Stationenlernen als Beispiel für das Konzept des offenen Unterrichts


Essay, 2007

14 Seiten


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Die Idee des offenen Unterrichts

3. Was ist Stationenlernen?
3.1 Stationenlernen – eine prototypische Form von offenem Unterricht
3.2 Die Wurzeln des Stationenlernens
3.3 Versuch einer Definition
3.4 Kriterien für das Lernen an Stationen
3.5 Planung/ Vorbereitung
3.6 typische Unterrichtsphasen beim Stationenlernen
3.6.1 Hinführung
3.6.2 Rundgang
3.6.3 Arbeit an den Stationen
3.6.4 Abschluss

4. Darstellung einer eigenen Unterrichtsstunde zum Thema Sommer

5. Abschließende Reflexion - Chancen und Herausforderungen beim Stationenlernen

6. Fazit

7. Literatur

1. Einleitung:

Die Kinder von heute sind Tyrannen. Sie widersprechen ihren Eltern , kleckern mit dem Essen und ärgern ihre Lehrer.“ Dieses Zitat bezieht sich nicht etwa auf die Jugend von heute, sondern wurde bereits vom griechischen Philosophen Sokrates, der um 470 - 399 v. Chr. lebte, verfasst. Jede Generation wächst in einem veränderten Umfeld auf und unterscheidet sich von den Generationen davor. Heutige Schülerinnen und Schüler (Schülerinnen und Schüler) sind bereits geprägt von ihrem Elternhaus, dem sozialen Umfeld, dem Kindergarten und den Medien, wenn sie ihre Schullaufbahn beginnen. Die familiäre Lebenswirklichkeit der Schülerinnen und Schüler hat sich dahingehend verändert, dass ca. 80% von ihnen in Familien mit nur einem oder keinen Geschwister aufwachsen (vgl. Jürgens). Berücksichtigt man zusätzlich die ansteigende Erwerbstätigkeit der Mütter und die hohe Zahl von Scheidungen, fällt auf, dass Kinder heutzutage immer einsamer und mit weniger Sozialerfahrungen groß werden. Außerdem, so Jürgens, lassen Eltern ihren Kindern einen immer größeren Spielraum und sehen ihre Sprösslinge als gleichberechtigte Partner. Oft seien sie unsicher in der Erziehung, was dazu führe, dass Schulen eine steigende Verantwortung im erzieherischen Bereich zukomme und neue Lernausgangssituationen geschaffen werden. Des Weiteren fänden wir in den Schulen aufgrund der ca. 6 Mio. Ausländer, die in Deutschland leben, eine stetig größer werdende Kulturenvielfalt vor.

Nicht zuletzt die Ergebnisse der PISA-Studie haben gezeigt, dass ein Umdenken im gesamten deutschen Schulwesen vonnöten ist. Während viele Kinder zuhause häufig völlig auf sich gestellt sind und einen großen Freiraum genießen, sollen sie in der Schule plötzlich still am Tisch sitzen und neues Wissen aus monotonen Lehrervorträgen beziehen.

Lehrerinnen[1], die im heutigen Schulalltag erfolgreich bestehen wollen, sehen sich mit neuen Ansprüchen und wachsender Aufgabenfülle konfrontiert. Diskussionen um Unterrichtsqualität haben dazu geführt, dass seit Mitte der 1970er Jahre der Gedanke von offenem Unterricht immer weiter Einzug in pädagogische Überlegungen und praktische Umsetzungen gehalten hat.

Meine Ausführungen beziehen sich im Wesentlichen auf eine Form des offenen Unterrichts – das Stationenlernen. Zunächst möchte ich die Kriterien des offenen Unterrichts vorstellen, bevor ich zur offenen Unterrichtsform Stationenlernen komme. Ich werde den Ursprung des Konzepts beleuchten, die typischen Unterrichtsphasen vorstellen und die wichtigsten Kriterien für ein erfolgreiches Arbeiten an Stationen näher erläutern. Zum Schluss werde ich ein selbst durchgeführtes Stationenlernen vorstellen und eine Reflexion anschließen.

2. Die Idee des offenen Unterrichts

Zwei Entwicklungslinien sind von ausschlaggebender Bedeutsamkeit: die bereits erwähnte sich verändernde Kindheit und die Reformpädagogik, die zwischen 1890 und 1930 in Europa und den USA nach neuen pädagogischen Konzepten suchte. Wichtige Vertreter der Reformpädagogik waren u. a. Montessori und Parkhurst. Mit zunehmender Kritik an den geschlossenen Curricula ab den 1970er Jahren wurden vermehrt Stimmen laut, die nach offenen Unterrichtsformen verlangten.

Das Konzept des offenen Unterrichts kann nach Gudjons als praktisch gewordene Erziehungsphilosophie bezeichnet werden, deren zentrale Idee es ist, dass Schülerinnen und Schüler die Fähigkeit erwerben, ihr Lernen und Handeln selbstständig steuern zu können. Ein Patentrezept für die konkrete Umsetzung von offenem Unterricht gibt es jedoch nicht. Laut Jürgens vereinen sich in dem Begriff „offener Unterricht“ eine Vielzahl von unterschiedlichen Denk-, Motiv- und Handlungsformen, die alle mehr oder minder mit der traditionellen Unterrichtspraxis brechen. Dabei handelt es sich nicht um ein neu erfundenes Konzept, schon in den Bewegungen der Reformpädagogik wurde mit offenen Formen des Unterrichts, wie z.B. Freiarbeit, Wochenplanarbeit und Projektarbeit experimentiert.

Aktuelle Forderungen gehen weg von einem lehrerorientierten Frontalunterricht und begrüßen statt dessen einen schülerorientierten, ganzheitlichen Unterricht, der im Idealfall von den Interessen der Schülerinnen und Schüler mitbestimmt wird. Unverbindlicher formulierte Lehrpläne lassen den Schulen einen großen Spielraum für die jeweilige Umsetzung neuer „offener“ Ideen. Daraus ergibt sich zwangsläufig ein völlig unterschiedlich praktizierter Unterricht an den einzelnen Schulen. Einige Schulen haben bereits begeistert neue Unterrichtsmethoden eingeführt und praktizieren diese erfolgreich im Alltag, andere hingegen halten noch an alten Konzepten fest und betreiben z. T. als Freiarbeit ausgewiesenen Unterricht mit strengen Vorgaben oder im Laisser-faire-Stil (vgl. Peschel). Oft hat auch nur eine Verschiebung von der Lehrerorientiertheit im herkömmlichen Frontalunterricht hin zur Materialorientiertheit im offenen Unterricht stattgefunden. Hier bliebe noch zu prüfen, inwieweit die Schülerinnen und Schüler hier offenen Unterricht erleben.

In Anlehnungen an Gudjons oder Peschel sollte offener Unterricht folgende Dimensionen von Offenheit berücksichtigen, um Selbstkompetenz, Sachkompetenz und Sozialkompetenz der Schülerinnen und Schüler zu fördern und zu fordern:

- Organisatorische Offenheit bzgl. Raum/ Zeit/ Sozialform usw.
- Methodische Offenheit bzgl. des Lernweges
- Inhaltliche Offenheit bzgl. des Lernstoffes innerhalb bestimmter curricularer Vorgaben
- Soziale Offenheit bzgl. zu treffender Entscheidungen, Planungen, Rahmenbedingungen, Aufstellung und Einhaltung von Regeln, Konfliktbearbeitung, Berücksichtigung von Bedürfnissen usw.
- Persönliche Offenheit bzgl. den Schülerinnen und Schüler untereinander sowie der Lehrerin zu den Schülerinnen und Schüler

Je nach Thema, Unterrichtsziel, zur Verfügung stehender Zeit, Sicherheit des Lehrkörpers usw. und natürlich gewählter offener Unterrichtform finden die oben stehenden Punkte mehr oder weniger große Berücksichtigung bei der Planung und Durchführung von offenem Unterricht. Im Folgenden möchte ich eine offene Unterrichtsform, das Stationenlernen, genauer vorstellen.

[...]


[1] Ich verwende durchgängig die feminine Form, gemeint sollen hiermit beide Geschlechter sein.

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Details

Titel
Stationenlernen als Beispiel für das Konzept des offenen Unterrichts
Autor
Jahr
2007
Seiten
14
Katalognummer
V92067
ISBN (eBook)
9783638057769
Dateigröße
543 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Stationenlernen, Beispiel, Konzept, Unterrichts, offener Unterricht, Unterrichtsphasen, Stationen
Arbeit zitieren
Vera Pohlmann (Autor), 2007, Stationenlernen als Beispiel für das Konzept des offenen Unterrichts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92067

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