Wohnerleben in den 60er und 90er Jahren


Hausarbeit, 2011

27 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Wohnen in den 60er Jahren

Biografie Alphons Silbermann

Vom Wohnen der Deutschen (1966)

Wohnen in der DDR

Neues vom Wohnen der Deutschen (1991)

Das Wohnerlebnis in Ostdeutschland (1993)

Vergleich Wohnen der 60er / 90er

Gastvortrag

Wohnen in den 60er Jahren

Nachdem der 2. Weltkrieg beendet war, begann der Wiederaufbau der zerstörten Städte in Deutschland. Durch den Bau der Mauer kam es im Jahre 1961 zu der Teilung in West- und Ostdeutschland. Die Nachkriegszeit war vor allem durch den Wiederaufbau geprägt. Nur wenige Jahre nach dem Ende des Krieges kam es zum Wirtschaftswunder in Westdeutschland. Mit der immer mehr steigenden Wirtschaftssituation in Westdeutschland kam es zu der ersten Ankunft der Gastarbeiter aus verschiedenen europäischen Ländern. Von der planerischen Seite wurde die „autogerechte Stadt“ von Hans Bernhard Reichow zum Leitbild der 1960er Jahren.1

Anfang der 60er Jahre herrschte in Deutschland eine Qualitative und quantitative Wohnungsnot. Es gab immer noch Baulücken aufgrund der Kriegszerstörungen. Die Geburtenrate stieg nach dem Krieg wieder an und viele Flüchtlinge kehrten wieder nach Deutschland zurück. Es war erforderlich in relativ kurzer Zeit einem Großteil der Bevölkerung einen modernen Wohnungsraum zu schaffen. So entstanden die ersten Großwohnsiedlungen. Die Wohnungen in Großwohnsiedlungen besaßen ein eigenes Badezimmer, eine Zentralheizung und circa 70 Quadratmeter zum Wohnen. Der Wirtschaftsaufschwung machte sich in der Bevölkerung bemerkbar. Moderne Wohnungen wurden dankbar angenommen, da die Gründerzeitlichen Quartiere verfielen und teilweise als Elendsquartiere bezeichnet wurden. Alternativen gab es meistens nur für Besserverdienende. In den Großwohnsiedlungen lebten meistens Familien aus der Mittelschicht oder junge Familien. In den Gründerzeitquartieren wurden vermehrt Arme, Ausländer und Arbeitslose untergebracht.2

In der Wohngestaltung lautete das Motto der 60er Weg mit dem Pomp und Plüsch. Es entwickelten sich zwei verschiedene Stilrichtungen. Auf der einen Seite gab es hochwertige Möbel aus echtem Holz und auf der anderen Seite wurden die Kunststoffmöbel immer beliebter. Die Möbel wurden dunkel gehalten und wirkten dadurch sehr massiv. Schrankwände waren zum Beispiel aus dunklem Holz angefertigt und dabei ist als Stichpunkt die Eiche rustikal zu nennen. Das ganze wurde durch kleine Accessoires ergänzt, wie zum Beispiel Häkeldeckchen, die ihren Platz auf den Tischen fanden. Allgemein lässt sich sagen, dass der Wohnstil sich in den 60er Jahren langsam auflockerte. Der Großteil der Bevölkerung bevorzugte jedoch weiterhin die stilvollen Möbel.3

In den 60er Jahren begann das Wohnzimmer immer mehr an Bedeutung zu gewinnen. Großen Einfluss hatte dabei der technische Fortschritt, wie zum Beispiel der Einzug des Farbfernsehers. Daher musste sich der Wohnstil dementsprechend ändern. Man setzte immer mehr auf Gemütlichkeit und Leichtigkeit. Die Schweren Möbeln wurden durch Sightboards ersetzt und den Räumen wurde mehr Farbe verliehen.4 Vor allem Teak und Nussbaum kamen immer mehr in Mode. Die Räume wurden freier gestaltet und boten somit mehr Platz für Bewegung. Häufig gab es keinen Abstellraum, sondern eine erweiterte Garderobe oder ein abgemauerter Besenschrank.

Oft anzutreffen waren, vor allem in den Mietwohnungen zu dieser Zeit, gefangene Räume oder halbe Zimmer die durch Schiebewände oder Vorhänge vom Wohnzimmer abgetrennt waren. Die Merkmale Bad und Heizung rückten in den Vordergrund und wurden mit den Jahren immer verständlicher.5

Auch das Familienleben revolutionierte sich in den 60er Jahren. Aufgrund des neuen Wohnungsbaus blieben für die Hausfrau als Kontaktorte nur die Wohnung und das unmittelbare Wohnumfeld. In den Gründerzeitquartieren dienten noch der Flur oder der Innenhof als Kontaktorte. In den neuen Hochhäusern wurde des Öfteren der Fahrstuhl genutzt, sodass der Kontakt zu den Nachbarn immer weniger wurde. Die Freizeitausübung fand überwiegend in der Wohnung statt, da nur die Wohnung selbst an Individualisierung geeignet war. Als eine Selbstbestimmte Aneignung der Flächen durch die Mieter zum Beispiel in Form von Mietergärten, veränderbaren Spielbereichen oder selbstgestalteten Treffpunkten waren nicht vorgesehen und insbesondere von den Wohnungsbaugesellschaften nicht erwünscht. In den Großsiedlungen waren auch meist nur 30% der Flächen nutzbar, während die restlichen 70% für Garagen, Fußwege und anderen Nutzungen verloren gingen. Durch die hohen Häuser waren die Spielplätze verschattet, was zu einer Minderung der Aufenthaltsqualität führte. Die Ausstattung der Spielplätze war meistens im untersten Niveau. Die Freiflächen wurden nicht genutzt, da man das Gefühl hatte, dass man sich auf einem Präsentierteller befand. Die Hauptargumente für das Wohnen im Hochhaus waren der höhere Wohnkomfort und die größere Anonymität des Wohnens, die weniger Kontrolle beinhalten und eine größere Abgeschiedenheit von den Nachbarn ermöglichen würde. Die Kehrseite waren die erschwerten Möglichkeiten, nachbarschaftliche Kontakte zu knüpfen.6

Biografie Alphons Silbermann

Alphons Silbermann wurde am 11.August 1909 in Köln geboren und starb am 4.März 2000 in Köln. Er war deutscher Soziologe und Publizist. Er studierte Musikwissenschaft, Jura und Soziologie. Aufgrund der Judenverfolgung flüchtete er im Jahre 1938 nach Australien wo er später auch die erste Fast Food Kette Australiens Vom Wohnen der Deutschen (1966)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Alphons Silbermann; http://www.spiegel.de/img/0,102 0,37831,00.jpg; 31.05.2011

Eine soziologische Studie über das Wohnerlebnis der Deutschen in den 60er Jahren

Wir haben uns zunächst einmal mit dem Buch „Vom Wohnen der Deutschen“ von Alphons Silbermann beschäftigt. Es ist eine soziologische Studie über das Wohnerlebnis der Deutschen. In dem Buch geht es grundlegend um das Wohnen der Menschen in den 60er Jahren und die Faktoren und Leitbilder, die für die Einrichtung einer Wohnung wichtig sind. Wichtige Impulse sind seiner Meinung nach Wohnsitz, Wohnkultur, Wohnverhalten, sowie Geschmack und Mode. Anhand einer Befragung von Bewohnern aus Städten hat er ein Ergebnis dargestellt und präsentiert es in dem Buch.

Der Wohnsitz Zunächst einmal muss gesagt werden, dass natürlich die Lage einer Wohnung eine große Rolle spielt, wenn es um den Wohnsitz geht.7 Es ist also ein Unterschied, ob man nun in einem Neubaugebiet wohnt oder in einem Ghetto. Die Umgebung und die sozialen Kontakte wirken dabei auf das Wohnerlebnis des Menschen.

Weitere entscheidende Punkte, wenn es um die Wohnungseinrichtung geht, sind zum einen gewisse Erwartungen, Vorstellungen, Geschmacksrichtung, aber auch die Gefühlslage, die sich auf die Wohnungseinrichtung auswirkt. Die Einrichtung der Wohnung ist auch von den Lebenszyklen der Menschen abhängig, da jede Etappe des Lebens unterschiedliche Wohnungstypen verlangt.8

Der Wohnstandard Der Wohnstandard, so laut Silbermann, ist allerdings nur einem geringen Teil der Bevölkerung gegeben, während der andere Teil mit einem Minimalstandard auskommen muss.9

Wie bereits am Anfang erwähnt, erfolgt im Laufe der Jahre eine Anpassung des Wohnerlebnisses an die psychologischen und natürlich an die technologischen Veränderungen (Radio, Fernseher).10

Möblierung des Wohnzimmers

Somit lässt sich sagen, dass die Möblierung bzw. Einrichtung eines Zimmers stil- und zeitbedingt ist und von Mode und Geschmack abhängt. Silbermann stellte anhand einer Studie fest, dass die Menschen nicht mehr für die Ewigkeit kauften. Das bedeutet, dass zwar Vererbungen nach wie vor zu dem Zeitpunkt bestanden, aber dass z.B. weniger Wohnzimmermöbel und mehr Küchenmöbel vererbt wurden. Desto jünger allerdings die Altersgruppe war, desto geringer war dann auch die Erbfreudigkeit.

Prozentual gesehen sah das so aus, dass durch zahlreiche Zerstörungen im 2. Weltkrieg die Zahl der persönlichen Anschaffungen von Möbelgegenständen ab 1950 und später bei 41% lag. Im Vergleich dazu in den Jahren 1913-1929 bei gerade mal 8%.11

Wichtig zu sagen ist, dass die Frau, ungeachtet der Autoritätsverhältnisse weiterhin ihre Rolle als Instanz in Einrichtungsfragen behielt.12

Wenn es um die Vererbung von Möbelstücken ging, erreichte das Sofa eine wichtige soziale Bedeutung und gehörte unteranderem auch zu den meist vererbten Möbelstücken, neben Kommode und Schrank. Ein Sofa war in einer Wohnung schlichtweg nicht mehr wegzudenken und war sowohl für die Familie als auch die die Gäste ein wichtiger Gegenstand.

Desto höher das Einkommen war desto weiter stieg der Wunsch nach „mehr“, während niedrige Einkommensgruppen nach Gegenständen des Existenzminimums strebten.13

Schlussfolgernd stellte Silbermann die Frage, warum das Wohnzimmer gleich Wohnzimmer sei, warum kann es nicht auch Wohnschlafzimmer oder Wohnküche sein?

Leitbilder für die Einrichtung des Wohnzimmers Wie bereits am Anfang erklärt, sagte Silbermann aus, dass unsere Wünsche und Wertvorstellungen das Leitbild formen nachdem wir unsere Wohnung einrichten.14

Dabei ist das Wohnbild, laut Silbermann, von entscheidenden Impulsen abhängig: Zum einen ist es die Abwechslung im Leben, die dazu führt, dass man neue Variationen des Wohnerlebnisses ausprobieren möchte, zum andern der Drang nach Sicherheit und Zugehörigkeit (man möchte sich in den eigenen vier Wänden wohl fühlen, dieser soll unser Zufluchtsort sein) und schlussendlich der Drang nach Anerkennung der Mitmenschen.15

Durch eine weitere Befragung stellte Silbermann fest, dass zwar einige in ihren Möbeln alt werden wollen, allerdings war es auch ein hoher Prozentsatz von Personen, die nichts gegen eine Neueinrichtung einzuwenden haben.16

Weiterhin sagte Silbermann aus, dass wir darauf bedacht sind jedes Zimmer komplett einzurichten, ist dies finanziell nicht möglich, richten wir zunächst ein Zimmer komplett ein und erst nach und nach die anderen.17

Die Schichtzugehörigkeit sagt allerdings nicht unbedingt was über das Wohnerleben aus - vielmehr können auch Wohngegen und Haustyp ebenso wie Wohnzimmer Einrichtung und das daraus resultierende Wohnerlebnis zu Symbolen sozialer Schichtzugehörigkeit werden. (Bsp.: Ein HartzVI- Empfänger kann sich durchaus denselben Fernseher kaufen, wie ein Bürger der wohlhabenden Schicht, um wenigstens so symbolhaft dazuzugehören) Allerdings treffen hier Geldbedarf und Idealvorstellungen aufeinander.

Bei einer weiteren Befragung stellte Silbermann fest, dass ein Großteil der Befragten beim Kauf eines Gegenstandes für das Wohnzimmer zunächst auf die Qualität achten und er dann auf Material, Farbe und ob beispielsweise der Teppich auch zum Rest der Einrichtung passt. Allerdings stellte er auch fest, dass das Einkommen und das Alter zu Abweichungen geführt hat, sodass schlussendlich er auch zu dem Argument kam, desto höher das Einkommen sei, desto wichtiger erschein einer dann der materielle Wert dein ein beispielsweise Teppich verkörpert.18

Leitbilder für die Einrichtung des Wohnzimmers

Der Drang nach Anerkennung führt eben dazu, dass man das Verlangen nach Unterscheidung und Eigenart hat. Dies wird gerade an der Kleidung, an den Ansichten, am Wissen und natürlich auch an den Wohnungseinrichtungen sichtbar.19

Es sind aber nicht die Möbelstücke selbst, die uns Menschen beherrschen, sondern es sind immer noch wir Menschen, die den Möbelstücken ihren Symbolwert verleihen. Diese Möbelstücke bestimmen dann stark unsere Gefühlswelt, wie z.B. Heimatgefühl.20

Ein weiterer wichtiger Beeinflussungsfaktor ist auch die Kommunikation, nicht nur von Mensch zu Mensch, sonder auch die indirekte Kommunikation durch Zeitschriften und Fernseher.21

Nichts desto trotz spielt der eine Geschmack weiterhin eine wesentlich wichtigere Rolle, es ist so wichtig, dass man sich teilweise sogar gar nicht mit Bekannten und Familienmitgliedern über Möbel und Wohnen unterhält. Man lässt sich lediglich vom ästhetischen Effekt der Zeitschriften leiten.22 Schlussfolgernd lässt sich sagen, dass Traum und Wirklichkeit unser Wohnerlebnis bestimmen.23 Silbermann erwähnt auch das sogenannten „Status-Streber-Verhalten“, was dazu führt, dass man sich Dinge anschafft, um seinen Status anzugehen (Beispiel: Stereo-Anlage).24

Grundlegend folgt aber das Wohnen einem festliegenden Entwicklungsverlauf mit periodischen Veränderungen. (Lebenszyklen, Mode, Stilbewusstein). Es erfolgte eine weitere Befragung, bei dem die Befragten sich eins von 8 Wohnzimmern aussuchen sollten. Silbermann stellte fest, dass das Einkommen und die Schichtzugehörigkeit auch darüber entschied, welches Zimmer man nun bevorzugte. Schlussfolgernd lässt sich daher sagen, dass die Möbel nicht einfach nur Einrichtungsgegenstände sind, sondern Symbole, die etwas vermitteln.25

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 Vom Wohnen der Deutschen, Alphons Silbermann, Fischer Bücherei, April 1966, Seite 69

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3 Vom Wohnen der Deutschen, Alphons Silbermann, Fischer Bücherei, April 1966, Seite 70

Das Wohnverhalten in der freien Zeit

Überwiegend wurde zur damaligen Zeit die freie Zeit im Hause verbracht. Durch eine Befragung, stellte man fest, dass man dabei keinen Unterschied sah, ob es nun Werktags sei oder am Samstag. Silbermann fand es verwunderlich, warum man so viel Freizeit zu Hause verbrachte.26

In erster Linie diente dabei das Wohnzimmer bzw. der Wohnraum der Unterhaltung und dem Empfang der Gäste, erst dann folgten Aktivitäten, wie Lesen, Schlafen oder Kochen. Jedoch spielt laut Silbermann die Größe der Wohnung und die Anzahl der Kinder eine wesentliche Rolle, wenn es um die Freizeitgestaltung geht, wobei letzteres keinen Einfluss auf den Empfang von Gästen hat, jedoch aber auf die Aktivitäten im Haushalt selbst (Kochen, waschen, putzen).27

Es herrschte zu dieser Zeit ein höherer Bedarf an Privatheit und um dies nach außen zu bringen hat man versucht Gemeinschaftshäuser einzurichten, um das Gemeinschaftsempfinden zu fördern und den Wohnraum in gewisser Hinsicht zu erweitern.28

Da man aber nur einen geringen Bekanntenkreis hatte, war es schwer eine Gemeinschaft zu gründen, geschweige denn überhaupt eine „gute Nachbarschaft“ zu bilden.

Zudem hat die zunehmende Industrialisierung und Verstädterung zunehmend die Einsamkeit der Bewohner der Stadt gefördert, da man im Großstadtleben ganzeinfach die Privatheit gesucht hat. Durch dies Schaffung der Privatheit und gleichzeitig Einsamkeit veränderte sich auch Verhaltensweise im Wohnraum.29

Der Fernseher oder das Radio gewannen mehr an Bedeutung, da diese zu Überwindung der Einsamkeit dienten. (Ersatzfunktion - Geräuschkulisse) Im Grunde lässt sich sagen, dass allgemein der technische Fortschritt zur totalen Reduktion des Lebens geführt hat.30

Die Wohnkultur Durch eine weitere Befragung mit der Frage: „Was empfinden Sie, wenn Sie Ihre Wohnung bzw. Ihr Haus betreten?“ kam folgendes Ergebnis zustande:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Vom Wohnen der Deutschen, Alphons Silbermann, Fischer Bücherei, April 1966, Seite 10731 32

Wohnen in der DDR

Das Wohnen in der Deutschen Demokratischen Republik zur Zeit der 60er Jahre war sehr stark von den Folgen des zweiten Weltkriegs beeinflusst. Der Wiederaufbau nach dem Ende des Krieges verlief in der DDR wesentlich langsamer als im westlichen Teil Deutschlands. Dies lag vor allem daran, dass sich die sowjetische Regierung selbst nicht verantwortlich fühlte diesen Wiederaufbau voranzutreiben. Sie nahmen sich lediglich ihre Reparationsleistungen in Form von Betrieben, welche in Sowjetische Aktiengesellschaften überführten wurden, und hemmten dadurch langfristig den Neuaufbau im Osten Deutschlands33.

Das größte Problem welches in der DDR im Bereich des Wohnens existierte war eine anhaltende Knappheit des Wohnraumes. Dies ging teilweise sogar soweit, dass junge Eheleute keinen eigenen Wohnraum fanden und als Folge dessen in den Haushalten ihrer Eltern leben bleiben mussten, obwohl bis 1961 mehr als 3 Millionen Menschen die DDR Richtung Westen verließen.

Wohnungsneubauten entstanden nur punktuell und zwar an Standorten mit industriellem Schwerpunkt34. Wie beispielsweise geschehen in der Stadt Leinefelde im Landkreis Eichsfeld in Thüringen. Das damals etwa 2.500 Einwohner zählende Dorf wurde als Folge des Eichsfeldplans aus wirtschaftlichen und politischen zu einem Industriezentrum in Form einer Baumwollspinnerei ausgebaut. Als Folge dieses Beschlusses entstanden in der Folgezeit mehrere Plattenbaugebiete, wodurch die Einwohnerzahl innerhalb von 15 Jahren von 6.658 auf über 15.000 anstieg35.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Stadt Leinefelde-Worbis; http://www.leinefelde- worbis.de/_cmsfiles/Image/Stadtumbau%20Suedstadt_Luftbild.jpg; 19.05.2011

Solche sozialistischen Herangehensweisen und Werte findet man auch in vielen anderen Bereichen des Wohnens und nicht nur im Wohnungsbau. So gab es auch einheitliche und genormte Grundrisse in den verschiedenen Plattenbaugebieten, welche den Bewohnern zur Verfügung standen. Hier auf den Abbildungen ist als Beispiel der Wohnungstyp WBS 70, 3-Raum-Wohnung dargestellt. Typisch für diese Art von Wohnung sind die jeweils sehr kleinen und karg ausgestatteten Badezimmer und Küchenräume, sowie das verhältnismäßig große Wohnzimmer, welches den Mittelpunkt des Lebensalltags ausmachte. Die restlichen Räume diensten als Schlafstätte für die verschiedenen Parteien der einzelnen Wohnungen, wobei auch das Wohnzimmer häufig als Schlafstätte diente, da aufgrund der bereits angesprochenen Wohnungsknappheit meist mehr Personen als vorgesehen in den Wohnungen lebten. Die andere Abbildung zeigt ein typisches Wohngebäude der damaligen Plattenbauweise, welche zum Teil auch die beschriebene Wohneinheit WBS 70 beherbergt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6: Neustrelitzer Wohnungsgesellschaft mbH; http://www.neuwo.de/wohn/grund.html; 19.05.2011

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 7: Bundesministerium für Arbeit und Soziales; https://www.in-die-zukunft- gedacht.de/icoaster/files/halle_neustadt_sz_pho

Die Einrichtung damals war eher funktionell ausgerichtet. Es gab keine große Menge als verspielten Einrichtungsgegenständen, vielmehr waren die Wohnungen auch von der Einrichtung her recht ähnlich und einheitlich ausgestattet. Der Wohnraum hatte in der Regel eine Sitzgruppe mit Beistelltisch, sowie einen kleinen Esstisch und die obligatorische Schrankwand, welche den Mittelpunkt des jeweiligen Wohnraumes darstellte und den wenigen individuellen Einrichtungsstücken und persönlichen Gegenständen Platz bot36.

Auf den beiden Abbildungen sind eben solche typische Wohnräume der DDR abgebildet. Links erkennt man einen Nachbau eines Wohnzimmers, welcher sich im deutschen DDR Museum in Berlin befindet. Recht sieht man einen Originalausschnitt aus einem damaligen Möbelkatalog, wobei hier eine dieser markanten Schrankwände beworben wird37.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 8: DDR Museum Berlin GmbH; http://www.ddr-museum.de/de/museum/; 19.05.2011

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 9: BerlinOnline Stadtportal GmbH & Co. KG; http://www.berlin.de/orte/museum/museu mswohnung/Museumswohnung_wohnzimm er_360x270.jpg; 19.05.2011

[...]


1 Hans-Dieter Frankowski: http://www.das-waren-noch-zeiten.de/zeitgeschichte.htm [Zugriff: 19.05.2011]

2 GRIN Verlag GmbH: http://www.hausarbeiten.de/faecher/vorschau/106867.html [Zugriff: 19.05.2011]

3 Die-Wohngalerie.de: http://www.teenagewasteland.de/wohnstil/60er-jahre.html [Zugriff: 19.05.2011]

4 WANDWORTE: http://www.wandideen-blog.de/2010/11/wohnstil-der-60er-jahre/ [Zugriff: 20.05.2011]

5 Vera Finkenbusch: http://www.pt.rwth-aachen.de/dokumente/lehre_materialien/gesamttext_rh60%2B_2006-06-29-druckversion.pdf Seite15 [Zugriff: 20.05.2011]

6 Maria Spitthöver: Freiraumqualität statt Abstandsgrün, Band1, Geschichte der Freiräume im Mietgeschosswohnungsbaus, Universität Gesamthochschule Kassel 2002, Seite 72 und 79

7 Alphons Silbermann,1966, Vom Wohnen der Deutschen, Seite 17

8 Alphons Silbermann,1966, Vom Wohnen der Deutschen, Seite 19

9 Alphons Silbermann,1966, Vom Wohnen der Deutschen, Seite 21

10 Alphons Silbermann,1966, Vom Wohnen der Deutschen, Seite 27

11 Alphons Silbermann,1966, Vom Wohnen der Deutschen, Seite 33

12 Alphons Silbermann,1966, Vom Wohnen der Deutschen, Seite 36

13 Alphons Silbermann,1966, Vom Wohnen der Deutschen, Seite 40

14 Alphons Silbermann,1966, Vom Wohnen der Deutschen, Seite 42

15 Alphons Silbermann,1966, Vom Wohnen der Deutschen Seite 42

16 Alphons Silbermann,1966, Vom Wohnen der Deutschen, Seite 43

17 Alphons Silbermann,1966, Vom Wohnen der Deutschen, Seite 45

18 Alphons Silbermann,1966, Vom Wohnen der Deutschen, Seite 49

19 Alphons Silbermann,1966, Vom Wohnen der Deutschen, Seite 57

20 Alphons Silbermann,1966, Vom Wohnen der Deutschen, Seite 59

21 Alphons Silbermann,1966, Vom Wohnen der Deutschen, Seite 60

22 Alphons Silbermann,1966, Vom Wohnen der Deutschen, Seite 63

23 Alphons Silbermann,1966, Vom Wohnen der Deutschen, Seite 64

24 Alphons Silbermann,1966, Vom Wohnen der Deutschen, Seite 65

25 Alphons Silbermann,1966, Vom Wohnen der Deutschen, Seite 68-74

26 Alphons Silbermann,1966, Vom Wohnen der Deutschen, Seite 81

27 Alphons Silbermann,1966, Vom Wohnen der Deutschen, Seite 85

28 Alphons Silbermann,1966, Vom Wohnen der Deutschen, Seite 89

29 Alphons Silbermann,1966, Vom Wohnen der Deutschen, Seite 92

30 Alphons Silbermann,1966, Vom Wohnen der Deutschen, Seite 95

31 Alphons Silbermann,1966, Vom Wohnen der Deutschen, Seite 95

32 Alphons Silbermann,1966, Vom Wohnen der Deutschen, Seite 95

33 http://www.sachsen-reisefuehrer.com/geschichte/13_wiederaufbau_ddr.htm [Zugriff:19.05.2011]

34 Südwestrundfunk, Westdeutscher Rundfunk; http://www.planet-schule.de/wissenspool/alltag-in-der-ddr/inhalt/hintergrund/wohnen.html [Zugriff: 19.05.2011]

35 Stadt Leinefelde-Worbis; http://www.leinefelde-worbis.de/Startseite/index51.html [Zugriff: 19.05.2011]

36 Mitteldeutsche Zeitung: http://www.mz-web.de/servlet/ContentServer?pagename=ksta/page&atype=ksArtikel&aid=1246046593371 [Zugriff:19.05.2011]

37 DDR Museum Berlin GmbH: http://www.ddr-museum.de/de/museum/ [Zugriff:19.05.2011]

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Wohnerleben in den 60er und 90er Jahren
Hochschule
Universität Kassel
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
27
Katalognummer
V920620
ISBN (eBook)
9783346240941
ISBN (Buch)
9783346240958
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wohnen, Stadtplanung, Städtebau, Stadtgeschichte, Wohnungsbau
Arbeit zitieren
Anastasia Nickel (Autor), 2011, Wohnerleben in den 60er und 90er Jahren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/920620

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Wohnerleben in den  60er und 90er Jahren



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden