Ansteckende Krankheiten sind seit Beginn der Menschheitsgeschichte bekannt. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts vertrat der italienische Arzt Fracastoro die Ansicht, dass ansteckende Krankheiten durch Kontakt mit einem „Ansteckungsstoff“ entstehen. Nach der Erfindung von leistungsfähigen Mikroskopen durch den Holländer van Leeuwenhoek konnte man Bakterien als Krankheitserreger entdecken. Es dauerte jedoch bis ins 19. Jahrhundert bis es erste Anzeichen auf die Existenz von Viren gab. Bei der Suche nach den Erregern der Tollwut tappte man lange im Dunkeln. Louis Pasteur (1822-1895) beschäftigte sich als einer der ersten mit dieser Krankheit. Im Körper von Hunden, die an Tollwut gestorben waren, konnte er nirgends Bakterien nachweisen. Er vermutete, dass eine Art Giftstoff für die Krankheit verantwortlich ist. Diesen Stoff nannte er „Virus“.
D. I. Iwanowski (1864–1920, Prof. in Petersburg und Warschau) konnte 1892 zeigen, dass die Säfte kranker Pflanzen auch dann noch ansteckend wirkten, wenn man sie durch Filter goss, die alle gewöhnlichen Bakterien zurückhielten. Ein derartiger Saft wurde ursprünglich als Virus bezeichnet, wenn er Krankheitserreger enthielt, die viel kleiner sind als Bakterien. Im Jahre 1897 fanden auch Friedrich Löffler und Paul Frosch Krankheitserreger, die durch bakteriendichte Filter nicht zurückgehalten werden konnten, im Lichtmikroskop nicht sichtbar waren und auf allen in der Bakteriologie verwendeten Nährböden nicht zum Wachstum gebracht werden konnten. Für lange Zeit blieb die Frage nach der biologischen Natur dieser unfiltrierbaren Agenzien ungeklärt. Erst die Entdeckung der Bakteriophagen durch D′Herelle (1917) ebnete der Virus-Forschung neue Wege; 1935 gelang es erstmals, das von Iwanowski entdeckte Virus (Tabakmosaikvirus) zu kristallisieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Allgemeines
1.1. Geschichte
1.2. Seuchen
1.2.1. Grippe
1.2.2. Pest
1.2.3. Pocken und Typhus
1.2.4. Tuberkulose
1.2.5. Ausblick
2. Viren, Viroide, Prionen
2.1. Viren
2.1.1. Aufbau
2.1.2. Replikation
2.1.3. Evolution
2.1.4. Rekombination
2.2. Klassifizierung (Viroide, Tumorviren)
2.3. Prionen
2.3.1. Prionerkrankungen
2.4. Strategien eines Eindringlings
2.5. Immunantwort
2.5.1. Das Immunsystem
2.5.2. Reaktion des Organismus auf eine Virusinfektion
2.6. Behandlung
2.6.1. Aktive Impfung
2.6.2. Passive Impfung
2.6.3. Stimulation des Immunsystems
3. Gentherapie
3.1. Therapieviren
3.2. Chronik der Gentherapie
3.3. Risiken der Gentherapie: Der Fall Jesse Geisinger
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die biologische Natur, die Verbreitungsstrategien und die medizinische Bedeutung von Viren sowie Prionen und evaluiert aktuelle sowie zukünftige Ansätze zur Therapie viraler Erkrankungen, insbesondere im Kontext der Gentherapie.
- Historische Betrachtung von Viruserkrankungen und Pandemien
- Biologischer Aufbau, Replikation und Evolution von Viren
- Mechanismen der Immunantwort und Behandlungsmöglichkeiten
- Prionen als neuartige Krankheitserreger und ihre Besonderheiten
- Potenziale und Risiken der Gentherapie als medizinischer Behandlungsansatz
Auszug aus dem Buch
2.1.1. Aufbau
Viren sind eine eigenständige Gruppe von Infektionserregern, die sich in ihrem Aufbau und im Vermehrungsverhalten grundsätzlich von anderen Mikroorganismen unterscheiden. Der lateinische Ausdruck virus bedeutet allgemein ,,schleimige Absonderung "oder auch ,,Gift".
Trotz ihrer Winzigkeit zählen die Viren zu den gefährlichsten Feinden des Menschen. Man kennt heute mehr als 400 human- und ferner zahlreiche tier- und pflanzenpathogene Viren Die Spannbreite der Erkrankungen, die sie auslösen, reicht von relativ harmlosen Erkältungen und Darminfektionen über Mumps, Masern, Röteln, oder der Kinderlähmung bis hin zu den tödlichen, wie Pocken, Gelbfieber, Tollwut und AIDS. Sie existieren in der Grenzzone zwischen lebenden Bakterien und unbelebten Eiweißmolekülen. Sie besitzen keine eigene Zellstruktur und bestehen aus so wenigen Bestandteilen, dass sie sich ohne fremde Hilfe nicht einmal vermehren können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Allgemeines: Dieses Kapitel gibt einen historischen Abriss über die Entdeckung von Viren und beschreibt den Verlauf bedeutender historischer Seuchen.
2. Viren, Viroide, Prionen: Hier werden der biologische Aufbau, die Replikation, die Evolution sowie die Klassifizierung von Viren, Prionen und verwandten Strukturen detailliert analysiert.
3. Gentherapie: Dieses Kapitel beleuchtet das Potenzial der Gentherapie zur Behandlung von Krankheiten sowie die damit verbundenen Risiken am Beispiel des Falls Jesse Geisinger.
Schlüsselwörter
Viren, Prionen, Gentherapie, Infektionskrankheiten, Immunantwort, Replikation, Evolution, Pandemien, Retroviren, Impfung, Biologie, medizinische Forschung, Zellbiologie, Gensequenzen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die biologischen Grundlagen von Viren und Prionen sowie deren Rolle als Krankheitserreger und deren Behandlung durch moderne medizinische Verfahren wie die Gentherapie.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit fokussiert sich auf die Geschichte der Virologie, die Mechanismen von Infektionen, die Immunantwort des menschlichen Körpers sowie die Möglichkeiten und Gefahren gentherapeutischer Ansätze.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, ein Verständnis für die Wirkungsweise von Viren zu schaffen und aufzuzeigen, wie medizinische Interventionen wie Impfungen oder die Gentherapie zur Krankheitsbekämpfung eingesetzt werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Aufarbeitung und Analyse biologischer und medizinischer Sachverhalte, die auf einer umfassenden Literaturrecherche basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erörtert den Aufbau und die Vermehrung von Viren, die Funktionsweise des menschlichen Immunsystems sowie die spezifischen Risiken und Meilensteine in der Chronik der Gentherapie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Viren, Prionen, Gentherapie, Immunantwort, Krankheitserreger und klinische Studien.
Welche Rolle spielen Prionen in der Arbeit?
Prionen werden als neuartige, extrem resistente Erreger eingeführt, die sich grundlegend von Viren und Bakterien unterscheiden und komplexe Erkrankungen wie BSE auslösen können.
Was ist das Fazit zur Gentherapie im Dokument?
Die Arbeit betont das große Potenzial der Gentherapie bei bisher unheilbaren Krankheiten, weist jedoch gleichzeitig auf die noch unausgereiften Methoden und die schwerwiegenden Sicherheitsrisiken hin.
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- Erik Müllers (Author), 2002, Viren, die geheimen Herrscher der Erde, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9203