Leibniz Monadologie. Eine kritische Auseinandersetzung


Hausarbeit, 2020

15 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Monade im Unterschied zu dem Zusammengesetzten

3 Vernunft- und Tatsachenwahrheiten

4 Der Parallelismus bei Leibniz
4.1 Das Leib-Seele-Problem
4.2 Bezüge der Monaden untereinander

5 Die Vollkommenheit Gottes und die beste aller möglichen Welten

6 Fazit

1 Einleitung

Die Monadologie bietet in ihrer Kompaktheit von 90 Paragraphen und kurzer, aufei- nander aufbauender Argumente einen umfassenden Überblick über die Metaphysik Leib­niz'. Ausgangspunkt dieser 1714 verfassten Schrift stellte ein Briefwechsel zwischen Leibniz und dem französischen Rechtsgelehrten Nicolas Remond dar. Somit war die Mo- nadologie (im Original „ Eclaircissement sur les Monades“ und 1720 von Heinrich Köh­ler als „Monadologie“ ins Deutsche übersetzt) ein Versuch, die Lehre der Monaden für den Gelehrtenkreis um Nicolas Remond verstandlich zu machen und obwohl sie wohl nicht als Veröffentlichung für die Öffentlichkeit bestimmt war1, wird sie als pragnante Zusammenfassung der metaphysischen Annahmen kurz vor Leibniz' Tod 1716 auch als „Vermachtnisschrift“2 für die Nachwelt bezeichnet.

Im Folgenden sollen die wichtigsten Thesen und Argumentationsstrange der Mona- dologie dargestellt und kritisch auf ihre Begründungen untersucht werden. Denn auch wenn das Werk den von Leibniz' vorgestellten Aufbau der metaphysischen Wirklichkeit ausgiebig darzustellen vermag, fallt die Begründung ihrer Thesen mitunter nur oberflach- lich und schwer nachvollziehbar aus.

Auch wenn Leibniz viele seiner Überlegungen in fast unüberschaubar vielen Schrif­ten und Briefwechseln weiter erörtert hat (so umfasst der nach seinem Tod gesicherte Nachlass mehr als 50.000 Stücke)3, soll der Schwerpunkt dieser Arbeit auf den in der Monadologie gegeben Thesen und Erklarungen liegen. Als Erganzung zu einigen Thesen der Monadologie wird lediglich der 1714 geschriebene Text „Auf Vernunft gegründete Prinzipien der Natur und der Gnade“ zur Hilfe genommen.

2 Die Monade im Unterschied zu dem Zusammengesetzten

Die Monade wird bereits im ersten Paragraphen der Monadologie eingeführt: Sie sei „einfache Substanz, welche in die Zusammengesetzten eingeht; einfach, das heiBt ohne Teile“. (§1) Das Zusammengesetzte sei ein „Aggregat von Einfachen“ (§2).

Das Argument, abgeleitet aus §2 sahe folgendermaBen aus:

P1: Es gibt Zusammengesetztes.

P2: Das Zusammengesetzte ist nichts weiter als ein Aggregat von Einfachem.

K: Es gibt Einfaches.

Pramisse 1 „Es gibt Zusammengesetztes“ scheint wenig Probleme zu bereiten. Wah- rend Monaden die „wahrhaften Atome der Natur (§3) seien und aufgrund ihrer fehlenden Teile auch keine Ausdehnung besaBen, habe das Zusammengesetzte Teile durch welches es „anfangt oder endet“ (§6) und zwischen denen es „Veranderungen“ (§7) gebe. Dies legt den Schluss nahe, dass Leibniz unter dem Zusammengesetzten die beobachtbaren, materiellen Objekte der Welt versteht, wahrend sich die Monaden auf Grund ihrer feh- lenden Ausdehnung und dem Fehlen von Teilen nicht beobachten lieBen.

Doch grade diese Teil-losigkeit der einfachen Substanzen lasst Zweifel an der Plau- sibilitat der Pramisse 2 aufkommen: Wie kann das teilbare und körperliche Zusammen- gesetzte aus der Anhaufung von Monaden bestehen, wenn diese weder Teile noch Aus- dehnung besitzen, also rein immaterielle Entitaten darstellen? Des Weiteren fehlt an die- ser Stelle eine Begründung, wieso eine unendliche Teilbarkeit der Materie abgelehnt wird.

Im Gegensatz zu dem Zusammengesetzten können die Monaden nicht „auf natürliche Weise vergehen“ (§4) oder „auf natürliche Weise anfangen“ (§5); sie können lediglich durch „Schöpfung anfangen und durch Vernichtung enden“ (§6). Leibniz wird im weite- ren Verlauf haufiger auf Gott als den Schöpfer der Monaden hinweisen. Es fehlen jedoch auch hier stichhaltige Begründungen um die Übernatürlichkeit der Monade zu stützen. Es wird nicht erkennbar, ob Leibniz allein aus der Immaterialitat deren Unzerstörbarkeit ab- leitet, bzw. auf Gott als einzigen auf die Existenz der Monaden einflussnehmenden Faktor schlieBt.

Ist die Monade einmal erschaffen, so kann nichts von auBen auf das Innere der Mo­nade einwirken, sie hat „keine Fenster“ (§7). Weiterhin heiBt es, dass die Monade nicht „verwandelt oder in ihrem Inneren durch irgendein anderes Geschöpf verandert werden kann; denn man kann keine Bewegung auf sie übertragen [..]“ (§7), es können also keine physikalischen Krafte auf sie einwirken. Der Einfluss von Monade zu Monade sei hin­gegen auch bloB ein „idealer [..] der nur durch die Intervention Gottes wirksam sein kann“. Wie der Einfluss Gottes auf die Monaden aussieht, wird im spateren Verlauf noch zu klaren sein.

Sie besitzt jedoch individuelle Qualitaten, die einerseits Einfluss auf die Qualitaten des Zusammengesetzten haben, als auch der Identifikation der Monade dienen, denn jede Monade unterscheidet sich von der anderen (Prinzip der Identitat des Ununterscheidba- ren) (§9). Diese wahrnehmbaren Eigenschaften - die Akzidenzen (§7) - entsprechen (auf- grund ihrer Unteilbarkeit) keinem raumlichen Teil der jeweiligen Monade, sie sind jedoch der Grund für die wahrnehmbaren Qualitaten und die Veranderung dieser Eigenschaften im Zusammengesetzten. Aufgrund der Fensterlosigkeit können sich die Akzidenzen we­der von der Monade lösen, noch „von auBen in eine Monade eintreten“ (§7).

Doch auch die Monade ist Veranderungen unterworfen: Da nichts von auBen auf die Monade einwirken kann und die Monade eine Einheit darstellt, muss die Veranderung im Inneren stattfinden und „im Einfachen eine Vielheit einhüllen“ (§13). Das sich in der Monade verandernde Prinzip besteht daher in den sich wandelnden Perzeptionen, wah- rend der Begriff der Appetition das Streben von einer Perzeption zur nachsten beschreibt. Die Veranderungen laufen jeweils „kontinuierlich“ (§10) ab, „indem etwas sich andert und etwas bleibt“ (§13). Als ein Beispiel zur Verdeutlichung der Perzeptionen und wie diese „eine Vielheit in der einfachen Substanz“ (§16) einhüllen, nennt Leibniz das fassen eines uns „bewuBte(n) Gedanken(s)“ ($16). Dieser Gedanke geht von uns als Monade aus und bezieht sich dabei auf die Gegenstande der auBeren Welt. Somit bezieht sich die Monade, auch wenn sie „keine Fenster“ hat, mit Hilfe ihrer Perzeptionen auf ver- schiedenste Gegenstande. Somit wirkt in der Monade ein „inneres Prinzip“ (§11) um dem Prinzip der Veranderung zu entsprechen, das in der auBeren Welt durch die sinnlich wahr- nehmbaren Veranderungen sichtbar wird.

Im Unterschied zu Descartes geht Leibniz davon aus, dass jegliche Monade eine Art der Perzeption und Appetition besitzt, diese unterscheiden sich jeweils nur in dem Grad der jeweiligen Bewusstheit ihrer Perzeptionen. Dies lasst es nicht nur zu, den Tieren auch eine Seele zuzuordnen, sondern die Monaden in einer Art Hierarchie nach dem Grad ihrer Perzeptionsfahigkeit zu ordnen:

Die oberste, von Selbstbewusstsein begleitete Perzeption nennt Leibniz Apperzep- tion, die in ihrer vollkommensten Form nur Gott zusteht (§48). Unter Gott stehen die „Geister“ oder „vernünftigen Seelen“ (§29), zu denen Leibniz die Menschen zahlt, da sie zur Apperzeption fahig sind, aber auch Perzeptionen besitzen, die von weniger oder kaum Bewusstsein begleitet sind (beispielsweise wahrend des Schlafs). Auch Tiere besitzen Perzeptionen. Ihre Seele besitzt zwar ein Gedachtnis, ihnen fehlt jedoch im Unterschied zu den Geistmonaden die Möglichkeit zur Vernunfterkenntnis, wodurch ihre Entschei- dungen lediglich auf Erfahrungswissen beruht, da sie „durch die Vorstellung ihres Ge- dachtnisses das erwarten, was in der vorhergehenden Perzeption damit verbunden war“ (§26).

Auch die Unsterblichkeit der Seele versucht Leibniz durch die Abstufung der Perzep- tionsgrade zu erklaren. Der Tod sei bloB eine „lange Empfindungslosigkeit“ (§14). Da Monaden nicht zerstört werden können und Monaden auch auf der niedrigsten Stufe noch einen geringen Anteil an Perzeptionsfahigkeit besitzen, befanden wir uns im Zustand des Todes in einem Zustand sehr abgeschwachter und unbewusster Perzeptionen. Relativ un­klar bleibt jedoch, was nach diesem Zustand des nur scheinbaren Todes geschieht. Zwar weist Leibniz zum Ende der Monadologie darauf hin, dass der jeweils körperliche Anteil der Monade sich standig wechselt, denn „es gehen dort kontinuierlich Teile ein uns aus“ (§71) und es werden „Metempsychosen oder Seelenwanderungen“ (§72) kategorisch aus- geschlossen, doch das Verhaltnis der nach dem Tod unbewussten Monade zu der ihr not- wendig zugeordneten Materie wird nicht weiter beleuchtet. Es lasst sich jedoch entneh- men, dass der Tod als Stadium der Empfindungslosigkeit nur eine vorübergehende Phase darstellt. (§21) Hilfreich zum Verstandnis ist hier auch der Verweis auf die zwischen Körper und Geist bestehende „prastabilierte Harmonie“ (siehe Kapitel 3), denn durch die standige Umorganisation der Körper (§71) verlaufen auch parallel Veranderungen in den inneren Zustanden der Monade, sodass die möglicherweise nach dem Tod einsetzenden „Neuentstehungen“ als „Entwicklungen und VergröBerungen“ (§73) in Bezug auf das Monade-Körper-Verhaltnis leichter verstandlich werden.

3 Vernunft- und Tatsachenwahrheiten

Die erwahnten Grade der Perzeptionsfahigkeit zwischen Mensch und Tier lassen eine weitere Unterscheidung zu, welche sich auf die Erkenntnisfahigkeit der jeweiligen Mo­naden bezieht. Als Mensch berufen wir uns laut Leibniz „in drei Vierteln unserer Hand- lungen“ (§28) auf unser Gedachtnis, doch im Gegensatz zu den Tieren bleibt uns noch die Möglichkeit des Vernunftgebrauchs, welcher durch die „Erkenntnis der notwendigen und ewigen Wahrheilen" -Leibniz verwendet im weiteren Verlauf die ewigen Wahrhei- ten, die notwendigen Wahrheiten und die Vernunftwahrheiten jeweils als Synonym - (§29) konstituiert werde. Die notwendigen Wahrheiten, die uns nicht nur Vernunft, son- dern auch die Möglichkeit der Selbst-Reflexion bieten, welche uns wiederrum „an das Sein, an die Substanz, an das Einfache und das Zusammengesetetze, an das Immerateri- elle und an Gott Selbst“ (§30) denken lasst, sind also der eigentliche Ausgangspunkt jeg- licher (metaphysischer) Erkenntnisse.

Leibniz versucht dies durch zwei Prinzipien zu untermauern: dem Prinzip des Wider- spruchs und dem Prinzip des zureichenden Grundes.

Das Prinzip des Widerspruchs besagt, dass wir „als falsch beurteilen, was Wider- sprüchliches oder Falsches einhüllt und als wahr, was diesem entgegengesetzt ist“ (§31). Mithilfe dieses Prinzips lieBen sich die Vernunflwahrheilen erkennen, die Leibniz von den Talsachenwahrheilen unterscheidet (§33). Das Gegenteil einer Vernunflwahrheil ist dementsprechend unmöglich und führt zu einem Widerspruch. Zu den Vernunflwahrhei- len gelange man durch Analyse der zu untersuchenden Aussagen und deren fortwahrende Aufteilung in immer „einfachere Ideen und Wahrheiten“ (§33) bis man zu den nicht mehr weiter teilbaren Aussagen und somit zu den nolwendigen Wahrheilen gelange. Als Bei- spiel wird die Mathematik genannt, in denen das Gegenteil der nach der Analyse von Satzen gefundenen „einfachen Ideen“ (§35) zu genanntem Widerspruch führen und somit als Vernunflwahrheil bewiesen sind. Es gebe auBerdem mit den „identischen Aussagen“ (§35) solche Satze, die keines Beweises verlangen und deren Wahrheitsgehalt direkt - durch den gefundenen Widerspruch im Entgegengesetzten - erkannt werden könne. Tal- sachenwahrheilen hingegen fehlt die bei den Vernunflwahrheilen geforderte Notwendig- keit, denn bei ihnen sei auch das Gegenteil denkbar; Leibniz bezeichnet sie als „kontin- gent“ (§33). Hier verzichtet Leibniz auf ein Beispiel, es lasst sich aber beispielsweise an eine Welt ohne Menschen denken. Diese ware logisch ohne Probleme denkbar, sie würde also keinen Widerspruch enthalten.

Wahrend das Prinzip des Widerspruchs lediglich Gültigkeit im Erkennen von Ver- nunftwahrheiten besitzt, unterliegen sowohl die Vernunft- als auch die Tatsachenwahr- heiten dem Prinzip des zureichenden Grundes. Diesen bezieht Leibniz sowohl auf seine Funktion als Wirkursache, denn „es gibt eine Unendlichkeit an gegenwartigen vergangen Gestalten und Bewegungen, welche in die Wirkursache meiner gegenwartigen Schreib- arbeit eingehen[..]“ (§36) als auch auf die der Zweckursachen, welche sich in den „Nei- gungen und Dispositionen meiner Seele“ (§36) finden lieBe. Somit gebe es also bei jeder Handlung eine mechanische (beim Schreiben: Bewegungen des Armes) als auch eine mentale (den Wunsch zu Schreiben) Ursache.

LieBe sich somit - ahnlich des Analyseverfahrens bei der Suche der „einfachen Ideen“ der Vernunftwahrheiten - durch Untersuchung der jeweils vorhergehenden Ursachen auch innerhalb der Tatsachenwahrheiten ein letzter Grund finden? Da die Kausalkette ins Unendliche geht, sind wir nicht in der Lage ein Ereignis so weit zu analysieren, dass wir zu dem eigentlichen Grund kommen, denn jedes Ereignis ist wiederum als eine Folge auf das vorherige zu sehen. Es könne daher nur einen Grund geben, der keines weiteren vor- herigen Grundes bedarf, „und dieser letzte Grund der Dinge wird Gott genannt“ (PNG 8). So können wir Gott zwar nicht direkt als letzten Grund erkennen, er müsse aber notwen- diger Weise der letzte Grund sein, denn ansonsten „hatte man noch keinen zureichenden Grund“ (PNG 8). Die Tatsachenwahrheiten umfassen also jene möglichen und gleichzei- tig von Gott realisierten Wahrheiten, wahrend die Vernunftwahrheiten jedoch der „innere Gegenstand“ (§46) Gottes Verstand darstellen würden, d.h. diese waren nicht direkt durch Gott veranderbar, wie es noch Descartes annahm (§46).

Die Doppelbedeutung vom „Grund“ als Angabe sowohl der physischen als auch der mentalen Ursache eines Ereignisses führt letztlich zu denselben Fragen, wie jene des Ver- haltnisses der immateriellen und körperlichen Aspekte innerhalb der Monade. Um einen Einblick auf die leibnizsche Idee zum Verhaltnis der körperlichen zur immateriellen Welt zu bekommen wird im Folgenden der Parallelismus dieser beiden Reiche wie er in der Monadologie beschrieben wird, genauer betrachtet.

4 Der Parallelismus bei Leibniz

Im Vergleich zwischen Monade und Zusammengesetztem wird ersichtlich, dass zwi- schen diesen beiden Entitaten zwar groBe Unterschiede, aber auch eine Art der Wechsel- wirkung besteht. Obwohl die Monade an sich immateriell, also ohne Teile existiert, ist jeder Monade ein Körper zugehörig (§62). Nur Gott als oberste Monade ist nicht an einen Körper gebunden (§63). Obwohl eine „Übereinstimmung von Seele und organischem Körper gegeben [ist]“ (§78) sind diese jeweils unterschiedlichen Gegenstandsbereichen zugeordnet und handeln nach deren Gesetzen: Die Seelen handeln innerhalb des Reiches der Zweckursachen, wahrend die Körper den „Gesetzen der Wirkursachen “ (§79) unter- worfen sind. Zweckursachen (oder auch Finalursachen) beziehen sich etwa auf Neigun- gen oder Dispositionen der Seele, also etwa durch die Appetitionen der Monade. Im Ge- gensatz zu diesem Bereich der psychischen Wirkungen entspricht das Reich der Wirkur- sachen dem physikalischen und kausal wirkenden Gegenstandsbereich.

Leibniz verfolgt hier im Verhaltnis Körper und Geist (d.h. dem ausgedehnten Zusam- mengesetzen und der unteilbaren Monade) einen strengen Parallelismus, den er über das Prinzip der prastabilierten Harmonie erklart. Diese führe dazu, dass das Reich der Wirk- und das der Zweckursachen „miteinander harmonisch“ (§79) in Beziehung stehen. Auch die Perzeptionen der Monade und die Bewegungen des ihm zugehörigen Körpers seien aufgrund dieser Harmonie miteinander verbunden, somit ergebe sich die „Einheit der Seele mit dem Körper“ (PNG3).

4.1 Das Leib-Seele-Problem

Die Verbindung der Monade mit dem ihr zugehörigen Körper und deren durch die pra- stabilierte Harmonie festgelegte Beziehung zueinander bieten auch einen Lösungsvor- schlag für das von Bieri 1981 aufgestellte Leib-Seele-Probleme, das auf der Unverein- barkeit der folgenden drei Thesen beruht:

(1) Mentales ist nicht Physikalisches.
(2) Mentales ist im Bereich des Physikalischen kausal wirksam.
(3) Der Bereich des Physikalischen ist kausal geschlossen.4

Obwohl die Thesen allem Anschein nach für sich allein genommen plausibel erscheinen und sich mit unserer Alltagserfahrung bestatigen lassen, können doch nicht alle Satze gleichzeitig wahr sein. Es muss immer eine der Thesen fallengelassen werden, damit kein Widerspruch entsteht.

Durch den von Leibniz vertretenen psychophysischen Parallelismus wird (1) Menta- les von Physikalischem unterschieden und (3) der Bereich des Physikalischen als kausal geschlossen angenommen; eine (2) kausale Wechselwirkung von Mentalem im Bereich des Physikalischen wird von Leibniz daher verneint. Der strikte Dualismus, der keine Reduzierung der mentalen Vorgange und Empfindungen auf körperliche Strukturen zu- lasst, wird in seinem Mühlenbeispiel (§17) verdeutlicht: Könne man in eine Maschine, welche die Fahigkeit zur Perzeption besitzt „wie in eine Mühle hineintreten“, so würde man „im Inneren nur einander stoBende Teile finden, niemals aber etwas, was eine Perzeption erklart“ (§17).

Leibniz wendet sich in der Monadologie auch deutlich gegen die Lösung von Descar­tes, der zwar auch mit der Trennung der Substanz in eine res extensa und res cogitans auch eine dualistische Position vertrat, jedoch „glaubte er, daB die Seele die Richtung des Körpers verandern könne“ (§80). Leibniz argumentiert, dass auch Descartes zu der pra- stabilierten Harmonie gelangt ware, wenn dieser das Naturgesetz gekannt hatte, „welches die Erhaltung derselben Gesamtrichtung in der Materie beinhaltet“ (§80) und verdeutlicht noch einmal seinen stark dualistischen Standpunkt, indem Körper wirkursachlich über deren Bewegungen ausschlieBlich auf andere Körper einwirken und die Seelen zweckur- sachlich wirken, sich als Monaden aber nicht gegenseitig beeinflussen (§79).

4.2 Bezüge der Monaden untereinander

Da die Monaden sich nicht direkt gegenseitig beeinflussen können (sie besitzen „keine Fenster“), stellt sich die Frage, wie der bereits erwahnte „ideale“ (§51) Einfluss zu verstehen ist. Nicht bloB innerhalb der Monade, zwischen deren körperlichen und geis- tigen Bestandteilen, herrscht eine Harmonie. Auch das Wirken der Monaden untereinan- der ist über die „Universalharmonie, die jede Substanz durch ihre Bezüge alle anderen genau ausdrücken laBt“ (§59) genau festgelegt. Doch diese von Gott geschaffene Ord- nung ist keineswegs willkürlich. Sie beruht auf der Vollkommenheit Gottes und dessen Anspruch, die beste aller möglichen Welten zu realisieren.

[...]


1 Busche, H. (2010): S. 3.

2 Schneider, U.J. (2002): S. XVIII

3 Finster S.54

4 Bieri, P. (Hrsg.) (1981): Analytische Philosophie des Geistes. Königstein: Hain, S. 9.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Leibniz Monadologie. Eine kritische Auseinandersetzung
Hochschule
Universität Bremen
Note
1,0
Autor
Jahr
2020
Seiten
15
Katalognummer
V921098
ISBN (eBook)
9783346229113
ISBN (Buch)
9783346229120
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Leibniz, Monadologie, aufklärung, metaphysik, Monaden, Logik
Arbeit zitieren
Philip Speer (Autor), 2020, Leibniz Monadologie. Eine kritische Auseinandersetzung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/921098

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