Die Satzglieder und ihre Darstellung in der Grammatik


Seminararbeit, 2007
13 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Verb als strukturelles Zentrum des Satzes

3. Ergänzungen und Angaben
3. 1. Ergänzungen
3. 2. Angaben

4. Grammatische Proben
4. 1. Ersatzprobe
4. 2. Umstellprobe
4. 3. Weglassprobe
4. 4. Anreihungsprobe
4. 5. Prädikationsprobe

5. Schluss

Die Satzglieder und ihre Darstellung in der Grammatik

1. Einleitung

„Es gibt bekanntlich nicht nur eine Grammatik (und damit eine Lehre vom Satzbau) für die deutsche Sprache, sondern mehrere, und diese unterscheiden sich voneinander in Vorgehen, Ergebnissen und Terminologie. […]. Man kann das, wenn man will als geistige Vielfalt begrüßen;“1 Diese positiv ausgedrückte Vielfalt hat natürlich auch ihre Kehrseite: Grammatische Phänomene können nicht einheitlich bestimmt, benannt und erklärt werden; es gibt unterschiedliche Definitionen und sogar widersprüchliche Standpunkte, die es nicht ermöglichen grammatische Probleme übereinstimmend zu lösen. Diese wissenschaftlich äußerst heterogene Interpretation der deutschen Grammatik kann zu Verwirrung führen, vor allem bei den jüngeren „Wissenschaftlern“, den Schülern. Lange Zeit war es üblich, dass unterschiedliche und inhaltlich nicht kompatible Sprachbücher entworfen und schulspezifisch nebeneinander eingesetzt wurden, sodass ein Schulwechsel, sogar innerhalb einer Stadt, zum Problem werden konnte. Seit der deutschen Kultusministerkonferenz von 1982 ist ein „Verzeichnis grundlegender grammatischer Fachausdrücke“ festgesetzt, und somit auch die Basis für eine einheitliche Schulgrammatik – zumindest, was die wichtigsten Grundbausteine der deutschen Grammatik angeht – gelegt.

Die Wissenschaft hingegen konnte sich nicht so schnell einigen, was auch heute noch die unvereinbare Pluralität fachwissenschaftlicher Termini zur Folge hat.

Bei der anschließenden Untersuchung der Satzglieder und ihrer Darstellung in der Grammatik, werde ich mich im Wesentlichen – aufgrund der lokalen Fakultätszugehörigkeit – auf die sprachwissenschaftlichen Erkenntnisse des Institutes für deutsche Philologie der Universität Würzburg beziehen.

2. Das Verb als strukturelles Zentrum des Satzes

Das Verb ist nicht nur inhaltlich betrachtet für einen Satz von enormer Bedeutung, sondern hat auch auf die Struktur des Satzes besonderen Einfluss und determiniert dessen grundlegenden Aufbau. Jedes Verb hat eine Valenz, das heißt „die Fähigkeit aufgrund seiner Bedeutung Leerstellen um sich zu eröffnen, die durch bestimmte 'Mitspieler'/ 'Aktanten' besetzt werden müssen. Das Verb organisiert somit als strukturelles Zentrum, als 'verbaler Kern' aufgrund seiner Valenz den (Minimal-)Satz.“2

Der Beispielsatz Die Katze fängt gerne im Morgengrauen auf dem Roggenfeld Mäuse ließe sich auf den Minimalsatz Die Katze fängt Mäuse reduzieren, da das Verb fangen zwei Leerstellen öffnet, nämlich eine Nominativergänzung die Katze und eine Akkusativergänzung Mäuse. Diese so genannten Ergänzungen sind also vom Verb determiniert, und könnten auch nicht durch eine Ergänzung, die in einem anderen Kasus steht ersetzt werden. Es gibt jedoch auch Verben, bei denen die Valenz je nach Sinnzusammenhang variieren kann. Zum Beispiel öffnet das Verb schreiben in dem Satz Ich schreibe eine Hausarbeit zwei Leerstellen (nämlich: Nominativergänzung; Akkusativergänzung), wohingegen in dem Satz Ich schreibe Dir einen Brief das Verb schreiben drei Leerstellen öffnet (nämlich: Nominativergänzung; Akkusativergänzung; Dativergänzung). Das konkrete Verb muss bezüglich seiner Valenz folglich auch immer in Abhängigkeit mit dem Kontext betrachtet werden.

Das Verb im Satz nimmt außerdem noch in folgender Hinsicht eine Sonderrolle ein:

1. Ohne das Verb kann kein grammatisch vollständiger Satz gebildet werden. Es ist also für eine korrekte Struktur und natürlich auch für den Inhalt eines Satzes von zwingender Notwendigkeit.
2. Im Aussagesatz lässt sich das Verb gewöhnlich nicht verschieben und steht in der Regel an zweiter Stelle. Bei Entscheidungsfragen, also Fragen, die nur mit „Ja“ oder „Nein“ zu beantworten sind, steht das Verb immer an erster Stelle. Ein Nebensatz ist meist dadurch gekennzeichnet, dass das Verb an letzter Stelle steht.
3. In der Linguistik wird das Verb meist gar nicht zu den Satzgliedern dazu gezählt. Man spricht hier auf der Ebene der Satzglieder vom verbalen Kern . In der Schulgrammatik hingegen wird das Verb im Satz als reguläres Satzglied betrachtet und als Prädikat bezeichnet.

Der verbale Kern kann sich aus verschiedenen Teilen zusammensetzen. Zum einen kann er aus einem einfachen Verb bestehen, wie in dem Satz: Es regnet schon wieder (finites Verb). Zum anderen ist eine Prädikatsklammer möglich, wenn der verbale Kern aus einem Modalverb (in flektierter, finiter Form) und einem Hauptverb (in unflektierter, infiniter Form) zusammengesetzt ist, z. B. in dem Satz: die Menschen können daran nichts ändern. Des Weiteren kann der verbale Kern aus einem Verb und einem Verbzusatz bestehen, wobei die abtrennbare Vorsilbe des Verbs wie bei der Prädikatsklammer am Ende des Satzes steht:

Die Menschen stellen sich während des Regengusses unter “. Um sicher zu gehen, dass es sich wirklich um einen Verbzusatz handelt, muss geprüft werden, ob unter nicht, „wie ein Adverbial, frei umstellbar ist und sich in einer Prädikatsklammer als zum Verb gehörend erweist.“3 Dies wäre z. B. mit einer Variante des Satzes leicht erkennbar: Es ist sinnvoll, sich während eines Regengusses unterzustellen.

3. Ergänzungen und Angaben

Wie oben schon erwähnt hängt sowohl die Anzahl als auch die Form der konkreten Ergänzungen vom Verb und seinem Kontext ab. Neben dieser, von der Valenz des Verbs abhängigen, Klasse von Satzgliedern, den Ergänzungen, bestimmen die Würzburger Sprachwissenschaftler noch eine zweite Klasse von Satzgliedern, die nicht von der Valenz des Verbs abhängig sind, nämlich die Angaben. „Mit anderen Worten: Zu den `Minimal-` oder `Kernsätzen`, die vom Verb und von den Ergänzungen gebildet werden, können Angaben treten, also weitere Satzglieder, die nicht von der Valenz des Verbs determiniert sind. Angaben hängen demnach nicht vom Verb ab, sondern sind eigenständige syntaktische Konstituenten.“4 In der Schule wird aufgrund der Komplexität dieses Themas keine Unterscheidung zwischen Ergänzungen und Angaben getroffen. In der Grundschule beschränkt man sich auf folgende vereinfachten Satzglieder: Satzgegenstand (Nominativergänzung), Satzaussage (verbaler Kern), Akkusativobjekt (Akkusativergänzung), Dativobjekt (Dativergänzung), Genitivobjekt (Genitivergänzung), Zeitangabe und Ortsangabe (Adverbialangaben).

3. 1. Ergänzungen

„Im Gegensatz zu Angaben, die ja in der Regel nicht grammatisch obligatorisch, sondern kommunikationswichtig sind und deshalb nach semantischen Kriterien klassifiziert werden, werden bei Ergänzungen vorwiegend formale Klassifizierungskriterien herangezogen.“5

Folgende Ergänzungsklassen werden unterschieden:

[...]


1 Sitta, Horst: Syntax – Die Lehre vom Bau des Satzes. In: Praxis Deutsch 68. S.22

2 Universität Würzburg – Institut für deutsche Philologie: Skript zum Sprachwissenschaftlichen Seminar II

2004, S. 35 – 36

3 Menzel, Wolfgang: Satzglieder 1989. In: Praxis Deutsch 94. S. 19

4 Universität Würzburg – Institut für deutsche Philologie: Skript zum Sprachwissenschaftlichen Seminar II 2004, S. 36

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die Satzglieder und ihre Darstellung in der Grammatik
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg  (Lehrstuhl für Didaktik der deutschen Sprache und Literatur)
Veranstaltung
Sprache untersuchen
Note
2
Autor
Jahr
2007
Seiten
13
Katalognummer
V91964
ISBN (eBook)
9783638071574
Dateigröße
599 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Satzglieder, Darstellung, Grammatik, Sprache
Arbeit zitieren
Irena Eppler (Autor), 2007, Die Satzglieder und ihre Darstellung in der Grammatik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/91964

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