Wie werden Fiktionalität, Fiktivität und Faktualität definiert? Es gibt keine feste Unterscheidung zwischen das Reale und das Fiktive in der Literatur, denn diese überschneiden sich innerhalb der literarischen Texte und Medien. Theoretiker haben sich bis heute nicht über eine einzige Theorie der Fiktion geeinigt. Darüber hinaus spielten die literarischen fiktionalen Werke im Laufe der verschiedenen Epochen eine bedeutsame Rolle, denn sie erzählen Geschichte, die auf etwas Erheblicheres als nur eine Geschichte abzielt. In diesem Versuch befassen sich die literarischen Werke mit sozialen, politischen oder menschlichen Themen.
Was für Unterschiede gibt es also zwischen Faktualität und Fiktionalität? Können sich sowohl fiktive als auch fiktionale Darstellungen simultan in einem literarischen Text vorhanden sein?
Wie werden Fiktionalität, Fiktivität und Faktualität definiert? Was für Unterschiede gibt es zwischen Faktualität und Fiktionalität?
Können sich sowohl fiktive als auch fiktionale Darstellungen simultan in einem literarischen Text vorhanden sein? Warum ist Historiographie in diesem Zusammenhang von großer Bedeutung?
Was versteht man unter dem Begriff Apologe und warum sind diese weder als faktual noch als fiktional klassifiziert sind?
Welche Rolle spielen Fiktionssignale bei der Entscheidung, ob ein Text fiktional oder nicht-fiktional ist? Welche Fiktionssignale gibt es?
Wie werden fiktionale Werken rezipiert?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Fiktivität, Fiktionalität und Faktualität in literarischen Texten
2.1. Basisdefinitionen:
2.1.1. Fiktion
2.1.2. Fiktivität
2.1.3. Faktualität
2.2. Werke zwischen Fiktionalität und Faktualität
2.2.1. Faktualität in fiktionalen Werke
2.2.2. Fiktionalität in faktualen Werke
Beispiel: Historiographie
3. Problematik der Apologe
3.1. heilige Texte
3.2.Fabeln
4. Rezeption fiktionalen Erzählens
4.1. Fiktionssignale
4.1.1. Textuelle Fiktionssignale
4.1.2. Paratextuelle Fiktionssignale
4.2. Rezeptionsverhalten gegenüber fiktionalen Texten
4.3. Exemplifikation
5. Analyse von Beispieltexten in Bezug auf deren Fiktionalität und Faktualität
5.1. Auszug aus der Bibel
5.2. Auszug aus Theodor Fontanes Roman „Effi Briest“
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretischen Grenzen und Überschneidungen zwischen fiktionalen und faktualen Texten, um zu klären, wie diese Kategorien definiert sind und wie sich die Rezeption dieser Texte gestaltet.
- Definition und Abgrenzung der Begriffe Fiktion, Fiktivität und Faktualität
- Analyse der Überlappung von Fiktionalität und Faktualität in verschiedenen literarischen Gattungen
- Untersuchung der Problematik von Grenzfällen wie Apologen, heiligen Texten und Fabeln
- Erläuterung der Rolle von Fiktionssignalen bei der Textrezeption
- Anwendung der theoretischen Erkenntnisse auf konkrete Beispiele wie das Buch Hiob und Fontanes „Effi Briest“
Auszug aus dem Buch
2.2.1. Faktualität in fiktionalen Werke
Laut der primären Bestimmungen von Fiktion beinhalten fiktionale Texte v.a. eine fiktive Welt, in der alles erfunden bzw. ausgedacht wird. Das Verhältnis zwischen Fiktivität, Fiktionalität und Faktualität ist jedoch, nicht einfach festzustellen. Einerseits stellen fiktionale Texte "Teil einer realen Kommunikation, in der ein realer Autor (…) Sätze produziert, die von einem realen Leser gelesen werden." dar (Klein/Martínez 2009, 2), was bedeutet, dass fiktionale Erzählungen –genauso wie faktuale Erzählungen– real sind; Sie werden vom Autor verfasst, vom Leser gelesen und auch interpretiert. Andererseits beziehen sich fiktionale Werke nicht nur auf Nicht-Wirklichen und Erfundenen, aber auch meist auf reale bzw. wirkliche Menschen, Orte, Ereignisse usw. In diesem Zusammenhang gilt Erfundenheit nicht als notwendigen Bestandteil fiktionaler Darstellungen, aber ist ein wichtiges Merkmal der Fiktionalität. Erfundenheit ist also nicht unbedingt mit Fiktion verbunden. Dennoch ist sie im Hinblick auf die Fiktion bemerkenswert, da eine große Zahl fiktionaler Darstellungen durch einen recht hohen Wert der Erfundenheit gekennzeichnet ist. Historische Romane sind beispielsweise literarische fiktionale Texte, die zum Teil real sind. So werden in dem Roman Krieg und Frieden von Tolstoi Einblicke in die Gedankenwelt Napoleons vermittelt. Es ist sicherlich zu bedenken, dass die geschilderten Ereignisse, die Stimmung usw. erstklassige Recherche sind, wenn es um historische Romane –in diesem Fall um Krieg und Frieden– handelt. Es kann tatsächlich sein, dass der Autor sich um maximale historische Korrektheit bemüht. Aber diese Gedanken sind offensichtlich frei erfunden, da der Autor nicht wissen konnte, was Napoleon eigentlich dachte. Im Roman geben dazu eingebildete Figuren, die mit den historischen Figuren des Romans interagieren. Es stellt sich durch dieses Beispiel fest, dass historische Romane sowie andere literarische Gattungen nämlich Gedichte, Erzählung, Kurzgeschichte usw. stellen eine bunte Mischung aus Erfundenem und Gefundenem bzw. Realem dar (Vgl. Was ist Fiktion? 2020).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der Unterscheidung zwischen Fiktion und Faktualität ein und legt die theoretischen Fragen der Arbeit dar.
2. Fiktivität, Fiktionalität und Faktualität in literarischen Texten: Dieses Kapitel definiert die zentralen Fachbegriffe und untersucht das komplexe Wechselverhältnis sowie die Überlappungen von fiktionalen und faktualen Texten.
3. Problematik der Apologe: Hier werden Texte wie heilige Schriften und Fabeln diskutiert, die sich nicht eindeutig in das Schema von Fiktion oder Faktualität einordnen lassen.
4. Rezeption fiktionalen Erzählens: Das Kapitel befasst sich mit der Rolle von Fiktionssignalen und dem Rezeptionsverhalten, insbesondere dem Konzept des make-believe.
5. Analyse von Beispieltexten in Bezug auf deren Fiktionalität und Faktualität: Die theoretischen Ansätze werden an konkreten Textbeispielen, dem Buch Hiob und Fontanes „Effi Briest“, praktisch angewendet und analysiert.
Schlüsselwörter
Fiktion, Fiktivität, Faktualität, Literaturtheorie, Rezeption, Fiktionssignale, make-believe, Historiographie, Apolog, heilige Texte, Fabel, narrative Modelle, Wirklichkeitsanspruch, Referenzialisierbarkeit, Textrezeption.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen Unterscheidung und den fließenden Grenzen zwischen fiktionalen und faktualen Werken in der Literatur.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Definition von Fiktion und Realität, die Analyse von Grenzbereichen wie religiösen Texten und Fabeln sowie die Untersuchung, wie Leser zwischen fiktionalen und faktualen Inhalten unterscheiden.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Komplexität der Einordnung von Texten in die Kategorien „fiktional“ oder „faktual“ zu verdeutlichen und aufzuzeigen, dass diese Grenzen in der Praxis oft verschwimmen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Literaturanalyse, in der existierende Theorien zur Fiktionalität von Vertretern wie Frank Zipfel, Hayden White und Tilmann Köppe diskutiert und auf Fallbeispiele angewandt werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert zunächst die theoretischen Basisbegriffe, untersucht dann problematische Textgattungen und behandelt anschließend die Mechanismen der Textrezeption durch den Leser.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Fiktion, Fiktivität, Faktualität, Fiktionssignale, make-believe sowie die Analyse spezifischer Textbeispiele wie Hiob und Effi Briest.
Warum lassen sich heilige Texte schwer als rein fiktional oder faktual klassifizieren?
Laut der Arbeit, speziell unter Bezugnahme auf Köppe, steht bei heiligen Texten nicht die semantische Fiktionalität im Vordergrund, sondern die epistemische Zustimmung der Rezipienten im Sinne eines Glaubens.
Welche Rolle spielt die Historiographie in der Diskussion um Faktualität?
Durch den „linguistic turn“ wird argumentiert, dass auch historische Darstellungen narrative Konstrukte sind, die durch die Weltsicht des Autors subjektiv geprägt sind, was die Trennung von Fakt und Fiktion erschwert.
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- Nahed Ben Achour (Author), 2020, Fiktion, Fiktionalität und Faktualität in literarischen Texten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/919838