Der Shambhala-Mythos im tibetischen Buddhismus und seine Deutung außerhalb des kulturellen Kontextes


Seminararbeit, 2007
16 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Ort Shambhala

3. Das Kalacakra-Tantra

4. Shambhala – ein Mythos?
4.1. Wirklichkeit und Metaphysik
4.2. Deutung und Erklärung von Welt
4.3. Apokalypse und Paradies

5. Interpretationen des Shambhala-Mythos
5.1. Aufzeigen von möglichen Bedeutungsebenen des Mythos
5.2. Lineare Transformation in einen andersartigen kulturellen Kontext

6. Interpretation von Mythen
6.1. Mythos und Logos
6.2. Die Sprache
6.3. Der kulturelle Kontext

7. Fazit

8. Zitierte Quellen

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Mythos des Königreichs Shambhala im tibetischen Buddhismus, betrachtet unterschiedliche Inter-pretationen desselben und geht insbesondere der Frage nach, wie Mythen aus fremden Kulturen außerhalb ihres Kontextes gedeutet werden können und sollten.

Kritische Stimmen wenden sich immer wieder gegen die vom Dalai Lama auch im Westen durchgeführten öffentlichen Initiationen in das Kalacakra-Tantra. Insbesondere gründet sich diese Diskussion auf unterschiedliche Deutungen der darin enthaltenen Mythen, was mich dazu bewegte mich im Zusammenhang mit dem Seminar „Ethnologische Mythenforschung“ mit diesem Thema zu beschäftigen.

Zu dem gewählten Thema stehen umfangreiche Publikationen zur Verfügung, sei es aus dem Bereich der Ethnologie, Religionswissenschaft, der Belletristik oder auch der Esoterik. Hauptsächlich bezieht sich diese Arbeit auf das Werk „Der Weg nach Shambhala“ von Edwin Bernbaum (1982), ein amerikanischer Anthropologe (Ph. D. in Asienkunde der Uni­versität Berkeley, Kalifornien), der sich umfangreich mit dem Thema Shambhala auseinander gesetzt hat und in den Jahren zwischen 1969 und 1976 hierzu im Himalaya Forschung betrieben hat. Zum Vergleich mit Bernbaums Deutung des Mythos ziehe ich das umfangreiche Werke „Der Schatten des Dalai Lama“ (1999) von Victor und Victoria Trimondi heran, welches sich ebenfalls (unter anderem) mit der Deutung und Inter­pretation des Shambhala Mythos beschäftigt. Weitere Anregungen stammen aus dem Buch „Religion und Politik im Tibetischen Buddhis­mus“ (1999) von Michael von Brück, der sich darin unter anderem dem Shambhala-Mythos und dem Kalacakra-Tantra widmet. Des weiteren verwende ich in dieser Arbeit im wesentlichen Sekundärliteratur, da eine vollständige Übersetzung der Kalacakra-Texte in eine westliche Sprache bis jetzt nicht vorliegt.

In einem ersten Schritt werde ich grob in den Mythos von Shambhala einführen und in diesem Zusammenhang auch auf das Kalacakra-Tantra ein­gehen. Diese Ausführungen können selbstverständlich auf Grund des Umfanges der Arbeit jeweils nur auf die groben notwendigen Eckdaten beschränkt bleiben; auch auf die geschichtlichen Hintergründe (z. B. die Identifizierung der Barbaren als Moslems) kann aus selbem Grund hier leider nicht eingegangen werden.

Weiterhin werde ich auf einer allgemeineren Ebene verdeutlichen, warum es sich hier meines Erachtens um einen Mythos handelt und welches die für den Mythos spezifischen, grundlegenden Themen sind.

Im nachfolgenden Teil gebe ich einen kurzen exemplarischen Einblick in die Interpretation des Shambhala Mythos außerhalb des kulturellen Kontextes: zum einen am Beispiel der Interpretation der Autoren Trimondi (1999) und zum anderen an der Interpretation des Autors Bernbaum (1982). Ich werde mich bei beiden Deutungsansätzen ins­besondere auf die im Mythos prophezeite Endzeitschlacht konzentrieren.

Mit der Gegenüberstellung dieser beiden Deutungsansätze folgt abschließend eine Auseinandersetzung mit der grundlegenden Frage nach einer angemessenen Deutung eines Mythos und eine Erläuterung der Problematik einer Übertragung von Mythen in einen kulturell fremden Kontext.

Bei der Umschreibung aus dem Tibetischen und Sanskrit habe ich mich an der mir vorliegenden Literatur orientiert und die Begriffe ohne diakritische Zeichen wiedergegeben.

2. Der Ort Shambhala

In der westlichen Kultur auch bekannt unter dem Namen Shangri-La (geprägt durch den Roman „Lost Horizon“ des Autors James Hilton) handelt es sich bei dem Ort, welcher in buddhistischen Schriften mit dem Namen „Shambhala“ bezeichnet wird, um ein geheimnisvolles verstecktes König­reich, in welchem eine Dynastie von erleuchteten Königen die Original­fassung der von Buddha verkündeten Kalacakra-Lehren bewacht.

Shambhala wird nicht nur im Kalacakra-Tantra erwähnt, sondern auch in anderen Texten, wobei einige dieser Texte (sog. Reiseführer) auch detailliert beschreiben wie man nach Shambhala gelangen kann.

Laut Brück (1999: 155-156) hat das Königreich Shambhala die Form eines Lotus und besitzt 960 Millionen Städte. Es ist umgeben von hohen Schneebergen, es ist äußerst fruchtbar und friedlich. Die Paläste in Shambhala bestehen aus Edelsteinen und Gold und der Wohlstand befindet sich auf einem hohen Niveau. Die Bewohner Shambhalas sind tugendhaft und intelligent und es gibt weder Kriminalität, noch Krankheit oder Leid. Wird man in Shambhala wiedergeboren ist es leicht ins Nirvana zu gelangen.

Bis zur Endzeit wird es insgesamt 32 Könige in Shambhala geben, welche das Königreich jeweils 100 Jahre lang gerecht regieren werden.

In dieser Endzeit, wenn ein Gewaltherrscher die ganze Welt außer Shambhala erobert hat, wird er versuchen auch das verborgene Königreich unter seine Macht zu bringen, aber der zukünftige Herrscher Shambhalas, Rudracakrin, wird mit einer gewaltigen Armee alle Feinde des „dharma“ vernichten und Frieden in die Welt bringen.

Das Königreich selbst ist in den Texten genau beschrieben, wobei aller­dings offen bleibt, ob es sich um einen tatsächlich existierenden Ort handelt (und wo sich dieser genau befindet) oder aber ob Shambhala ein rein fiktiver Ort ist, den nur wenige Meister der Meditation auf einer Art spirituellen Reise erreichen können (Lamrimpa 2002: 2).

Der derzeitige Dalai Lama, Tenzin Gyatso, äußert sich zu dieser Frage folgendermaßen:

„Gleichgültig ob Shambhala ein Ort irgendwo auf diesem Planeten ist, oder nicht, so kann er dennoch nur von denen gesehen werden, deren Geist und karmische Tendenzen rein sind.“ (Cornu 1999: 41)

Die Notwendigkeit spiritueller Kräfte zum Erreichen dieses magischen Ortes wird immer wieder betont; es können nur diejenigen dorthin gelangen, welche dazu berufen sind und die notwendigen geistigen Vor­aussetzungen besitzen (Bernbaum 1982: 12-14).

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Der Shambhala-Mythos im tibetischen Buddhismus und seine Deutung außerhalb des kulturellen Kontextes
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Interfakultärer Studiengang Religionswissenschaft)
Veranstaltung
Ethnologische Mythenforschung
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
16
Katalognummer
V92034
ISBN (eBook)
9783638049559
Dateigröße
518 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Shambhala-Mythos, Buddhismus, Deutung, Kontextes, Ethnologische, Mythenforschung
Arbeit zitieren
Alexandra Schulz (Autor), 2007, Der Shambhala-Mythos im tibetischen Buddhismus und seine Deutung außerhalb des kulturellen Kontextes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92034

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