Rituelle Aspekte des Debütierens. Betrachtung des Übergangsrituals unter dem Aspekt der Kleidung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2020

19 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Historischer Einblick und Begriffsbestimmung des Balls und des Debütierens

3 Definitorische Annäherung Initiationsritual
3.1 Debütieren als Initiationsritual
3.2 Kleidung als Teil des Rituals

4 Wiener Opernball als Erhaltungsrahmen des Debütierens
4.1 Debütieren am Wiener Opernball als Initiationsritual
4.2 Reglementierung Kleiderordnung
4.3 Liminalität bzw. Schwellenphase der DebütantInnen

5 Schlusswort

Quellen- und Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Der Wiener Opernball ist weltweit als Österreichs Traditionsball schlechthin bekannt. Der Wiener Opernball ist ein großes musikalisches Fest am Ende des Faschings, das Hochkultur mit Unterhal­tung verbindet. Der Wiener Opernball schafft Begegnungen zwischen KünstlerInnen, PolitikerIn­nen, Wirtschaftstreibenden und Ballfans - im schönsten Ballsaal der Welt: der Wiener Staatsoper.1

Dieses Zitat stammt vom Pressebüro der Wiener Staatsoper und impliziert im Wesentlichen, was der Opernball darstellen soll. Der Begriff ,Hochkultur‘ verortet das Event in einem ex­klusiven gesellschaftlichen Milieu und signalisiert Außergewöhnliches, der historisch be­dingte Verweis auf den Termin am Ende des Faschings suggeriert Bilder bunten Festtreibens und traditionelle Volkstümlichkeit. Nichtsdestotrotz ist der Opernball ein Begegnungsraum für die ,gehobene‘ Gesellschaft, wie Künstlerinnen, Politikerinnen, sogenannte Wirtschafts­treibende und Ballfans. Was nun genau unter solchen Fans zu verstehen ist, bleibt dem Leser überlassen. Der scheinbare Zweck wird klar genannt, es geht um Unterhaltung. Die Tatsche, dass der Wiener Opernball im Fernsehen in alle Welt live übertragen wird, wirft die Frage auf, wer wirklich unterhalten werden soll, die Teilnehmenden oder eine wie auch immer gear­tete Öffentlichkeit, die anders an der exklusiven Veranstaltung nicht partizipieren könnte? Nicht erwähnt wird an dieser Stelle das Jungdamen- und Jungherrenkommitee2. Dabei bilden diese einen zentralen Teil der Eröffnungszeremonie des Opernballs. Nach der Österreichi­schen Bundeshymne und Beethovens Europahymne ziehen die Debütantinnen und Debütan­ten zur Fächer-Polonaise, op. 525, ein3. Deren Auftritt variiert in der Choreographie von Jahr zu Jahr, dennoch bleibt der Ablauf immer derselbe. Mit hoher Wahrscheinlichkeit sind die jungen Damen und jungen Herren entweder die angesprochenen Ballfans oder aber es besteht ein gesellschaftlicher Erwartungsdruck, ansonsten würden sie sich wohl nicht für die Teil­nahme an einem solchen Event bewerben.

Im Jahr 2020 gab es auf dem Opernball eine Premiere. Zum ersten Mal in der Geschichte er­öffnete ein gleichgeschlechtliches Paar den Opernball. Die zwei deutschen Frauen verursach­ten dadurch ein enormes Interesse der Medien. Die Resonanz dazu war wie zu erwarten sehr gespalten. Traditionelle Opernballbesucher, wie der österreichische Bauunternehmer und ob­sessive Dauerteilnehmer „Mörtel“ Richard Lugner sprachen sich vehement dagegen aus, da ein Tanzpaar aus Mann und Frau bestehen müsse. Für eine derart konservative Veranstaltung gehörte er damit allerdings der Minderheit an und die Direktion der Staatsoper setzte mit ih­rer Entscheidung das Paar zuzulassen ein Zeichen gegen Homophobie und setzte sich sehr öf­fentlichkeitswirksam für die Belange einer gesellschaftlich noch nicht wirklich anerkannten Gruppe ein. Als Beweggründe für ihre Teilnahme nannten die beiden 21- und 22-jährigen Frauen selbst allerdings ihre Tanzbegeisterung, nicht ein zu vermutendes gesellschaftliches Statement.4

Auch wenn sich der Opernball Auer Sicht der Konservativen gesehen damit etwas zu öffnen scheint, liegt das Forschungsinteresse der vorliegenden Arbeit darin, eine Tradition bzw. ein Ritual, das im 21. Jahrhundert etwas antiquiert wirkt, zu untersuchen. Es soll überprüft wer­den, inwiefern das Debütieren und insbesondere das Debütieren auf dem Wiener Opernball ein (Initiations-)Ritual ist und welche Rolle während dieses Prozesses die Kleidung darstellt. Dafür soll als erstes ein historischer Blick auf die Entwicklung des Balls bis hin zum Opern­ball heute geworfen werden und welcher Tradition das Debütieren zugrunde liegt. Im zweiten Teil der Arbeit soll eine definitorische Annäherung an den Forschungsgegenstand gemacht werden. Begriffe wie der des Rituals werden vor allem anhand der Theorien von Arnold van Gennep und Victor Turner genauer eingegrenzt, sowie die Ritualhaftigkeit des Debütierens anhand der Forschung der amerikanische Kulturwissenschaftlerin Karal Ann Marling aufge­zeigt. Die Kleidung von DebütantInnen soll in ihrer Bedeutsamkeit untersucht werden, um Rückschlüsse auf den Zusammenhang mit dem Ritual ziehen zu können. Als Exemplifizie- rung werden aktuelle Vorgaben, Regelungen und Richtlinien für die DebütantInnen herange­zogen. Um zusätzlich einen tieferen Einblick in die Schwellenphase des Rituals zu erhalten, werden einige Beiträge der Bloggerin HappyFace untersucht, die vor allem die Jungdamen während der Vorbereitungen auf ihren Auftritt begleitet hat. In der Forschungsliteratur findet sich erstaunlich wenig über das Debütieren an sich. Abgesehen von der bereits benannten Marling, die jedoch das Debütieren in den USA erforscht hat, gibt es nur knappe Ausführun­gen im Zusammenhang zu höfischer Kultur. Die folgende Arbeit möchte also hiermit einen kleinen Beitrag zur europäischen bzw. österreichischen ,Debütierforschung‘ leisten.

2 Historischer Einblick und Begriffsbestimmung des Balls und des Debütierens

Um die Bedeutsamkeit des Debütierens erläutern zu können, muss zunächst ein Rückblick in die Geschichte der Festkultur zu den Anfängen des Balles unternommen werden. Monika Finks 1996 veröffentlichte Studie ,Der Ball: eine Kulturgeschichte des Gesellschaftstanzes im 18. und 19. Jahrhundert‘ bildet dafür die Grundlage. Der Begriff des Balls taucht im deutschspra­chigen Raum nicht vor Beginn des 17. Jahrhunderts auf. Fink verweist an dieser Stelle auf ein Defizit zur Abgrenzung zu allen anderen Tanzveranstaltungen.5 Im allgemeinen Sprachge­brauch lässt der Ball an eine exklusive Gesellschaft denken, klassische Musik, Tanz, extrava­gante Kleider mit breitem Rock und einem großen Anteil an Liebe, Kabale und Romantik. Im Grunde genommen deckt sich diese Vorstellung häufig mit den klassischen Disney-Prinzessin- nen-Geschichten a la Cinderella. Allerdings stellt ein Ball eine weitaus komplizierte Veranstal­tung dar, geprägt durch ein Konglomerat an streng Sterns vorgeschriebenen Verhaltens- und Kleidungsvorschriften. Kriterien zur Abgrenzung sind zum einen der Vorbehalt gehobener Ge­sellschaftsschichten, eine Ballordnung, eine Tanzordnung und eigens dafür ernannte Zeremo­nienmeister und Tanzmeister, die für deren Einhaltung sorgen sollen. Musik und Musiker müs­sen einen bestimmten Qualitätsanspruch4 erfüllen. Die Inszenierung setzt außerdem angemes­sene (und somit teure) Kleidung voraus.6 Zusätzlich ist eine entsprechende Lokalität erforder­lich.

Im Mittelpunkt des Balles standen stets gesellschaftliche Strukturen als Spiegelbild der jewei­ligen sozialen und politischen Ordnung. Auch die Art der Tänze ermöglicht Rückschlüsse hie- rauf.7 Für Herrscher stellten Bälle eine ideale Grundlage dar, um zu repräsentieren und Einfluss, Geschmack und Macht zu demonstrieren.8 Durch Kirche und Behörden waren die dem Herr­scher vorbehaltenen Bälle bis ins 19. Jahrhundert daher regional verboten oder streng kontrol­liert, etwa durch vorgegebene Tage zum Beginn und Ende der Veranstaltung.9 Besonders beliebt waren in dieser Zeit die Redouten, also Maskenbälle, da durch die gewisse oder auch nur scheinbare Anonymität unter Außerachtlassung der üblichen hierarchischen Etikette aus­gelassen gefeiert werden konnte. Nachdem das Verbot jener Redouten gelockert wurde, durften sie nur noch in eigens dafür bestimmten Redoutensälen abgehalten werden.10

Um vor allem Ballbesucherinnen eine möglichst positive Erinnerung an den Ball zu verschaf­fen, entwickelten sich die Ball- oder Damenspenden. Zunächst waren dies meist kunstvoll ge­staltete Tanzkarten oder -büchlein, später auch beispielsweise Fächer, die einen Abdruck der Ballordnung enthielten. Besonders in Österreich waren diese Geschenke begehrte Souveniers, die vom Ball-Komitée oder auch privaten Gastgebern gesponsert wurden, oft recht außerge­wöhnlich gestaltet und stellten damit zusätzlich einen Bezug zum Veranstalter her.11

Für die Wiener Hofbälle zur ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts trugen Frauen Kleider mit Schleppe und Silber und Gold bestickt. Die Männer mussten Uniform und Orden tragen.12 Erst 1921 nach dem Untergang des Österreichischen Kaiserreiches 1918 fand die erste Opernredoute in Wien statt. Orientiert an den Pariser Opernbällen wurde im Januar 1935 der erste Wiener Opernball unter diesem Namen veranstaltet. Zu Zeiten des Nationalsozialismus und des zweiten Weltkrieges pausierte die Veranstaltung bis einige Jahre nach dem Wiederaufbau. Letztlich wurde im Jahr 1956 die selbsternannte und doch reichlich kurze Tradition fortgeführt.13

Erstmals beschrieben wurde das Debütieren durch den griechischen Autor Herodot in der An­tike: Heiratsfähige Mädchen bzw. Frauen wurden an die Höchstbietenden versteigert, unter der Bedingung einer nachfolgenden Heirat. Als Teil höfischer Kultur wurden im England des 19. Jahrhunderts adlige heiratsfähige Mädchen wiederum zur Begutachtung zwecks späterer Ver­heiratung am Hof eingeführt und präsentiert und in Möglichkeit zur diesbezüglichen Kontakt­aufnahme zu schaffen.14 Solche Initiationsrituale blieben im Kern bis heute erhalten.

3 Definitorische Annäherung Initiationsritual

Im Folgenden soll in Abgrenzung zum Begriff „Ritus“, „Brauch“ oder „Zeremonie“ der Begriff Ritual im Hinblick auf den Forschungsgegenstand beschrieben werden. Wenn nachfolgend die Rede von Riten und Ritus ist, dann weil es durch Arnold von Gennep in seiner sozialwissen­schaftlichen Auseinandersetzung zu Beginn des 20. Jahrhunderts so bezeichnet wurde. Seine Ausführungen zu Übergangsritualen wurden durch Victor Turner weiter entwickelt und ein weiteres Grundlagenwerk zur Ritualtheorie erschien.

Bereits der Versuch, den Begriff des Rituals definitorisch einzuschränken, stellt eine Heraus­forderung dar, denn sowohl Sozial- als auch Kulturwissenschaftler versuchen einen allgemein gültigen Forschungsgegenstand zu definieren. Dabei gibt es einige Überschneidungen, jedoch ist das Ritual stark kulturell, historisch, und regional gebunden, so dass in der Grundannahme einer solchen Diversität kaum eine einheitliche Begrifflichkeit entstehen kann. Gerade diese Vielfalt und die starke Verankerung im jeweiligen Kontext macht den Ritualbegriff interessant. Es muss stets ein Abgleich mit den äußeren Begebenheiten durchgeführt werden. Das Ritual um fasst unumstritten einen besonderen Handlungsmodus und bezieht sich auf menschliches Verhalten. Hervorzuheben ist dabei das Besondere, da sich ansonsten Überschneidungen mit routinierten Alltagshandlungen oder Ritualisierungen ergeben. Das Besondere wird durch kul­turelle Ordnungszeichen gekennzeichnet, was mit einem aktiven kollektiven Anerkennungspo­tenzial einhergeht. Solche bewussten Handlungen sind zumeist stark ausgestaltet bis insze­niert.15

Übergangsriten erfolgen demnach, theoretisch zumindest, in drei Schritten: Trennungsriten kennzeichnen die Ablösungsphase, Schwellen- bzw. Umwandlungsriten die Zwischenphase (die Schwellen- bzw. Umwandlungsphase) und Angliederungsriten die Integrationsphase. Wichtig ist, dass die drei Phasen keinesfalls immer gleich stark ausgeprägt sein müssen.16

Gennep klassifiziert und kategorisiert Übergangsriten in: Schwangerschaft und Niederkunft, Geburt und Kindheit, Initiationsriten, Verlobung und Heirat, Bestattung und andere Arten von Übergangsriten.

Für die vorliegende Arbeit sollen die Initiationsriten am Beispiel des Debütierens untersucht werden, da sie eine besondere Aufgabe erfüllen, und zwar den Übergang vom jugendlichen zum erwachsenen Menschen. Gleich zu Beginn stellt Gennep jedoch heraus, dass die physiolo­gische und die soziale Pubertät auf keinen Fall gleichzusetzen sind, auch wenn sich Überschnei­dungen ergeben können. Statt findet ein solcher Übergang meistens im Rahmen einer Initiati­onszeremonie. Vorliegend ist meist auch ein sexueller Charakter, da Mädchen (wie auch ur­sprünglich beim Debütieren) in die Gesellschaft als heiratsfähig und geschlechtsreif, eingeführt werden.17 Turner widmet den Fokus vor allem dem Schwellenzustand und bezeichnet dies als Liminalität bzw. Anti-Struktur. Weiter prägt er den Begriff der Communitas, was die Gemein­schaft meint, die keine starke gesellschaftliche Struktur vorgibt, sondern vergleichbar mit einem dynamischen Kollektiv ist. Zu erkennen ist die Communitas besonders gut während der Schwellenphase, da in dieser Situation alle einer rituellen Autorität untergeordnet sind.18 Un­terschieden wird zwischen drei verschiedenen Phänomenen der Liminalität, erstens die gesell­schaftsübergreifende Notwendigkeit, welche vor allem Hierarchien festlegt. Zweitens gibt es die Anti-Struktur, sie ist eine Form von dauerhaftem Schwellenzustand ohne darauffolgende Wiedereingliederung. Als letztes führt Turner die jugendlichen Subkulturen auf, welchen er eine Vergemeinschaftung als religiöse Sinnsuche zuschreibt. Zuletzt gilt die Liminalität noch von den liminoiden Phänomenen abzugrenzen. Im Gegensatz zur Liminalität finden liminoide Zustände eher am Rande der Gesellschaft statt, können untereinander konkurrieren und bilden keine Funktion für die Sozialstruktur.19

3.1 Debütieren als Initiationsritual

Wenn vom Debütieren gesprochen wird, meint das so viel wie ,erstmals öffentlich auftreten‘. Etymologisch betrachtet stammt der Begriff vom Französischen ,débuter‘, was eben jenes be­deutet und tritt erstmals im 18. Jahrhundert auf. Vom Debütant oder Debütantin als erstmals Auftretenden wird dann etwa ab der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gesprochen.20

In der europäischen Literatur gibt es wenig Aufschlussreiches, was das Debütieren angeht. Zu­meist beschränken sich Beschreibungen auf Traditionen der höfischen Kultur, allerdings auch dort eher spärlich. Abgesehen vom Wiener Opernball gibt es heute lediglich noch Debütanten auf dem Semperopernball in Dresden. Beliebter und deutlich angesehener ist es in den Verei­nigten Staaten Debütantin zu sein. Die amerikanische Kulturwissenschaftlerin Karal Ann Mar- ling hat mit ihrer Veröffentlichung Debutante. Rites andRegalia of American Debdom ein we­nig beachtetes Phänomen untersucht. Wenn auch die amerikanische Kultur nicht gänzlich mit der europäischen vergleichbar ist, sollen Marlings Überlegungen und Erkenntnisse kritisch be­trachtet als theoretische Grundlage des Debütierens herangezogen werden.

In other times and places, adulthood was signified by scarification or performance of a difficult task.

The American debutante may well be scared by her experience and the whole ritual fraught with difficulty, but the real similarities come in the oddity oft the event, its distinctive aesthetic, its diffe- rence from everyday life. Dresses and flowers and tiaras are all about identifying a new, adult-mem- ber of a community (...).21

Das Debütieren ist demnach ein Relikt vergangene Zeiten und höfischer Traditionen, welches den Zweck hat, den Übergang in die Gemeinschaft als erwachsenes Mitglied zu markieren. Im späteren 20. und 21. Jahrhundert sind solche Rituale nicht unbedingt notwendig, da in den meis­ten Kulturen dieser Veränderung automatisch mit dem Erreichen eines bestimmten Alters ge­schieht. Marling sieht deshalb das (amerikanische) Debütieren als vergleichbar zu diesen alten Ritualen, da sie sich vom Alltag stark unterscheiden und ein äußerst besonderes Ereignis dar­stellen, bei dem die Ästhetik eine enorme Rolle spielt.

Es handelt sich beim Debütieren also zunächst um ein Ritual, da es kulturell, historisch und regional gebunden ist. Es hebt sich komplett aus dem Alltag der DebütantInnen heraus und ist außerdem eine bewusste Inszenierung.22 Auch die drei Phasen Ablösungs-, Schwellen-, und Integrationsphase lassen sich gut erkennen. Die bewusst anstehende Teilnahme eines Balls als Debütantin markiert den Eintritt der Ablösungsphase, die nachfolgende Schwellenphase be­ginnt mit den konkreten Vorbereitungen, wie das Aussuchen eines Kleides und zieht sich bis zum Ende der Veranstaltung. Innerhalb dieser Phase bildet sich auch die Communitas heraus und steht in diesem Fall für alle Debütantinnen und Debütanten. Mit dem Ende des Balls be­ginnt die Angliederungsphase und nach Ablegen der Kleidung sie kehren als ,neues‘ Indivi­duum der Gesellschaft zurück in den Alltag. Somit liegt eine Form von gesellschaftsübergrei­fender Notwendigkeit vor. Im Zuge dieser Arbeit wird der Fokus vor allem auf die Liminalität, also die Schwellenphase, gerichtet sein, da dieser Abschnitt des Initiationsrituals im Hinblick auf den Aspekt der Kleidung am geeignetsten zu untersuchen ist.

3.2 Kleidung als Teil des Rituals

Zunächst soll erläutert werden, warum Kleidung eine so bedeutende Rolle für das Ritual spielt. Auffallend ist jedenfalls, dass oft bestimmte Kleidung zu bestimmten Ritualen getragen wird. Bekanntestes Beispiel dafür ist unter anderem das Brautkleid, ein Taufkleid oder Trauerklei­dung. Dabei wird bereits deutlich, dass alle diese Kleidungsstücke zu einem Anlass getragen werden, der mit einem Übergang zu tun hat, wie zuvor benannt. Es gibt allerdings weitaus mehr, unter Umständen weniger gängige Situationen, die einen ritualisierten Dresscode erfordern, auch wenn sie eventuell nur einen Teilbereich der Gesellschaft betreffen.

[...]


1 Wiener Staatsoper Pressebüro (Hg.): Der Wiener Opernball. <https://www2.wiener-staatsoper.at/fileadmin/Presse/Opernball_2020/WienerOpernball_2020_de.pdf> (28.04.2020), S. 1.

2 So werden die DebütantInnen in Wien oft bezeichnet, da sie kein Debüt mehr im klassischen Sinn geben.

3 Vgl. Wiener Staatsoper (Hg.):Opernball Programmheft 28. Februar 2019. < https://issuu.com/wienerstaatsoper/docs/opernballprogramm_2019_issuu-ilovep> (29.04.2020), S. 34.

4 Vgl. Preker, Alexander: Als gleichgeschlechtliches Paar beim Wiener Opernball (03.02.2020), <https://www.spiegel.de/panorama/wiener-opernball-als-gleichgeschlechtliches-paar-irgendwer-muss-erster- sein-a-d858aa17-04a5-47da-bbd7-648cd82c2cf1> (03.05.2020).

5 Vgl. Fink, 14-15.

6 Vgl. Fink, S. 19.

7 Vgl. Fink, S. 11-12.

8 Vgl. Fink, S. 18-19.

9 Vgl. Fink, S. 41.

10 Vgl. Fink, S. 43-44.

11 Vgl. Fink, S. 55-57.

12 Vgl. Fink, S. 61.

13 Vgl. Wiener Staatsoper: Geschichte des Wiener Opernballs. < https://www.wiener-staatsoper.at/opernball/geschichte/> (20.03.2020).

14 Vgl. Marling, S. 17.

15 Vgl. Brosius, S. 13-14.

16 Vgl. Gennep, S. 21.

17 Vgl. Gennep, S. 71-72.

18 Vgl. Herlyn, S. 26.

19 Vgl. Herlyn, S. 28-29.

20 o. A.: „debütieren“. In: Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache. <https://www.dwds.de/wb/deb%C3%BCtieren> (29.03.2020).

21 Marling, S. 198.

22 Vgl. Brosius, S. 13-14.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Rituelle Aspekte des Debütierens. Betrachtung des Übergangsrituals unter dem Aspekt der Kleidung
Hochschule
Universität Augsburg
Autor
Jahr
2020
Seiten
19
Katalognummer
V920340
ISBN (eBook)
9783346241702
ISBN (Buch)
9783346241719
Sprache
Deutsch
Schlagworte
rituelle, aspekte, debütierens, betrachtung, übergangsrituals, aspekt, kleidung
Arbeit zitieren
Pauline Breitwieser (Autor), 2020, Rituelle Aspekte des Debütierens. Betrachtung des Übergangsrituals unter dem Aspekt der Kleidung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/920340

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