Fiktion, Fiktionalität und Faktualität in literarischen Texten


Hausarbeit, 2020

20 Seiten, Note: 1.7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Fiktivitat, Fiktionalitat und Faktualitat in literarischen Texten
2.1. Basisdefinitionen:
2.1.1. Fiktion
2.1.2. Fiktivitat
2.1.3. Faktualitat
2.2. Werke zwischen Fiktionalitat und Faktualitat
2.2.1. Faktualitat in fiktionalen Werke
2.2.2. Fiktionalitat in faktualen Werke Beispiel: Historiographie

3. Problematik der Apologe
3.1. heilige Texte
3.2. Fabeln

4. Rezeption fiktionalen Erzahlens
4.1. Fiktionssignale
4.1.1. Textuelle Fiktionssignale
4.1.2. Paratextuelle Fiktionssignale
4.2. Rezeptionsverhalten gegenüber fiktionalen Texten
4.3. Exemplifikation

5. Analyse von Beispieltexten in Bezug auf deren Fiktionalitat und Faktualitat
5.1. Auszug aus der Bibel
5.2. Auszug aus Theodor Fontanes Roman „Effi Briest“

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der haufig in der Literatur auftauchende Ausdruck „Once upon a time [.]“ bzw. „es war einmal [.]“ scheint einfach und trivial zu sein, aber ist von grofier Bedeutung. Wenn man auf einen ahnlichen Ausdruck stiefit, fallt einem gerade ein, dass es um einen fiktionalen Text geht, d.h. der gelesene Text stimmt der Wirklichkeit nicht zu. Die Einordnung einer literarischen Text ist jedoch komplizierter. Im Hinblick auf der Literatur- und Kunsttheorie gibt es mehrere Ansatze, um Fiktionalitat und deren Gegenteil Faktualitat zu definieren bzw. zu erklaren; Wahrend faktuale Texte - wie etwa Autobiographien, Berichte, Zeitungsartikel, Geschichtsbücher oder Chroniken - eine Wirklichkeitskonformitat und eine 'Referenzialisierbarkeit' beanspruchen und ein Ereignis darstellen, das der Leser prinzipiell für wahr halten sollte, ist innerhalb eines fiktionalen Textes - wie etwa Romane, Marchen, Anekdoten, Kurzgeschichten - eine fiktive Welt enthalten, in der die Personen, Situationen und Ereignisse meist vom Autor frei erfunden sind. (Vgl. Conermann 2020). In anderen Ansatzen wurde behauptet, dass es sowohl faktuale als auch fiktive Darstellungen in einem fiktionalen Text gibt. Faktuale Texte hingegen können vom Verfasser und deren Weltsicht beeinflusst werden. Hayden White ist beispielsweise ein wichtiger Vertreter dieses Ansatzes; Er geht in seiner Monographie Metahistory (1973) davon aus, dass Objektivitat in der Historiographie unmöglich sei. Des Weiteren kann es nicht aberkannt sein, dass auch faktuale Erzahlungen asthetische und literarische Merkmale haben. Es stellt sich demzufolge fest, dass es keine feste Unterscheidung zwischen das Reale und das Fiktive in der Literatur gibt, denn diese überschneiden sich innerhalb der literarischen Texte und Medien. Folglich haben sich die Theoretiker bis heute nicht über eine einzige Theorie der Fiktion geeinigt. Darüber hinaus spielten die literarischen fiktionalen Werke im Laufe der verschiedenen Epochen eine bedeutsame Rolle, denn sie erzahlen Geschichte, die auf etwas Erheblicheres als nur eine Geschichte abzielt. In diesem Versuch befassen sich die literarischen Werke mit sozialen, politischen oder menschlichen Themen. Ausgehend davon soll die vorliegende Seminararbeit folgende Fragen theoretisch behandeln:

- Wie werden Fiktionalitat, Fiktivitat und Faktualitat definiert? Was für Unterschiede gibt es zwischen Faktualitat und Fiktionalitat?
- Können sich sowohl fiktive als auch fiktionale Darstellungen simultan in einem literarischen Text vorhanden sein? Warum ist Historiographie in diesem Zusammenhang von grofier Bedeutung?
- Was versteht man unter dem Begriff Apologe und warum sind diese weder als faktual noch als fiktional klassifiziert sind?
- Welche Rolle spielen Fiktionssignale bei der Entscheidung, ob ein Text fiktional oder nicht-fiktional ist? Welche Fiktionssignale gibt es?
- Wie werden fiktionale Werken rezipiert?

2. Fiktivitat, Fiktionalitat und Faktualitat in literarischen Texten

Um Fiktivitat, Fiktionalitat und Faktualitat zu erklaren, ist zunachst wichtig, den Unterschied zwischen Literatur und Fiktion festzustellen. Denn beide Begriffe werden in der meisten Zeit verwechselt; Auf der einen Seite bedeutet Literatur sowohl geschriebene als auch gesprochene Werke. Im Allgemeinen bezeichnet der Begriff samtliche Arten von kreativem und asthetischem Schreiben bis zu eher technischen oder wissenschaftlichen Werken, aber er wird am haufigsten verwendet, um überlegene kreative Werke der Imagination zu bezeichnen, namlich Poesie, Drama und Fiktion. Auf der anderen Seite sind mit Fiktion geschriebene Werke gemeint, die von der Phantasie erfunden wurden, wie Romane, Kurzgeschichten, Theaterstücke und Gedichte. Der Begriff Literatur ist eine Rubrik, ein übergreifendes Gesamtbild, das sowohl Fiktion als auch Non-Fiktion bzw. Sachbuch umfasst. Ein Werk der Fiktion ist dann ein Werk der Literatur, so wie ein Werk der Sachliteratur ein Werk der Literatur ist (Vgl. Lombardi, 2020).

2.1. Basisdefinitionen:

2.1.1. Fiktion:

Im Allgemeinen bezeichnet Fiktion die Schaffung eine eigene fiktive Welt durch Kunst und den Umgang mit dieser Welt. Literatur bezogene Standard- Bestimmungen von Fiktion gehen davon aus, dass literarische Texte als Fiktion bzw. fiktional anzusehen sind, wenn dessen Dargestellte entweder komplett oder zum Teil erfunden ist. Die Komponenten dieser Darstellungen, u.a. Gegenstande, Personen, Orte oder Handlungen entsprechen nicht der Realitat. Deswegen gelten diese als nicht-wirklich. Sowohl in den allgemeinen Wörterbüchern als auch in den literaturwissenschaftlichen Lexika wird Fiktion in eine ahnliche Weise bestimmt, z.B. die Duden - Definition für Fiktion:

1- etwas, was nur in der Vorstellung existiert; etwas Vorgestelltes, Erdachtes BEISPIELE: eine politische, literarische Fiktion, alle Gestalten des Werkes sind dichterische Fiktion
2- Philosophie: bewusst gesetzte widerspruchsvolle oder falsche Annahme als methodisches Hilfsmittel bei der Lösung eines Problems (Duden, Bd3, 1087 )

Weiterhin gibt Gabriel im neuen Reallexikon die folgende Definition:

„Ein erfundener (,fingierter‘) einzelner Sachverhalt oder eine Zusammenfügung solcher Sachverhalte zu einer erfundenen Geschichte.“ (Gabriel, 1997)

Fiktionale literarische Texte beziehen sich also auf Erdachten, Erfunden, Nicht- Wirklichen. Eine ahnliche Bestimmung von Fiktion findet man auch in anderen Sprachen, wie etwa fiction auf Englisch und fiction auf Französisch (Vgl. Zipfel 2001, 14-15). Zusammenfassend gilt Fiktionalitat als etwas Reales, d.h. ein fiktionaler Text existiert in der Realitat, aber enthalt fiktive erfundene Welten. Die Begriffserklarung von Fiktion bleibt allerdings problematisch, weil fiktionale Texte sowohl Fiktivitat als auch Faktualitat beinhalten (Hier auf in Kapitel 2.2.1 noch detaillierter eingegangen).

2.1.2. Fiktivitat:

Die von Gabriel erwahnten fingierten Sachverhalte sind in der sogenannten fiktiven Welt der literarischen Texte beinhaltet. In diesem Zusammenhang ist es notwendig, den Unterschied zwischen Fiktivitat und Fiktionalitat hervorzuheben; Ein fiktionaler Text ist ein Text, der fiktive Darstellungen enthalt. Was als fiktiv bezeichnet wird sind die erfundenen Ereignisse, Gegenstande und Personen, von denen eine Erzahlung spricht. Zipfel schreibt überdies in der Differenzierung zwischen beiden Begriffen in Bezug auf die Duden-Definition Folgendes:

„Das Substantiv Fiktion wird im folgenden allgemein für den noch eingehend zu bestimmenden Phanomenbereich, auf den sich die Überlegungen beziehen, verwendet. Die Adjektive fiktiv und fiktional werden gemaft der entsprechenden Duden-Definition gebraucht. Fiktiv wird dort ahnlich wie Fiktion u. a. mit frei erfunden umschrieben und bezieht sich auf die Nicht-Wirklichkeit des Dargestellten. Die Bestimmung von fiktional lautet nach Duden auf einer Fiktion beruhend. So werden im folgenden Texte, in denen Fiktives dargestellt wird, als fiktional bezeichnet.“ (Zipfel 2001, 19)

Bei vorliegendem Zitat fallt auf, dass Zipfel die Duden-Definition erweitert. Wahrend Fiktion laut Zipfel mit der Fiktivitat des Dargestellten verbunden ist, wird sie hingegen in Duden nicht mit die Fiktivitat gekoppelt und „nur [als] in der Vorstellung existiert; etw. Vorgestelltes, Erdachtes“ (Duden, Bd3, 1087) definiert (Vgl. Bareis 2008, 57). Anders formuliert Fiktionalitat erzeugt eine fiktive Welt, wahrend alle Komponenten dieser fiktiven Welt sind, als fiktiv zu bezeichnen. Rotkappchen ist beispielweise eine fiktive Figur in den fiktionalen Marchen Rotkappchen von Brüdern Grimm.

2.1.3. Faktualitat:

Ein realer Text, der reale Dinge darstellt, bezeichnet man als Faktualitat. Es handelt sich um eine Darstellung, die der Beschreibung der realen Welt in ihrem unmittelbar gegebenen Zustand dient. Es handelt sich bei Faktualitat um Fakten und diese können offensichtlich richtig oder falsch sein. Biographien, Autobiographien oder Chroniken sind Beispiele faktualer Erzahlungen. Weil sie sich auf reale Geschehnisse beziehen, spricht man in Bezug auf Faktualitat von Wirklichkeitsanspruches und 'Referenzialisierbarkeit' und werden vom Empfanger für wahr und real gehalten (Vgl. Conermann 2020). In diesem Kontext schrieb Conermann dazu:

„Faktuale Texte handeln zwar nicht von erfundenen Figuren, Gegenstanden und Ereignissen, können jedoch [.] durchaus literarisch sein und somit über eine eigene Poetizitat verfügen. Sie sind als narrative Modelle der Realitat zu verstehen, als sprachlich erarbeitete, konstruktive Verstehensentwürfe.“ (Conermann 2020)

Dabei wird betont, dass faktuale Werke genauso wie die fiktionalen asthetische Eigenschaften haben. Die Bezeichnung „narrative Modelle der Realitat“ spiegelt die Problematik der konkreten Einteilung von beiden Arten von Texten wider. Folglich kann man die Unterscheidung zwischen Faktualitat und Fiktionalitat nicht sauber trennen (Hier auf in Kapitel 2.2.2. noch detaillierter eingegangen).

2.2. Werke zwischen Fiktionalitat und Faktualitat

Die Grenzen zwischen den beiden Kategorien -fiktional und faktual- verschwimmen, deswegen lassen sich manche Texte nicht eindeutig zuteilen. Faktual und fiktional überlappen sich (Vgl. Conermann 2020).

2.2.1. Faktualitat in fiktionalen Werke

Laut der primaren Bestimmungen von Fiktion beinhalten fiktionale Texte v.a. eine fiktive Welt, in der alles erfunden bzw. ausgedacht wird. Das Verhaltnis zwischen Fiktivitat, Fiktionalitat und Faktualitat ist jedoch, nicht einfach festzustellen. Einerseits stellen fiktionale Texte "Teil einer realen Kommunikation, in der ein realer Autor (.) Satze produziert, die von einem realen Leser gelesen werden." dar (Klein/Martmez 2009, 2), was bedeutet, dass fiktionale Erzahlungen -genauso wie faktuale Erzahlungen- real sind; Sie werden vom Autor verfasst, vom Leser gelesen und auch interpretiert. Andererseits beziehen sich fiktionale Werke nicht nur auf Nicht-Wirklichen und Erfundenen, aber auch meist auf reale bzw. wirkliche Menschen, Orte, Ereignisse usw. In diesem Zusammenhang gilt Erfundenheit nicht als notwendigen Bestandteil fiktionaler Darstellungen, aber ist ein wichtiges Merkmal der Fiktionalitat. Erfundenheit ist also nicht unbedingt mit Fiktion verbunden. Dennoch ist sie im Hinblick auf die Fiktion bemerkenswert, da eine grofie Zahl fiktionaler Darstellungen durch einen recht hohen Wert der Erfundenheit gekennzeichnet ist. Historische Romane sind beispielsweise literarische fiktionale Texte, die zum Teil real sind. So werden in dem Roman Krieg und Frieden von Tolstoi Einblicke in die Gedankenwelt Napoleons vermittelt. Es ist sicherlich zu bedenken, dass die geschilderten Ereignisse, die Stimmung usw. erstklassige Recherche sind, wenn es um historische Romane -in diesem Fall um Krieg und Frieden- handelt. Es kann tatsachlich sein, dass der Autor sich um maximale historische Korrektheit bemüht. Aber diese Gedanken sind offensichtlich frei erfunden, da der Autor nicht wissen konnte, was Napoleon eigentlich dachte. Im Roman geben dazu eingebildete Figuren, die mit den historischen Figuren des Romans interagieren. Es stellt sich durch dieses Beispiel fest, dass historische Romane sowie andere literarische Gattungen namlich Gedichte, Erzahlung, Kurzgeschichte usw. stellen eine bunte Mischung aus Erfundenem und Gefundenem bzw. Realem dar (Vgl. Was ist Fiktion? 2020). Wie auch Zipfel akzentuiert, dass fiktive Geschichten nie ganz und gar fiktiv seien (Vgl. Zipfel 2001, 79). Aus diesem Standpunkt ergeben sich verschiedene Überlegungen, die Bareis in Bezug auf Zipfel erwahnt und erklart. Bareis sagt dazu:

„Daraus resultiert aber die Frage nach dem Anteil von fiktiven und nicht-fiktiven Teilen von fiktionalen Geschichten und in welchem Verhaltnis diese Teile zueinander stehen. Sind völlig frei erfundene Geschichten ,fiktiver‘ als solche, in denen nur ganz geringe Details erfunden sind, der Rest allerdings eine getreue Wiedergabe der Wirklichkeit ist, vorausgesetzt, dass so etwas überhaupt möglich ist? Solche Überlegungen beinhalten eine grundlegende Problematik: Zipfel verortet zwar zwei Grundformen „fiktiver“ Geschichten, die er als Realistik und Phantastik bezeichnet (Zipfel 2001, 106ff)“ (Bareis 2008, 57).

Mit Rückgriff auf Zipfel legt Bareis Wert auf die Bezeichnung von fiktiven Geschichten, namlich auf Realistik und Phantastik, die auf den Anteil an Erfundenem bzw. auf die Ahnlichkeit zwischen realer und fiktiver Welt in den literarischen Werken verweisen. Wahrend realistische Darstellungen eines Textes durch eine hohe Ahnlichkeit zwischen realer und fiktiver Welt und durch einen geringen Anteil an Erfundenem gepragt sind, werden Darstellungen als phantastisch bezeichnet, wenn sie einen sehr hohen Anteil an Erfundenem haben (Vgl. Zipfel 2001, 106ff).

2.2.2. Fiktionalitat in faktualen Werke (Historiographie)

In den 70er und 80er Jahren wurde in der Geschichtswissenschaft von dem sogenannten linguistic turn gesprochen. Mit seiner Monographie Metahistory stellt Hayden White einen der bekanntesten Vertreter an dieser Stelle dar. In seinem Werk geht er davon aus, dass die Schreibmethoden und Stilmittel der Historiker der Literatur und Rhetorik sehr nahe stehen. Nicht die Fakten sind entscheidend für die Geschichtsschreibung, sondern die Entwicklung eines narrativen Kontextes. Das bedeutet, dass bereits die Auswahl und Anordnung von Fakten die Grundlage für die Vorentscheidung des Historikers für ein narratives Verfahren ist. Diese Vorentscheidung wiederum ist mit einer philosophisch-ideologischen Interpretationsperspektive verbunden (Vgl. Silmarien 2018). Das in Metahistory vorgestellte Narrativitatsmodell bedeutet für viele den Beginn eines Kuhnschen 'Paradigmenwechsels' (siehe Kuhn, The structure of scientific revolutions), der den Bankrott mechanistischer und organischer Wahrheitsmodelle in den Geisteswissenschaften markierte. Demnach können aufiereuropaische Kulturwissenschaftler - im Angesicht raffinierter strukturalistischer, semiotischer, dekonstruktivistischer, formalistischer, intertextualistischer, diskursanalytischer, kurz: post- oder neuerdings sogar post-postmoderner (d.h.: reaktionarer) Literaturtheorien - weder historische Werke schreiben noch sich Texten so unschuldig oder naiv nahern wie vor einer Generation. Einerseits hat Whites "Erzahltheorie" die Kulturwissenschaftler an ihre kognitiven Grenzen erinnert. Diese Sichtweise war vom Positivismus und anderen historiographischen Strömungen im Zuge der Aufklarungsideologie weitgehend ignoriert worden. Andererseits führte ihnen die Theorie von White die zentrale Bedeutung der Sprache als Medium ihres Ausgangsmaterials und die daraus resultierende Eingebundenheit der Texte in das sprachliche Universum deutlich vor Augen (Vgl. Conermann 2020). Zusammenfassend ist festzustellen, dass der Historiker eine bestimmte eigene Weltsicht hat, die die Auswahl der historischen Fakten und deren Zusammenhang in seinem Schreibverfahren beeinflusst. Deswegen ist die Historiographie durch die Subjektivitat gepragt.

3. Problematik der Apologe

Bei diesem Teil handelt es sich um die Texte, in denen die Ereignisse bzw. die Geschehen weder zum faktualen Erzahlen noch zum fiktionalen Erzahlen gehören. In seinen Vorlesungen über die Asthetik definiert Georg Wilhelm Friedrich Hegel den Apolog wie Folgendes:

„[Er] (...) kann für eine Parabel angesehen werden, welche den einzelnen Fall nicht nur gleichnisweise zur Veranschaulichung einer allgemeinen Bedeutung gebraucht, sondern in dieser Einkleidung selbst den allgemeinen Satz herbeiführt und ausspricht, indem derselbe wirklich in dem einzelnen Falle enthalten ist, der jedoch nur als ein einzelnes Beispiel erzahlt wird. (.) In dem Apolog wird die Erzahlung so weitergeleitet, dafi ihr Ausgang die Lehre selber ohne blofie Vergleichung gibt, wie z. B. im »Schatzgraber«: Tages Arbeit, abends Gaste, Saure Wochen, frohe Feste Sei dein künftig Zauberwort.“ (Hegel 1835-1838)

Da der Fokus bei den Apologen auf die Lehre und Schlussfolgerung der Erzahlung bzw. des Werks gerichtet ist, bleibt es schwierig, einen heiligen Text oder eine Fabel als faktisch oder fiktional zu betrachten. Die Apologe verweisen haufig auf die Wahrheit und Korrektheit, aber sie werden nur begrenzt als direkte Darstellungen im Sinne der Faktualitat angesehen.

3.1. heilige Texte:

Diese einfache allgemeine Unterscheidung zwischen faktual und fiktional ist mit einem überaus prasenten Gegenbeispiel widersprüchlich; Es gibt einen Text, der nicht leicht anzuordnen ist. Mit diesem Text wird ein solcher Umgang gepflegt und manchmal noch immer gepflegt, dass er den einzigen Zugang zu der Welt bietet, die er darstellt bzw. beschreibt, aber gleichzeitig und sogar eindringlich als faktual verstanden wird. Es ist die Heilige Schrift. Jedoch tauscht dieser Eindruck; Man könnte einem kleinen Plausibilitatspunkt in diesem Zusammenhang betrachten, namlich ausgehend von der Erkenntnis, dass die vergleichsweise einfache Unterscheidung zwischen Fiktionalitat und Faktualitat - auf der Grundlage der Unterscheidung zwischen zwei Arten des Umgangs damit - in diesem Beispiel nicht versagt (Vgl. Köppe 2011, 46f.). Darüber hinaus schreibt Köppe dazu:

„Die Auszeichnung der Heiligen Schrift als einziger Zugang bedeutet die Zuweisung einer exklusiven epistemischen Eigenschaft: Als Wort Gottes ist sie uneingeschrankt wahr (freilich nur bei richtiger Interpretation); sie ist in dieser Hinsicht die einzige Beweisquelle. Das bedeutet nun aber nicht, dass sie die einzige Quelle ist, die von einer bestimmten Welt mit ihren wundersamen Ereignissen Kündet. [...] Gemeint sind die Glaubensmysterien [...]. Allein bei solchen Glaubensmysterien ware eine Parallelisierung mit dem einwegigen Zugang zu fiktionalen Welt gegeben: Denn in der Tat verbindet sich die epistemische Auszeichnung der Heiligen Schrift mit ihrer Privilegierung als einzigem Zugang zu diesem Mysterien“ (Köppe 2011, 47)

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Fiktion, Fiktionalität und Faktualität in literarischen Texten
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Deutsch als Fremdsprache)
Note
1.7
Autor
Jahr
2020
Seiten
20
Katalognummer
V919838
ISBN (eBook)
9783346229281
ISBN (Buch)
9783346229298
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fiktion, Fiktionalität, Faktualität, Bibliographie
Arbeit zitieren
Nahed Ben Achour (Autor), 2020, Fiktion, Fiktionalität und Faktualität in literarischen Texten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/919838

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