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Iphigenie auf Tauris - Ein "verteufelt humanes" Drama?

Title: Iphigenie auf Tauris - Ein "verteufelt humanes" Drama?

Term Paper (Advanced seminar) , 2008 , 22 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Laura Cuenca Fernandez (Author)

German Studies - Modern German Literature
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In Goethes „Iphigenie auf Tauris“ hören wir „eine Botschaft der christlich-religiöse[n]
Humanität, aber diese gedeutet im erstmalig und einmalig Goetheschen Sinne“1 ist eine Aussage von Kurt May, die den bisherigen Forschungsstand zur Iphigenie widerspiegelt. Und auch Goethe selbst kam seine Iphigenie, nachdem er „hie und da hineingesehen“ hatte, „ganz verteufelt human vor“2. Wolfdietrich Rasch wagt jedoch einen Vorstoß in eine andere Richtung, in dem er Goethes Iphigenie nicht mehr als Stück der Humanität betrachtet, sondern es als ein „Drama der Autonomie“ bezeichnet. In dieser Hausarbeit soll nun die Frage beantwortet werden, ob sich die Ansicht der traditionellen Forschung oder die modernere Deutung von Wolfdietrich Rasch als wahr erweist, oder ob es sogar noch eine andere Möglichkeit gibt das Drama zu deuten.
Um diese Frage zu klären, werden im ersten Teil der Arbeit zunächst die
Entstehungsgeschichte der „Iphigenie“ und die Unterschiede und Gemeinsamkeiten mit der antiken Vorlage von Euripides untersucht. Auch Goethes Stellung zur Kirche wird in diesem Teil der Arbeit thematisiert. Dies ist ein wichtiger Aspekt, der Goethes Intention hinter seinem Drama verdeutlicht.
Der zweite Teil der Arbeit soll dazu dienen auf die Forschung von Rasch einzugehen. Dabei
werden die drei Hautpunkte untersucht, an denen sich Raschs Deutung von der bisherigen abhebt, nämlich die Heilung von Orest, die Person der Iphigenie selbst und schließlich Thoas Person.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Entstehungsgeschichte

2.1. Goethe und die Kirche

2.2 Gemeinsamkeiten und Unterschiede mit Euripides Iphigenie bei den Tauren

2.2.1 Inhalt

2.2.2 Form und Stil

3. Human oder autonom?

3.1 Traditionelle Forschung

3.2. Rasch

3.2.1 Orests Heilung

3.2.2 Iphigenie

3.2.3 Thoas

4. Resümee

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht Goethes Drama „Iphigenie auf Tauris“ im Spannungsfeld zwischen der traditionellen Forschung, die es als Werk humaner Menschlichkeit betrachtet, und der moderneren Deutung von Wolfdietrich Rasch, der es als „Drama der Autonomie“ definiert. Ziel ist es, diese Interpretationsansätze zu prüfen und zu erörtern, ob eine alternative Deutung möglich ist, die den Charakter der Emanzipation von religiösen und überlieferten Zwängen stärker in den Fokus rückt.

  • Die Entstehungsgeschichte des Werkes und der Einfluss antiker Vorlagen
  • Goethes Verhältnis zur Kirche und seine kritische Haltung gegenüber religiösen Dogmen
  • Vergleichende Analyse der psychologischen und dramaturgischen Unterschiede zu Euripides
  • Die Untersuchung der zentralen Akteure Orest, Iphigenie und Thoas hinsichtlich ihrer Autonomie

Auszug aus dem Buch

3.2.1 Orests Heilung

Die traditionelle Forschung zieht ihre Schlüsse, die Iphigenie als „Festspiel der Humanität“73 zu bezeichnen, besonders aus dem Brief Goethes an den Schauspieler Krüger, der 1827 den Orest darstellt und in dem Goethe schreibt, dass „Alle menschlichen Gebrechen/ reine Menschlichkeit [sühnet]“74, der Heilung des Orest, Iphigenies Figur und dem Einfluss den sie auf Thoas und den Konflikt hat. Für Rasch ist die zentrale Thematik des Dramas eine ganz andere, „nämlich eine religiöse, es geht um das Verhältnis zu den Göttern, das sich unter der Vorraussetzung menschlicher Autonomie im Zeitalter Goethes verändert.“75 Der bereits erwähnte Brief an den Schauspieler Krüger wurde laut Rasch bisher falsch ausgelegt. Er begründet dies zuerst durch eine Wortanalyse. Gebrechen, wie es in dem Brief steht, darf nicht einfach wie im heutigen Sinn mit Schwäche oder Krankheit ausgelegt werden. Zu Zeiten Goethes konnte mit „Gebrechen“ auch ein Verbrechen gemeint sein. Im Kontext mit „sühnen“ macht diese Wortauslegung Sinn. Und damit ergibt sich die Folgerung, dass nur Krankheiten geheilt werden. Ein Verbrechen wie der Muttermord es nun einmal war, ist eine schwere Verfehlung, die nicht einfach geheilt werden kann.

Orest soll seine Schuld laut Rasch also auf rein menschliche Weise, also ohne Hilfe religiöser Instanzen und kultischer Hilfsmittel, hier also durch die Götter, sühnen. Das ist es was Goethe an dieser Stelle exemplarisch erklärt und was überall verkündet werden soll.76 Dass Goethe das Bedürfnis hat die Möglichkeit der rein menschlichen Sühnung von Schuld zu verbreiten erklärt Rasch durch Goethes Verhältnis zu der Kirche. In späteren Jahren hat Goethe oft geäußert, dass er besorgt darüber war, dass die wachsende Macht der Kirche der Aufklärung entgegen wirken könnte.77

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung stellt die gegensätzlichen Deutungsansätze von Kurt May (Humanität) und Wolfdietrich Rasch (Autonomie) vor und formuliert die Forschungsfrage nach der angemessenen Interpretation des Dramas.

2. Entstehungsgeschichte: Dieses Kapitel behandelt die Genese des Werkes, Goethes Auseinandersetzung mit antiken Stoffen, sein kritisches Verhältnis zur Kirche sowie formale Unterschiede zur Vorlage von Euripides.

3. Human oder autonom?: Der Hauptteil analysiert das Stück anhand der traditionellen Forschungsmeinung und der kritischen, auf Autonomie ausgerichteten Interpretation von Rasch, wobei die Charaktere Orest, Iphigenie und Thoas detailliert betrachtet werden.

4. Resümee: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, plädiert für eine Synthese aus beiden Forschungsansätzen und unterstreicht die Bedeutung menschlicher Selbstbestimmung im Werk.

Schlüsselwörter

Iphigenie auf Tauris, Johann Wolfgang von Goethe, Wolfdietrich Rasch, Autonomie, Humanität, Euripides, Aufklärung, Orest, Thoas, Religionskritik, Emanzipation, Mythos, Dramenanalyse, Selbstbestimmung, Sühne

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, ob Goethes „Iphigenie auf Tauris“ primär als ein Drama der Humanität oder als ein Drama der menschlichen Autonomie und Selbstbestimmung zu interpretieren ist.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentral sind die Abkehr von traditionaler Götterautorität, die Entwicklung von Charakteren in Richtung Emanzipation und der Vergleich von Goethes Werk mit der antiken Vorlage des Euripides.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Es wird gefragt, ob sich die traditionelle Forschung oder die modernere, stärker auf Autonomie fokussierte Deutung von Wolfdietrich Rasch als treffender erweist, oder ob eine neue Interpretation notwendig ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Vergleich mit antiken Quellen (Euripides), die Untersuchung des historischen Entstehungskontexts und eine kritische Auseinandersetzung mit der Forschungsliteratur kombiniert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine historisch-theoretische Fundierung (Entstehung, Kirche) und eine textnahe Untersuchung der Hauptfiguren Orest, Iphigenie und Thoas im Lichte der Autonomie-These.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit zeichnet sich durch Begriffe wie Autonomie, Humanität, Aufklärung, Götterautorität, Emanzipation und die spezifische psychologische Wandlung der Charaktere aus.

Inwiefern beeinflusst das „Hades-Motiv“ die Heilung von Orest?

Das Motiv dient als Metapher für Sterblichkeit und Selbsterkenntnis, wodurch Orest seine Schuld moralisch aufarbeitet und eine „innere Absolution“ erfährt, anstatt nur durch eine äußerliche göttliche Fügung geheilt zu werden.

Warum spielt die Figur des Thoas bei Rasch eine besondere Rolle?

Rasch hebt hervor, dass Thoas durch seine uneingeschränkte Macht zwar äußerlich autonom ist, aber dennoch menschlich beeinflussbar bleibt, wobei sein Versprechen zu Beginn des Stückes den Ausgang des Dramas unabhängig von Iphigenies reinem Mitleidsappell vorbereitet.

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Details

Title
Iphigenie auf Tauris - Ein "verteufelt humanes" Drama?
College
University of Dusseldorf "Heinrich Heine"
Grade
1,7
Author
Laura Cuenca Fernandez (Author)
Publication Year
2008
Pages
22
Catalog Number
V92069
ISBN (eBook)
9783638053129
ISBN (Book)
9783638951784
Language
German
Tags
Iphigenie Tauris Drama Iphigenie auf Tauris
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Laura Cuenca Fernandez (Author), 2008, Iphigenie auf Tauris - Ein "verteufelt humanes" Drama?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92069
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