Die vermuteten Funktionen der Fugenelemente in der Wortbildung


Hausarbeit, 2008

8 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die vermuteten Funktionen der Fuge
2.1 Morphologische Funktion: Gliederung
2.2 Semantische Funktion: Plural
2.3 Syntaktische Funktion: Genitiv

3 Ergebnis

4 Literaturverzeichnis 8

Einleitung

„Was ein Wort bedeutet, kann ein Satz nicht sagen“. Diese Aussage stammt von Ludwig Wittgenstein und beschreibt wohl umfassender wie alle anderen Versuche, was es mit der wissenschaftlichen Analyse von Sprache auf sich hat. Ein Wort oder ein sprachliches Phänomen kann niemals vollständig in seiner Bedeutung wiedergegeben werden, doch die Linguistik möchte wenigstens eine Annäherung schaffen und bestimmte Eigenheiten und Besonderheiten der Sprache aufdecken, systematisieren und kategorisieren. So versucht sie dies auch in der deutschen Wortbildung, indem sie untersucht, welche Gesetzmäßigkeiten die deutsche Sprache bei der Bildung von Worteinheiten aufweist. Untersuchungsgegenstand ist beispielsweise die Komposition. Hier wird die Zusammensetzung mehrerer Wörter und Wortstämme analysiert und kategorisiert. Es gibt aber auch Analysen zur Derivation, bei denen die Zusammensetzung von einem eigenständigen Grundmorphem und einem meist unselbstständigen Affix untersucht werden. Das Thema dieser Ausarbeitung widmet sich aber einer anderen Erscheinung der deutschen Wortbildung:

In Kompositionen und Derivationen treten zwischen den Gliedern sehr häufig sogenannte Fugenelemente auf. Fugenelement soll in dieser Arbeit sein, was über die Form des Nominativ Singular des substantivischen Erstgliedes in einer Komposition oder Derivation hinausgeht (vgl. Eisenberg 2004: 227). Fugenelemente können sein -n-, -ns-, -e-, -er-, -en-, -es-, -ens- und das einfache -s-. Weitere mögliche Fugen sind -i- und -o-, diese werden hier aber ausgeblendet, da sie eigentlich nur bei Wörtern vorkommen, die aus anderen Sprachen entlehnt worden sind. Deswegen werden sie auch als „Lehnfugenelemente“ bezeichnet (vgl. Donalies 2007: 33).

In dieser Ausarbeitung wird näher erläutert, ob die Fugenelemente bestimmte Funktionen und damit verbundene Regelhaftigkeiten aufweisen und ob daraus bestimmte Gesetzmäßigkeiten erschlossen werden können, wann welche Fugen wo auftreten. Diese vermuteten Funktionen werden kritisch hinterfragt und auch Ausnahmen sowie Nicht-Entsprechungen näher erläutert um am Ende zu einem begründetem Fazit zu gelangen.

2 Die vermuteten Funktionen der Fuge

Die folgenden Ausführungen basieren hauptsächlich auf den Analysen von Nanna Fuhrhop aus dem Jahre 1996, sie werden aber ergänzt mit Ergebnissen, Meinungen und Gegenpositionen anderer Linguisten. Fuhrhop untersucht die Fugenelemente in ihrem Werk auf Grundlage von drei vermuteten Funktionen, der morphologischen, der semantischen und der syntaktischen Funktion. Im Folgenden dieser Arbeit werde ich gleichermaßen vorgehen.

2.1 Morphologische Funktion: Gliederung

Wenn man nach dem Sinn und Zweck von Fugenelementen fragt, so wird ihnen oft die semantische Funktion der Gliederung von Worten zugesprochen (vgl. Fuhrhop 1996: 530). Dabei vermutet man, dass es eine Korrelation zwischen Komplexität des Wortes und der Setzung von Fugenelementen gibt. Ist das Erstglied eines Kompositums oder Derivats sehr komplex, so nimmt die Theorie an, dass hier eher ein Fugenelement verwendet wird. Dies wird augenscheinlich, wenn man Beispiele betrachtet wie „Werkzeug“ und „Handwerkszeug“ oder „Turmuhr“ und „Kirchturmsuhr“ (Fuhrhop 1996: 530). Das Fugenelement scheint hier zur Hierarchisierung gesetzt zu sein und könnte dem Leser dadurch eine bessere Orientierung innerhalb eines komplexen Wortes schaffen (vgl. Fuhrhop 1996: 530). Weiter spricht für diesen Ansatz, dass komplexere Einheiten zur besseren Gliederung häufig auch neben dem Fugenelement einen Bindestrich besitzen wie zum Beispiel bei Wörtern wie „Reinlichkeits-Phantasien“ oder „Wahrscheinlichkeits-Nachweis“ (Donalies 2007: 30, bezogen auf Frankfurter Rundschau 1999, IDS-Korpora / Salzburger Nachrichten 1996, IDS-Korpora). Dennoch muss man diese vermutete Funktion kritisch betrachten, da es auch genügend eindeutige Nicht-Entsprechungen gibt wie „Schiffsanlegestelle“ und „Fahrgastschiffanlegestelle“ (Fuhrhop 1996: 530). Hierbei fällt auf, dass das komplexere Wort eben kein Fugenelement mehr trägt, das kürzere Wort aber schon.

Somit liefert dieser Ansatz schon die eigentliche Problematik, die bei der Funktionszuschreibung der Fuge generell auftritt: Es lassen sich keine festen Regelhaftigkeiten feststellen, sondern nur ungefähre „produktive Regularitäten und einige allgemeine Tendenzen“ (Eisenberg 2004: 227). Die Frage, ob Fugenelemente eine morphologische Funktion der Gliederung besitzen, lässt sich deshalb nur bedingt bejahen. Fuhrhop erläutert, dass man weder hinreichende, noch notwendige Bedingungen feststellen kann, ob und wann ein Fugenelement zur Gliederung eines Substantivs auftritt (vgl. Fuhrhop 1996: 530).

2.2 Semantische Funktion: Plural

Ein weiterer Ansatz zur Funktion von Fugenelementen geht davon aus, dass eine verwendete Fuge in einer Komposition oder Derivation, die zugleich auch Pluralmarker in der Flexion des Erstgliedes ist, meist auch einen wirklichen Plural-Rückbezug hat. Somit erscheint es einem plausibel, dass bei einer Komposition wie „Frauenarbeit“, bei der die Fuge -en- eingesetzt wird, auch gleichzeitig die Pluralbedeutung „die Arbeit der Frauen“ gemeint ist (Fuhrhop 1996: 531). Es lassen sich bei dieser Betrachtung zahlreiche andere Beispiele finden wie die „Quadratestadt“ Mannheim, welche aus Quadraten besteht oder das „Bücherregal“, auf dem mehrere Bücher stehen (Fuhrhop 1996: 531). Alle Beispiele tragen die Pluralbedeutung implizit in sich und es stellt sich eigentlich die Frage, ob sie deshalb eigentlich überhaupt Fugen sind, oder einfach nur Flexionsendungen, die aufgrund der Pluralbedeutung direkt an das Erstglied angehängt wurden. Wenn es die er-Fuge nur mit dem semantischen Zusammenhang des Plurals gäbe, würde sie wahrscheinlich auch gar nicht zu den Fugenelementen gerechnet werden. Es gibt aber Nicht-Entsprechungen, die die Plural-Funktion in Frage stellen. So erkennt man bei Beispielen wie „Hühnerei“, dass die Fugen zwar „formal mit den entsprechenden Pluralflexiven der Erstglieder übereinstimmen. Die semantische Interpretation der Komposita läßt [ sic! ] aber nur eine singularische Deutung“ zu (Ramers 1997: 36). Ein „Hühnerei“ ist „Ei eines Huhns“, sowie auch ein „Brillengestell“ das „Gestell für eine Brille“ ist (Ramers 1997: 36). Genauso findet auch Fuhrhop Beispiele, die zeigen, dass Nicht-Entsprechungen auftreten können bei Komposita wie „Schweinebraten“ als „Teil eines Schweins“ oder aber auch der „Kinderwagen“, der ja für gewöhnlich nur ein Kind transportiert (Fuhrhop 1996:531). Auch Peter Eisenberg stellt „semantisch falsche Plurale“ fest wie „Gänsebraten“ und „Sonnenschein“ (Eisenberg 2004: 228). Der „Gänsebraten“ ist analog zum eben schon genannten „Schweinebraten“ zu erschließen, der „Sonnenschein“ ist eben auch nur der „Schein der einen Sonne“. Umgekehrt gibt es auch Komposita wie „Freundeskreis“ oder Anwaltskammer“, die als Fugenelement ein -s- mit sich führen, was formal gesehen eine Genitivendung ist, die Singular anzeigt. Dennoch tragen die Komposita eigentlich eine plurale Bedeutung, da „ein Freundeskreis [...] ein Kreis von Freunden, nicht eines Freundes“ ist (Ramers 1997: 36). Elke Donalies stellt fest, dass man zwar bei einem Wort wie „Bücherkiste“ die plurale Bedeutung bestätigen kann, sie wirft dann aber die Frage auf, warum bei einem verwandten Kompositum, wie „Buchhandlung“, das genauso die plurale Bedeutung trägt, das Erstglied im Singular verwendet wird (vgl. Donalies 2007: 32).

Somit muss man sich wohl auch von der semantischen Funktion der Fugenelemente als Pluralmarker verabschieden, da es einfach zu viele Gegenbeispiele und Nicht-Entsprechungen gibt, die den Ansatz widerlegen. Was aber dennoch die semantische Funktion als Pluralanzeiger verteidigt, ist die Tatsache, dass viele Sprecher die Verwendung der Pluralform im Erstglied einer Komposition oft rein semantisch begründen (Fuhrhop 1996: 531).

[...]

Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Die vermuteten Funktionen der Fugenelemente in der Wortbildung
Hochschule
Universität Trier
Veranstaltung
Proseminar
Note
1,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
8
Katalognummer
V92092
ISBN (eBook)
9783638057349
Dateigröße
344 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Funktionen, Fugenelemente, Wortbildung, Proseminar, Germanistische Linguistik, Linguistik
Arbeit zitieren
Florian Meier (Autor), 2008, Die vermuteten Funktionen der Fugenelemente in der Wortbildung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92092

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