Vor über 25 Jahren stellt Stephen L. Wailes fest, die Hoffnungen Hanns Fischers aus dem Jahr 1960 auf eine Belebung der Stricker-Forschung hätten sich nicht erfüllt. Auch in den Jahren, die seither vergangen sind, hat insbesondere die geistliche Dichtung des mittelalterlichen Dichters wenig Interesse auf sich gezogen, obwohl gerade die geistlichen Themen von größter Bedeutung für den Stricker gewesen sind.
Diese Tatsache würdigend soll in dieser Arbeit eines der beeindruckendsten und umfangreichsten geistlichen Werke im Mittelpunkt stehen, das dem Stricker zugeschrieben wird: ‚Vom heiligen Geist’. Anhand dieses großen Gedichtes wird der Versuch unternommen werden, den Mitteln auf die Spur zu kommen, deren sich der Stricker bei Aufbau und Gestaltung bedient hat, wie auch den besonderen Akzenten, die er bei der Verbreitung der geistlichen Lehren setzte.
Zuvor jedoch wird sich ein Abschnitt mit den Umständen der Entstehung der Dichtung des Strickers beschäftigen und der Frage nachgehen, inwieweit überhaupt konkrete Aussagen über Autor und Werk zulässig und machbar sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die geistliche Welt in der Zeit des Strickers
2.1 Didaxe im Werk des Strickers
2.2 Auftragsarbeiten?
3. Vom heiligen Geist
3.1 Aufbau
3.1.1 Das Wirken des heiligen Geistes
3.1.2 Die Gaben des heiligen Geistes und die sieben Sünden
3.2 Interpretation
4. Schluss
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das geistliche Gedicht „Vom heiligen Geist“ des mittelalterlichen Dichters „Stricker“, um die rhetorischen und inhaltlichen Mittel zu identifizieren, die er zur Vermittlung christlicher Lehren einsetzt, sowie seine Rolle als Vermittler religiöser Ordnungsvorstellungen zu beleuchten.
- Analyse der didaktischen Strategien des Strickers
- Untersuchung der Entstehungskontexte und der Rolle des Autors
- Detaillierte Deutung der Allegorien im Werk „Vom heiligen Geist“
- Zusammenhang zwischen den Gaben des heiligen Geistes und den sieben Todsünden
- Reflexion über den Stricker als geistlichen Dichter
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Das Wirken des heiligen Geistes
„WIR suln loben den heiligen geist“ fordert der Stricker gleich zu Beginn seines Gedichtes. Er zeigt damit sofort, dass er sich selbst in die Masse der Gläubigen einreiht, dass er sich zu denen zählt, an die er sich wendet. Eine Wortwahl, der er in der Folge treu bleibt. Es folgt ein erstes Loblied auf den heiligen Geist und auf seine Bedeutung für die Christenheit, der thematische Schwerpunkt wird gesetzt.
An diesen Einleitungsteil schließt der Stricker mehrere Vergleichsabschnitte an, in denen der heilige Geist zur Verdeutlichung mit Konkreta gleichgesetzt wird, um seine Macht in aneinander gefügten Allegorien zu entwickeln und zu verdeutlichen. Der Stricker „bietet uns […] acht Studien zur Funktion des Geistes in der Rechtfertigung an“, die sich „durch Bildhaftigkeit und gedankliche Genauigkeit aus[zeichnen]“. „[J]ede von ihnen stellt den Sünder als Empfänger einer göttlichen Handlung vor, die ihn in der Verfallenheit erreicht und zur Umkehr bewegt.“
Zuerst setzt der Dichter den heiligen Geist dem Wasser gleich: „Er chumt einem allz ein wazzer.“ Dieses heilige Wasser vermag es, den Sünder zu reinigen:
also chan der haeilige geiste baden. swelhen menschen er von den sunden in siner gnaden unden also durch waschen hat genomen, dem ist er als ein wazer chomen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert die Forschungsgeschichte und setzt das Ziel, das Werk „Vom heiligen Geist“ als bedeutendes Zeugnis der geistlichen Dichtung des Strickers zu würdigen.
2. Die geistliche Welt in der Zeit des Strickers: Dieses Kapitel skizziert die religiöse Frömmigkeitsbewegung des 13. Jahrhunderts und diskutiert den Stricker als belehrenden Vermittler christlicher Sittenlehre.
2.1 Didaxe im Werk des Strickers: Hier wird der belehrende Charakter des Werkes betont, welches darauf abzielt, christliche Glaubens- und Sittenlehren einem breiten Publikum zu vermitteln.
2.2 Auftragsarbeiten?: Dieser Abschnitt beleuchtet die schwierige Quellenlage bezüglich möglicher Förderer des Dichters und bewertet die Hypothesen über seine Nähe zur kirchlichen Institution.
3. Vom heiligen Geist: Ein Überblick über das Großgedicht und seine Bedeutung in der Forschung, insbesondere unter Berücksichtigung der Arbeiten von Ute Schwab und Stephen L. Wailes.
3.1 Aufbau: Dieser Teil analysiert die Struktur des Gedichts, das in zwei Hauptteile gegliedert ist.
3.1.1 Das Wirken des heiligen Geistes: Untersuchung der verschiedenen Allegorien, durch die der Stricker die reinigende und wirkende Kraft des heiligen Geistes auf die menschliche Seele verbildlicht.
3.1.2 Die Gaben des heiligen Geistes und die sieben Sünden: Analyse des zweiten Teils, in dem die sieben Gaben des heiligen Geistes als Gegenmittel zu den sieben Todsünden dargestellt werden.
3.2 Interpretation: Zusammenfassende Deutung, die das Gedicht sowohl als Teil der Bußlehre als auch als anspruchsvolles Zeugnis theologischer Belehrung einordnet.
4. Schluss: Fazit der Arbeit, in dem der Stricker trotz ungeklärter Identität als bedeutender und kompetenter geistlicher Dichter seiner Zeit rehabilitiert wird.
Schlüsselwörter
Der Stricker, Vom heiligen Geist, geistliche Dichtung, Didaxe, Mittelalter, Bußlehre, Allegorie, heiliger Geist, sieben Gaben, sieben Todsünden, christliche Sittenlehre, Frömmigkeitsbewegung, Erziehung, Seelenheil, Volkssprache
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem umfangreichen geistlichen Gedicht „Vom heiligen Geist“, das dem mittelalterlichen Dichter „Stricker“ zugeschrieben wird, und untersucht dessen didaktische Absichten und rhetorische Gestaltung.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Studie?
Die Schwerpunkte liegen auf der geistlichen Welt des 13. Jahrhunderts, der Bedeutung des heiligen Geistes im christlichen Leben, der Rolle der Buße sowie der didaktischen Vermittlung von Glaubenswahrheiten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Stricker anhand dieses Werkes wieder als bedeutenden geistlichen Dichter in Erinnerung zu rufen und die Struktur sowie die Akzente seiner religiösen Lehre aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Text des Gedichts interpretiert, in den historischen Kontext der zeitgenössischen Predigt- und Lehrkultur einordnet und bisherige Forschungsergebnisse kritisch reflektiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Entstehungsumstände, die Analyse der Wirkungsweisen des heiligen Geistes in allegorischen Vergleichen und die Darstellung der Beziehung zwischen den Gaben des Geistes und den Todsünden.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die zentralen Begriffe sind Stricker, Vom heiligen Geist, Didaxe, Allegorie, Bußlehre, geistliche Dichtung und mittelalterliche Frömmigkeit.
Wie deutet der Autor das „Wirken des heiligen Geistes“ in Kapitel 3.1.1?
Der Stricker verwendet konkrete Allegorien, wie etwa Wasser, Öl oder Feuer, um die unterschiedlichen Funktionen des heiligen Geistes – wie Reinigung, Salbung oder Erleuchtung – bildhaft und für den Sünder verständlich zu machen.
Welchen Stellenwert räumt der Autor der „Buße“ im Vergleich zu den „Gaben“ ein?
Der Autor zeigt auf, dass der Stricker die Buße des Sünders als zentralen Willensakt betrachtet, während die Gaben des heiligen Geistes als göttliche Unterstützung dienen, um Todsünden wie die Hoffart zu überwinden.
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- Stefan Krause (Author), 2008, „Wir suln loben den heiligen geist“ - Der Stricker als Vermittler geistlicher Inhalte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92105