Zwillingsformeln, Paarformeln und Wortpaare in der deutschen Gegenwartssprache


Hausarbeit, 2007

17 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Was ist deutsche Gegenwartssprache?

3. Die Forschungsgeschichte der Phraseologie

4. Zwillingsformeln, Paarformeln und Wortpaare als Beispiel unbewusst-gebrauchter Phraseologismen in der alltäglichen Kommunikation
4.1. Zwillingsformeln
4.1.1. klipp und klar
4.1.2. Schulter an Schulter
4.2. Paarformeln
4.2.1. Feuer und Flamme
4.2.2. Nacht und Nebel
4.3. Wortpaare
4.3.1. Jacke wie Hose
4.3.2. gehupft wie gesprungen
4.4. Eine erste Zusammenfassung

5. Okkasionelle Abwandlung von Phraseologismen (am Beispiel der Paarformeln)
5.1. Die Abwandlungsmöglichkeiten von Paarformeln
5.1.1. Addition
5.1.2. Subtraktion
5.1.3. Substitution
5.1.4. Permutation

6. Schluss

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Basierend auf dem im Sommersemester 2007 besuchten Hauptseminar Phraseologie und den dabei erworbenen Kenntnissen, soll diese wissenschaftliche Ausarbeitung einen vertiefenden Einblick in die Thematik Zwillingsformeln, Paarformeln und Wortpaare in der deutschen Gegenwartssprache bieten.

Im Fokus der Betrachtung soll der Aspekt, des alltäglichen Gebrauchs dieser phraseologischen Erscheinungsformen stehen. D.h., es sollen die Begrifflichkeiten Zwillingsformel, Paarformel und Wortpaar geklärt und jeweils zwei Beispiele als Exempel für die gegenwärtige Nutzung gegeben werden.

Des Weiteren erfolgt ein knapper Ausblick auf die Abwandlung von Paarformeln, um darzulegen, wie allgegenwärtig – und sicherlich zum Teil unbewusst – sich ihr Gebrauch in der heutigen deutschen Sprache vollzieht.

Im Anschluss an diese Einleitung erfolgen eine initiatorische Begriffserklärung zur deutschen Gegenwartsprache, sowie ein partiell stark verkürzter Abschnitt zur Forschungsgeschichte der Phraseologie. Das ist notwendig, um sowohl einen mühelosen Einstieg, als auch eine objektive Beschäftigung mit dem Thema zu ermöglichen.

Ziel dieser Arbeit soll sein, aufzuzeigen, dass Zwillingsformeln, Paarformeln und Wortpaare ein wesentlicher Bestandteil der heutigen deutschen Sprache sind und durch ihre besondere Beschaffenheit großen Anklang finden.

2. Was ist deutsche Gegenwartssprache?

Unter dem Begriff Gegenwartsdeutsch, bzw. deutsche Gegenwartssprache, versteht man ganz allgemein die deutsche Sprache des 20., bzw. 21. Jahrhunderts. In Form eines generalisierenden Überbegriffs umfasst sie sämtliche, gegenwärtig auszumachenden Variationen der deutschen Sprache, d.h. die Hoch-, Standard,- als auch die Gemeinsprache, sowie alle regional, funktional o.ä. geprägten Stilvarianten.

Die heutige deutsche Sprache, deren Orthographie, Schrift, Phonologie, Morphologie, Semantik und ihre lexikalischen Merkmale sind das Ergebnis einer kontinuierlichen Sprachentwicklung. Unter dem Begriff des Frühneuhochdeutschen wird sie nach dem Alt- und dem Mittelhochdeutschen als die aktuellste Sprachepoche in dieser Entwicklung betrachtet.

Neben der zeitlichen Dimension ist die Entwicklung der deutschen Sprache auch durch räumliche Faktoren geprägt. So umfasst sie diverse Mundarten und regionale Umgangssprachen. Auf die Phraseologismen bezogen, lässt sich hierbei beobachten, dass deren Kenntnis oft auf bestimmte Sprechergruppen in bestimmten Sprachräumen begrenzt ist.

Neben diesen Aspekten sind jedoch auch historische Ereignisse, wie der 1. und 2.Weltkrieg, der Mauerfall o.ä. sind von erheblicher Bedeutung für das heutige Sprachbewusstsein.

Die hohe innere Differenziertheit des Deutschen lässt sich im Besonderen an Phänomenen, wie den sog. Gruppensprachen, Geheimsprachen oder Fachsprachen beobachten.[1] Zwischen den vielen Variationen des Deutschen lassen sich kaum genaue Grenzen ziehen. Besonders die im Bereich Gruppensprachen angesetzte Jugendsprache ist in besonderem Maße prägend für die heutige deutsche Sprache. Sie ist durchsetzt von Anglizismen, Neologismen, Verstärkungswörtern, Schimpfwörtern etc., welche als spezifisch jugendsprachliche Stilmittel dem Zweck der Ausdrucks,- Darstellungs- und Apellfunktion dienen.[2] Durch die spezielle Konzipierung von jugendgemäßer Rundfunk- und Fernsehwerbung, etablierten sich einige, der gegenwärtig besonders präsenten Phraseologismen, recht schnell durch den stetigen Gebrauch der Rezipienten. So zum Beispiel der Slogan eines Elektronikfachmarktes Geiz ist geil.

Einen Weiteren sprachprägender Aspekt stellt die ansteigende Zuwanderung von Immigranten und die damit verbundene Einflussnahme durch andere europäische Sprachen dar.

„Jugendliche in Deutschland verwenden immer mehr türkische, arabische und russische Worte und Formulierungen. […] „Machst du rote Ampel.“ Manchmal versteht man nur Bahnhof, wenn sich Jugendliche unterhalten.“[3]

Bei der hier beschriebenen Herausbildung und Beeinflussung der deutschen Gegenwartssprache spielen die Phraseologismen, wozu Zwillingsformeln, Paarformeln und Wortpaare gehören, keine unwesentliche Rolle. Sie sind allgegenwärtig und fest in unserem Sprachgebrauch etabliert. In den Medien, der Literatur und somit auch in unserer alltäglichen Kommunikation sind solcherlei Ausprägungen formelhafter Sprache von enormer Bedeutung.

Wie es zu diesem Phänomen kam und warum die Parömiologie, d.h. die Wissenschaft der Sprichwörter bzw. sprichwörtlichen Redewendungen, noch eine in den Kinderschuhen steckende Wissenschaft ist, wird im folgenden Punkt erläutert.

3. Die Forschungsgeschichte der Phraseologie

Die Anfänge der Parömiologie sind mit Beginn des 17. Jahrhunderts auszumachen. Hier entsteht die älteste deutsche Sprichwörtersammlung von M. F. Peters – Der Teutschen Weißheit (1604-1605).

Einen ersten ernst zunehmenden Beitrag zur Parömiologie uns Phraseologie soll Wander 1836 geleistet haben. Die ersten reinen Redensartensammlungen erscheinen Ende des 19. Jahrhunderts (Schrader 1886, Borchardt 1888 und Richter 1889), in ihnen geht es aber vornehmlich um soziokultur- und sprachgeschichtliche Erklärungen.[4]

Relativierend ist diesem Zitat gegenüber zu stellen, dass es bereits eine aus dem Jahr 1582 stammende Sammlung, bestehend aus Sprichwörtern und volkstümlichen Redewendungen, verfasst von Johannes Agricola und Martin Luther gibt.[5]

Darüber hinaus beschäftigten sich auch eine Reihe anderer Autoren mit dem linguistischen Aspekt der Phraseologismen, so zum Beispiel der Gymnasiallehrer Schnitzer, der sich in seiner Arbeit, Begriff und Gebrauch der Redensart von 1871, mit den Erfordernissen des Deutschunterrichts auseinandersetzt.[6]

Eine Vielzahl weiterer Auseinandersetzungen, mit dem Forschungsgegenstand der Parömiologie, folgte in sprachtheoretischen Arbeiten bis in das 20. Jahrhundert hinein.

Doch wesentlich bestimmt haben erst die „Materialsammlungen und historisch-etymologische oder sachlich-kulturgeschichtliche Erläuterungen […] der deutschsprachigen Germanistik und Volkskunde bis in die ersten Jahrzehnte nach dem zweiten Weltkrieg die Beschäftigung mit Sprichwort und Redensart.“[7] Ein Beleg dafür, dass die Forschungsgeschichte der Phraseologie nicht weit zurück geht und die Parömiologie – im Vergleich zu anderen Wissenschaften – noch in der Kinderschuhen steckt.

Erst in den 70er Jahren gibt Černyševa (Frazeologija sovremennogo nemeckogo jazyka) eine komplette Darstellung der deutschsprachigen Phraseologie. Aber auch deutschsprachige Autoren beginnen sich zunehmend der Gegenstandsbestimmung und Klassifikation der Phraseologismen zu widmen.[8] Zu nennen sind hier U. Fix, H. Burger, W. Fleischer und

A. Rothkegel. Durch die Publikationen dieser einschlägigen LinguistInnen „nimmt die endgültige Etablierung der deutschen Phraseologie als eigenständige Teildisziplin ihren Anfang.“[9] Auch wird im Jahr 1981 das 1. Internationale Phraseologie-Symposium in Mannheim durchgeführt, welches ab 1988 in Europhras umbenannt wurde.[10]

Bis heute ist die Parömiologie ein Forschungsgebiet, welches noch eine Fülle an Untersuchungsmöglichkeiten – beispielsweise die Abgrenzung zu anderen sprachwissenschaftlichen Gebieten – offen lässt, so dass eine gegenwärtiger Stand der Forschungsergebnisse nicht leicht auszumachen ist.

4. Zwillingsformeln, Paarformeln und Wortpaare als Beispiel unbewusst-gebrauchter Phraseologismen in der alltäglichen Kommunikation

In diesem Punkt der Arbeit sollen jeweils zwei selbstgewählte Bespiele zu Zwillingsformeln, Paarformeln und Wortpaaren Aufschluss darüber geben, wie unwillkürlich sie vom Sprecher in der alltäglichen Kommunikation verwendet werden, ohne sich über den Hintergrund des gebrauchten Phraseologismus bewusst zu sein. Die jeweiligen Erläuterungen zu den einzelnen Beispielen beziehen ich auf Lutz Röhrichs Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten und dienen dem etymologischen Verständnis.

Zu Beginn jedes Teilabschnittes wird eine Erklärung zum jeweiligen Begriff erfolgen, um eine eindeutige Zuordnung gewährleisten zu können. Dabei muss vorab erwähnt werden, dass ein Überangebot an Begriffserklärungen existiert, so dass keine allgemeingültige, jedoch eine auf Kombination verschiedener Definitionen beruhende Erklärung gegeben werden kann.

4.1. Zwillingsformeln

Nach Häusler handelt es sich bei Zwillingsformeln, „Wie der Name nahe legt […] um sprachliche Zwillinge, also eine stilistisch-syntaktische Erscheinung, die aus zwei Teilen – d.h. Wörtern – gleicher grammatischer Kategorie besteht.“[11] Ergänzt werden kann diese Aussage durch Bußmann, der Zwillingsformeln unter dem Terminus der Binomiale zusammenfasst. Weiterhin ist zu lesen, dass sie ein „Terminus der Phraseologie zur Bezeichnung meist irreversibler, durch Konjunktionen oder Präpositionen verknüpfter Wortpaare häufig mit Alliteration“[12] sind.

[...]


[1] Vgl. http://www.uni-essen.de/linguistik.buenting/varietaetenscript1.pdf

[2] Vgl. http://www.uni-tuebingen.de/isp/iprojekt2003/gegenwartssprache/gegenwartssprache.html

[3] http://www.sueddeutsche.de/,tt4m2/wissen/artikel/314/106208/

[4] http://viadrina.euv-frankfurt-o.de/~owl/2_hecken/hecken.html

[5] Agricola, Johannes; Luther, Martin: Wir mussen die Spruchwörter erretten. Sprichwörter und volkstümliche Redewendungen von Johannes Agricola und Martin Luther. Ausgewählt und bearbeitet von Rose-Marie Knape und Gunter Müller. Wittenberg: Verlag Janos Stekovics. (1996).

[6] Vgl. Fleischer, Wolfgang. Phraseologie der deutschen Gegenwartssprache. 2. Auflage. Tübingen: Max Niemeyer Verlag. (1997). S. 15-16.

[7] Fleischer, Wolfgang. Phraseologie der deutschen Gegenwartssprache. 2. Auflage. Tübingen: Max Niemeyer Verlag. (1997). S. 15.

[8] Vgl. Ebd. S. 17-18.

[9] http://viadrina.euv-frankfurt-o.de/~owl/2_hecken/hecken.html

[10] Vgl. Ebd.

[11] Häusler, Sabine: Zwillingsformeln im altsächsischen Heiland. In: Historisch-Vergleichende Sprachwissenschaft und germanische Sprachen. Akten der 4. Neulandtagung der Historisch-Vergleichenden Sprachwissenschaft in Potsdam 2001. (Hrsg.): Fritz, Matthias; Wischer, Ilse. Innsbruck: Institut für Sprachen und Literaturen der Universität Innsbruck. (2004). S. 35-48.

[12] Bußmann, Hadumod (Hrsg.): Lexikon der Sprachwissenschaft. 3. Auflage. Stuttgart: Alfred Kröner Verlag. (2002). S. 126.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Zwillingsformeln, Paarformeln und Wortpaare in der deutschen Gegenwartssprache
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Note
2,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
17
Katalognummer
V92082
ISBN (eBook)
9783638057295
ISBN (Buch)
9783640562992
Dateigröße
476 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
20 Einträge im Literaturverzeichnis, davon 6 Internetquellen.
Schlagworte
Zwillingsformeln, Paarformeln, Wortpaare, Gegenwartssprache
Arbeit zitieren
Anna Stöhr (Autor), 2007, Zwillingsformeln, Paarformeln und Wortpaare in der deutschen Gegenwartssprache, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92082

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