Das Dilemma der Sozialarbeit - Ambulante Maßnahmen zwischen Institutionen der sozialen Kontrolle


Studienarbeit, 2006

11 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Coaching-Prozess
2.1 GROW-Modell Theorie
2.2 Stufe Goal
2.3 Stufe Reality
2.4 Stufe Options
2.5 Stufe What
2.6 Stufe Gap
2.7 Maßnahmenplan zum Verhaltenstraining
2.8 Maßnahmenplan zur Rückfallprophylaxe

3 Darstellung einer Coaching-Sitzung

4 Ergebnisbewertung und Schlussfolgerungen

5 Literaturverzeichnis

6 Abbildungs- und Tabellenverzeichnis
6.1 Abbildungsverzeichnis
6.2 Tabellenverzeichnis

Anhang
Anhang 1:
Anhang 2:
Anhang 3:
Anhang 4:
Anhang 5:

1 Einleitung

Tabelle 1: Charakterisierung des Klienten anhand Informationen aus Anamnese und Eingangsgespräch (eigene Darstellung)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Klient ist ein 18 Jahre alter Schüler. Er gehört im Sport und in der Klasse immer zu den kleinsten Personen. Zusätzlich ist er auch sehr schmal gebaut und wiegt mit 53,2kg nicht viel für seine Größe und sein Alter. Der Schüler wohnt mit seiner Schwester und seinen Eltern zuhause. Seinen Tagesablauf bestimmen vor allem Schule und Fußball, beziehungsweiße das Fitnessstudio. Er spielt selber im Verein Fußball und trainiert dort zweimal die Woche und absolviert am Wochenende ein Spiel. Zusätzlich dazu geht er dreimal die Woche ins Fitnessstudio, um Muskeln aufzubauen, damit er beim Fußball besser gegenhalten kann und damit im Alltag seine Größe durch die Muskelmasse nicht so zum Ausdruck kommt und er etwas älter wirkt. Weiter trainiert er eine jüngere Fußballmannschaft, wo er auch zweimal in der Woche das Training leitet und ein Spiel am Wochenende hat. So ist bisher nicht viel Zeit geblieben, um sich mit dem Thema Ernährung auseinanderzusetzen. Er besitzt also bisher nicht viel Wissen über das Thema, weshalb es hauptsächlich bisher darum ging, dass er seine Mahlzeiten ohne großen Aufwand zuzubereiten kann, sodass es häufig Tiefkühlpizza oder Pommes zu sich nahm. Leider ist der Klient in seiner Nahrungsauswahl sehr eingeschränkt, da ihm Vieles nicht schmeckt und er auch selten Neues ausprobiert. Aus diesem Grund sind seine Mahlzeiten fleischlastig, da er keinen Käse, Obst oder Soßen isst. Da er, wenn er auswärts isst, dann häufig das Essen nicht mag, isst er dann oft nichts, weshalb er verhältnismäßig wenig Mahlzeiten zu sich nimmt. Weiterhin ist es entscheidend zu wissen, dass der Klient Tabletten aufgrund seiner Depression nimmt, den Appetit weniger werden lassen. Bisher hat er aber keine Veränderungen diesbezüglich gemerkt.

Der Klient möchte Gewicht am ganzen Körper zunehmen, um sich wieder wohl zu fühlen. Die Person ist mit 1,74m eher klein und durch das niedrige Gewicht wirkt er für andere deutlich jünger. Des Weiteren besteht der Wunsch nicht mehr der Kleinste und Dünnste zu sein gegenüber seinen Freunden und Mitschülern, da aus dem Klein- und Dünn sein in der Klasse schon Mobbing hervorhing, was wohl mit zu den Depressionen geführt hat. Als Ziel wurden sieben Kilogramm Muskelmasse, vor allem im Oberkörper, genannt. Auch aufgrund des geringen Fettanteils von 5,7% ist das Zunehmen wichtig, da es sonst ab unter 5% gesundheitsgefährdend werden könnte. Damit der Klient sein Ziel erreichen kann, muss er über 14 Wochen alle zwei Wochen ein Kilogramm zunehmen (siehe Anhang Abbildung 3). Momentan treibt der Klient viel Sport, was eine gute Grundlage für den Aufbau von Muskeln ist, gerade das Betreiben von Kraftsport. Das Problem der Person sind die Mengen an Essen. In den letzten Jahren hat das Hungergefühl immer mehr abgenommen und so hat die Person ständig weniger gegessen, auch aufgrund von Motivationsproblemen sich Essen zu zubereiten. Mehrere Versuche zuzunehmen wurden schon gestartet, aber ohne professionelle Unterstützung. Diese verliefen negativ. Ein weiterer Grund, weshalb die ersten Versuche negativ verliefen ist, dass er im Alltag unter Stress steht. Gerade an den Tagen, an denen er viele Termine hat, bis 16 Uhr Schule, Hausaufgaben, Fußball, Fahrschule, und Fitnessstudio, ist das Ernährungsverhalten nicht zielführend. Das entspricht der Emotions- Entstehungstheorie nach Schachter & Singer, die besagt, dass der Mensch für eine Emotion, zum Beispiel, dass er sich unwohl fühlt, da er so dünn ist eine Ursache sucht (Schachter & Singer, 1962). Dies ist der Stress, den der Klient dafür verantwortlich macht. Es entsteht eine kognitive Dissonanz, da der Klient diese Entscheidung für eine falsche im Nachhinein hält. Somit entsteht ein unangenehmes Gefühl beim Klienten. Damit diese Dissonanz aus seinem Kopf verschwindet, versucht er das Gefühl zu ignorieren. Denn der Körper bestrebt immer einen Zustand, der angenehm ist und nicht dissonant. Das ist der Grund, warum der Klient in 14 Wochen 7kg Muskelmasse zunehmen möchte, um sich wohler zu fühlen und die Tage mit vielen Terminen besser zu strukturieren. Für die ersten sechs Wochen ist folglich das Ziel, die ersten 3kg Gewicht zuzunehmen.

Des Weiteren fürchtet er sich auch vor den Folgen des Untergewichts, falls er unter die 5% Körperfett kommt. Besonders Angst hat der Klient vor einem Zusammenbruch. Die anderen Folgen, wie zum Beispiel Verdauungsprobleme, Frieren oder Blähungen, machen ihm keine so großen Sorgen. Krämpfe in den Beinen hatte er in letzter Zeit beim Sport schon öfter, wodurch ihm klar wurde, dass es wichtig ist, aufzubauen.

Zur Einsicht der Veränderung des Klienten vor der Ernährungsberatung, wurden in einer Vierfeldertafel die Vor- und Nachteile lang- und kurzfristig festgehalten (siehe Anhang Abbildung 2). Dabei stellte der Klient fest, dass er drei positive und nur einen negativen Aspekt gefunden hat. Somit war der Klient noch fester überzeugt, sein Verhalten zu ändern.

2 Coaching-Prozess

2.1 GROW-Modell Theorie

Das GROW Modell wurde von Sir John Whitmore entwickelt. Dieses Modell wird zur Unterstützung zu Coachingprozessen genutzt, um mit einer Struktur diese durchzuführen. Die Buchstaben aus dem GROW Modell setzen sich aus den Anfangsbuchstaben der einzelnen Stufen zusammen. Dabei wird als ersten auf das Ziel eingegangen. Das „G“ steht für „Goal Setting“ und zielt auf die Teil- und Endziele des Klienten ab. Dabei ist es wichtig, dass die Fragen so spezifisch sind, dass das Ziel am Ende ein SMARTes Ziel ist. Die zweite Stufe „Reality Checking“ befragt den Klienten alles zu seinem aktuellen Verhalten. Was hat er bisher alles getan für sein Verhalten, um sein Ziel zu erreichen und welche Auswirkungen das jeweils hatte. Somit lässt sich eine momentane Aufnahme des Verhaltens erzielen. "Options“ ist die dritte Stufe, welche die Möglichkeiten, Strategien und Alternativen für den Klienten sucht, um Lösungen für sein Ziel zu finden. Dies ist wichtig, da ein Handlungsplan entworfen werden soll, um alle Möglichkeiten aufzulisten und auch die Hindernisse gegenüber zu stellen. Dabei ist es von besonderer Bedeutung, dass der Coach keine Vorgaben macht, sondern nur der Klient die Lösungsvorschläge gibt. Die letzte Stufe ist „Will“ und zielt auf die Maßnahmen ab, welche der Klient wirklich umsetzen möchte. Dabei bezieht er sich auf die verschiedenen Lösungen aus der vorigen Stufe und wägt ab, welche er am besten umsetzen kann und wie er die Umstellung dann durchführt. Das heißt hier werden die Vereinbarungen mit dem Klienten klar formuliert und festgelegt. Sir John Whitmore hat mit diesem Modell durch die einzelnen Stufen eine Struktur gegeben, die sich aufeinander aufbaut. In der ersten Stufe werden die Ziele festgelegt, danach wird die aktuelle Situation ausführlich besprochen, damit in der nächsten Stufe die Lösungen, für die in der Stufe davor festgestellten Herausforderungen zu finden sind. Zum Schluss muss sich der Klient dann nur noch für eine Lösung entscheiden, die er dann umsetzen möchte. Auch die Fragen für die jeweilige Stufe nennt Whitmore genau. Allerdings ist es wichtig ein Vertrauensverhältnis zwischen Klient und Coach zu schaffen, um somit eine angenehme Atmosphäre zu erzielen, damit der Klient sich auch öffnet. Deshalb ist es möglich einzelne Fragen abzuwandeln. (Whitmore, 2009).

Oftmals gibt es weitere Stufen, die in der Praxis angewendet werden, um die Hindernisse, Herausforderungen, die Möglichkeiten und Chancen, sowie das weitere Vorgehen zu besprechen. Dies ist von Vorteil, da der Klient sich von vornerein in Klaren ist, dass Rückschläge geben wird. So kann man diese Situationen vorher durchsprechen und der Klient weiß, wie er sich in den Situationen verhalten kann, ohne aufgeben zu wollen (Whitmore, 2009)

Auch ist es mögliche die Reihenfolge zu ändern, wenn man nach der jeweiligen Stufe feststellt, dass mit der aktuellen Situation oder den Lösungsvorschlägen der Klient nicht an sein Ziel kommt. Dann ist es notwendig, zur ersten Stufe zurück zu gehen, um das Ziel zu überdenken, ob es wirklich noch SMART ist (Whitmore, 2009).

2.2 Stufe Goal

Im Erstgespräch wurde sehr ausführlich über diese Stufe gesprochen. Es stellte sich heraus, dass der Klient so schnell wie möglich sieben Kilogramm zunehmen möchte, um sich wieder wohler zu fühlen und nicht mehr der Kleinste und Dünnste zu sein, um nicht mehr aus der Gruppe herauszustechen, sondern so zu sein wie die anderen. Da die Person schon viel Sport betreibt, ist das einerseits eine gute Voraussetzung, um die sieben Kilogramm Muskelmasse aufzubauen, andererseits erhöht sich so der Energiebedarf am Tag. Wichtig ist, dass der Klient die Einsicht hat, dass sich etwas ändern muss. Nicht nur aufgrund der Faktoren, die sich äußern, sondern auch aufgrund seines geringen Körperfettanteils von 5,7% ist es aus gesundheitlichen Gründen wichtig, dass er etwas an seinem Essverhalten verändert (Pieter & Dornberg, 2017).

In der zweiten Sitzung nannte der Klient als Ziele, dass er sich nicht unter Druck setzen möchte, wenn er keinen Hunger hat. Lieber möchte er kleinere Portionen zu sich nehmen, denn wenn er diese schafft, hat er ein positiveres Gefühl, als wenn er den Teller nicht aufisst. Da der Klient zu dieser Sitzung bereits 1,4kg Gewicht zugenommen hat, nahm er sich vor, den Essensplan weiter zu verfolgen und Kleinigkeiten zu optimieren. Des Weiteren möchte er die Regelmäßigkeit der Mahlzeiten beibehalten, um das erste Zwischenziel von 1kg Gewichtszunahme nächste Woche gehalten zu haben (Pieter & Dornberg, 2017).

Die Ziele der dritten Sitzung waren, die beiden Tage, an denen es nicht so gut funktionierte genügend Mahlzeiten zu sich zu nehmen, durch die langen Schulzeiten, zu optimieren. Aus diesem Grund möchte der Klient die Montage und Donnerstage besprechen, damit die wenige Zeit, die er zwischen den einzelnen Terminen hat, besser zum Essen nutzen kann. Weiterhin möchte er noch ein paar Kleinigkeiten besprechen, damit es ihm leichter fällt, bis zur nächsten Woche weiter Gewicht zuzunehmen (Pieter & Dornberg, 2017).

In der vierten Sitzung ist das oberste Ziel für den Klienten, dass er die letzten 400g bis zu nächster Woche an Gewicht zunimmt, damit er das zweite Zwischenziel von 2kg erreicht. Dazu braucht er Hilfe, wenn es um die kurzen Zeiten zwischen Schule und Fitnessstudio geht. Das Ziel ist es für den Klienten, dass er Lösungen mit dem Coach hierfür findet, damit er weiter an Gewicht zunehmen kann, um seinem Ziel näher zu kommen (Pieter & Dornberg, 2017).

Die fünfte Sitzung hatte ein anderes Ziel als die bisherigen Sitzungen. Der Klient hat durch neue Tabletten gegen Depressionen keinen Hunger mehr. Da er nicht in alte Muster zurückfallen möchte, es ihm aber schwer fällt größere Mengen zu essen, möchte er das Gewicht halten bis zur nächsten Woche und mit dem Coach eine Strategie entwickeln, um die Wirkungsphase der Tabletten zu überstehen, somit möchte er wieder Hunger bekommen (Pieter & Dornberg, 2017).

Aufgrund der neuen Tabletten und des fehlenden Hungers, stand für den Klienten in der sechsten Sitzung fest, dass er zur nächsten Woche möglichst wieder das Gewicht halten möchte, gegebenfalls es sogar leicht zu erhöhen. Sein Wunsch ist eine dritte Mahlzeit zu sich nehmen oder an den anderen Mahlzeiten mehr zu essen. Voraussetzung dafür ist, dass der Klient wieder Hunger verspürt. (Pieter & Dornberg, 2017).

Auch in der siebten Sitzung, am Ende der sechs Wochen, verspürte der Klient noch keinen Hunger. Sein Ziel für die nächste Woche war, das alte Gewicht wieder zu erreichen und zwei große Mahlzeiten zu sich zu nehmen. Da er am kommenden Montag andere Tabletten bekommt, ist es realistisch, dass er dann wieder Hunger verspürt. Aus diesem Grund ist es das Ziel mindestens das Höchstgewicht aus der Ernährungsberatung zu erreichen. Beträgt das Gewicht über 55,3kg, wäre das ein Erfolg. Somit kann der Klient sein Endziel um zwei Wochen nach hinten verschieben und das Ziel der ersten sechs Wochen ebenfalls. Aus diesem Grund hat der Klient sein Ziel von zwei Kilogramm in den ersten drei Wochen fast erreicht. Nach den ersten fünf Wochen war der Klient sogar über dem Ziel. Somit ist es alles im Bereich des Möglichen, zur nächsten Woche bei 55,3kg mit zwei Wochen Verzögerung wieder zu starten (Pieter & Dornberg, 2017).

2.3 Stufe Reality

In der ersten Sitzung schaute man sich das Ernährungsprotokoll an, um das aktuelle Verhalten zu analysieren. Dieser Teil nahm die meiste Zeit des Erstgespräches in Anspruch. Es wurde ausgerechnet, wie viele Kalorien der Klient durchschnittlich zu sich nimmt und wie viele er verbrennt am Tag. Mit Hilfe der Säfte und Limonaden ergab sich ein ausgeglichener Kalorienbedarf. Da der Klient aber eher weniger Getränke zu sich nimmt, entstehen so auch öfter Kaloriendefizite. Des Weiteren isst er eher unregelmäßig. Die Küche bleibt meistens kalt, da die Motivation fehlt etwas zuzubereiten und auch oft wenig Zeit zwischen den vielen Terminen ist, um sich etwas zu kochen. Wenn er etwas Warmes isst, dann oft zum Abendessen, wie schnelle Gerichte, zum Beispiel Tiefkühlpizza, Pommes, Nuggets oder ähnliches. Bisher startete der Klient im letzten Jahr drei Versuch zuzunehmen, die leider alle wieder scheiterten. Diese führte er alleine durch, ohne Unterstützung. In den Ferien funktionierte das ganz gut, aber als die Schule anfing, verspürte er keinen Hunger mehr. Somit funktionierten alle drei Versuche langfristig nicht. Gehemmt wurde das Verhalten dadurch, dass durch die vielen, zum Teil auch sehr großen Malzeiten, bis zur Übelkeit gegessen wurde und so der Appetit verging. Für den Klienten bedeutet gesunde Ernährung, dass sie ausgewogen ist, viel Gemüse, aber auch die anderen Bereiche der Nährstoffe, wie zum Beispiel Vitamine, Fette oder Kohlenhydrate, abdeckt. Er ist sich im Klaren darüber, dass frisch zubereitetes Essen gesünder ist, als Fast Food. Somit ist zu erkennen, dass der Klient sich schon gewissermaßen mit dem Thema Ernährung auseinandergesetzt hat (Pieter & Dornberg, 2017).

Anhand des SORKC-Modells beschrieb man im ersten Schritt die Situationen, in denen das thematisierte Verhalten auftritt. Hierzu stellte man einen Wochenablauf auf, um zu sehen, wann diese Situationen auftreten und wie sie genau aussehen. Auch alle anderen Einflüsse auf den vier Ebenen, wie sozial, biologisch, externale und physiologische, bezog man mit ein (siehe Anhang Abbildung 4). Ziemlich schnell wurde deutlich, dass der Klient in der Schule nichts aß. Da der Schultag von 7:20 Uhr bis 15:20 Uhr dauert und anschließend ein Fitnesstudiobesuch an drei Tagen in der Woche erfolgt folgt, isst der Klient zehn Stunden lang keine Mahlzeit. Die Erwartungen der Person sind, etwas in der Schule zu essen, um nach der Schule nicht sofort so große Mahlzeit essen zu müssen, da es drei Stunden später schon wieder Abendessen gibt. Meistens hat er dann wenig oder gar keinen Hunger. Oft isst er nach dem späten Schulschluss dann zuhause einen kleinen Joghurt, um wenigstens etwas zu essen. Für ihn fühlt es sich aber so an, als wenn er gar nichts isst. Der Joghurt sättigt ihn nicht, aber sein Fußballtraining beginnt dann und dort vergisst er den Hunger durch die Ablenkung wieder. Allerdings fehlt die Motivation etwas größeres zu Essen nach der Schule vorzubereiten oder herzustellen, da er bis jetzt noch keine körperlichen Mängel an sich bemerkt hat. Bei einer Ernährungsumstellung wäre er selbst glücklicher und glaubt, dass dies seine Umwelt überraschen könnte. Um dem Klienten zu verdeutlichen, was die Ernährungsumstellung bedeutet, wurde mit einer Vierfeldertafel nachgeholfen, die positiven und negativen Aspekte langfristig, sowie kurzfristig zu betrachten (siehe Anhang Abbildung 2). Hier war der Klient positiv gestimmt, dass die Durchführung einen Erfolg hat (Kanfer & Saslow, 1995).

In der zweiten Sitzung kam diese Stufe hauptsächlich zum Einsatz. Hier wurde ein Überblick über das aktuelle Verhalten geschaffen, was gut funktioniert und wo keine Hilfe benötigt wird. Gute funktioniert hat, dass der Klient regelmäßiger und auch mengenmäßig mehr gegessen hat und dies auch in der Schule umsetzen konnte. Der Vorteil ist sein neuer Stundenplan, da er so nur eine Kleinigkeit mit in die Schule nehmen muss und die Freistunden mittags nutzen kann, um zuhause Mittag zu essen. Dies hat sich auch in seinem Gewicht geäußert. So hat der Klient in der ersten Woche 1,4kg zugenommen, was einen weiteren Motivationsschub zur Folge hatte. Als noch etwas problematisch nannte der Klient, dass er manchmal kein Hunger zu den Zeiten hat, die er sich im Essenplan vornahm. So hat er einen Tag seine Pizza nur halb gegessen, obwohl eine ganze geplant war. Dafür hat es gut geklappt mehr kalorienreichere Lebensmittel zu sich zu nehmen. Außerdem ist es positiv, dass durch den regelmäßigen Rhythmus nach drei bis vier Stunden nichts essen ein Hungergefühl entsteht. Das erklärt sich der Klient dadurch, dass der Körper durch die Gewohnheit danach verlangt. Erleichtert hat das neue Verhalten, dass durch den Essensplan die Familie mehr mithelfen kann und der Klient durch diese Unterstützung sich nicht alleine um das Essen kümmern muss, sondern alle anderen ihn unterstützen (Pieter & Dornberg, 2017).

Auch die dritte Sitzung begann mit dieser Stufe und nahm die meiste Zeit ein. Es wurde ein aktueller Stand festgelegt und besprochen, wie das Verhalten momentan genau aussieht und was das Verhalten gehemmt oder gefördert hat. Es stellte sich heraus, dass weiterhin ein Hungergefühl besteht, wie auch in der Woche davor. In dieser Woche ist neu dazugekommen, dass es nicht nur Hunger auf kleinere Portionen ist, sondern mittlerweile auch auf größere Portionen gibt. Dies führte dazu, dass der Klient in dieser Woche das erste Mal zu wenig Essen mit zur Schule nahm. Das ist ein großer Erfolg, da der Klient vor der Ernährungsberatung in der Schule gar nichts aß. Erleichtert hat dieses Verhalten weiterhin die vielen Freistunden dienstags und freitags. Hier kann der Klient zuhause Mittag essen und bei Bedarf sich Nachschlag holen. Die Herausforderungen sind weiterhin die Zeiten, wenn er lange Schule hat: Allerdings ist nicht mehr das Problem überhaupt etwas zu essen, sondern eher die Mengen, dass dem Klienten die Portionen oft nicht ausreichen. Weiterhin hemmt das Verhalten weniger zu essen die stressigeren Tage montags und donnerstags. Die Problematik besteht hier, wenn der Klient direkt nach der Schule ins Fitnessstudio geht und dann nur eine halbe Stunde zuhause ist, bevor er zum Fußball geht. Dies ist donnerstags noch etwas problematischer, da hier abends gleich zwei Trainingseinheiten hintereinander fallen. Hier bekommt der Klient vor dem Fitnessstudio und dann im Training donnerstags Hunger (Pieter & Dornberg, 2017).

Der Klient erklärt sich das Verhalten so, dass der Körper sich an die regelmäßigen Mahlzeiten gewöhnt hat und so nach drei bis vier Stunden ohne Essen nach etwas zu Essen verlangt. Somit hat der Klient durch die Regelmäßigkeit einen ganz wichtigen Schritt für sein Ziel getan und so wieder ein bisschen Gewicht zugenommen in der Woche (Pieter & Dornberg, 2017).

Zur vierten Sitzung schaffet es der Klient weiterhin die drei großen und zwei kleinen Mahlzeiten einzuhalten. Dazu sind an zwei Tagen eine vierte Mahlzeit gekommen. Auch in der Schule hat er fast immer alles aufgegessen, obwohl er mehr an Menge mitgenommen hat. Dafür haben manchmal andere Mahlzeiten darunter gelitten. Abends hat der Klient es zwei Mal nicht geschafft den gesamten Teller leer zu essen. Das Gewicht ist über die Woche gleichgeblieben, was sich der Klient dadurch erklärt, dass er von den Mengen her die gleichen wie in der Woche davor zu sich genommen hat nur auf mehrere Mahlzeiten verteilt. Außerdem gab es einen Tag, den Sonntag, an dem der Klient sehr wenig gegessen hat. Diese Komponenten nennt er als Gründe für sein gehaltenes Gewicht. Neu mit im Ernährungsplan ist ein Eiweißshake, den der Klient nun gut in den Alltag integriert hat. Diese nimmt er als zusätzliche Kalorien zu sich. (Pieter & Dornberg, 2017)

In der fünften Sitzung stellte der Klient das erste Mal dar, dass er neue Tabletten aufgrund seiner Depressionen hat. Diese wirken sich auf den Appetit aus. Somit hatte der Klient Anfang der Woche noch guten Hunger und hat auch viel gegessen. Sogar mehr als die vorige Woche. Auch gut funktioniert hat, dass er weiterhin mehr zu Essen in die Schule mithatte. Weiterhin hat der Klient sich darauf konzentriert, dass er vormittags in der Schule eine Süßigkeit zu dem Gemüse isst, um den Blutzuckerspiegel hoch zu halten (siehe Anhang Abbildung 1). Allerdings hat die Wirkung der Tabletten ab Mittwochabend eingesetzt, wodurch der Klient ab hier weniger aß. Er hat nun weniger Hunger und kann nicht mehr so große Portionen zu sich nehmen. Allerdings hat er trotzdem sein Teilziel erreicht und insgesamt 2,1kg zugenommen. Dies hat ihn positiv gestimmt, trotzdem weiter zu machen. Auch wenn es weniger und kleinere Mahlzeiten sind, nimmt er trotzdem den Eiweißshake zu sich. So hat der Klient wenigstens diese Kalorien zusätzlich, die er vor Beginn der Ernährungsberatung noch nicht zu sich genommen hat, um nicht in alte Verhaltensmuster zu fallen und abzunehmen (Pieter & Dornberg, 2017).

In der Woche vor der sechsten Sitzung hat der Klient es geschafft, die beiden Mahlzeiten morgens und abends zu sich zu nehmen und zusätzlich zwei Eiweißshake. Weiterhin war es ihm möglich, zwischen den Mahlzeiten Kleinigkeiten zu essen, um den Blutzuckerspiegel hoch zu halten. Vereinfacht wurde dieses Verhalten, da der Klient in dieser Woche Projektwoche in der Schule hatte und in dieser von Zuhause aus arbeiten durfte. So war es ihm möglich seine Mahlzeiten so zu planen, wie es ihm passt und er musste sich nicht an die Pausenzeiten in der Schule halten. So war es ihm auch möglich nicht so große Portionen zu essen, sondern eher die ganze Zeit während er die Arbeit geschrieben hat immer mal zwischendurch etwas zu sich zu nehmen. Allerdings hat der Klient in dieser Woche noch kein Hunger verspürt. Das hat das Vorhaben gehemmt. Allerdings hat er in dieser Woche alle Vorgaben umgesetzt, die in der letzten Sitzung besprochen wurden. Dadurch hat der Klient auch sein Ziel für diese Woche erreicht. Er hat sein Gewicht genau gehalten (Pieter & Dornberg, 2017).

Zum Abschluss der ersten sechs Wochen hat der Klient durch die Wirkung der Tabletten so wenig Appetit gehabt, dass er nur eine große Mahlzeit abends und zwei Shakes zu sich genommen hat. Durch die Ferien und dem damit verbundenen spätem aufstehen, fand das Frühstück erst deutlich später statt, sodass er mittags keinen Hunger hatte. Allerdings hat es trotzdem geklappt alle vier Stunden eine Kleinigkeit zu sich zu nehmen. Leider ist diese nicht größer geworden, wie der Klient sich es vorige Woche vorgenommen hatte. Da er aber später aufsteht, fällt eine Zwischenmahlzeit aus, was ihm zur leichten Gewichtsreduktion führt (Pieter & Dornberg, 2017).

2.4 Stufe Options

Auch diese Stufe findet sich im Erstgespräch wieder. Es wurden verschiedene Möglichkeiten gesucht, um das Verhalten zu beeinflussen. Es gab die Möglichkeiten in der Mensa zu essen, etwas vorzukochen, immer etwas Kleines mitzunehmen und die Umwelt mit einzubeziehen. So kann mit Hilfe der Familie möglicherweise auch zusammengekocht oder durch einen Plan im Wechsel die Mahlzeiten vorbereiten. Diese wurden in einem Maßnahmenplan verglichen und mit Zeugnisnoten bewertet, um die beste Möglichkeit für den Klienten herauszufinden. Das Wichtigste ist dem Klienten, dass es nicht viel Geld kostet, schnell zuzubereiten geht und, da er sehr wählerisch ist, etwas gibt, was er auch essen mag. Erst wurden die Ideen mit Hilfe des Brainstormings gesucht und anschließend mit dem Rollenwechsel komplettiert. Dabei ist folgender Maßnahmenplan entstanden (Pieter & Dornberg, 2017).

Tabelle 2: Maßnahmenplan des Klienten (modifiziert nach Whitemore, 1997)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In der zweiten Sitzung wurde lediglich eine Lösung gesucht, um dem fehlenden Hunger nachzugehen. Hier möchte der Klient sich bei weniger oder keinem Hunger nicht dazu zwingen etwas zu essen, was auf dem Essensplan steht, sondern stattdessen eine Kleinigkeit zu essen, um dafür das gute Gefühl mitzunehmen alles aufgegessen zu haben. So kann er eher positiv nach vorne schauen und ganz normal nach dem Plan weiter essen. Da das in der ersten Woche nur einmal vorgekommen ist, ist das für das Endergebnis nicht von so bedeutender Rolle. Für diesen Fall hat der Klient sich überlegt Cornflakes, Joghurt oder Pudding zu essen (Pieter & Dornberg, 2017).

Auch in der dritten Sitzung war diese Stufe eine entscheidende. Es wurden verschiedene Möglichkeiten gesucht, um die beiden herausfordernden Tage zu gestalten. Er hat sich dafür entschieden mittags auf einen Eiweißshake umzusteigen vor dem Fitnessstudio. So braucht es nicht viel Zeit es zuzubereiten und er kann das auf dem Weg dorthin essen. So hat er Energie für das Training. Die zweite Zeit, die problematisch war, war die kurze Zeit zwischen Fitnessstudio und Training. Hier hat der Klient bei seinen Eltern Unterstützung gefunden, da diese dafür sorgen, dass er dann das Essen fertig vorfindet und die kurze Zeit dann zum Essen nutzen kann. Die dritte Herausforderung, dass er zur Schule zu wenig mitgenommen hatte, war schnell geklärt, da er jetzt mengenmäßig mehr mitnimmt (Pieter & Dornberg, 2017).

In der vierten Sitzung hat der Klient nach Lösungen gesucht, um in der nächsten Woche wieder zuzunehmen, da dann das Zwischenziel, die zwei Kilogramm, erreicht werden sollen. Da der Klient sagte, dass er von den Mengen her das Gleiche wie in der Woche davor aß, wurden Möglichkeiten gesucht, um die 400 Gramm Gewicht zuzunehmen und das Zwischenziel zu erreichen (Pieter & Dornberg, 2017).

Festgestellt wurde, dass der Klient vormittags nur Gemüse bis zum Mittagessen aß. Es entstand so eine lange Pause von 6,5 Stunden ohne Blutzuckeranstieg, da Gemüse den Blutzuckerspiegel kaum beeinflusst. Damit der Klient nicht in die Fettverbrennung kommt, sollte der Blutzuckerspiegel immer leicht erhöht sein, wie auch in der ersten Sitzung besprochen. Der Klient schlug vor zu dem Gemüse ein Stück Schokolade zu essen, um die Blutzuckerkurve wieder zu erhöhen. Weiterhin hat der Coach den Klienten unterstützt die Kalorienzahl zu erhöhen, durch den Eiweißshake, indem er etwas Öl und Sahne zufügt (Pieter & Dornberg, 2017).

In der fünften Sitzung hat der Klient Schwierigkeiten gehabt, für die aktuelle Situation Lösungen zu finden. Ohne Hunger mussten andere Vorrangehensweisen als vorher gefunden werden, um diese Phase der Wirkung der Tabletten zu überbrücken. Durch den Rollentausch, also die Frage, was er in diese Phase anderen Personen vorschlagen würde, ist der Klient zu der Lösung gekommen, trotzdem die Anzahl der Mahlzeiten zu lassen, um den Blutzuckerspiegel hoch zu halten, aber die Mahlzeiten kleiner ausfallen zu lassen. Dadurch kann der Klient sich vorstellen, das Gewicht zu halten und die Phase bis zum Ende der Überbrückung so durchzustehen. Dadurch möchte er nicht in sein altes Muster zurückfallen und nur zwei Mahlzeiten am Tag essen, da er seine bisherigen Erfolge nicht ruinieren möchte (Pieter & Dornberg, 2017).

In der sechsten Sitzung hat der Klient nach Lösungen gesucht, um wieder das Gewicht mindestens zu halten, lieber aber etwas Gewicht zuzunehmen. Für ihn ist es nicht möglich in der momentanen Situation eine dritte Mahlzeit zu sich zu nehmen. Die Tablette wirkt noch zu stark. Dafür hat er vorgeschlagen als erster kleiner Schritt bei jeder Mahlzeit ein kleines Bisschen mehr zu essen. Dabei ist es egal wie viel mehr und was er mehr isst. Das Ziel ist erst einmal bei jeder Mahlzeit etwas mehr zu essen. Das ist für ihn am besten umsetzbar, da es keinen Mehraufwand ist und er keine dritte Mahlzeit zu sich nehmen muss. Da er weiter versucht zwei Shakes, zwei Mahlzeiten und zwischen durch eine Kleinigkeit zu essen, sind es mindestens fünf Mahlzeiten, an denen er etwas mehr isst (Pieter & Dornberg, 2017).

Der Klient hat sich zum Abschluss der sechs Wochen eine zweite große Mahlzeit als Ziel gesetzt. Da er Anfang nächster Woche wieder andere Tabletten bekommt, möchte er durch den zurückkommenden Hunger eine Mahlzeit mehr zu sich nehmen und auch die Zwischenmahlzeiten größer ausfallen lassen. Somit zielt der Klient auf die Zunahme von 300g bis zur nächsten Woche ab (Pieter & Dornberg, 2017).

2.5 Stufe What

In der ersten Sitzung war sich der Klient sicher, dass der Essensplan Sonntag erstellt werden soll und dann ab Montag umgesetzt wird (siehe Anhang 5 Tabelle 4). Als Hindernisse wurden der fehlende Hunger, die Motivation und das Zeitproblem genannt, da sich immer sehr viel kurzfristig ergibt in dem Tagesablauf. Die Familie sollte am Wochenende und zwei Freunde in der Schule am Montag informiert werden. Der Klient war sich sehr sicher, dass er den Versuch starten möchte, aber noch eher kritisch, ob das so funktioniert. Wichtig ist, dass der Klient zu einer internal stabilen Verhaltensweise übergeht. Das heißt, dass er eine Fähigkeit erlangt, um die Ernährung so durchzustehen, dass er seine Ziele erreicht (Pieter & Dornberg, 2017).

Tabelle 3: Aktionsplan des Klienten (modifiziert nach Whitemore, 1997)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Klient hat sich in der zweiten Sitzung für die nächste Woche vorgenommen diesen Plan zu optimieren, da er im Gesamten schon gut klappt und auch zum Erfolg führte, aber an kleinen Stellen noch nicht zu 100%. Diese Kleinigkeiten sollen optimiert werden. Hierzu zählt die bessere Absprache mit der Familie, wann der Klient zuhause ist, damit der Plan noch besser umgesetzt werden kann. Weiterhin hat der Klient sich vorgenommen die Mengen auch zu essen, die auf dem Plan stehen, da dies bis jetzt noch nicht immer funktionierte. Ebenfalls soll die Regelmäßigkeit der Mahlzeiten beibehalten werden, denn die Mehrzahl dieser ist das Erfolgsversprechende der letzten Woche (Pieter & Dornberg, 2017).

[...]

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Das Dilemma der Sozialarbeit - Ambulante Maßnahmen zwischen Institutionen der sozialen Kontrolle
Hochschule
Ev. Hochschule für Soziale Arbeit & Diakonie Hamburg  (Institut des Rauen Hauses für Soziale Praxis)
Note
2,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
11
Katalognummer
V91957
ISBN (eBook)
9783638053297
Dateigröße
355 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Dilemma, Sozialarbeit, Ambulante, Maßnahmen, Institutionen, Kontrolle
Arbeit zitieren
Thomas Schneider (Autor:in), 2006, Das Dilemma der Sozialarbeit - Ambulante Maßnahmen zwischen Institutionen der sozialen Kontrolle, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/91957

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Das Dilemma der Sozialarbeit - Ambulante Maßnahmen zwischen Institutionen der sozialen Kontrolle



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden