Der Brand Roms - Das Problem der Schuldigen und die Folgen


Hausarbeit, 2004

20 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

Einleitung

1. Der Brand
1.1 Verlauf
1.2 Zerstörungen

2. Das Problem der Schuldigen
2.1 Brandstiftung
durch Nero
durch die Christen
2.2 Zufall

3. Die Folgen
3.1 Die Christenverfolgung
3.2 Der Wiederaufbau Roms

4. Fazit

5. Quellenverzeichnis/Literaturverzeichnis

Einleitung

Unter den zahlreichen Bränden, die sich im antiken Rom ereigneten, war – neben dem Gallischen Brand des Jahres 390 v.Chr. - der Brand Roms unter Nero im Jahre 64 n.Chr. der verheerendste und historisch interessanteste Brand. Obwohl die Primärquellen von Tacitus, Sueton und Cassius Dio keine eindeutige Schilderung bieten, ist man spätestens seit dem Film „Quo vadis“ und dem Erscheinen des Brennprogramms „Nero – Burning Rom“, dazu geneigt, Nero die Schuld am Brand Roms anzulasten. Aber nicht nur das Bild Neros als Brandstifter, sondern auch das Bild Neros als Christenverfolger hat sich in diesem Zusammenhang eingeprägt. Was den Primärquellen aber diesbezüglich tatsächlich entnommen und wie dies ausgelegt werden kann, möchte ich in dieser Arbeit verdeutlichen. Ziel dieser Arbeit ist es folglich, einen umfassenden Überblick über den Brand Roms – vom Verlauf bis hin zum Wiederaufbau Roms – zu vermitteln und gleichzeitig die Aspekte, die für die Brandursache und die Christenverfolgung von Bedeutung sind, zu analysieren, um herauszufinden was am wahrscheinlichsten den geschichtlichen Tatsachen entspricht.

1. Der Brand

1.1 Verlauf

Der Brand brach in der Nacht vom 18. auf den 19. Juli 64 n.Chr.[1] bei den Händlerbuden am Circus Maximus aus und verbreitete sich von dort, begünstigt durch starken Wind, über den Großteil der Stadtbezirke.[2]

Im Rahmen der Primärquellen von Tacitus, Sueton und Cassius Dio liefert Tacitus die detaillierteste Beschreibung der Brandkatastrophe. Gemäß seiner Darstellung ermöglichten die dicht an dicht stehenden Holzhäuser in den engen Straßen, dass sich das Feuer rasend schnell ausweiten konnte, wodurch die Maßnahmen das Feuer zu stoppen zunächst völlig aussichtslos waren. Zudem brach Panik in der Stadt aus und Tacitus berichtet von Menschen, die durch Drohungen die Löscharbeiten verhinderten und selbst Feuerbrände warfen.[3] Mithin konnte der Brand erst nach sechs Tagen am Fuße des Esquilin gestoppt werden, indem Gebäude niedergerissen wurden, damit das Feuer keine Nahrung mehr finden konnte. Allerdings entfachte erneut ein Brand bei den aemilianischen Grundstücken des Tigellinus[4], welcher erst nach weiteren drei Tagen erlosch.[5] Tacitus beschreibt ausführlich, dass Nero, der sich bei Ausbruch des Brandes in Antium aufhielt und erst in die Stadt eilte, als sich die Flammen seinem Palast näherten, enorme Hilfsmaßnahmen zur Unterstützung der Bevölkerung unternahm. Er gab sowohl das Marsfeld, die Bauwerke der Agrippa als auch seine eigene Parkanlage frei und ließ dort Behelfsbauten für die obdachlosen Einwohner Roms errichten. Darüber hinaus wurden Lebensmittel aus Ostia und nahe gelegenen Städten besorgt und der Preis für Getreide künstlich herabgesetzt.[6]

Im Gegensatz zu Tacitus fällt die Schilderung des Brandverlaufs bei Sueton wesentlich knapper aus – er schreibt nichts über die Situation in Rom während des Brandes und auch vom Ausbruch eines zweiten Brandes wird nichts erwähnt. Besonders fällt allerdings auf, dass die von Tacitus erwähnten Hilfsmaßnahmen Neros keinerlei Niederschlag bei Sueton finden, sondern konträr dazu beschrieben wird, dass Nero versuchte „aus diesem Unglück möglichst viel Kapital zu schlagen“[7] und unter Zwang Hilfsgelder eintrieb, wodurch sowohl Provinzen als auch Privatleute nahezu finanziell ruiniert wurden.[8]

Diese Darstellung greift auch Cassius Dio auf. Zwar schildert er die Situation während des Brandes ähnlich wie Tacitus, allerdings nennt auch Cassius Dio keine Rettungsmaßnahmen und unterstellt Nero das gewaltsame Eintreiben von Geldspenden und sogar die Streichung der Getreidespenden.[9]

1.2 Zerstörungen

Laut Tacitus blieben von den 14 Regionen Roms nur vier (I, V, VI, XIV) von den Flammen verschont, drei (III, X, XI) wurden völlig und die übrigen sieben bis auf wenige halbverbrannte Häuser zerstört. Neben zahlreichen Verlusten von menschlichem Leben und Wohnhäusern, wurden vor allem auch Paläste und Tempel sowie Denkmäler und Meisterwerke griechischer Kunst vernichtet.[10]

Cassius Dio schreibt, dass der ganze Mons Palatinus, das Theater des Taurus und zudem etwa zwei Drittel der Stadt dem Brand zum Opfer fielen.[11]

2. Das Problem der Schuldigen

Wie es zu dem Brand kam, ist bis heute ein viel diskutiertes Thema, da die Quellen keine eindeutige Antwort auf diese Fragestellung liefern und teilweise widersprüchlich sind.

Sichtweise von Tacitus

Tacitus benennt in seinen Schilderungen grundsätzlich keine konkrete Brandursache, sondern bietet eher eine objektive Darstellung. So schreibt er zur Einleitung des Brandereignisses:

„Es folgte ein Unglück, ob durch Zufall oder auf tückische Anstiftung des Princeps, ist ungewiss – denn beides haben die Geschichtsschreiber überliefert -,…“

„Sequitur clades, forte an dolo principis incertum – nam utrumque auctores prodidere -,…“ (Tac. Ann. XV 38,1)

Gleich zu Beginn nennt Tacitus die beiden wesentlichen Möglichkeiten, wie es zum Ausbruch des Feuers gekommen sein könnte: entweder durch Zufall oder Nero selbst gab den Befehl zur Brandstiftung. Auch im weiteren Verlauf beschreibt er Vorfälle, die Aufschluss über die eventuelle Brandursache bieten. Allerdings legt er diese stets zweideutig aus, so dass sie sowohl die Möglichkeit des Zufalls als auch der Brandstiftung belegen. Dementsprechend erwähnt Tacitus, dass Einige das Löschen verhinderten und sogar Feuerbrände warfen, wobei er als Ursache hierfür einerseits hemmungslose Plünderungen andererseits aber auch befehlsmäßiges Handeln nennt.[12] Die Alternative der Brandstiftung unterstützend schreibt Tacitus schließlich, dass sich das Gerücht verbreitete, Nero habe, während die Stadt brannte, von seiner Hausbühne aus den Untergang Trojas besungen.[13] Aber auch an dieser Stelle bezieht er keine eindeutige Position, da er diese Passage nicht als Tatsache schildert, sondern vielmehr als ein „Gerücht“[14] tituliert. Hinzu kommt, dass unmittelbar vorausgehend ausführlich die Hilfsmaßnahmen Neros erläutert werden, wodurch Tacitus wiederum eine Art positives Gegengewicht schafft.[15]

Abschließend berichtet Tacitus, dass nach dem Ausbruch des zweiten Brandes das „Gerede“ entstand, Nero habe Rom wegen baulicher Maßnahmen in Brand stecken lassen.[16] Durch die Verwendung des Wortes „Gerede“[17] gelingt es Tacitus erneut die Schuldfrage offen zu lassen.

Sichtweise von Sueton

Ganz anders als bei Tacitus ist für Sueton der Schuldige für den Brand eindeutig Nero.

„Aber selbst das Volk und die Häuser seiner Vaterstadt Rom verschonte er nicht.… Denn er behauptete, der Anblick der hässlichen alten Häuser und der engen, gewundenen Gassen beleidige sein Auge, und ließ daraufhin die Stadt in Brand stecken.“

„Sed nec populo aut moenibus patriae pepercit. ... nam quasi offensus deformitate ueterum aedificiorum et angustiis flexurisque uicorum, incendit urbem tam palam,...” (Suet. Nero 38,1)

Während Tacitus mögliche Ursachen anführt, lässt Sueton keinen Raum für Zweifel: Nero ließ Rom in Brand stecken, weil sein ästhetisches Empfinden durch den Anblick der Stadt Rom verletzt wurde. Auch die genaue Durchführung der Brandstiftung beschreibt Sueton präzise und feststehend.

[...]


[1] Vgl. Cancik, H. – Schneider, H. (Hrsg.), Nero, DNP, Bd. 8 (2000), S. 850-854

[2] Vgl. Tac. Ann. XV 38,2

[3] Vgl. Tac. Ann. XV 38

[4] Gaius Ophonius Tigellinus, seit 62 v. Chr. Prätorianerpräfekt

[5] Vgl. Tac. Ann. XV 40

[6] Vgl. Tac. Ann. XV 39

[7] „ac ne non hinc quoque quantum posset praedae et manubiarum inuaderet,…”

[8] Vgl. Suet. Nero 38,3

[9] Vgl. Cass. Dio LXII 18,5

[10] Vgl. Tac. Ann. XV 41,1

[11] Vgl. Cass. Dio LXII 18,2

[12] Vgl. Tac. Ann. XV 38,7

[13] Vgl. Tac. Ann. XV 39,3

[14] „rumor“

[15] Vgl. Tac. Ann. XV 39,2

[16] Vgl. Tac. Ann. XV 40,2

[17] „infamia“

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Der Brand Roms - Das Problem der Schuldigen und die Folgen
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Alte Geschichte)
Veranstaltung
Proseminar
Note
1,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
20
Katalognummer
V92038
ISBN (eBook)
9783638054461
ISBN (Buch)
9783638947282
Dateigröße
442 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Brand, Roms, Problem, Schuldigen, Folgen, Proseminar
Arbeit zitieren
Stephanie Dahmen (Autor), 2004, Der Brand Roms - Das Problem der Schuldigen und die Folgen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92038

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