The Winner’s Curse bei Auktionen: Gewonnen und doch verloren

Herkunft und die Ursachen des Winner’s Curse


Seminararbeit, 2008

21 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Theorie
2.1 Untersuchungen zum Winner’s Curse
2.1 Rechenbeispiel Ölfeldauktionen
2.2 Weitere Bereiche des Fluches
2.3 Der Winner’s Curse aktuell
2.4 Strategien gegen den Winner’s Curse
2.5 Die Nutznießer

3 Fallbeispiel – Versteigerung der UMTS-Lizenzen
3.1 Das Auktionsdesign
3.2 Der Ablauf der Versteigerung
3.3 Die Folgen
3.4 Ursachen der Fehleinschätzung

4 Fazit & Ausblick

Literaturverzeichnis III

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Pro-Kopf-Ergebnisse der Lizenzvergabe

Abbildung 2: UMTS-Teilnehmer im Dezember 2005

Abbildung 3: Aktienchart der Deutschen Telekom

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Auktionen haben sich in den letzten Jahren für viele Menschen zu einer alltäglichen Gewohnheit entwickelt, preiswert und einfach Waren aller Art zu ersteigern. Ob diese Behauptung tatsächlich wahr ist, soll die hier vorliegende Arbeit beantworten.

Der Winner‘s Curse oder auch der „Fluch des Siegers“ beschreibt in diesem Zusammenhang ein Phänomen, das jede Person, die am Wirtschaftsleben teilnimmt, ereilen kann. Es ist dabei unerheblich, ob sie nun jung oder alt, Experte oder Laie ist. Der Fluch entsteht am häufigsten in Verbindung mit Auktionen und besagt im Wesentlichen, dass derjenige, der eine Auktion gewinnt, der eigentliche Verlierer ist, weil er meist zu viel für den von ihm ersteigerten Gegenstand gezahlt hat.[1] Die Untersuchungen zum Fluch selbst sind Teil der so genannten Verhaltensökonomik und werden im Spezialfeld verhaltensorientierte Finanzierungslehre (behavioral finance) eingeordnet, welche sich mit irrationalem Verhalten auf Finanz- und Kapitalmärkten beschäftigt.[2]

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die Herkunft und die Ursachen für den Winner’s Curse zu beschreiben, bekannte Fälle aus der Vergangenheit bis zur Gegenwart vorzustellen, mögliche Strategien gegen diesen Fluch und auch mögliche Nutznießer vorzustellen.

Die Arbeit teilt sich dabei im Wesentlichen in zwei Abschnitte auf.

Im ersten Teil wird zunächst die Theorie des Winner‘s Curse vorgestellt. Er beinhaltet einige beachtenswerte Untersuchungen zum Thema, Fallbeispiele, Ansätze wie der Selbstschutz aussehen kann und wer die Nutznießer des Fluches sind. Im zweiten Teil soll der Winner’s Curse anhand der Praxis ausführlich vorgestellt werden. Am Beispiel der Versteigerung von Mobilfunklizenzen wird gezeigt, wie Fehleinschätzungen der besten und erfahrensten Manager jahrelange wirtschaftliche Schäden nach sich ziehen können.

2 Die Theorie

Am häufigsten wird der Fluch im Zusammenhang mit common-value -Auktionen beobachtet. Das bedeutet, dass das zu versteigernde Gut einen objektiven Marktwert hat, den common-value . Der Marktwert ist zum Zeitpunkt der Auktion jedoch unbekannt und die Bieter verfügen lediglich über eine subjektive Schätzung des Wertes. Jeder Bieter legt also für sich selbst fest, was ihm das Gut wert ist. Er berücksichtigt lediglich seine eigenen Werte und Erfahrungen. Unerfahrene Teilnehmer blenden äußere Einflüsse und Informationen meist aus[3].

2.1 Untersuchungen zum Winner’s Curse

Zum Ende des vergangenen Jahrhunderts gab es einige Wissenschaftler, die sich intensiv mit dem Geschehen des Winner’s Curse beschäftigten. Die Bedeutendsten unter Ihnen sollen im Folgenden erwähnt werden.

1983 demonstrierten die Ökonomen Max H. Bazerman und Paul A. Samuelson erstmals mittels eines sehr einfachen Versuchs den „Fluch des Siegers“, wie der Winner’s Curse im Deutschen genannt wird.

Hierbei wurde ein Gefäß mit Münzen gefüllt und dem Publikum präsentiert. Sie ließen jeden Teilnehmer sein Gebot für das Gefäß auf einen Zettel schreiben. Nach der Auswertung verkauften sie es an den Meistbietenden. Der gezahlte Preis lag meist über dem Wert aller Münzen in dem Gefäß. Es erhielt also derjenige den Zuschlag, der den Wert des Gefäßes am meisten überschätzte und musste letztendlich den Preis für das Gefäß und seine Fehleinschätzung zahlen. Bei 26 der 48 durchgeführten Auktionen wurde das Gefäß über dem tatsächlichen Wert versteigert[4].

1992 wiederholte der US-amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Richard H. Thaler dieses Experiment mit Studenten und kam zum gleichen Ergebnis. Später haben auch andere Ökonomen dieses Experiment immer wieder durchgeführt. Das Ergebnis dieser Auktionen entsprach jedes Mal dem des Ursprungexperimentes.

Darüber hinaus zeigte Thaler auf, dass nicht grundsätzlich alle Bieter vom Fluch betroffen sind. Die Gebote treffen im Durchschnitt zwar recht genau den tatsächlichen Wert des Gefäßes. Einzig Sieger überschätzt den Wert zum Teil erheblich. In einigen Fällen war das Auktionsgebot, das den Zuschlag erhielt, viermal so hoch wie das zweithöchste Gebot. Dabei stellte Thaler auch fest, dass der Meistbietende umso optimistischer bot, je mehr Bieter teilnahmen[5].

Patrick Bajari und Ali Hortacsu untersuchten 2003 anhand von realen Daten aus Münzversteigerungen die Existenz des Winner’s Curse .

Bei der Analyse des Gebotsverhaltens definierten Bajari und Hortacsu die sogenannte Winner´s Curse correction , welche die prozentuale Veränderung aller Gebote aufgrund eines zusätzlichen Bieters beschreibt.

Aus den untersuchten Daten mehrerer Auktionen ermittelten sie, dass die durchschnittlichen Gebote mit jedem zusätzlichen Bieter um 1,50 USD fallen und der Winner’s Curse somit jeweils um 3,2 Prozent gesenkt wird.[6]

Stößt ein weiterer Bieter zu der Auktion hinzu, so reagieren die anderen Bieter darauf und korrigieren ihre Gebote nach unten, um den Winner´s Curse zu vermeiden. Die Korrelation zwischen Winner´s Curse und der Anzahl der Bieter ist dementsprechend negativ.

2.1 Rechenbeispiel Ölfeldauktionen

Der Ölhandel funktioniert wie eine Auktion. Viele Ölfirmen bieten um die sogenannten Explorationsrechte, also das Recht, Öl aus Ölfeldern fördern zu dürfen. Hierbei lässt jede Firma zunächst von Gutachtern schätzen, wie hoch der Wert dieser Rechte ist und bietet entsprechend diesen Schätzungen.

Wird davon ausgegangen, dass die durchschnittlichen Schätzungen im Bereich des wahren Wertes liegen, so werden einige Gebote unter dem wahren Wert der Rechte liegen, andere Gebote darüber.

Die Existenz des Fluches wurde in diesem Zusammenhang erstmals in den 1950er Jahren im Ölgeschäft beobachtet. Drei Mitarbeiter der US-amerikanischen Ölfirma ARCO Edward Capen, Robert Clapp und William Campbell belegten dieses Phänomen 1971 erstmals an folgendem Rechenbeispiel.

Eine Firma möchte ein Ölfeld kaufen. Das Feld hat einen Wert von null bis maximal 100 EUR. Da das Unternehmen nichts über den tatsächlichen Wert des Feldes weiß, muss es annehmen, dass jeder Wert zwischen null und 100 EUR gleich wahrscheinlich ist und der Wertzuwachs des Ölfeldes unter dem neuen Management 50 Prozent beträgt.

Wenn alle Werte zwischen null und 100 EUR die gleiche Wahrscheinlichkeit haben, so ist der zu erwartende Wert des Feldes genau 50 EUR. Zuzüglich des erwarteten Wertzuwachses unter dem künftigen Management, sollte das bietende Unternehmen daher einen Preis zwischen 50 und maximal 75 EUR bieten.

Das bietende Unternehmen muss zudem das Verhalten des Verkäufers berücksichtigen. Da dieser den Wert des Ölfeldes kennt, wird er nur Gebote akzeptieren, die über dessen Wert liegen. Sobald er ein Gebot akzeptiert, weiß der Käufer, dass der Wert des Ölfeldes unter dem angebotenen Preis liegen muss. Ist der Eigentümer beispielsweise bereit, für 75 EUR zu verkaufen, so zeigt er damit, dass das Feld weniger als 75 EUR wert ist. Eine Information von entscheidender Bedeutung.

Damit liegt bei unveränderten Wahrscheinlichkeiten der erwartete Wert des Feldes nur noch bei 37,5 EUR, also das arithmetische Mittel zwischen null und 75 EUR. Selbst unter Berücksichtigung des 50-Prozent-Aufschlags ist das Feld damit lediglich 56,25 EUR wert. Also weniger als die gebotenen 75 EUR. Genau diese Differenz stellt den Winner’s Curse dar. Er zeigt einerseits, was der Sieger maximal zu viel zahlt, andererseits, was der Verkäufer im Idealfall über den Wert des Ölfeldes hinaus verdienen kann[7].

[...]


[1] Vgl. Kräkel, Matthias; 1992

[2] Vgl. Wikipedia.de; 2008

[3] Vgl. Oetzel, Sebastian; 2007

[4] Vgl. Horn, Karen; 2007

[5] Vgl. Birchler, Urs; 2003

[6] Vgl. Oetzel, Sebastian; 2006

[7] Vgl. Horn, Karen; 2007

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
The Winner’s Curse bei Auktionen: Gewonnen und doch verloren
Untertitel
Herkunft und die Ursachen des Winner’s Curse
Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, München früher Fachhochschule
Veranstaltung
Finanzwirtschaft
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
21
Katalognummer
V92044
ISBN (eBook)
9783638054515
ISBN (Buch)
9783638946476
Dateigröße
659 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Der korrigierende Dozent hat bereits bei mir angefragt, ob er selbst Teile dieser Arbeit für seine eigene Arbeit als Grundlage nutzen kann.
Schlagworte
Winner’s, Curse, Auktionen, Gewonnen, Finanzwirtschaft
Arbeit zitieren
Michael Ehret (Autor), 2008, The Winner’s Curse bei Auktionen: Gewonnen und doch verloren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92044

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