Rechtliche Betreuung von Eltern minderjähriger Kinder. Auswirkungen auf die elterliche Sorge

Ein Vergleich zu rechtlich betreuten Personen ohne Kinder


Hausarbeit (Hauptseminar), 2018

27 Seiten, Note: 1,30


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Rechtliche Betreuung
2.1. Eine erste Definition und die Entstehung
2.2. Voraussetzungen für eine Rechtliche Betreuung
2.3. Vorsorgevollmacht
2.4. Pflichten der Betreuung
2.4.1. Aufgaben(kreise) einer Rechtlichen Betreuung
2.4.2 Der freie Wille des Betreuten, dessen Wohl und die Geschäftsfähigkeit
2.4.3. Einwilligungsvorbehalt und Genehmigungspflicht

3. Betreuung von Eltern mit minderjährigen Kindern
3.1. Die elterliche Sorge betreuter Eltern
3.2. Die rechtliche Betreuung und die elterliche Sorge
3.3. Ruhen der elterlichen Sorge
3.4. Ausübung des Umgangsrechts betreuter Eltern

4. Kooperation zwischen Betreuer und Stellen für Sozialdienstleistungen nach dem SGB VIII
4.1. Kooperation mit dem Jugendamt
4.2. Kooperation mit dem Allgemeinen Sozialdienst oder die „andere Hilfe“ zur Betreuungsvermeidung

5. Grenzen/Schwierigkeiten in der Betreuung von Eltern mit minderjährigen Kindern

6. Zusammenfassung

7. Fazit

8. Quellen

1. Einleitung

„Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst obliegende Pflicht“1

Dieses Grundrecht steht jedem Elternteil zu. Dennoch gibt es bestimmte Punkte, die dieses Grundrecht einschränken können; sprich die Eltern können im schlimmsten Fall das Sorgerecht für ihre Kinder verlieren. §1666 Abs. 3 Nr. 6 macht deutlich, dass das Familiengericht diese Maßnahme vornehmen kann. Der wahrscheinlichst größte Indikator für diese Einschränkungen ist die Kindeswohlgefährdung. Diese kann sich zeigen als Gewalt in der Familie in Form von Vernachlässigung, körperlicher Misshandlungen, sexuellen Missbräuchen, seelischen Kindesmisshandlungen, Autonomiekonflikten und Erwachsenenkonflikten um das Kind (MGFFI2 2010, S. 10ff.). Stressfaktoren wie fehlende finanzielle Ressourcen aufgrund von Arbeitslosigkeit, soziale Isolation, fehlende familiäre Netzwerke, Gewalterfahrungen von Eltern aus ihrer Kindheit, Rat- und Hilflosigkeit in der Erziehung, „Broken-Home-Situationen3 und psychische Erkrankungen/Suchterkrankungen der Eltern können die Ursache für die Gewalt sein (vgl. ebd., S. 114). Letzterer Faktor bildet eine Grundlage um eine rechtliche Betreuung für betroffene Personen zu bestellen (vgl §1896 Abs. 1 S. 1 BGB). Es stellt sich nur die Frage wie sich die rechtliche Betreuung auf die elterliche Sorge auswirkt und welche Unterschiede sich in der rechtlichen Betreuung von Personen mit minderjährigen Kindern, im Vergleich zur rechtlichen Betreuung von Personen ohne Kinder ergeben. Um dieser Frage nachzugehen, wird in dieser Arbeit die Rechtliche Betreuung an sich dargestellt. Anschließend soll selbige in Verbindung mit Eltern minderjähriger Kinder in den Blick genommen werden mit dem Fokus auf die elterliche Sorge. Weiterhin soll kurz die Kooperation mit dem Jugendamt aufgezeigt und der Allgemeine Sozialdienst als „andere“ Hilfe mittels eines Forschungsvorhabens des Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz erwähnt werden, da dieser ein Teil des Jugendamtes darstellt4.

Zum Ende hin werden die Ergebnisse zusammengefasst und ein Fazit, mit Schwerpunkt auf die vorangestellte Frage, abgegeben.

2. Die Rechtliche Betreuung

2.1. Eine erste Definition und die Entstehung

Es stellt sich die Frage, ob die rechtliche Betreuung als eine soziale Dienstleistung definiert werden kann, die als eine Rechtsfürsorge für Volljährige zu verstehen ist.

Trukeschitz definiert soziale Dienstleistungen wie folgt nach den Schwerpunkten (i)-(iv):

„Soziale Dienstleistungen“ sind Dienstleistungen, die (i) sich an benachteiligte Personen bzw. Personengruppen einer Gesellschaft (Zielgruppe) richten und (ii) der Verbesserung der Lebenssituation dieser Personen(gruppen) dienen (Zielsetzung). Sie umfassen (iii) Beratungs-, Behandlungs-, Betreuungs- und Pflegeleistungen sowie Aktivierungs-, Beschäftigungs- und Qualifizierungsleistungen, sofern sozial unterstützende Aspekte eine wesentliche Rolle spielen (Abgrenzung der Dienstleistungsbereiche) und werden (iv) in direktem Kontakt mit den KlientInnen und damit personenbezogen erstellt (Charakterisierung des Produktionsprozesses)“ (Trukeschitz 2006, S. 26-28f.) Trukeschitz äußert nach Badura und Gross (1976) „{…} zwei grundlegende Charakteristika sozialer Dienstleistungen {…}“ (ebd., 2006):

1. Tatbestand der Hilfe, des Helfens
2. Unmittelbarer Kontakt bzw. Interaktion mit den Zielpersonen/-gruppen (ebd. 2006, S. 26-28f.)

Aus dem Zitat am Anfang dieses Kapitels lässt sich entnehmen, dass gerade benachteiligte Personen(gruppen) einer Gesellschaft das Klientel für soziale Dienstleistungen und daher ein Teil des sozialen Sicherungssystems sind (vgl. ebd. 2006, S. 26-28f.). Und nach Badura und Gross ist die Interaktion mit dem Klientel eines der zwei Charakteristika sozialer Dienstleistungen.

Bringt man die beiden Charakteristika in Verbindung zum §1896 Abs 1 Satz 1 und 2 BGB5, lässt sich folgendes daraus erschließen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Man kann aus der vorangegangenen Tabelle erkennen, dass sich die beiden Merkmale einer sozialen Dienstleistung in den Inhalt von §1896 Abs. 1 Satz 1 und 2 BGB einordnen lassen können. Daher kann man davon ausgehen, dass die rechtliche Betreuung als eine soziale Dienstleistung betrachtet werden kann.

Das Betreuungsrecht an sich, gibt es erst seit 1992, als der Gesetzgeber das Gesetz zur Reform der Vormundschaft und Pflegschaft für Volljährige vom 12.09.1990 in Kraft treten ließ (vgl. Behlert et al. 2018, S. 376). Mit dem 1. BtÄndG6 (Betreuungsänderungsgesetz) vom Juni 1998 wurde u.a. die Bezeichnung „Rechtliche Betreuung“ in dem, damaligen 3. Abschnitt des vierten Buches des BGB eingefügt (bundesanzeiger-verlag.de). Somit wurde „{...} in terminologischer Hinsicht klargestellt {...} (Behlert et. al. 2018, S. 377), dass sich die damalige Vormundschaft mittlerweile in eine Rechtliche Betreuung gewandelt hat und es sich seitdem um Betreute anstelle von Entmündigten handelt. (vgl. ebd., S. 377).

Die damalige Bundesministerin für Justiz, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, sprach von einer Geburt eines neuen Rechtsgebiets durch „Das Inkrafttreten des Betreuungsrechts am 1. Januar 1992 {…}“ und „den Beginn einer neuen Epoche im Kampf um die Menschenwürde Betroffener. … Das Jahr 1992 markiert einen Paradigmenwechsel.“ (Sabine Leutheusser-Schnarrenberger; zitiert nach Schulte 2013, Seite 22). Auf der anderen Seite äußerte Heribert Prantl in der Süddeutschen Zeitung, dass „Das neue Recht vom 01.01.1992 {…}“ ein „Leuchtturm-Gesetz“ sein sollte, welches zwar „{...} hymnisch gelobt {...}“ wurde, aber „{...}grandios gescheitert {...}“ sei. Das Gesetz sei zu justiz-zentriert und es würde „{...} die rechtliche über die persönliche Betreuung {...}“ stellen. Das Gesetz würde daran kranken, „{...} dass es alte, verwirrte und psychisch kranke Menschen mit Paragrafen streichen will.“ (vgl. Heribert Prantl; zitiert nach ebd., Seite 22). Die heutige rechtliche Betreuung zielt darauf ab, dass der Betreuer bei der Besorgung der Angelegenheiten jedes betreuten Menschen dessen Wohl und dessen Wünschen zu entsprechen hat, solange es dem Wohl der Betreuten nicht zuwiderläuft und dem Betreuer zuzumuten ist (vgl. §1901 Abs. 2 S. 1 und Abs. 3 S. 1 BGB). Was heutzutage als gängiges Ziel der rechtlichen Betreuung gilt, war vor 1960 nicht denkbar. Der damalige Vormund hatte z.B. die Möglichkeit den Aufenthalt seiner anvertrauten Personen zu bestimmen ohne eine richterliche Anordnung einholen zu müssen (Schulte 2013, Seite 26). Erst am 10.02.1960 entschied das Bundesverfassungsgericht, dass, gemäß Art. 104 Abs. 2 S. 1 und 2 GG eine richterliche Anordnung vonnöten sein soll, wenn ein Vormund von seinem Aufenthaltsbestimmungsrecht gebrauch machen wollte, um den volljährigen „Entmündigten“ in einer geschlossenen Einrichtung unterzubringen (vgl. ebd., Seite 26). Der Grund für diese richterliche Entscheidung wurde damals in Karlsruhe gestellt: Grundrechte enthalten objektive Wertentscheidungen, die für alle Rechtsbereiche gelten. Von daher sei es auch für die, durch eine Unterbringung herbeigeführte Freiheitsentziehung notwendig eine richterliche Entscheidung einzuholen, im Falle einer bürgerlich-rechtlichen Unterbringung (vgl. ebd. Seite 27). Das 3. BtÄndG vom 01.09.2009 trug wesentlich zu der heute geltenden Fassung des Betreuungsrechts bei (vgl. Behlert et. al. 2018, S. 376). Diese heutige Fassung wird nicht zuletzt von der, im Jahre 2006 entstandenen UN-Behindertenrechtskonvention unterstützt, welche seit 2009 in Deutschland rechtsverbindlich ist (vgl. Schulte, Seite 33).

2.2. Voraussetzungen für eine Rechtliche Betreuung

Volljährige Menschen, die aufgrund einer psychischen Erkrankung, einer seelischen, geistigen oder einer körperlichen Behinderung ihre Angelegenheiten ganz oder teilweiße nicht erledigen können, erhalten vom Betreuungsgericht einen Betreuer sofern ein Antrag des Betroffenen bewilligt oder eine amtliche Anordnung erteilt wurde (vgl. §1896 Abs. 1 S. 1 BGB). Amann-Ille und Walter, Verfasser der Broschüre „Betreuungsrecht“, definieren die einzelnen Erkrankungen und Behinderungen kurz:

Psychische Erkrankungen sind demnach, körperlich nicht begründbare, seelische Erkrankungen. Darunter fallen z.B. Neurosen, Persönlichkeitsstörungen und Süchte.

Geistige Behinderungen können als Folge von postnatalen und frühkindlichen oder schon angeborenen Hirnschädigungen auftreten.

Seelische Behinderungen treten infolge von psychischen Erkrankungen oder von Alters wegen auf.

Körperliche Behinderungen sind in der Regel erst eine Voraussetzung einer rechtlichen Betreuung, wenn diese die Erledigung der eigenen Angelegenheiten teilweiße oder ganz hindert. (Amann-Ille, Walter 2017, S.)

Dabei wird die wichtige Tatsache angemerkt, dass die Bestellung einer rechtlichen Betreuung nicht gerechtfertigt ist, wenn es um Defizite in der Erledigung „tatsächlicher“ Angelegenheiten geht. Tatsächliche Angelegenheiten sind u.a. den Haushalt nicht richtig führen zu können oder die Wohnung nicht mehr zu verlassen (ebd., S. 22).

Dabei folgt die Betreuung dem Grundsatz der Erforderlichkeit. Es wird also hinterfragt ob eine Betreuung eingerichtet werden muss, wenn ja, welche Aufgabenkreise erforderlich sind und wie lange die Betreuung benötigt wird (ebd., S. 24).

Sollten andere „tatsächliche Hilfen“ zur Verfügung stehen, sind diese vorrangig und die Bestellung einer Betreuung nicht notwendig. „Tatsächliche Hilfen“ können sein:

„Familienangehörige, Bekannte oder soziale Dienste die {die} betroffene Person bei praktischen Angelegenheiten des Alltags unterstützen.“ (Amann-Ille, Walter 2017, S. 24) . Über ein gerichtliches Verfahren wird ermittelt wie selbständig die Betroffenen sind und in welchen Bereichen eine Betreuung notwendig ist.

2.3. Vorsorgevollmacht

Einer Betreuung bedarf es nicht, wenn die jeweilige, zu betreuende Person eine Vorsorgevollmacht einem vertrauten Menschen zugeteilt hat. Tritt die Pflegebedürftigkeit ein, so übernimmt der Bevollmächtigte die erforderlichen Aufgaben ohne das Betreuungsgericht einzuschalten. Das Gericht wird nur dann eingeschaltet, falls es die bevollmächtigte Person kontrollieren muss, wenn der Vollmachtgeber dazu nicht mehr in der Lage ist. Diese „Kontrollbetreuung“ wird vom Gericht beschlossen um, nach §1896 Abs. 3 BGB, die Geltendmachung von Rechten des Betreuten gegenüber dem Bevollmächtigten zu gewährleisten (Amann-Ille, Walter S. 24). Die Geltendmachung wird nach §1896 Abs. 3 BGB, als Aufgabenkreis bestimmt.

2.4. Pflichten der Betreuung

2.4.1. Aufgaben(kreise) einer Rechtlichen Betreuung

Betreuer haben die Aufgabe betroffene Personen in mindestens einem Aufgabenkreis zu vertreten. Eine Liste mit festgesetzten Aufgabenkreisen existiert nicht. Schon im Betreuungsverfahren wird darauf geachtet, den Handlungsbedarf anhand „{...} einer ganzheitlichen Betrachtung der Lebens- und Bedürfnissituation unter Berücksichtigung des Krankheitsverlaufs“ (Böhm 2017, S. 61) zu ermitteln. Da Handlungsbedarfe in der Regel absehbar sind, werden die anfallenden Aufgabenkreise allgemein formuliert um ein schnelles Handeln des Betreuers zu ermöglichen (vgl. ebd., S. 61). Häufige allgemeine Aufgabenkreise sind Angelegenheiten des Aufenthalts, der Wohnung, des Vermögens und der Gesundheit. Um die Post und den Telefonverkehr kontrollieren zu dürfen muss das Betreuungsgericht dem Betreuer den entsprechenden Aufgabenkreis ausdrücklich zuweisen. Böhm, Marburg und Spanl haben in ihrer Veröffentlichung, „ Betreuungsrecht - Betreuungspraxis Ausgabe 2018: Kommentar und Arbeitshilfen“ bestimmte Aufgaben untergliedert, in die allgemein formulierten Aufgabenkreise ohne auf einzelne detailliert einzugehen7. Im seltenen Fall geschieht es, dass das zuständige Gericht die Betreuung „für alle Angelegenheiten vergibt (Behlert et. al. 2018, S. 381). Die rechtliche Betreuung eines Menschen endet mit dessem Tod und eine Meldung davon muss dem Betreuungsgericht gemacht werden. Für die Totensorge sind die Angehörigen zuständig (vgl. Amann-Ille, S. 26f.).

2.4.2 Der freie Wille des Betreuten, dessen Wohl und die Geschäftsfähigkeit

§1901 Abs. 2 BGB besagt, dass der Betreuer so zu agieren hat wie es dem Wohl des Betreuten entspricht und es dazu gehört, dass letzterer sein Leben, im Rahmen seiner Fähigkeiten, nach seinen eigenen Wünschen und Vorstellungen selbst gestaltet. Um diese Vorstellungen und Wünsche ernst nehmen zu können, bedarf es regelmäßige Besprechungen zwischen Betreutem und Betreuer um herauszufinden was gewollt wird und was nicht (vgl. Amann-Ille, Walter 2017, S. 27).

Soweit das Wohl des Betreuten nicht gefährdet wird und es dem Betreuer zugemutet werden kann, sind den Wünschen und Vorstellungen zu entsprechen (§1901 Abs. 3 Satz 1 BGB). Nach §104 Nr. 2 BGB gelten alle Menschen mit dauerhaften geistigen Beeinträchtigungen, die die freie Willensbestimmung ausschließen, als geschäftsunfähig. Willigt eine Person zum Beispiel in eine Betreuung nicht ein, so kann geprüft werden, ob derjenige seinen freien Willen bilden, die Folgen einer Betreuung in Bezug zu den eigenen Defiziten einschätzen und den Sinn der Maßnahme begreifen kann (vgl. Behlert et. al. 2018, S. 381). Da durch die, über die geistige Beeinträchtigung entstandene, Geschäftsunfähigkeit, der Betroffene seinen freien Willen nicht bestimmen kann, muss der Betreuer seinen „mutmaßlichen“ Willen herausfinden. Er darf nicht einfach nach seinen Vorstellungen gegen den (mutmaßlichen) Willen und dem Wohl des Betreuten handeln (vgl. Amann-Ille, Walter 2017, S. 27). Der mutmaßliche Wille kann über Gespräche mit Angehörigen, Freunden, etc. ermittelt werden. Auch eine eventuelle Betreuungsverfügung liefert Aufschluss über den Willen der betroffenen Person geben (vgl. ebd., S 27).

2.4.3. Einwilligungsvorbehalt und Genehmigungspflicht

Ein Betreuer darf sich nur um Angelegenheiten kümmern, die in seinen jeweiligen Aufgabenkreisen liegen. Wenn er einen weiteren erforderlichen Bedarf des Betreuten erkennt, hat er diesen dem Betreuungsgericht zu melden und eine Genehmigung abzuwarten um handeln zu dürfen (Amann-Ille, Walter 2017, S. 26). Sollte der Betreuer feststellen, dass der, noch geschäftsfähige Betreute durch das selbständige Abschließen bestimmter Rechtsgeschäfte seine eigene Person oder sein Vermögen gefährdet, kann das Betreuungsgericht einen Einwilligungsvorbehalt in dem jeweiligen betroffenen Aufgabenkreis anordnen. Also bedarf es zukünftig der Einwilligung des zuständigen Betreuers, wenn der Betroffene eine Willenserklärung abgeben will (vgl. Behlert et. al. 2018, S. 386). Gleiches gilt für bestimmte Maßnahmen innerhalb der jeweils bestehenden Aufgabenkreise. Im Bereich der Gesundheitssorge, zum Beispiel, gibt es eine Ausnahme, falls eine gefährliche ärztliche Maßnahme ansteht. Nach §1904 Abs. 1 BGB muss der Betreuer zwar die Genehmigung am Gericht einholen und mit der Einwilligung warten. Sollte mit dem Aufschub der Einwilligung Gefahr verbunden sein, so kann der Betreuer ohne die Genehmigung des Gerichts einwilligen. Besteht nach §1901a Abs. 1 BGB eine Patientenverfügung, so muss der rechtliche Betreuer prüfen, ob sie auf die aktuelle Lebens- und Behandlungssituation zutrifft und, wenn ja, diese befolgen.

Das Einholen einer Genehmigung des Gerichts gilt ebenso für freiheitsentziehende Unterbringungen und Maßnahmen. Laut §1906 Abs. 1 BGB ist solch eine Unterbringung nur zulässig, wenn sie zum Wohl des Betreuten erforderlich ist. Das ist dann der Fall wenn aufgrund einer psychischen Krankheit, einer seelischen oder geistigen Behinderung die Gefahr besteht, dass sich der Betreute selbst tötet, sich erheblichen Schaden zufügt oder eine Untersuchung des Gesundheitszustands, eine Heilbehandlung oder ein ärztlicher Eingriff notwendig ist, die nur durchgeführt werden können wenn der Betreute untergebracht ist und er deren Notwendigkeit nicht erkennt. §1906 Abs. 2 BGB besagt, dass die Unterbringung nur mit Genehmigung des Betreuungsgericht zulässig ist. Der Betreuer hat die Genehmigung im Nachhinein einzuholen, falls er vor dessen Erhalt in die notwendige Maßnahme einwilligen musste, weil eine Gefahr bestand. Das Existieren eines Einwilligungsvorbehaltes bedeutet nicht, dass der Betreute zwangsweiße geschäftsunfähig ist. Eher ähnelt dieser Vorbehalt einer eingeschränkten Geschäftsunfähigkeit nach §107 BGB (vgl. Böhm et. al. 2017, S. 128).

3. Betreuung von Eltern mit minderjährigen Kindern

3.1. Die elterliche Sorge betreuter Eltern

Volljährige Personen mit Kind, die die Voraussetzungen für eine Betreuung nach §1896 BGB erfüllen, haben trotz psychischer, seelischer oder körperlicher Defizite, genauso das Recht und die Pflicht für die Pflege und Erziehung ihrer Kinder zu sorgen (vgl. Art. 6 Abs. 2 Satz 1 GG), wie jemand der keine Betreuung eingerichtet bekommen hat. Das Sorgerecht bzw. die elterliche Sorge umfasst zum einen die Personensorge und zum anderen die Vermögenssorge (§1626 Abs. 1 Satz 2 BGB).

Die Betreuerbestellung selbst, nimmt auf das Sorgerecht keinen Einfluss (Böhm et. al. 2017, S. 141). Doch in vielen Fällen kommt es dazu, dass betreuten Eltern die Kompetenz fehlt, ihre Pflichten gegenüber ihren Kindern, ohne eine entsprechende Unterstützung, so zu erfüllen wie es angemessen wäre (vgl. Hoffmann 2002, S. 246). Außerdem kann es für Elternteile mit Anspruch auf eine rechtliche Betreuung im Ausüben des Sorgerechts, in bestimmten Fällen, zu Einschränkungen kommen, die im späteren Verlauf näher erläutert werden sollen.

3.2. Die rechtliche Betreuung und die elterliche Sorge

Der bestellte Betreuer hat nicht die Aufgabe, sich um das jeweilige Kind zu kümmern. Genauso wenig kann er die elterliche Sorge dessen, vom zuständigen Gericht übertragen bekommen, da es sich dabei um ein höchstpersönliches Recht der Erziehungsberechtigten handelt. Einzigst allein kann der Betreuer den jeweiligen Elternteil in der Ausübung unterstützen (Böhm et. al. 2017, S. 142). Diese Unterstützung kann in Form von definierten Rechten und Pflichten in bestimmten Aufgabenkreisen erfolgen, welche wären:

Aufgabenkreis „Regelung kindschaftsrechtlicher Verhältnisse“ (Böhm et. al. 2017, S. 142):

a) Anerkennung einer Vaterschaft für geschäftsunfähigen Vater nach §1596 Abs. 1 Satz 3 BGB Der Betreuer hat, sofern der Vater geschäftsunfähig ist, die Möglichkeit mit der Genehmigung des Betreuungsgerichts, die Vaterschaft anzuerkennen.
b) Zustimmung der geschäftsunfähigen Mutter zur Anerkennung nach §1596 Abs. 1 Satz 4 BGB

Die Mutter des jeweiligen Kindes hat der Vaterschaftsanerkennung zuzustimmen. Ist sie geschäftsunfähig kann dies nur der zuständige Betreuer, mit Genehmigung des Betreuungsgerichts, übernehmen.

[...]


1 Art. 6 Abs. 2 S. 1 GG

2 Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen

3 Allein Erziehende Eltern

4 Die Verbindung zum Jugendamt wird im Kapitel 4.2. kurz dargestellt.

5 (1) {1}Kann ein Volljähriger auf Grund einer psychischen Krankheit oder einer körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderung seine Angelegenheiten ganz oder teilweise nicht besorgen, so bestellt das Betreuungsgericht auf seinen Antrag oder von Amts wegen für ihn einen Betreuer. {2} Den Antrag kann auch ein Geschäftsunfähiger stellen.

6 Betreuungsänderungsgesetz

7 Liste der Aufgabenkreise befindet sich im Anhang dieser Arbeit

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Rechtliche Betreuung von Eltern minderjähriger Kinder. Auswirkungen auf die elterliche Sorge
Untertitel
Ein Vergleich zu rechtlich betreuten Personen ohne Kinder
Hochschule
Universität Kassel  (Fachbereich 01: Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
Praxis des Betreuungsrechts
Note
1,30
Autor
Jahr
2018
Seiten
27
Katalognummer
V919588
ISBN (eBook)
9783346240194
ISBN (Buch)
9783346240200
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Ausführlich recherchierte und mit wichtigen Quellen belegte Hausarbeit.
Schlagworte
Recht, Rechtliche Betreuung, Rechtliche Grundlage, Elterliche Sorge, Recht auf Erziehung
Arbeit zitieren
Pasquale Di Monaco (Autor:in), 2018, Rechtliche Betreuung von Eltern minderjähriger Kinder. Auswirkungen auf die elterliche Sorge, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/919588

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