Die Erziehung von Kindern in der NS-Zeit. Grundsätze, Intentionen und Auswirkungen


Hausarbeit, 2020

18 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung ... 1

2. Grundsätze nationalsozialistischer Erziehung ... 2
2.1 Johanna Haarer ... 2
2.2 Die Todesangst des Säuglings ... 3
2.3 Das fremdbestimmte Kleinkind ... 6

3. Intentionen ... 7
3.1 Gründe für nationalsozialistische Erziehung ... 7
3.2 Folgen nationalsozialistischer Erziehung ... 10

4. Fazit ... 12

5. Literaturverzeichnis ... 14

1. Einleitung

Sprichwörter wie „Ein Indianer kennt keinen Schmerz“ sind bis heute weit verbreitet. Unter dem Schlagwort der „Schwarzen Pädagogik“ sind viele Quellen aus dem 19. Und 20. Jahrhundert vorzufinden, die auf harter und strenger Dressur, gerade in den ersten beiden Lebensjahren, bauen und dabei ausdrücklich darauf hinweisen, dass die Kinder keine Erinnerung daran haben werden (Ahlheim, 2012, S. 22). Heute weiß man, dass das nicht stimmt und die ersten Lebensjahre eine wichtige Rolle für die Persönlichkeitsentwicklung des Kindes spielen (ebd., S. 37). Das Vorhaben, einen festgelegten Zeitrhythmus nach rationalen Gesichtspunkten im kindlichen Körper festzusetzen, ist allerdings nicht typisch deutsch. Vielmehr passt es zum allgemeinen Trend der Taktung, Rationalisierung und Rhythmisierung der gelebten Zeit mit der Orientierung an industriellen Fertigungsabläufen, die mit der Industrialisierung entstanden sind. Es wurde ein planmäßiger und rationaler Umgang mit kleinen Kindern gefordert, um sie nicht zu verwöhnen. Zur Erziehung gehörte übereinstimmender Meinung nach auch die Abhärtung gegen Schmerz (ebd., S. 23). Johanna Haarer, eine Lungenfachärztin, die weder pädagogisch noch pädiatrisch ausgebildet war, prägte die Erziehung in der NS-Zeit in großem Maße mit ihrem herausgebrachten Ratgeber für Mütter (Kratzer, 2019). Sie ist nicht die Erfinderin des beschriebenen strengen, systematisch empathielosen Stils im Umgang mit Kleinkindern. Vielmehr gab es viele weitere Experten [1] für Früherziehung im nationalsozialistischen Deutschland (Ahlheim, 2012, S. 23). Es war allerdings neu an Johanna Haarers Erziehungsbüchern, dass jeder intime Austausch mit dem Säugling und jedes Tun oder Unterlassen als Verantwortung der gesamten Bevölkerung Deutschlands betrachtet wurde, sodass die Erziehung nach Johanna Haarer in ein nationalsozialistisches Weltbild eingebettet wurde (ebd., S. 24). Ihre Ratgeber dienten einer Erziehung hin zum nationalsozialistischen System (Chamberlain, 2020, S. 8). Wie genau diese aussieht und welche weiteren Aspekte von Bedeutung sind, soll im Folgenden behandelt werden.

Den Mittelpunkt dieser Arbeit stellt dabei die Frage nach den Auswirkungen der Erziehung in der NS-Zeit auf die Kinder dar. Diese sollen dargestellt werden, indem zuerst die nationalsozialistische Erziehung näher beschrieben und daraufhin die Intentionen dargelegt werden.

Im Folgenden Kapitel werden hierfür zunächst die Grundsätze nationalsozialistischer Erziehung definiert und es wird, nach einem kurzen Überblick über den Werdegang Johanna Haarers, in die Thematik eingeführt. Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit den Intentionen, also den Gründen für nationalsozialistische Erziehung und den sich daraus ergebenden Folgen für die Betroffenen. Die Arbeit endet mit einem Fazit.

2. Grundsätze nationalsozialistischer Erziehung

Die Ursprünge nationalsozialistischer Erziehung reichen weit zurück. Bereits im 19. Jahrhundert entstand die Idee von einem zuchtvollen und sauberen Deutschland als größte Macht der Welt. Nach dem Scheitern im 1. Weltkrieg und dem Friedensvertrag von Versailles ließen sich viele Menschen von dieser Vision mitreißen. Neben der Erziehungswirklichkeit in der Schule und in der Hitlerjugend (Hohmann, 2005), gab es verschiedene Erziehungsratgeber, die die Familienerziehung in hohem Maße mit beeinflussten. „Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind“ von Johanna Haarer aus dem Jahr 1934 ist einer davon (Ahlheim, 2012, S. 7).

Da im Folgenden der Schwerpunkt auf dem von Johanna Haarer beschriebenen Erziehungsstil liegen soll, folgt zunächst ein Überblick über das Leben der Johanna Haarer.

2.1 Johanna Haarer

Johanna Haarer kam 1900 in Bodenbach, einer deutschsprachigen Stadt an der Elbe, nahe der Sprachgrenze zum Tschechischen, auf die Welt. Das Gebiet gehörte bis zum ersten Weltkrieg zum Österreichischen Kaiserreich und wurde nach dessen Ende der Tschechoslowakischen Republik zugeordnet. Sie war das jüngste von zwei Kindern. Ihr älterer Bruder starb mit 10 Jahren an Meningitis. Ihre Eltern, die Eheleute Barsch, betrieben ein Schreibwarengeschäft in ihrem Geburtsort. Dort besuchte sie die Volksschule und half ihren Eltern im Geschäft. Im Alter von 17 Jahren beschloss sie, gegen den Willen ihrer Eltern, Medizin zu studieren. 1920 legte sie ihr Abitur im Landerziehungsheim Bieberstein erfolgreich ab. Danach studierte Johanna Barsch in Heidelberg, Göttingen und München. Im Jahr 1924 heiratete sie den Medizinstudenten Hellmut Weese. Nach dem Erwerb ihrer Approbation als Ärztin trat sie eine Stelle in der Münchner Lungenheilanstalt Harlaching als Assistenzärztin an. Sie schloss ihre Ausbildungszeit mit der Anerkennung als Lungenfachärztin ab, nachdem ihre Ehe scheiterte. Im Jahr 1932 heiratete sie zum zweiten Mal, dieses Mal ihren Förderer und Kollegen Otto Haarer. Sie gab ihre berufliche Tätigkeit auf und brachte insgesamt fünf Kinder zur Welt. Um aus ihrer Mutterrolle herauszutreten, begann sie 1933 mit ihrer schriftstellerischen Tätigkeit, womit sie sehr erfolgreich war (ebd., S. 9 f.). Im Jahr 1935 wurde ihr von der Gaufrauenschaftsleiterin die Funktion als Sachbearbeiterin für Rassenpolitik angeboten und Johanna Haarer akzeptierte sie (ebd., S. 14). Unmittelbar nach dem Zusammenbruch der Nazi-Diktatur wurde sie festgenommen und bis 1946 in verschiedenen Lagern festgehalten. Ihre Familie durfte sie weder besuchen, noch wurde sie über ihren Aufenthaltsort informiert. Ihr Mann, Otto Haarer, nahm sich noch vor ihrer Entlassung aus der zweiten Internierung das Leben (ebd., S. 20). Nach ihrer Entlassung wurde im Jahr 1947 bei der Spruchkammer 10 in München ein Entnazifizierungsverfahren gegen sie eingeleitet. Dies ermöglichte ihr eine Anstellung im öffentlichen Dienst als Lungenfachärztin. Johanna Haarer starb 1988 in München (ebd., S. 20 f.). Welche Inhalte und Theorien ihren Schriften zugrunde liegen, soll anhand der Todesangst des Säuglings und des fremdbestimmten Kleinkindes erläutert werden.

[...]


[1] Aus Gründen der leichteren Lesbarkeit wird in dieser Arbeit die männliche Geschlechtsform genutzt. Es sei angemerkt, dass ich im Sinne der Gleichbehandlung immer alle Geschlechter anspreche.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die Erziehung von Kindern in der NS-Zeit. Grundsätze, Intentionen und Auswirkungen
Hochschule
Universität Bielefeld
Note
1,3
Autor
Jahr
2020
Seiten
18
Katalognummer
V921339
ISBN (eBook)
9783346248756
ISBN (Buch)
9783346248763
Sprache
Deutsch
Schlagworte
NS-Zeit, Erziehung, Erziehungsratgeber, Johanna Haarer, Hitler, Bindungsstörungen, Auswirkungen, Folgen, Erziehungswissenschaften, Bielefeld, Pädagogik
Arbeit zitieren
Selma Eda Tellbüscher (Autor), 2020, Die Erziehung von Kindern in der NS-Zeit. Grundsätze, Intentionen und Auswirkungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/921339

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