Die 'purpa'-Konzeption im Weltbild der Cuna in Panama


Seminararbeit, 2006

10 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2.Die ‚purpa’-Seelenkonzeption bei Lévi-Strauss
2.1.‚Purpa’ als Seele oder Ich
2.2. ‚Purpa’ und das Ich
2.3. ‚Purpa’ und die Seele
2.4. Krankheit und Heilung

3.Carlo Severi „Talking About Souls“
3.1. ‚Purpa’ in der Alltagssprache
3.1.1. Die ‚purpa’-Seelenkonzeption
3.1.2. Beschreibung via Negativa
3.2. ‚Purpa’ im Schamanismus
3.2.1. ‚Purpa-namakke’
3.2.2. ‚Purpa’ im schamanischen Beschwörungsgesang
3.2.3. ‚Purpa’ und Krankheit
3.2.4. Die physiologische und kosmologische Dimension
3.2.5. Pragmatische Aspekte in der rituellen Verwendung

4. Vergleich -

5. Fazit

6. Zitierte Literatur

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Bedeutung des Konzeptes der „purpa“ im alltäglichen und rituellen Gebrauch der Cuna in Panama. Ich werde die Auffassung Lévi-Strauss` (1977) über das „purpa“- Konzept mit der Deutung von Carlo Severi in seiner Ausführung „Talking About Souls: The Pragmatic Construction of Meaning in Cuna Ritual Language“ (1993) vergleichen, indem ich die unterschiedlichen Interpretationen nacheinander darstelle, um abschließend die unterschiedlichen Merkmale herauszuarbeiten und sie miteinander zu vergleichen. Abschließend er­folgt ein kurzes Fazit.

2. Die ‚purpa’- Seelenkonzeption bei Lévi-Strauss

2.1. ‚Purpa’ als Seele oder Ich

Claude Lévi-Strauss definiert in seinem Text „Die Wirksamkeit der Sym­bole“ (1977) den Begriff ‚purpa’ bei den Cuna sowohl durch das westliche Konzept der Seele (Lévi-Strauss 1977: 205), als auch durch das Prinzip des zweiten, geistigen „Ich“ (ebd.: 206, 207). Sowohl belebte Dinge (Menschen, Tiere), unbelebte Materie (Steine etc.), als auch jedes Kör­perteil besitzen ein ‚purpa’ (ebd.: 206-207) und in Bezug auf den mensch­lichen Körper bildet die Summe aller ‚purpa’ der Körperteile die geistige Entsprechung zum Organismus (ebd.:207).

Er vergleicht das Konzept der ‚purpa’ mit dem platonischen Begriff der Idee und des Archetyps (ebd.: 207), was nach Platons Höhlengleichnis[1]bedeuten würde, dass es sich hier um ein unsichtbares Abbild oder Spie­gelbild der materiellen Welt handelt.

2.2. ‚Purpa’ und das Ich

Im allgemeinen Sprachgebrauch wird der Begriff des Ichs in aller Regel verwendet um das eigenen Wesen zu beschreiben, wobei es hier immer um das eigene Innere und Äußere geht (Wahrig 1982: 1913). Es handelt sich sozusagen um die gesamte Persönlichkeit einer Person in ihrer Ab­grenzung zur Umwelt. In Bezug auf psychologische (Freud) und philoso­phische (Descartes, Kant, Husserl) Betrachtungsweisen des Ichs kommen weitere und komplexere Erklärungsmodelle hinzu, die allerdings meines Erachtens für die reine begriffliche Analyse in Bezug auf die Vorstellung von ‚purpa’ bei Lévi-Straus zu vernachlässigen sind, der Bezug nimmt auf ein eher allgemeines Konzept des Ichs.

Übersetzt man den Begriff ‚purpa’ also mit einem alltagsgebräuchlichen Ich, so würde dies den materiellen Aspekt mit einschließen. Lévi-Strauss bezieht die Definition allerdings lediglich auf das zweite, geistige Ich (Lévi-Strauss 1977: 206, 207) im Sinne von Persönlichkeit. Es handelt sich also um ein geistiges Prinzip (ebd.: 206) bzw. ein unsichtbares, trans­zendierendes Abbild, welches das Wesen einer Sache ausmacht.

2.3. ‚Purpa’ und die Seele

Mit der Definition von ‚purpa’ als Seele wird ein spirituelles Prinzip ange­sprochen, welches das Innenleben eines Lebewesens ausmacht und in die­sem Fall auch auf die unbelebte Materie übertragen (Animismus). Es soll hiermit ebenso das Wesen, die Persönlichkeit, der Charakter, die Trieb­kraft, der Mittelpunkt eines „Dings“ beschrieben werden, wie im Ver­gleich mit dem geistigen Ich. Im Vergleich mit der Seele wird im Gegen­satz zum Vergleich mit dem geistigen Ich vor allem noch einmal die Transzendenz des Konzeptes hervorgehoben und auf eine Art Unsterb­lichkeit desselben verwiesen.

2.4. Krankheit und Heilung

Bei den Cuna ist Krankheit nach Lévi-Strauss immer charakterisiert durch ein Fehlen an ‚purpa’ (ebd.: 206) oder durch die Ablenkung einer ‚purpa’, wodurch ein systemisches Ungleichgewicht entsteht, welches zur Krank­heit führt (ebd.: 208).

Die Aufgabe des Schamanen zur Heilung des Patienten ist es in diesem Zusammenhang, die verirrte ‚purpa’ mit der Unterstützung von Hilfs­geistern zurück zu holen, welche er in langen Gesängen beschwört (ebd. 204, 205).

3. Carlo Severi „Talking About Souls“

3.1. ‚Purpa’ in der Alltagssprache

3.1.1. Die ‚purpa’ - Seelenkonzeption

Severi nimmt Bezug auf dieses von Lévi-Strauss angeführte und in der Wissenschaft weit verbreitete Konzept, gibt allerdings zu bedenken, dass diese Auslegung nicht für alle Kontexte Gültigkeit besitzt (Severi 1993: 166, 167). Bedenkt man, dass auch im Zusammenhang mit Schatten, Echo oder der Hitze des Feuers von ‚purpa’ die Rede ist, so handele es sich da­bei laut Severi (1993: 167) nicht um ein immateriell dupliziertes Abbild im platonischen Sinne, sondern vielmehr um die unsichtbaren Sinnesein­drücke, welche in Zusammenhang mit dem materiellen Körper stehen.

[...]


[1]vgl. Platon: Linien-, Sonnen- und Höhlengleichnis (Politeia 506b-511e & 514a-518b)

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Details

Titel
Die 'purpa'-Konzeption im Weltbild der Cuna in Panama
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für Ethnologie und Afrikanistik)
Veranstaltung
Schamanismus bei südamerikanischen Indianern
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
10
Katalognummer
V92033
ISBN (eBook)
9783638049542
Dateigröße
496 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Weltbild, Cuna, Panama, Schamanismus, Indianern
Arbeit zitieren
Alexandra Schulz (Autor), 2006, Die 'purpa'-Konzeption im Weltbild der Cuna in Panama, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92033

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