Auktionen haben sich in den letzten Jahren für viele Menschen zu einer alltägli-chen Gewohnheit entwickelt, preiswert und einfach Waren aller Art zu ersteigern. Ob diese Behauptung tatsächlich wahr ist, soll die hier vorliegende Arbeit beantworten.
Der Winner‘s Curse oder auch der „Fluch des Siegers“ beschreibt in diesem Zu-sammenhang ein Phänomen, das jede Person, die am Wirtschaftsleben teilnimmt, ereilen kann. Es ist dabei unerheblich, ob sie nun jung oder alt, Experte oder Laie ist. Der Fluch entsteht am häufigsten in Verbindung mit Auktionen und besagt im Wesentlichen, dass derjenige, der eine Auktion gewinnt, der eigentliche Verlierer ist, weil er meist zu viel für den von ihm ersteigerten Gegenstand gezahlt hat. Die Untersuchungen zum Fluch selbst sind Teil der so genannten Verhaltensökonomik und werden im Spezialfeld verhaltensorientierte Finanzierungslehre (behavioral finance) eingeordnet, welche sich mit irrationalem Verhalten auf Finanz- und Kapi-talmärkten beschäftigt.
Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die Herkunft und die Ursachen für den Winner’s Curse zu beschreiben, bekannte Fälle aus der Vergangenheit bis zur Gegenwart vorzustellen, mögliche Strategien gegen diesen Fluch und auch mögliche Nutznie-ßer vorzustellen.
Die Arbeit teilt sich dabei im Wesentlichen in zwei Abschnitte auf.
Im ersten Teil wird zunächst die Theorie des Winner‘s Curse vorgestellt. Er beinhaltet einige beachtenswerte Untersuchungen zum Thema, Fallbeispiele, Ansätze wie der Selbstschutz aussehen kann und wer die Nutznießer des Fluches sind. Im zweiten Teil soll der Winner’s Curse anhand der Praxis ausführlich vorgestellt werden. Am Beispiel der Versteigerung von Mobilfunklizenzen wird gezeigt, wie Fehleinschätzungen der besten und erfahrensten Manager jahrelange wirtschaftliche Schäden nach sich ziehen können.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Theorie
2.1 Untersuchungen zum Winner’s Curse
2.1 Rechenbeispiel Ölfeldauktionen
2.2 Weitere Bereiche des Fluches
2.3 Der Winner’s Curse aktuell
2.4 Strategien gegen den Winner’s Curse
2.5 Die Nutznießer
3 Fallbeispiel – Versteigerung der UMTS-Lizenzen
3.1 Das Auktionsdesign
3.2 Der Ablauf der Versteigerung
3.3 Die Folgen
3.4 Ursachen der Fehleinschätzung
4 Fazit & Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Seminararbeit untersucht das Phänomen des "Winner’s Curse" (Fluch des Siegers), bei dem Auktionsteilnehmer durch irrationale Überbietung des tatsächlichen Marktwertes nach dem Gewinn einer Auktion wirtschaftliche Nachteile erleiden. Die Forschungsfrage fokussiert sich darauf, wie dieses psychologische Phänomen in der Praxis – insbesondere bei massiven Unternehmensakquisitionen und öffentlichen Lizenzversteigerungen – auftritt und welche Strategien zur Risikominimierung bestehen.
- Wissenschaftliche Analyse des Winner’s Curse in der Verhaltensökonomik
- Experimentelle Belege und theoretische Grundlagen des Auktionsverhaltens
- Psychologische Faktoren wie Overconfidence bei Managemententscheidungen
- Kritische Aufarbeitung der UMTS-Lizenzversteigerung im Jahr 2000
- Untersuchung von Folgen wie Milliardenverlusten und Abschreibungen
Auszug aus dem Buch
2.1 Untersuchungen zum Winner’s Curse
Zum Ende des vergangenen Jahrhunderts gab es einige Wissenschaftler, die sich intensiv mit dem Geschehen des Winner’s Curse beschäftigten. Die Bedeutendsten unter Ihnen sollen im Folgenden erwähnt werden.
1983 demonstrierten die Ökonomen Max H. Bazerman und Paul A. Samuelson erstmals mittels eines sehr einfachen Versuchs den „Fluch des Siegers“, wie der Winner’s Curse im Deutschen genannt wird.
Hierbei wurde ein Gefäß mit Münzen gefüllt und dem Publikum präsentiert. Sie ließen jeden Teilnehmer sein Gebot für das Gefäß auf einen Zettel schreiben. Nach der Auswertung verkauften sie es an den Meistbietenden. Der gezahlte Preis lag meist über dem Wert aller Münzen in dem Gefäß. Es erhielt also derjenige den Zuschlag, der den Wert des Gefäßes am meisten überschätzte und musste letztendlich den Preis für das Gefäß und seine Fehleinschätzung zahlen. Bei 26 der 48 durchgeführten Auktionen wurde das Gefäß über dem tatsächlichen Wert versteigert.
1992 wiederholte der US-amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Richard H. Thaler dieses Experiment mit Studenten und kam zum gleichen Ergebnis. Später haben auch andere Ökonomen dieses Experiment immer wieder durchgeführt. Das Ergebnis dieser Auktionen entsprach jedes Mal dem des Ursprungexperimentes. Darüber hinaus zeigte Thaler auf, dass nicht grundsätzlich alle Bieter vom Fluch betroffen sind. Die Gebote treffen im Durchschnitt zwar recht genau den tatsächlichen Wert des Gefäßes. Einzig Sieger überschätzt den Wert zum Teil erheblich.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung definiert den "Winner’s Curse" als Phänomen irrationaler Überbietung in Auktionen und umreißt die Struktur der Arbeit, die Theorie und Praxis verbindet.
2 Die Theorie: Dieses Kapitel erläutert wissenschaftliche Experimente und theoretische Ansätze zur Entstehung des Fluchs und diskutiert Gegenstrategien sowie die Nutznießer des Phänomens.
3 Fallbeispiel – Versteigerung der UMTS-Lizenzen: Das Kapitel analysiert den dramatischen Fall der UMTS-Lizenzversteigerung von 2000 als praktisches Beispiel für die verheerenden Folgen des Winner’s Curse bei internationalen Konzernen.
4 Fazit & Ausblick: Das Fazit fasst zusammen, dass trotz steigenden Bewusstseins die Gefahren durch den Winner’s Curse bestehen bleiben und regt weitere Forschung im Bereich der Feldstudien an.
Schlüsselwörter
Winner’s Curse, Fluch des Siegers, Auktionen, Verhaltensökonomik, Behavioral Finance, UMTS-Lizenzen, Overconfidence, Fehleinschätzung, Marktwert, Rationalität, Bieterverhalten, Investitionen, Common-Value-Auktionen, Unternehmensübernahmen, Wirtschaftspsychologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt das ökonomische Phänomen des "Winner’s Curse", bei dem der Gewinner einer Auktion durch eine zu hohe Gebotsabgabe im Nachhinein wirtschaftliche Verluste erleidet.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Zentrale Themen sind die Auktions- und Entscheidungstheorie, verhaltensorientierte Finanzierungslehre sowie die Analyse von realwirtschaftlichen Fehlinvestitionen im Kontext von Auktionen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Ursachen und Auswirkungen des Fluchs aufzuzeigen und Strategien zu identifizieren, die Auktionsteilnehmer vor irrationalem Bieterverhalten schützen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse der bestehenden Forschungsergebnisse sowie eine Fallstudienanalyse zur Untersuchung der deutschen UMTS-Lizenzversteigerung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, wie sie von Forschern wie Thaler oder Bazerman beschrieben wurden, und eine detaillierte praktische Fallstudie zur UMTS-Versteigerung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören Winner’s Curse, Behavioral Finance, rationale Entscheidungsfindung, Overconfidence und Auktionsdesign.
Warum war die UMTS-Lizenzversteigerung ein so markantes Beispiel?
Die Versteigerung gilt als Paradebeispiel für den Fluch, da internationale Konzerne durch euphorisierte Fehleinschätzungen Milliardenverluste verbuchten, die bis heute ihre wirtschaftliche Bilanz belasten.
Welche Rolle spielt "Overconfidence" für die untersuchten Unternehmen?
Overconfidence beschreibt die übersteigerte Selbstsicherheit der Manager, die dazu führte, dass die tatsächlichen Risiken und Kosten der UMTS-Lizenzen massiv unterschätzt wurden.
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- Michael Ehret (Author), 2008, The Winner’s Curse bei Auktionen: Gewonnen und doch verloren, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92044