauen verdienen im Schnitt 23% weniger als ihre männlichen Kollegen. Gründe für diese Benachteiligung der Frauen sind beispielsweise häufigere, mehrjährige Unterbrechungen der Berufstätigkeit aus familiären Gründen oder defensiveres Verhalten bei Gehalts- und Lohnverhandlungen (vgl. Dossier des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 2009).

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Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Soziale Ungleichheit. Auswirkungen auf die Bildungschancen in Deutschland
Hochschule
Hochschule Fresenius; Köln
Note
1,0
Autor
Jahr
2020
Seiten
13
Katalognummer
V918766
ISBN (eBook)
9783346228024
Sprache
Deutsch
Schlagworte
soziale, ungleichheit, auswirkungen, bildungschancen, deutschland
Arbeit zitieren
Lisa Pottbeckers (Autor), 2020, Soziale Ungleichheit. Auswirkungen auf die Bildungschancen in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/918766

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