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Michel Houellebecqs "Karte und Gebiet" und der Wirklichkeitseffekt nach Roland Barthes

Title: Michel Houellebecqs "Karte und Gebiet" und der Wirklichkeitseffekt nach Roland Barthes

Term Paper (Advanced seminar) , 2018 , 33 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Viktoria Merk (Author)

German Studies - Comparative Literature
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In der vorliegenden Arbeit wird untersucht, wie im Roman "Karte und Gebiet" Wirklichkeitseffekte im strukturalistischen Sinn erzeugt werden. Zur Unterstützung der Argumentation dient ein Exkurs zur Theorie des "Wirklichkeitseffektes" nach Roland Barthes. Einen weiteren Schwerpunkt der Arbeit stellt die Analyse der romanimmanenten Reflexion über die Funktion von Kunst und Literatur dar. Auch eine Einordnung von "Karte und Gebiet" im theoretischen Feld der Gegenwartsliteratur und die Bestimmung der gesellschaftlichen Relevanz wird in der Arbeit vorgenommen.

Laut Brinkmann hat "[d]as Problem des Realismus […] eine sehr lange und ziemlich komplizierte Geschichte". Und durchaus ist eine Begriffsbestimmung des Realismus in wenigen Sätzen nicht möglich, denn die Diskussion darüber ist lang und hat bis heute kein Ende gefunden. Bereits in der Antike tauchten bei Aristoteles Gedanken über die Abbildung des Realen in Form von "Mimesis" der Welt als Ideal von Kunst und Literatur auf. Den Höhepunkt realistischer Schreibweisen kann man im 19. Jahrhundert verorten, in dem der Begriff des Realismus zum Namen einer ganzen Epoche wurde.

Exemplarisch für die Epoche des Realismus ist das Werk "La comédie humaine" von Honoré de Balzac, aus dem zugleich die Anfänge des modernen Schreibens hervorgingen. Schließlich hat Mitte des 20. Jahrhunderts der (Post-)Strukturalist und Semiologe Roland Barthes innerhalb der Realismusdebatte bedeutendes geleistet, indem er die Diskussion über die Darstellung einer "realen Welt" hin zum Illusionscharakter von Wirklichem in Literatur und Kunst gelenkt hat.

Die realistische Programmatik verlor allerdings im Laufe des 20. Jahrhundert vorübergehend an Relevanz. Anfang des 21. Jahrhunderts wurde die Diskussion aber erneut aufgegriffen und wird aktuell vor allem auf philosophischer und literaturwissenschaftlicher Ebene hinsichtlich eines "neuen Realismus" verstärkt thematisiert.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Exkurs: Zum l'effet de réel nach Roland Barthes

3 Michel Houellebecqs Karte und Gebiet und der Wirklichkeitseffekt

3.1 Über die Erzeugung und Zerstörung von Realitätsillusionen

3.2 Neue ,Realismen' in Karte und Gebiet im Kontext aktueller Tendenzen der Gegenwartsliteratur

4 Fazit und Ausblick

5 Literaturverzeichnis

5.1 Untersuchte Primärliteratur

5.2 Weitere Primärliteratur

5.3 Sekundärliteratur

5.4 Internetquellen

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht, wie in Michel Houellebecqs Roman "Karte und Gebiet" Wirklichkeitseffekte erzeugt werden und inwieweit das Werk in den Diskurs um einen „neuen Realismus“ in der zeitgenössischen Literatur einzuordnen ist, wobei Roland Barthes’ Theorie des "Wirklichkeitseffekts" als analytischer Rahmen dient.

  • Analyse der Funktion von Realitätsillusionen in der Literatur.
  • Untersuchung von Houellebecqs autofiktionalen Strategien und der Selbstreflexion des Romans.
  • Diskussion über das Verhältnis von Realität, Fiktion und Autorschaft.
  • Einordnung des Romans in aktuelle literarische Tendenzen der Postmoderne und des „neuen Realismus“.

Auszug aus dem Buch

3.1 Über die Erzeugung und Zerstörung von Realitätsillusionen

Als Jed auf dem Vorplatz von Notre-Dame de la Gare ankam, ging plötzlich, wie zur Warnung, ein eisiger Nieselschauer nieder, der nach wenigen Sekunden ebenso plötzlich wieder aufhörte. Er lief die wenigen Stufen hinauf, die zum Eingang der Kirche führten. Die beiden Flügel der Türen waren wie immer geöffnet, das Innere wirkte menschenleer. Er zögerte dann machte er kehrt. Die Rue Jeanne-d'Arc mündete in den Boulevard Vincent-Auriol, über den die oberirdische Metro führte; in der Ferne war die Kuppel des Pantheon zu sehen. Der Himmel hatte eine stumpfe dunkelgraue Farbe. (KG 197)

Welches Paris wird hier beschrieben? Die Notre-Dame de la Gare, der Boulevard Vincent-Auriol, das Pantheon... man fühlt sich in das Paris des gegenwärtigen Frankreichs versetzt. Die Erwähnung von Autobahnen (vgl. KG 242, 257, 373), von Parks (vgl. KG 90), Wahrzeichen (vgl. S. 240), Hotels (vgl. KG 12) und zahlreicher Straßen in Frankreich (vgl. KG 42, 62, 147) erzeugen die Illusion, dass der Ort des Geschehens nur das Frankreich der gegenwärtigen außersprachlichen Wirklichkeit sein kann. Der Leser kann es sich gut vorstellen und bekommt laut Pontzen dadurch den Eindruck, dass es gut beschrieben sei. Der Leser füllt die Zeichen beim Lesen mit subjektiven Konnotationen aus, auch wenn die textimmanenten Beschreibungen es gar nicht hergeben. Dies sei laut Pontzen eine „Evokation“ von Bewusstseinskonzepten des Lesers. Obwohl keine detaillierten Beschreibungen innerhalb des Romans vorliegen, können sich die Leser anhand der durch Wirklichkeitseffekt erzeugenden Details etwas gut vorstellen.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des literarischen Realismus ein und stellt die Relevanz von Roland Barthes' Theorie für die Analyse zeitgenössischer Literatur heraus.

2 Exkurs: Zum l'effet de réel nach Roland Barthes: Hier werden die theoretischen Grundlagen des Wirklichkeitseffekts bei Barthes erläutert, wobei insbesondere die Entkoppelung von Signifikat und Referent im Mittelpunkt steht.

3 Michel Houellebecqs Karte und Gebiet und der Wirklichkeitseffekt: In diesem Hauptteil wird der Roman "Karte und Gebiet" auf seine Konstruktion von Realitätsillusionen und seine autofiktionalen Bezüge hin analysiert.

3.1 Über die Erzeugung und Zerstörung von Realitätsillusionen: Dieses Unterkapitel untersucht anhand von Textbeispielen die spezifischen Techniken Houellebecqs, um beim Leser den Anschein von Realität zu erwecken oder diesen bewusst zu unterwandern.

3.2 Neue ,Realismen' in Karte und Gebiet im Kontext aktueller Tendenzen der Gegenwartsliteratur: Dieses Kapitel verortet Houellebecqs Roman im breiteren literaturwissenschaftlichen Diskurs um Postmoderne und neue realistische Schreibweisen.

4 Fazit und Ausblick: Die Ergebnisse der Arbeit werden zusammengefasst und die Bedeutung des Romans als Auseinandersetzung mit der Fiktionalität von Literatur unterstrichen.

5 Literaturverzeichnis: Umfasst sämtliche verwendete Primär- und Sekundärliteratur sowie Internetquellen der vorliegenden Arbeit.

Schlüsselwörter

Michel Houellebecq, Karte und Gebiet, Roland Barthes, Wirklichkeitseffekt, Realismus, Postmoderne, Autofiktion, Fiktion, Literaturwissenschaft, Realitätsillusion, Autorschaft, Gegenwartsliteratur, Zeichentheorie, Poetologie, Repräsentation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht, wie der Roman "Karte und Gebiet" von Michel Houellebecq durch bestimmte narrative Techniken und literarische Konstruktionen beim Leser eine Illusion von Realität erzeugt.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zentrale Themen sind die Theorie des "Wirklichkeitseffekts" nach Roland Barthes, die Frage nach dem Verhältnis von Fiktion und Realität sowie die Stellung des Autors im eigenen Werk.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es zu analysieren, wie Houellebecq mit dem Begriff des Realismus spielt und ob sich das Werk in aktuelle Debatten über neue realistische Schreibweisen einordnen lässt.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit nutzt einen literaturtheoretischen Ansatz, indem sie Barthes' semiologische Grundlagen auf Houellebecqs Romantext anwendet und diesen reflexiv analysiert.

Was sind die inhaltlichen Schwerpunkte des Hauptteils?

Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen bei Barthes geklärt, bevor diese auf konkrete Textstellen des Romans angewendet und in den Kontext der Gegenwartsliteratur gesetzt werden.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie "Wirklichkeitseffekt", "Autofiktion", "Fiktionalität" und "neuer Realismus" bestimmt.

Wie erzeugt Houellebecq in "Karte und Gebiet" konkret den Anschein von Realität?

Dies geschieht vor allem durch die Einstreuung bekannter Orte, realer Persönlichkeiten und scheinbar irrelevanter Details, die den Leser dazu verleiten, diese mit subjektiven Konnotationen zu füllen.

Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin bezüglich des Realismus im Roman?

Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass Literatur laut Houellebecq stets fiktional bleibt und der Roman eher mit dem Wunsch nach Realismus spielt, statt diesen als bloße Kopie der Welt abzubilden.

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Details

Title
Michel Houellebecqs "Karte und Gebiet" und der Wirklichkeitseffekt nach Roland Barthes
College
University of Paderborn  (Germanistik und Vergleichende Literaturwissenschaft)
Grade
1,3
Author
Viktoria Merk (Author)
Publication Year
2018
Pages
33
Catalog Number
V920525
ISBN (eBook)
9783346239785
ISBN (Book)
9783346239792
Language
German
Tags
Michel Houellebecq Roland Barthes Karte und Gebiet Wirklichkeitseffekt Realismus realistisches Schreiben Strukturalismus Postmoderne Gegenwartsliteratur
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Viktoria Merk (Author), 2018, Michel Houellebecqs "Karte und Gebiet" und der Wirklichkeitseffekt nach Roland Barthes, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/920525
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