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Die Prozesse gegen Miltiades und deren Erkenntnisgehalt im Bezug auf eisangeliá in Athen vor den Reformen Ephialtes

Title: Die Prozesse gegen Miltiades und deren Erkenntnisgehalt im Bezug auf eisangeliá in Athen vor den Reformen Ephialtes

Term Paper (Advanced seminar) , 2006 , 20 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Martin Meingast (Author)

World History - Early and Ancient History
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Miltiades, der Sieger von Marathon, ist sicherlich eine der umstrittensten Personen in Herodots Darstellung der Perserkriege. Er, der die Griechen erfolgreich in die Schlacht gegen die Perser in die Ebene von Marathon führte, ist wie kaum eine andere für die griechische Antike wichtige Person in Herodots Werk unscharf: Sein Lebenslauf ist lückenhaft, verschiedenste Episoden in seinem Leben sind umstritten und sein Verhältnis zur Polis Athen nährte die Diskussion über den Zustand der Demokratie im nachkleisthenischen Athen. Ähnliches gilt für das athenische Rechtssystem mit dem Miltiades gleich zweimal in Konflikt geriet: In der Forschung gibt es verschiedene, teilweise widersprüchliche Positionen zur athenischen Rechtsordnung dieser Zeit, da die magere Quellenlage einen vergleichsweise spekulativen Umgang mit dieser Thematik erfordert: Es können nur dokumentierte Fälle beispielhaft herangezogen und analysiert werden um dann von diesen zu abstrahieren. Den Interpretationsspielraum, der sich bei der Analyse der bekannten Fälle auftut, gilt es soweit wie möglich zu begrenzen.
Ich werde versuchen ein Puzzlestück dazu beizutragen indem ich die beiden Prozesse gegen Miltiades untersuchen und auf ihren Informationsgehalt bezüglich der prä-ephialtes’schen Prozeduren bei eisangeliá abklopfe. Hierfür werde ich im ersten Abschnitt dieser Arbeit auf den allgemeinen Kenntnisstand zur Eisangelie in Athen vor Ephialtes eingehen indem ich die Positionen Thiems, Hansens und Rhodes’ darstelle, bevor ich dann versuchen werde, die komplizierten biographischen Zusammenhänge in Miltiades’ Leben mit Hilfe der Werke von Obst, Kinzl und Berve nachzuzeichnen, um im letzten Abschnitt schließlich aus der Quellenlage zu den Prozessen gegen Miltiades unterstützende und abweichende Tendenzen herauszufiltern. Verfolgt man die Darstellung bei Aristoteles, scheint es so gewesen zu sein, dass der Areopag vor den Reformen Ephialtes’ alle Fälle von eisangeliá allein verhandelte und in diesen Prozessen urteilte. Andere Quellen deuten jedoch darauf hin, dass die Kompetenzen des Areopags wahrscheinlich schon früher beschnitten wurden, weshalb sich die Frage stellt, ob an den Prozessen gegen Themistokles, Kimon und eben auch Miltiades das Volk nicht bereits in irgendeiner Weise beteiligt war. Hier deutet sich eine Parallele zur Übertragung der Befugnis zur Durchführung des Ostrakismos auf die ekklêsía 488/487 v. Chr. an.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. DER KENNTNISSTAND DER FORSCHUNG

3. BIOGRAPHIE

3.1. VOR DEM SKYTHENZUG 514/513 V. CHR.

3.2. DER UMSTRITTENE RAT AN DER DONAUBRÜCKE

3.3. DIE FLUCHT UND DIE ERWERBUNG LEMNOS

3.4. DER IONISCHE AUFSTAND 494-499 V. CHR UND DER ERSTE PROZESS 493 V. CHR.

3.5. VON DER SCHLACHT BEI MARATHON ZUR PAROS-EXPEDITION

3.6. DAS VERHÄLTNIS ZWISCHEN MILTIADES UND ATHEN

4. DIE BEIDEN PROZESSE GEGEN MILTIADES

4.1. DER ERSTE PROZESS 493 V. CHR.

4.2. DER ZWEITE PROZESS 489 V. CHR.

5. RESÜMEE

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die beiden Prozesse gegen den athenischen Feldherren Miltiades, um deren Informationsgehalt hinsichtlich der juristischen Prozeduren bei einer Eisangelie (Anklage wegen Hochverrats) vor den Reformen des Ephialtes zu analysieren und forschungsrelevante Diskurse einzuordnen.

  • Analyse der athenischen Rechtsordnung und der Funktion des Areopags sowie der Volksversammlung.
  • Biographische Aufarbeitung des Lebenswegs von Miltiades unter kritischer Quellenprüfung.
  • Untersuchung des ersten Prozesses (493 v. Chr.) und dessen Abgrenzung zur Euthynie.
  • Diskussion des zweiten Prozesses (489 v. Chr.) und der Rolle des Volks bei der Urteilsfindung.
  • Bewertung historischer Interpretationsansätze im Vergleich zwischen Herodot und modernen Forschungspositionen.

Auszug aus dem Buch

3.2. DER UMSTRITTENE RAT AN DER DONAUBRÜCKE

514/513 v. Chr. brach Dareios zum sogenannten Skythenzug gen Norden auf und rief die persischen Vasallenherrscher in Ionien, Äolien und am Hellespont zur Heeresfolge auf. Dazu gehörte auch Miltiades, der in seiner Macht von den Persern abhängig war. Nachdem die Skythen die nach Norden marschierenden Perser verfehlten und die Brücke über die Donau erreichten, forderten sie die dort zurückgebliebenen Griechen dazu auf, die Brücke abzureißen, um die Perser auf der Nordseite der Donau zu stranden und sich selbst von der persischen Übermacht zu befreien.

Hier kam es nun zum sogenannten Rat an der Donaubrücke. Nach Herodot riet Miltiades den Griechen nämlich, der skythischen Forderung nachzukommen und den Verrat an den Persern zu begehen. Mit seinem Vorschlag hatte er jedoch keinen Erfolg, so Herodot, weil die übrigen dort versammelten griechischen Herrscher realisierten, dass ihre eigene Tyrannis in den griechischen Überseegebieten nur durch die Rückendeckung der Perser bestehen konnte.

Um jedoch die Skythen zum Abzug zu bewegen, taten die Griechen so, als würden sie die Brücke abreißen. Nach dem Verschwinden der Skythen wurde diese allerdings wieder instand gesetzt.

Ich gehe im Widerspruch zu Herodot jedoch davon aus, dass diese Episode nicht historisch ist, sondern erst viel später im Rahmen seiner Gerichtsverhandlung wegen seiner Tyrannis auf der Chersones, die in einem späteren Abschnitt behandelt werden soll, erfunden wurde um ihn als loyalen Griechen zu portraitieren. Dennoch ist meiner Meinung nach seine Teilnahme am Skythenzug insgesamt nicht in Frage zustellen, obwohl dies durchaus möglich wäre.

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINLEITUNG: Einführung in die Problematik der Quellenlage zu Miltiades und Definition der Forschungsfrage hinsichtlich der Eisangelie-Prozeduren.

2. DER KENNTNISSTAND DER FORSCHUNG: Diskussion der unterschiedlichen Ansätze zur Rolle des Areopags und der Volksversammlung vor den Ephialtes-Reformen.

3. BIOGRAPHIE: Detaillierte biographische Aufarbeitung der Stationen Miltiades' vom Skythenzug bis zur Paros-Expedition unter Einbeziehung kontroverser Quellen.

4. DIE BEIDEN PROZESSE GEGEN MILTIADES: Analyse der zwei Gerichtsverfahren gegen Miltiades und Bewertung der Tatbestände sowie der Rolle der Prytanien.

5. RESÜMEE: Zusammenfassung der Ergebnisse, wonach die Prozesse die Involvierung der Volksversammlung bei Eisangelien vor Ephialtes nahelegen.

Schlüsselwörter

Miltiades, Athen, Eisangelie, Areopag, Volksversammlung, Perserkriege, Tyrannis, Paros-Expedition, Euthynie, Herodot, Antike, Rechtsgeschichte, Marathon, Verrat, Prozessführung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit untersucht die juristischen Prozesse gegen den athenischen Staatsmann Miltiades, um Erkenntnisse über die Ausgestaltung von Anklageverfahren (Eisangelie) in der Zeit vor den Reformen des Ephialtes zu gewinnen.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Zentrale Themen sind die Biografie des Miltiades, das athenische Gerichtswesen, der Einfluss von Tyrannen in der Übergangsphase zur Demokratie sowie die Glaubwürdigkeit antiker Quellenberichte.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die Autorin oder der Autor sucht nach Belegen, wie Verfahren der Eisangelie vor der Kompetenzverschiebung durch Ephialtes gehandhabt wurden und ob das Volk bereits damals an diesen Prozessen beteiligt war.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?

Es wird eine quellenkritische Analyse durchgeführt, bei der verschiedene historische Berichte (u.a. Herodot, Nepos, moderne Forschung) miteinander verglichen werden, um widersprüchliche Darstellungen aufzulösen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine biographische Aufarbeitung, die die Stationen des Miltiades nachzeichnet, und eine detaillierte Analyse der zwei Prozesse aus den Jahren 493 v. Chr. und 489 v. Chr.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Eisangelie, Areopag, Tyrannis, antike Rechtsordnung und historische Quellenkritik charakterisiert.

Wie bewertet der Autor die Historizität des "Rates an der Donaubrücke"?

Die Arbeit vertritt die Ansicht, dass diese Episode historisch nicht belegt ist und vermutlich erst später erfunden wurde, um Miltiades als loyalen Griechen in den Prozessunterlagen zu porträtieren.

Warum wird im zweiten Prozess (489 v. Chr.) von einer "Abschwächung" gesprochen?

Es wird argumentiert, dass die Anklage von Verrat auf einen bloßen Betrug am Volk umgewandelt wurde, möglicherweise durch das Eingreifen der Prytanien, um den "Helden von Marathon" vor der Todesstrafe zu bewahren.

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Details

Title
Die Prozesse gegen Miltiades und deren Erkenntnisgehalt im Bezug auf eisangeliá in Athen vor den Reformen Ephialtes
College
Humboldt-University of Berlin  (Institut für Geschichtswissenschaften)
Course
Politische Prozesse im klassischen Athen
Grade
1,0
Author
Martin Meingast (Author)
Publication Year
2006
Pages
20
Catalog Number
V91984
ISBN (eBook)
9783638060059
ISBN (Book)
9783656854319
Language
German
Tags
Prozesse Miltiades Erkenntnisgehalt Bezug Athen Reformen Ephialtes Politische Prozesse Athen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Martin Meingast (Author), 2006, Die Prozesse gegen Miltiades und deren Erkenntnisgehalt im Bezug auf eisangeliá in Athen vor den Reformen Ephialtes, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/91984
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