Unterrichtsstunde: Der Wandel der Arbeitswelt als aktueller, mehrdimensionaler und sozialpolitischer Gegenstand in der politischen Bildung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007
22 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Sachanalyse

3. Bedingungsanalyse

4. Didaktisch-Methodische Analyse
4.1 Begründete Auswahl der Unterrichtsgegenstände
4.2 Erschließung des Themas „Arbeitswelt im Wandel“ über den
Kategorialen Ansatz Bernhard Sutors
4.3 Beschreibung und Analyse des methodisch-didaktischen Konzepts der Unterrichtsstunde

5. Alternativen und Einschätzung der Unterrichtsstunde

6. Ausführlicher Unterrichtsverlaufsplan

7. Literaturverzeichnis und Internetquellen

1. Einleitung

Der Wandel der Arbeitswelt findet inmitten eines gesamtgesellschaftlichen Wandels statt und prägt maßgebend die Entwicklung eines jeden Individuums in der Gesellschaft. Es bleibt nicht aus sich dieser Herausforderung zu stellen, da jeder von ihr, gewollt oder nicht gewollt, betroffen ist.

Die Arbeitswelt ist der Schlüssel in eine moderne Leistungsgesellschaft und gestaltet sie maßgebend mit. Der schnelle wirtschaftliche Wandel, neue Technologien sowie weltweite Vernetzung und Arbeitsteilung sind verantwortlich für eine sich ständig ändernde Arbeitswelt. Alte Arbeitsplätze verschwinden und neue entstehen an anderer Stelle. Ganze Berufsgruppen lösen sich auf und neue, oft einfach aus dem amerikanischen übernommene Berufsbezeichnungen, finden ihren Weg in die neue Arbeitswelt. „Info-Broker“, „Webmaster“, „Event-Elektroniker“ oder „IT-System-Administrator“ sind nur einige Namen, die sich in der deutschen Übersetzung nur halb so gut anhören würden. Sie sind der Weg in eine technisierte Zukunft und bieten vor allem jungen Menschen neue, vielfältige Möglichkeiten sich beruflich zu entwickeln. Andererseits drängen diese Berufsgruppen ältere Menschen aus dem Beruf, die den neuen technischen Anforderungen nicht mehr gewachsen sind. Chancen und Risiken von Entwicklungen müssen daher gründlich analysiert werden, um gerechte und faire Lösungen für alle Menschen in der Zukunft zu schaffen.

Die vorliegende Unterrichtseinheit soll das Thema: „Arbeitswelt im Wandel“ im Problembereich des Sozialen Wandels[1] aufgreifen und den Lernenden einen übersichtlichen und zugleich kritischen Blick auf die zukünftigen gesellschaftlichen Entwicklungen in der Arbeitswelt werfen lassen. Durch die didaktische Reduktion, wird der komplexe Themenbereich strukturiert und wichtige Problembereiche herausgenommen, die für den Gesamtzusammenhang bedeutend sind. Mit einer angemessenen Auswahl der Unterrichtsgegenstände, wird das Thema greifbar und schülerorientiert vermittelt. Gleichzeitig werden Materialien und die Methoden abwechslungsreich und ansprechend eingesetzt, sodass unterschiedliche Schlüsselkompetenzen eingeübt werden können. Die Unterrichtseinheit muss den Anforderungen ihres Inhaltes dahingehend gerecht werden, dass sie neben Soft Skills und Schlüsselkompetenzen, auch die Idee eines lebenslangen Lernens vermittelt. Die Lernenden sind dazu aufgefordert ihre eigenen Ideen, Gefühle, Wünsche und Erfahrungen mit in den Unterrichtprozess einfließen zu lassen.

2. Sachanalyse

Wir sind auf dem Weg in die Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft des 21. Jahrhunderts. Neue Kommunikations- und Informationstechnologien verändern die Gesellschaft zunehmend. Die Einbindung der Informationstechnik in Produktionsabläufe und in die Produkte ist heute selbstverständlich geworden und nicht mehr wegzudenken.[2] Dabei hat sich auch die Arbeits- und Berufswelt drastisch verändert. Während vor einhundert Jahren noch Bauern und Arbeiter den größten Anteil der arbeitenden Bevölkerung ausmachten, sind es heute hauptsächlich Dienstleistungsberufe, die die gesellschaftliche Struktur prägen. Damit hat sich der Strukturwandel weg von der Landwirtschaft und der Industrie, hin zum Dienstleistungssektor verstärkt. Im Jahr 2010 werden nach einer Prognose des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung rund 69 Prozent aller Erwerbstätigen im Dienstleistungssektor beschäftigt sein. Der Industriesektor wird dabei immer mehr mit vor allem computergestützten Dienstleistungen verknüpft werden und als Grundlage für die Wirtschaft weiterhin bedeutungsvoll bleiben.[3]

Der französische Ökonom Jean Fourastié hat in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts mit einer der bekanntesten Theorien des ökonomischen und damit des gesamtgesellschaftlichen Strukturwandels das Wirtschaftssystem in drei Produktionssektoren unterteilt. Erstens, in den primären Sektor, der vor allem auf Landwirtschaft und Rohstoffgewinnung fußt. Darunter fallen Berufe wie Bauern, Bergmänner oder Fischer die für die Grundversorgung einer Gesellschaft zuständig sind. Zweitens, in den sekundären Sektor, der das verarbeitende Gewerbe wie Industrie und Handwerk repräsentiert und gleichzeitig Motor für Fortschritt und Entwicklung ist. Dem verarbeitenden Gewerbe entsprangen oft Ideen die den Produktionsprozess effizienter und ökonomischer gestalteten. Viele Berufe des sekundären Sektors sind noch heute stark durch Fortschritt und Ökonomisierung beeinflusst und bilden die Basis für den tertiären Sektor. Dieser ist schließlich drittens, vor allem durch Handel, Verwaltung und Dienstleistungsberufe geprägt und in modernen Leistungsgesellschaften am stärksten vertreten.[4] Während die beiden ersten Sektoren in den letzen 100 Jahren stetig abgenommen haben, werden im Jahr 2010 etwa 70 % der Erwerbstätigen im Dienstleistungssektor beschäftigt sein.

Aufgrund der starken Verbreitung von Informationsstrukturen, die direkt oder indirekt mit dem Dienstleistungssektor gekoppelt sind, sprechen Ökonomen und Soziologen bereit von einem Vier-Sektoren-Modell, in dem neben den klassischen Sektoren nun der Informationssektor Einzug gehalten hat.[5] In den 90er Jahren haben die ersten Computer ihren Siegeszug in Büros und Industrie angetreten und waren mit verantwortlich an der schnellen Entwicklung einer Informationsgesellschaft. Heute sind mehr als die Hälfte aller Erwerbstätigen im Informations- und Kommunikationssektor beschäftigt und dieser Trend wird sich weiter fortsetzen. Andererseits sind technologische Entwicklungen und Produktinnovationen dafür verantwortlich, dass herkömmliche Produkte vom Markt verdrängt werden und Maschinen die Arbeitsproduktivität steigern und viele Arbeitskräfte überflüssig machen. Soweit nicht gleichzeitig eine Ausweitung des Produktionsvolumens stattfindet, kommt es in den betroffenen Industrien entweder zu einer Verkürzung der Arbeitszeit oder zur Entlassung von Arbeitskräften. Andererseits ist es aber auch denkbar, das durch die Kostensenkung für das günstiger hergestellte Produkt der Absatz und in der Folge auch die Produktionsmenge steigt und sogar neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Auch neue Technologien und deren Erforschung müssen mit Arbeitskräften besetzt werden. Dementsprechend ist der technische Fortschritt ebenso ambivalent wie die internationale Arbeitsteilung. Beide bergen sowohl die Möglichkeit der Wohlstandssteigerung als auch negative Auswirkungen für betroffene Branchen. Eine gewollte Beschränkung des technischen Fortschritts würde sich jedoch genauso negativ auf die Beschäftigung auswirken wie die Minderung der internationalen Arbeitsteilung.

Die Entwicklung zur Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft sowie die voranschreitende Globalisierung bieten den Menschen neue Möglichkeiten zur individuellen Ausgestaltung ihres Arbeitslebens. Gleichzeitig stellen sie aber auch hohe Anforderungen an die zukünftigen Arbeitnehmer und an die Unternehmen selbst. Der Strukturwandel in unserer Gesellschaft führte zum Abbau von Arbeitsplätzen vor allem in den ersten beiden Sektoren und zur Schaffung von neuen Arbeitsplätzen im Bereich des Dienstleistungs- und des Informationssektors. Gerade dieser schnelle Wandel hat bei vielen Menschen Ängste vor Arbeitslosigkeit und vor sozialer Isolation ausgelöst. Andererseits bietet der Strukturwandel jungen Menschen ein weites Spektrum an interessanten und zukunftsorientierten Betätigungsfeldern. Auch Frauen können von den vielgestaltigen Arbeitsformen profitieren. So bietet sich ihnen die Chance, ihre Kariere und Familie besser miteinander zu verbinden und ihre Ziele individuell zu verwirklichen. Mit dem Strukturwandel haben sich also auch die Arbeitswelt und die Berufsstrukturen maßgeblich verändert.

Auf der anderen Seite entwickeln Unternehmen immer flexiblere und leistungsfähigere Arbeitsmodelle, die auf die einzelnen Arbeitnehmer zugeschnitten werden. Neue Beschäftigungsformen wie Teilzeitarbeit, Zeit- und Leiharbeit oder Telearbeit bringen den Unternehmen Flexibilität und Wirtschaftlichkeit, um am weltweiten Wettbewerb auf hohem Niveau mithalten zu können. Dazu benötigen die Unternehmen qualifizierte Arbeitnehmer die beispielsweise in Teams Probleme selbständig und effektiv lösen können. Projektarbeit, Expertengruppen und Task Forces sind weitere Bereiche, in denen verschiedene Spezialisten zielgerichtet eingesetzt werden. So bietet beispielsweise die Telearbeit den Arbeitnehmern und den Unternehmen die Möglichkeit flexibel zu arbeiten. Der Arbeitnehmer kann von zu Hause aus arbeiten und seine Ergebnisse mittels digitaler Übertragung an das Unternehmen senden. Dazu muss er nicht in der Firma anwesend sein und kann sich Frei- und Arbeitszeit individuell einteilen. Die modernen Informations- und Kommunikationstechnologien schaffen so die Möglichkeit einer ortsunabhängigen Teilnahme am Arbeitsprozess, der sich mittlerweile über den gesamten Globus ausstreckt und viele Menschen und Nationen miteinander verbindet.

Parallel dazu entwickelten sich immer wieder neue Berufsbilder mit differentiellen Qualifikationsstrukturen und Anforderungsbereichen. Zum Beispiel entstanden komplett neue Berufsbilder wie der „Info-Broker“, der seinen Auftraggebern spezielle Informationen aus dem Internet beschafft, oder der „Webmaster“, der für das technisch einwandfreie Funktionieren von Webseiten verantwortlich ist. Andererseits sind viele traditionelle Handwerksberufe nahezu völlig verschwunden. Heute sind die vornehmlich handwerklichen Berufe wie „Gerber“, „Korbmacher“ oder „Köhler“ durch Maschinen ersetzt; oder sie sind ganz aus dem Berufskatalog verschwunden.

Aber auch die bestehenden traditionellen Handwerksberufe müssen sich zunehmend mit neuen Technologien auseinandersetzen, um weiterhin am Markt bestehen zu können.[6] Von Gesellen und Meistern wird de facto erwartet, dass sie Basiskenntnisse im Bereich der Informatik besitzen. Hierbei spielt die elektronische Datenverarbeitung wie Onlinebanking, Email Verkehr, Präsentation des Unternehmens genauso eine Rolle wie die digitale Steuererklärung und Buchführung und die elektronische Planung von Arbeitsaufträgen und Produktionsvorgängen. Die Soziologen Günter Voß und Hans Pongratz (1998) gehen davon aus, dass der verberuflichte Arbeitnehmer abgelöst wird durch den Typus des Arbeitskraftunternehmers. Dieser verkaufe nicht mehr sein latentes Arbeitsvermögen, sondern wird Auftragnehmer für Arbeitsleistungen. Damit trägt der Arbeitskraftunternehmer alle Risiken, muss sich sowohl selbst organisieren, kontrollieren und sein eigenes Arbeitsvermögen immer wieder neu herstellen. Seine tägliche Lebensführung muss er verbetrieblichen und alle individuell verwertbaren Potenziale nutzen, wie etwa das Geldvermögen, die sozialen Netze, die eigene Alltagstechnik, den Wohnraum sowie auch die Arbeitsleistung weiterer Personen.[7]

Das Verhältnis von Fachkenntnissen und überfachlichen Fähigkeiten verschiebt sich zugunsten so genannter Schlüsselqualifikationen und Soft Skills. Kompetenzen wie Teamfähigkeit, Selbständigkeit, Kommunikationsfähigkeit und Lernfähigkeit sind dabei entscheidende Faktoren für eine zukünftige erfolgreiche Karriere.

[...]


[1] Vgl. Thüringer Kultusministerium (Hrsg.): Lehrplan für das Gymnasium Sozialkunde, Erfurt 1999, S. 21.

[2] Vgl. Kannegiesser, Martin 2001: Die Chancen der neuen Arbeitswelt, S. 2 verfügbar unter: http://www.insm.de/Publikationen/Thema__Arbeit/Aufbruch_in_die_neue_Arbeitswelt.html, 24.01.08.

[3] Vgl. Informationen zum Arbeitsmarkt: Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, verfügbar unter: http://www.iab.de/de/forschung.aspx, 24.01.08.

[4] Vgl. Schäfers, Bernhard 2002: Sozialstruktur und sozialer Wandel in Deutschland, 7. Auflage, Stuttgart: Lucius und Lucius, S. 176f.

[5] Vgl.: Handwerger, Manfred (Hrg.) 2001: Die Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschlands, Band 2,Bamberg: C.C. Buchner, S. 96f.

[6] Vgl. Arbeitsblatt „Veränderung der Arbeitswelt“, verfügbar unter: http://www.wirtschaftundschule.de/WUS/homepage/Unterrichtsmaterial/Ergebnis/Details.html?x=36&thema0=checked&search=object&id=3919&from=10&y=9&level=Alle%20Stufen

[7] Vgl. Weber, Birgit: Schöne neue Arbeitswelt? – die Zukunft der Arbeit, in: Informationen zur politischen Bildung (Heft 293), Bonn 2003, S. 5 f.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Unterrichtsstunde: Der Wandel der Arbeitswelt als aktueller, mehrdimensionaler und sozialpolitischer Gegenstand in der politischen Bildung
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Institut für Politikwissenschaft - Professur für Didaktik der Politik)
Veranstaltung
Sozialer Wandel und Sozialpolitik als Gegenstände der politischen Bildung
Note
1,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
22
Katalognummer
V91942
ISBN (eBook)
9783638052948
ISBN (Buch)
9783638945530
Dateigröße
506 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Unterrichtsstunde, Wandel, Arbeitswelt, Gegenstand, Bildung, Sozialer, Sozialpolitik, Gegenstände
Arbeit zitieren
Alexander Bösenberg (Autor), 2007, Unterrichtsstunde: Der Wandel der Arbeitswelt als aktueller, mehrdimensionaler und sozialpolitischer Gegenstand in der politischen Bildung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/91942

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