«Ludus Mobilis – Quo Vadis». Unter diesem Titel veröffentlichte die Fachzeitschrift
„Spielmobilszene“ im Oktober 1993 einen Beitrag von Wolfgang Zacharias, in dem kritische Anmerkungen zur Spielmobilarbeit formuliert wurden. In diesem Artikel beschreibt der Autor Spielmobile „als eher langweilig, ein wenig abgeschlafft [und] in die Jahre gekommen [und sieht somit die] spiel- und kulturpädagogische Entwicklung als eher rückläufig an.“1 Seiner Meinung nach wird das Thema „Spiel“ von den Spielmobilen zunehmend vernachlässigt. Damals nahmen 19 hauptamtliche Mitarbeiter2 von Spielmobilen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz Stellung zu Zacharias Thesen und setzten damit eine wichtige Diskussion in Gang. Mehr als zehn Jahre später stellt sich nun die Frage: Wie sieht die aktuelle Entwicklung aus? Wofür steht das Spielmobil? Ist es Vorreiter in Sachen Spiel und Lobby für Kinderrechte oder doch nur Animationsspektakel und Lückenfüller für kommerzielle Festivitäten? Sind die zahlreichen Kritikpunkte am Ende berechtigt und es gibt gar keine zeitadäquate Innovation und Weiterentwicklung in der Spielmobilszene? Diese Fragen sollen in dieser Arbeit kritisch beleuchtet werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Entwicklung der Fragestellung
2.1 Eingrenzung des Themas
2.2 Relevanz für die Soziale Arbeit
2.3 Begriffsklärungen
2.3.1 „Spiel“
2.3.2 „Spielpädagogik“
2.3.3 „Spielmobil“
3 Spielmobilarbeit in der Kritik
3.1 Die Bedeutung des kindlichen Spiels
3.1.1 Der phänomenologische Ansatz nach Scheuerl
3.1.2 Die kognitive Spieltheorie nach Piaget
3.1.3 Motivationspsychologische Spieltheorie (Heckhausen)
3.1.4 Merkmale und Dimensionen
3.1.5 Ausblick
3.2 Die Entstehung der Spielmobilszene
3.2.1 Geschichte
3.2.2 Rechtliche Rahmenbedingungen
3.2.3 Der gesellschaftliche Auftrag
3.2.4 Ausblick
3.3 Spielmobile im Kontext gesellschaftlicher Veränderungen
3.3.1 Aktionsräume heute
3.3.2 „Errungenschaften“ für das moderne Kind
3.3.3 Spielmobilarbeit zwischen Trend und Tradition
3.3.4 Zusammenfassung
3.4 „Spielehaus & Spielbus Friedrichshafen“
3.4.1 Vorstellung der Einrichtung
3.4.2 Vorstellung der konzeptionellen Ziele
3.4.3 Kritische Überlegungen
3.4.4 Fazit
3.5 Zusammenfassung
4 Erstellung der Hypothesen
4.1 These 1
4.2 These 2
4.3 These 3
4.4 These 4
4.5 Ausblick
5 Empirische Untersuchung
5.1 Auswahl der Untersuchungsgruppe
5.2 Auswahl des Erhebungsinstruments
5.3 Konstruktion des Erhebungsinstruments
5.4 Vortest
5.5 Durchführung der Hauptuntersuchung
6 Auswertung und Interpretation
6.1 These 1
6.2 These 2
6.3 These 3
6.4 These 4
6.5 Zusätzliche Interviewergebnisse
6.6 Zusammenfassung
7 Folgerungen
7.1 Gesellschaftliche Folgen
7.2 Folgen für die Spielmobilarbeit
8 Schlusswort
9 Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht kritisch die aktuelle Entwicklung der Spielmobilarbeit in Baden-Württemberg aus der Sicht hauptamtlicher Mitarbeiter, um festzustellen, ob bestehende Kritikpunkte berechtigt sind und welche Maßnahmen für eine zukunftsfähige Entwicklung notwendig sind.
- Analyse theoretischer Grundlagen des Spiels und der Spielmobilszene
- Kritische Auseinandersetzung mit der aktuellen Situation von Aktionsräumen für Kinder
- Empirische Expertenbefragung hauptamtlicher Mitarbeiter
- Entwicklung von Handlungsempfehlungen für die Spielmobilarbeit
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Der phänomenologische Ansatz nach Scheuerl
Unter dem Begriff „Phänomenologie des Spiels“ versteht man die „Lehre von den Erscheinungen des Spiels“11. Da der Begriff „Spiel“ nur sehr schwer zu fassen ist, untersuchte Hans Scheuerl 1954 die gesamte deutsche Literatur bezüglich der Spielforschung und Spieldeutung. Er kam schließlich zu der Einsicht, dass das Spiel sechs grundlegende Wesensmerkmale aufweist. Demnach ist Spiel eine Bewegungsform, dessen Höhepunkt die Verselbstständigung der Betätigung des Spielenden selbst bildet. Voraussetzung für das Spiels ist nach Scheuerl die Freiheit und die Offenheit des Spielers für die Phänomene des Spiels. Wesentlichen Merkmale werden in der nachfolgenden Auflistung veranschaulicht:
Zweckfreiheit: Das Spiel ist in seiner Erscheinung ungezwungen und frei, ohne Zwänge oder Zweckbestimmungen.
Geschlossenheit: Die spielerische Bewegung ist in sich geschlossen, gegeben durch Spielregeln oder Spielfeldgrenzen.
Spannungsverhältnis: Das Spielgeschehen lebt vom ständigen hin und her. Somit ist der spielende Bewegungsablauf mehrdeutig. Der Ausgang des Spiels sollte so lange wie möglich offen bleiben.
Unendlichkeit: Spiele dehnen sich zeitlich aus, es treten Wiederholungen auf. Sie können mit einem Entwicklungscharakter bezeichnet werden. Äußere Mächte unterbrechen die Spielbewegung.
Gegenwärtigkeit: Das eigentliche Spiel ist zeitenthoben, deshalb kennzeichnet das Spiel die Gegenwärtigkeit. Das bedeutet, dass jeder Moment von einer eigenen Spannung geprägt ist.
Scheinhaftigkeit: Im Spiel tritt der Schein an die Stelle der Wirklichkeit.12
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Stellt das Thema „Spielmobilarbeit“ in den Kontext aktueller gesellschaftlicher Diskussionen und beschreibt das methodische Vorgehen der Untersuchung.
2 Entwicklung der Fragestellung: Grenzt das Thema ein, begründet die Relevanz für die Soziale Arbeit und klärt zentrale Fachbegriffe wie „Spiel“ und „Spielmobil“.
3 Spielmobilarbeit in der Kritik: Analysiert die Bedeutung des Spiels, die Entstehung der Szene sowie aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen und beleuchtet beispielhaft das „Spielehaus & Spielbus Friedrichshafen“.
4 Erstellung der Hypothesen: Formuliert auf Basis der theoretischen Befunde vier zentrale Hypothesen zur kritischen Auseinandersetzung mit der Spielmobilarbeit.
5 Empirische Untersuchung: Beschreibt das methodische Vorgehen bei der Auswahl der Untersuchungsgruppe und der Konstruktion des Erhebungsinstruments für die Experteninterviews.
6 Auswertung und Interpretation: Präsentiert die Ergebnisse der Interviews, ordnet sie den Hypothesen zu und diskutiert sie im Hinblick auf ihre Validität.
7 Folgerungen: Leitet konkrete gesellschaftliche Konsequenzen und notwendige Anpassungen für die Spielmobilarbeit ab.
8 Schlusswort: Fasst die Bedeutung der Spielmobilarbeit als unverzichtbarer Bestandteil der Kinder- und Jugendarbeit zusammen.
9 Literaturverzeichnis: Listet die verwendeten Quellen und Internetverweise auf.
Schlüsselwörter
Spielmobilarbeit, Spielpädagogik, Kinderrechte, Soziale Arbeit, kindliche Entwicklung, Aktionsräume, Experteninterview, Kinderspiel, Lobbyarbeit, Spieltheorie, Spielmobil Friedrichshafen, pädagogische Konzeption, Jugendhilfe, Spielgeräte, Bildungsauftrag
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die aktuelle Entwicklung der Spielmobilarbeit in Baden-Württemberg und hinterfragt kritisch, ob die Arbeit der Spielmobile heutigen Anforderungen und ihrem gesellschaftlichen Auftrag gerecht wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen die Bedeutung des kindlichen Spiels, die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für Kinder, die Lobbyfunktion der Spielmobile sowie die Kritik an kommerziellen Angeboten und der Verwendung aufwendiger Spielmaterialien.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es herauszufinden, in welche Richtung sich die Spielmobilarbeit in Baden-Württemberg entwickelt und ob die an sie herangetragenen Kritikpunkte (z.B. Vernachlässigung der Lobbyarbeit oder Übernahme schulischer Aufgaben) berechtigt sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine qualitative Untersuchung durchgeführt, basierend auf einer Expertenbefragung (Leitfadeninterviews) mit hauptamtlichen Mitarbeitern von Spielmobilen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil zur Begriffs- und Spieltheorie sowie zur Geschichte der Spielmobile und einen empirischen Teil, in dem vier Interviews mit Spielmobilarbeitern ausgewertet und interpretiert werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit fokussiert sich insbesondere auf Begriffe wie Spielmobilarbeit, Kinderrechte, Spielpädagogik, Aktionsräume und Qualitätssicherung in der Jugendarbeit.
Welche Rolle spielt das „Spielehaus & Spielbus Friedrichshafen“ in der Untersuchung?
Es dient als praxisnahes Fallbeispiel, an dem theoretische Ziele, die praktische Umsetzung der Konzeption und kritische Überlegungen zur Wirksamkeit der pädagogischen Arbeit exemplarisch veranschaulicht werden.
Zu welchem Ergebnis kommt der Autor bezüglich der Lobbyarbeit für Kinderrechte?
Die Hypothese, dass Spielmobile die Lobbyarbeit nur unzureichend ausführen, konnte durch die Interviews bestätigt werden; die Befragten nannten insbesondere schwierige Rahmenbedingungen und Personalmangel als Gründe.
- Quote paper
- Daniela Endres (Author), 2006, Spielmobilarbeit in der Kritik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92004