Vorliegende Arbeit soll die verschiedenen Strömungen und Auffassung von der Musikerpersönlichkeit darstellen. Daran anschließend wird ein Ausblick auf mögliche, daraus folgende Fragestellungen entwickelt, der weder Anspruch auf Vollständigkeit erhebt noch der letzten Wahrheit verpflichtet ist.
Hinter den Überlegungen stehen verschiedene Fragestellungen, die in den einzelnen Kapiteln beleuchtet werden sollen:
• Haben Musiker mit bestimmten Instrumenten ein bestimmtes Persönlichkeitsprofil?
• Welche Faktoren (Erziehung, Lebensgeschichte, Geschlecht usw.) spielen bei der Entwicklung dieser Persönlichkeiten eine Rolle?
• Ist das Spielen eines bestimmten Instruments prägend für die Persönlichkeit und auf welche Art und Weise geschieht dies?
Um neben der theoretischen Fundierung einen Einblick in angewendete Forschungsfelder zu geben, wird in Kapitel 4 eine empirische Studie von Antony Kemp vorgestellt, die sich anhand vorzustellender Theoriegebäude mit kategorialen Unterschieden (und Gemeinsamkeiten?) bei Musikern beschäftigt.
Im Hinblick auf den begrenzten Umfang der Arbeit können einzelne Probleme oftmals nur angerissen werden, wobei der Versuch unternommen worden ist, durch recht umfangreiche Hinweise auf Sekundärliteratur weitere Neugier zu befriedigen.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorbemerkungen
2. Der Musiker – Charakterzüge und Selbstkonzept
2.1 Zum Begriff ‚Persönlichkeit’
2.2 Charakterzüge
2.3 Selbstkonzept
3. Persönlichkeitsmessung: Theorie und Methodologie
3.1 Tests zur Persönlichkeit von Musikern
3.1.1 Hintergrund
3.1.2 Cattells Faktoren
3.1.3 Eysencks „Typen“
3.1.4 Jungs psychologische Typen
3.1.5 Die „Großen Fünf“ (Big Five)
3.2 Alternative Sichtweisen bei der Untersuchung von Musikern
4. Kategoriale Unterschiede bei Musikern – Kemps Untersuchungen
4.1 Orchestermusiker
4.2 Pianisten
4.3 Sänger
4.4 Dirigenten
4.5 Komponisten
4.6 Musiklehrer (Schulmusiker)
5. Fazit und weitere Fragen
6. Literatur
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Persönlichkeitsstruktur von Musikern aus musikpsychologischer Perspektive. Ziel ist es, den aktuellen Forschungsstand zu Charakterzügen und Selbstkonzepten im Musikerberuf darzustellen, theoretische Ansätze zur Persönlichkeitsmessung zu beleuchten und empirische Unterschiede zwischen verschiedenen Musikergruppen anhand von Studien von Antony Kemp kritisch zu analysieren.
- Theoretische Grundlagen der Persönlichkeitspsychologie im Kontext von Musikern
- Methoden der Persönlichkeitsmessung (z.B. Cattell, Eysenck, MBTI, Big Five)
- Untersuchung instrumentenspezifischer Persönlichkeitsprofile (Orchestermusiker, Sänger, Pianisten, Dirigenten)
- Diskussion über die Wechselwirkung zwischen Persönlichkeitsanlagen und musikalischem Werdegang
- Kritische Reflexion der Forschungslandschaft und offener Fragestellungen
Auszug aus dem Buch
4.1 Orchestermusiker
Hier versuchte Kemp, auf Unterschiede zwischen den einzelnen Registern (Streicher, Holz bzw. Blechbläser, Schlagzeuger) einzugehen. Ausgehend von der Annahme, dass sich charakterliche Unterschiede bei Streichern im Vergleich zu anderen Instrumentengruppen feststellen lassen, kommt Kemp lediglich beim Merkmal ‚Zurückhaltung’ zu unterschiedlichen Ergebnissen. Die hohe Ausprägung des Merkmals lässt sich vermutlich mit der Art und Weise des Einordnens in eine größere Gruppe erklären. Betrachtet man Streicher als Tuttispieler (ohne Berücksichtigung der Solostimmen), kann hier ein Zusammenhang hergestellt werden.
Spätere Untersuchungen fanden bei Streichern zusätzlich niedrigere ‚Ich-Stärke’, ‚Besorgtheit’ und niedrigere ‚Eigenständigkeit’. Des Weiteren waren Streicher gewissenhafter und besaßen höhere ‚Selbstkontrolle’. Möglicherweise lassen sich bei diesen Merkmalsausprägungen Zusammenhänge zur instrumentenspezifischen Willenskraft und zur Genauigkeitshaltung herstellen. Dass Kemp nicht auf Unterschiede zwischen eben jenen Tutti- bzw. Solospielern eingeht, zeugt weniger von nachlässiger Akribie seitens Kemps sondern von weiter notwendigem Forschungsbedarf. Jeder weiß, wie schwierig es gerade bei einem Streichinstrument ist, akzeptable Töne erzielen zu können. Die Ausprägungen von ‚Gewissenhaftigkeit’ und ‚Neurotizismus’ lassen hier Rückschlüsse auf die Persönlichkeitsentwicklung von Streichern zu.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorbemerkungen: Einleitung in die musikpsychologische Fragestellung zur Musikerpersönlichkeit sowie Darlegung der Zielsetzung und zentraler Forschungsfragen der Arbeit.
2. Der Musiker – Charakterzüge und Selbstkonzept: Erörterung der psychologischen Definition von Persönlichkeit und Selbstkonzept sowie deren Bedeutung für Künstlerpersönlichkeiten.
3. Persönlichkeitsmessung: Theorie und Methodologie: Vorstellung verschiedener theoretischer Ansätze und Testverfahren zur Messung von Persönlichkeitsmerkmalen bei Musikern.
4. Kategoriale Unterschiede bei Musikern – Kemps Untersuchungen: Empirische Analyse der Persönlichkeitsunterschiede zwischen verschiedenen Musikergruppen anhand der Studien von Antony Kemp.
5. Fazit und weitere Fragen: Zusammenfassende kritische Reflexion des Forschungsstandes und Ausblick auf die Henne-Ei-Problematik von Persönlichkeitsanlage und Musizierpraxis.
6. Literatur: Verzeichnis der in der Arbeit verwendeten Quellen und Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Musikpsychologie, Musikerpersönlichkeit, Selbstkonzept, Persönlichkeitsmessung, Charakterzüge, Instrumentalisten, Antony Kemp, Cattell, Eysenck, Big Five, Musikpädagogik, Introversion, Selbstwirksamkeit, Leistungspsychologie, Musikalität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der musikpsychologischen Analyse der Musikerpersönlichkeit, insbesondere damit, welche Charakterzüge und Selbstkonzepte sich bei professionellen Musikern feststellen lassen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Theorie der Persönlichkeitsmessung, der Einfluss des Musizierens auf die Entwicklung von Persönlichkeitsmerkmalen sowie die empirische Differenzierung verschiedener Musikerberufe.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Darstellung musikpsychologischer Strömungen und die kritische Untersuchung der Frage, inwieweit Musiker unterschiedlicher Gruppen spezifische Persönlichkeitsprofile aufweisen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf die Auswertung und kritische Diskussion bestehender musikpsychologischer Studien, insbesondere der empirischen Arbeiten von Antony Kemp.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst theoretische Grundlagen (Charakterzüge, Selbstkonzept) und Testverfahren vorgestellt, gefolgt von einer detaillierten Analyse von Unterschieden bei Orchestermusikern, Pianisten, Sängern, Dirigenten, Komponisten und Musiklehrern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Musikpsychologie, Persönlichkeitsstruktur, Instrumentenpräferenz, Selbstwirksamkeit und empirische Musikerforschung charakterisiert.
Welche kritischen Punkte äußert der Autor an der Forschung von Kemp?
Der Autor bemängelt unter anderem die teilweise unklare Klassifikation der untersuchten Musikergruppen, die unvollständige Differenzierung bei Blechbläsern und die teilweise belletristische Interpretation der Ergebnisse bei Pianisten.
Warum ist das Thema "Henne und Ei" für diese Arbeit relevant?
Es adressiert die zentrale, ungeklärte Frage, ob Persönlichkeitsmerkmale durch das spezifische Musizieren gebildet werden oder ob Menschen mit bestimmten Anlagen bestimmte Instrumente wählen.
Was ist das "Manko der Forschung", das im Fazit benannt wird?
Die Forschung konzentriert sich zu stark auf Berufsmusiker, während Amateure und Laien kaum betrachtet werden, und es fehlt bislang ein in sich stimmiges, allgemein gültiges Theoriegebäude.
- Citar trabajo
- Norman Grüneberg (Autor), 2008, Wer ist musikalisch? - Zur Persönlichkeit von Musikern aus musikpsychologischer Sicht, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/91930