"Eine menschenwürdige Betreuung, Behandlung und Pflege von kranken, alten und behinderten Menschen bedarf der intensiven Zusammenarbeit zwischen ärztlichen und pflegerischen Mitarbeiter/innen. Um negative Auswirkungen auf die Patientensituation, wie mangelhafte Schmerzbekämpfung, längere Liegedauer, Alleine lassen von Sterbenden , unnötige Verlegungen zwischen Pflegeheimen und Krankenhäusern zu vermeiden, ist der partnerschaftliche Dialog zwischen beiden Berufsgruppen unumgänglich. Trotzdem scheint er mehr die Ausnahme als die Regel zu sein. Neben hierarchischem Denken und persönlichen Eigenschaften spielen hierbei vor allem eine Reihe struktureller Gegebenheiten eine wesentliche Rolle" (s. Hofmann 2001, S.207). Diese Aussage trifft genau meine Ansicht zu diesem Thema. Leider habe ich bei meiner Arbeit als Krankenschwester häufig Situationen erlebt, in denen es zwischen Ärzten und Pflegepersonal zum Eklat kam. Aber sollten wir denn nicht zusammenarbeiten? Es macht doch so viel mehr Freude zur Arbeit zu gehen, wenn dort nicht Zwistigkeiten und Streit herrschen. Nicht zu vergessen die Patienten, die durch schlechte Absprachen, verschiedene Behandlungen und Aussagen, sowie ein schlechtes Allgemeinklima verunsichert werden und darunter zu leiden haben, ja sogar wesentliche Einbußen bei ihrer Gesundung erfahren müssen. Wo liegen Ursachen für das häufig mangelhafte Zusammenarbeiten zwischen der Ärzteschaft und der Pflege? Spielt ihre Geschichte eine Rolle? Der heute noch immer recht stark vertretene Geschlechterunterschied (Ärzte oft männlich; Pflegende oft weiblich) ? Welche Lösungsansätze gibt es bereits hier in Deutschland und welche Konzepte hat das Ausland hierzu entwickelt? Diesen Fragen möchte ich in dieser Arbeit nachgehen. Allerdings kann in dem vorgegebenen Rahmen nur ein kurzer Eindruck, oder ein paar Ideen oder Ansätze hierzu vermittelt werden, denn jeder einzelne aufgeführte Punkt hat einen weit größeren Umfang, als dass dies hier Platz finden könnte.
Inhaltsverzeichnis
1. Intention
2. Geschichtlicher und geschlechtsrollenspezifischer Rückblick
2.1 Die Vor- und Frühgeschichtliche Zeit
2.2 Die Hochkulturen
2.3 Die Griechisch-römische Antike
2.4 Das Mittelalter
2.5 Das 18. Jahrhundert
2.6 Das 19. Jahrhundert
2.7 Das 20. Jahrhundert
3. Potentielle Konfliktursachen heute
3.1 Hierarchien
3.2 Unterschiedliche berufliche Sozialisation
3.2.1 Die Sozialisation der Ärzte
3.2.2. Die Sozialisation des Pflegepersonals
3.3 Äußere/ institutionelle Bedingungen
4. Lösungsmöglichkeiten
4.1 In Deutschland angewandte Konfliktlösungsmöglichkeiten
4.1.1 Qualitätszirkel
4.1.2 Therapeutische Teams
4.1.3 Gemeinsame Konferenzen
4.1.4 Gesundheitszirkel
4.1.5 Organisationsentwicklung
4.2 Internationale Ansätze
4.2.1 Case Management
4.2.2 Risk-Management
4.2.3 Transformational Nursing
5. Persönliche Stellungnahme
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Ursachen für das häufig mangelhafte Zusammenwirken zwischen ärztlichem Personal und Pflegekräften im Krankenhaus. Dabei wird analysiert, wie historische Rollenbilder, unterschiedliche Sozialisationsprozesse und institutionelle Rahmenbedingungen die interprofessionelle Kooperation beeinflussen, um Lösungsansätze für eine partnerschaftliche Zusammenarbeit aufzuzeigen.
- Historische Entwicklung der Geschlechterrollen in Medizin und Pflege
- Einfluss der beruflichen Sozialisation auf das Rollenverständnis
- Hierarchische Strukturen und deren Auswirkungen auf die Kommunikation
- Institutionelle Belastungsfaktoren im Krankenhausalltag
- Modelle zur Verbesserung der interdisziplinären Teamarbeit
Auszug aus dem Buch
3.1 Hierarchien
Die hierarchischen Strukturen im Krankenhaus spielen zwar weniger als früher, aber doch spürbar eine Rolle. Obwohl der direkte Vorgesetzte des Pflegepersonals die Stationsleitung bzw. Pflegedienstleitung ist, werden Ärzte oft nicht als Partner einer anderen Berufsgruppe gesehen, sondern mehr als „Chefs“ (ebenso sieht die Gesellschaft meist noch die Ärzte als Vorgesetzte der Schwestern). Deutlich sichtbar ist dies oft, wenn der Professor zur Visite kommt und alle Schwestern sozusagen „stramm stehen“ und fürchten z.B. beim Verbandswechsel Fehler zu machen. und dafür oft vor Patienten und der restlichen Belegschaft niedergemacht zu werden (vgl. Grahmann /Gutwetter 2002, S.14). Im Krankenhaus sind die Hierarchiestrukturen meist sehr stark ausgeprägt. Dies hat oft negative Folgen, denn je stärker diese Strukturen, desto größer ist die Konkurrenz zwischen den Berufsgruppen. Selbstverantwortung, Kreativität, Kooperation und Effizienz finden hier wenig Raum und dies wirkt sich kontraproduktiv für den Betrieb aus (vgl. Grahmann /Gutwetter 2002, S.14).
Da die Mediziner in Sachen Prestige, Einfluss, Entscheidungskompetenz und Einkommen dominieren und oft die Kompetenz und Leistung der Pflegekräfte kaum beachten, ernst nehmen oder anerkennen, fühlen diese sich in ihrem Selbstwertgefühl negativ berührt. Konsequenz ist häufig ein verdeckter Konkurrenzkampf. Die Ärzte besitzen ein Machtmonopol und sind den Pflegenden gegenüber weisungsbefugt. Sie können im Streitfall ihre Anordnungen auch entgegen der Meinung der Pflegenden durchsetzen, unabhängig davon ob dies zum Wohle des Patienten geschieht oder nicht (vgl. ebd., S.26). So bleiben dem Pflegepersonal nur subtile Methoden Widerstand zu leisten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Intention: Die Autorin legt ihre persönlichen Beweggründe dar, basierend auf ihrer Erfahrung als Krankenschwester, und formuliert die Leitfragen zur Problematik der mangelhaften Zusammenarbeit.
2. Geschichtlicher und geschlechtsrollenspezifischer Rückblick: Dieses Kapitel zeichnet die historische Entwicklung der Pflege und Medizin nach, um die Wurzeln der heutigen Machtstrukturen und Geschlechterrollen zu beleuchten.
3. Potentielle Konfliktursachen heute: Hier werden aktuelle Faktoren wie starre Hierarchien, unterschiedliche akademische Sozialisationen sowie institutionelle Zwänge als Konflikttreiber identifiziert.
4. Lösungsmöglichkeiten: Es werden verschiedene Modelle aus Deutschland (wie Qualitätszirkel) und internationale Konzepte (wie Case Management) vorgestellt, die die interdisziplinäre Kooperation fördern sollen.
5. Persönliche Stellungnahme: Die Autorin reflektiert die Ergebnisse kritisch und plädiert für einen Abbau des Omnipotenzanspruchs der Ärzte zugunsten einer gleichberechtigten Partnerschaft.
Schlüsselwörter
Krankenpflege, Ärzteschaft, Interdisziplinäre Zusammenarbeit, Hierarchien, Geschlechterrollen, Sozialisation, Konfliktmanagement, Qualitätszirkel, Case Management, Krankenhausbetrieb, Professionalisierung, Gesundheitswesen, Teamarbeit, Patientenversorgung, Arbeitsbedingungen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Dynamik der Zusammenarbeit zwischen Pflegepersonal und Ärzten im Krankenhaus und sucht nach Wegen, die oft bestehenden Konflikte zu überwinden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die historische Entwicklung, die unterschiedliche Sozialisation beider Berufe sowie strukturelle Faktoren wie Hierarchien und moderne Organisationskonzepte.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die Ursachen für die häufig mangelhafte Kooperation zu analysieren und Möglichkeiten zu erörtern, wie ein partnerschaftlicher Dialog die Versorgungsqualität verbessern kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse, um den geschichtlichen Verlauf, soziologische Aspekte der Berufsbilder und existierende Managementkonzepte theoretisch fundiert aufzuarbeiten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Entstehung von Machtstrukturen, vergleicht die Sozialisation von Ärzten und Pflegekräften und stellt konkrete Instrumente wie Qualitätszirkel oder Risikomanagement vor.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind Interdisziplinarität, Hierarchiekritik, Professionalisierung der Pflege, Rollenverständnis und patientenorientierte Teamarbeit.
Wie wirken sich die unterschiedlichen Ausbildungshintergründe auf den Arbeitsalltag aus?
Die Arbeit zeigt, dass das naturwissenschaftlich-individualistische Medizinstudium stark vom praxisorientierten, auf soziale Kompetenz fokussierten Pflegestudium divergiert, was die Kommunikation im Team erschweren kann.
Wie bewertet die Autorin das Konzept des „Transformational Nursing“?
Sie steht diesem Modell kritisch gegenüber, da sie befürchtet, dass der Fokus auf Effizienz und ökonomische Ressourcenverteilung zulasten des individuellen menschlichen Eingehens auf den Patienten geht.
- Quote paper
- Melanie Gobbers (Author), 2002, Zusammenarbeit von Pflegepersonal und Ärzten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9190