Das Flüchtlingsproblem ist ein weltweites, das fortbestehen wird, solang seine Ursachen - die Fluchtgründe - nicht behoben werden. Die Menschen fliehen vor Krieg, Gewalt, Verfolgung, Menschenrechtsverletzungen, vor Hunger und Perspektivlosigkeit, vor anderen lebensbedrohlichen Situationen, ökonomischen und ökologischen Katastrophen.
Etwa jeder Zweite der weltweit 40 Millionen Vertriebenen ist ein Kind. Unter ihnen befinden sich nach Schätzungen von Flüchtlingsorganisationen sechs bis zehn Millionen elternlose Kinderflüchtlinge. Kinder unter 16 Jahren, die sich allein und ohne Betreuung fern von ihrer Heimat in Deutschland befinden, werden in der Fachsprache ‚unbegleitete minderjährige Flüchtlinge’ - kurz UMF - genannt.
Anliegen dieser Arbeit ist es, die Lebensbedingungen und Zukunftschancen dieser Kinderflüchtlinge in Deutschland zu beleuchten, auf ihre fragwürdige asylpolitische Situation und Behandlung hinzuweisen, Defizite in Theorie und Praxis im Umgang mit diesen Kindern aufzuzeigen, aktuelle Projekte vor- und Forderungen darzustellen.
Inhaltsverzeichnis
1. Problembeschreibung
1.1 Definition: ‚Unbegleiteter minderjähriger Flüchtling (UMF)‘
1.2 Fluchtursachen und -motive
1.3 Die Flucht
1.4 Nach der Flucht
2. Die Rechtslage in Deutschland
2.1 Altersfestlegung
2.2 Abschiebehaft
2.3 Das Zuwanderungsgesetz
2.4 Asylverfahren
3. Internationale Kinderrechte
3.1 Charta des Kindes
3.2 UN - Kinderrechtskonvention
3.2.1 Deutschlands Vorbehalt
3.3 Statement of good practice
3.4.1 Grundlegende Prinzipien
3.4.2 Die Standards
4. Lebensrealität
4.1 Psychische Belastungen
4.2 Clearingverfahren
4.3 Jugendhilfe
4.3.1 Vormundschaft
4.4 Bildung
4.4.1 Schule
4.4.2 Ausbildung
5. Schlussfolgerung
5.1 Beanstandungen
5.2 Forderungen
6. Lichtblicke
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Lebensbedingungen und Zukunftschancen unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge (UMF) in Deutschland. Dabei wird insbesondere beleuchtet, inwiefern die asylpolitische Praxis der Bundesrepublik internationalen Kinderrechten und Standards widerspricht und welche Defizite in Theorie und Versorgung existieren.
- Analyse der rechtlichen Situation von UMF in Deutschland
- Gegenüberstellung von Lebensrealität und völkerrechtlichen Schutzgarantien
- Untersuchung von Belastungsfaktoren wie Fluchttrauma und bürokratischen Hürden
- Kritische Würdigung des Asylverfahrens und der Altersfeststellung
- Darstellung von Forderungen zur Verbesserung der sozialen Integration und Bildung
Auszug aus dem Buch
1.2 Fluchtursachen und -motive
Die Gründe für eine Flucht aus dem eigenen Land sind sehr vielfältig. Dabei ist zu bedenken, dass diese für Kinder intensiver und nachhaltiger in Wirkung und Konsequenz sind und sich durch kinderspezifische Varianten erweitern. So bildet bspw. die Rekrutierung von Kindern für den Militärsdienst eine besondere Gefahr. Kinder werden zu Opfern von Minen, Sklaverei und Prostitution, von Menschenhandel zum Zwecke der sexuellen oder anderer Ausbeutung.
Die Kinder fliehen aufgrund von Macht- und Verteilungskonflikten verschiedener Volksgruppen in ihrem Heimatland. Sie suchen Asyl aus Angst vor Verfolgung, Hunger und bewaffneten Konflikten in ihrer Heimat. Weitere Fluchtgründe sind: politische und religiöse Verfolgung, Traumatisierung durch Verhaftung, Folter und Hinrichtung von Angehörigen, Verlust der Familie sowie schulische und berufliche Perspektivlosigkeit. Selten ist das Fluchtmotiv die Hoffnung auf einen höheren Lebensstandard.
Manchmal werden die Kinder von ihren Eltern auf die Reise geschickt, weil sie die Hoffnung haben, ihnen so ein besseres Leben zu ermöglichen. In diesen Fällen wird den Kindern der Fluchtgrund nicht mitgeteilt, damit sie nicht zusätzlicher Gefährdung unterliegen. Sie erhalten Aufträge von den Eltern im Sinne von: ‚Nutz das Exil und bau dir ein besseres Leben auf!’ (vgl. RÖHNSCH)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Problembeschreibung: Dieses Kapitel definiert den Begriff der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge und erläutert die vielfältigen Fluchtursachen sowie die prekäre Situation nach der Ankunft in Deutschland.
2. Die Rechtslage in Deutschland: Es wird kritisch aufgezeigt, wie die deutsche Gesetzgebung durch Altersfestlegungen, Abschiebehaft und asylrechtliche Restriktionen den Schutz von Kindern untergräbt.
3. Internationale Kinderrechte: Dieses Kapitel stellt internationale Konventionen wie die UN-Kinderrechtskonvention vor und analysiert die problematischen deutschen Vorbehalte, die den Schutzanspruch einschränken.
4. Lebensrealität: Hier wird der Alltag der UMF beleuchtet, einschließlich ihrer psychischen Belastungen, des Clearingverfahrens sowie der schwierigen Zugänge zu Jugendhilfe und Bildung.
5. Schlussfolgerung: Das Kapitel fasst die von der UN geäußerten Beanstandungen zusammen und formuliert konkrete Forderungen an Politik und Institutionen für eine menschenwürdigere Behandlung.
6. Lichtblicke: Abschließend werden beispielhafte Projekte und Initiativen vorgestellt, die versuchen, den Kindern trotz der schwierigen Gesamtsituation bestmögliche Startbedingungen zu bieten.
Schlüsselwörter
Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, UMF, Asylverfahren, Kinderrechte, UN-Kinderrechtskonvention, Clearingverfahren, Altersfestlegung, Traumatisierung, Jugendhilfe, Bildung, Abschiebehaft, Integrationsmaßnahmen, Menschenrechte, Minderjährigenschutz, Fluchtursachen
Häufig gestellte Fragen
Was ist das Hauptanliegen der vorliegenden Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Lebensrealität von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen in Deutschland und prüft, inwieweit deren Behandlung mit internationalen Standards und Kinderrechten vereinbar ist.
Welche Personengruppe wird als UMF bezeichnet?
Als unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (UMF) werden Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren definiert, die ohne ihre Eltern oder Sorgeberechtigte in Deutschland einreisen.
Welches ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, Defizite im Umgang mit UMF aufzuzeigen und Forderungen für eine verbesserte asylpolitische und sozialpädagogische Praxis zu formulieren.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, in der aktuelle rechtliche Bestimmungen, Berichte von Organisationen und internationale Abkommen gegenübergestellt und kritisch bewertet werden.
Welche Schwerpunkte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Themenfelder Rechtslage, internationale Kinderrechte, die tatsächliche Lebensrealität der Kinder sowie Ansätze für notwendige Verbesserungen.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt charakterisieren?
Zentrale Themen sind Menschenrechte, Asylrecht, Kindeswohl, Traumatisierung und die Diskrepanz zwischen Gesetz und praktischer Umsetzung.
Warum wird die Altersfestlegung in der Arbeit kritisiert?
Die Autorin kritisiert das Verfahren als willkürlich und demütigend, da ungeschulte Beamte körperliche Merkmale beurteilen, anstatt wissenschaftlich fundierte und kindgerechte Methoden anzuwenden.
Wie wirkt sich das Zuwanderungsgesetz auf die Situation der Kinder aus?
Durch die Neuregelungen wurden wichtige Schutzmechanismen wie der Status der Duldung gestrichen und der Familiennachzug erschwert, was die Abschiebung in der Praxis beschleunigt.
Welche Rolle spielt das Clearingverfahren?
Das Clearingverfahren dient der Erstversorgung und Identitätsfeststellung; die Arbeit merkt jedoch an, dass die Unterbringung in oft periphären Häusern und der Zeitdruck die Integration erschweren.
Was macht Projekte wie das „SchlaU“-Programm so bedeutend?
Diese Projekte bieten den Kindern einen geschützten Raum für Bildung und psychosoziale Unterstützung, die ihnen aufgrund fehlender Schulpflicht oder ausländerrechtlicher Hürden sonst vorenthalten bliebe.
- Quote paper
- Vivien Urbach (Author), 2008, "klein und allein". Lebensrealität unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge in Deutschland vor dem Hintergrund international anerkannter Standards und Rechte für Kinder, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92144