Sport und soziale Klasse in Großbritannien. Fußball, Rugby und Cricket im gesellschaftlichen Zusammenspiel


Essay, 2009

9 Seiten


Leseprobe

Inhalt

Einleitung

Die drei großen Britischen Sportarten

Fußball

Rugby

Cricket

Fazit

Quellen

Einleitung

Spricht man über Großbritannien und das britische Volk, so gibt es einige auffällige Fakten, die nicht außer Acht gelassen werden sollten. Betrachtet man hierbei die bevorzugten britischen Freizeitbeschäftigungen genauer, so wird deutlich, dass Sport und insbesondere Mannschaftssportarten eine große Rolle in der britischen Kultur spielen. Der Grund dafür liegt tief in der Sportgeschichte des vereinigten Königreiches verankert. Beweise deuten darauf hin, dass zahlreiche der heutigen Volkssportarten dort entwickelt und reguliert worden sind. Wenn man dieser Prämisse folgt, sollte es leicht vorstellbar sein, dass die ersten Spieler dieser Sportarten wahrscheinlich Briten waren. Gleiches gilt für die heutigen Regeln oder zumindest ihre Grundstruktur. Im Folgenden wird sich dieser Aufsatz mit den drei großen britischen Mannschaftssportarten und ihrer Popularität befassen. Doch welche sind die Populärsten? Die Antwort mag auf der Hand liegen, doch sie zu kennen, wirft unweigerlich weitere Fragen auf: Warum sind diese Sportarten so populär und bei wem genau?

Die drei großen Britischen Sportarten

Die Briten gehören zu den sportbegeistertesten Menschen auf der Welt, und vor allem Mannschaftssportarten sind für sie von Interesse.1 Vor diesem Hintergrund schrumpft die Bandbreite potentieller Kandidaten für den Thron der beliebtesten britischen Sportarten auf ein überschaubares Maß. Fügt man die Prämisse hinzu, dass bei diesen Sportarten eine Art Ball im Spiel sein sollte, verringert sich die Zahl der möglichen Wahlmöglichkeiten nochmals. Nun lässt sich die Antwort auf unsere Anfangsfrage noch leichter ableiten. So finden sich unter den beliebtesten Sportarten des britischen Volkes drei Ballspiele. Zum einen gibt es den Association Football oder einfach Football ( was dem deutschen Fußball entspricht), der sich als höchst erfolgreiches Spiel entpuppte, mit vielen Mannschaften und unzähligen Zuschauern auf der ganzen Welt.

Darüber hinaus gehört Rugby ebenso zu den hochrangigsten Sportarten Großbritanniens. Auffallend hierbei ist, dass die meisten der starken Mannschaften unter Nationen zu finden sind, die aufgrund eines gemeinsamen historischen Hintergrunds eng mit dem Vereinigten Königreich verbunden sind. Zu diesen zählen Länder wie Frankreich, Südafrika, Australien oder Irland, nicht zu vergessen England, Schottland und Wales, die jeweils ihre eigenen Nationalmannschaften stellen.2 Nicht zuletzt sollte auch das Cricket-Spiel Erwähnung finden. Überraschenderweise ist Cricket, ähnlich wie Rugby, in Gebieten mit besonderen historischen Verbindungen zu Großbritannien auffallend populär. Zu diesen zählen im besonderen Australien, Indien und Südafrika, hauptsächlich Länder, die früher zum British Empire - dem Britischen Königreich gehörten.3 Allen drei Ballspielen ist gemeinsam, dass sie sich im Vereinigten Königreich entwickelt haben.4 Es gibt jedoch einen entscheidenden Faktor, der sie voneinander unterscheidet. Die drei entstanden in verschiedenen sozialen Schichten und behielten ihren Status über Jahrhunderte hinweg bei. Natürlich sind die sozialen Unterschiede heute in weitaus geringerem Maße ersichtlich als früher, dennoch sind sie weiterhin auffindbar. Andererseits ist es aber auch verständlich, dass jede dieser unterschiedlichen Sportarten nicht nur von Angehörigen einer bestimmten sozialen Schicht, sondern von Menschen aus allen sozialen Schichten gespielt und betrachtet wird. Wenn ich also von einer bestimmten sozialen Schicht, die sich mit einer bestimmten Sportart identifiziert, spreche, beziehe ich mich auf den sozialen Hintergrund der Mehrheit der Teilnehmer und Zuschauer und nicht auf den sozialen Hintergrund aller Teilnehmer und Zuschauer.5

Fußball

Der heutige Fußball soll von Dorfbewohnern erfunden worden sein, die versuchten, eine Art Ball aus einer Schweineblase auf bestimmte Punkte im gegnerischen Dorf zu schießen.6 Da die Menschen die dieses Spiel spielten von bäuerlichem Hintergrund waren und somit der Arbeiterklasse angehörten, ist es nicht verwunderlich, dass der Fußball ein Sport der Arbeiterklasse blieb. Es ist wahrscheinlich die älteste der drei Sportarten, obwohl sie alle aus der ursprünglichen Form des Fußballs hervorgegangen sind, dem vermutlich einfach die Bedeutung inne liegt, mit dem Fuß Ball zu spielen oder beim Ballspielen zu Fuß zu sein. Dies wiederum enttarnt die Spielenden als der Arbeiterklasse zugehörig, da sich das einfache Volk, anders als der Adel, kein Pferd zum Reiten leisten konnte.

Die ersten regulierten Formen des späteren association football (Verbands-) Fußballs entstanden mit der Ausbildung von Schülern der Ober- und Mittelschicht in öffentlichen Schulen. Hierdurch wurden die Schulen in die Lage versetzt, in fairen Turnieren gegeneinander anzutreten. Im Laufe der Zeit legte jede der Schulen ihre eigenen Regeln fest, und so entstand Rugby, das dann wiederum dem Fußball gegenübergestellt wurde, wie wir später noch sehen werden.7 In den letzten Jahren wurde der Fußball aufgrund gewisser Veränderungen auch in der gesellschaftlichen Mittelschicht immer populärer und entwickelte sich so zu einem echten Massensportphänomen.8 Wenn man all dies bedenkt, liegt der Grund für die Popularität des Fußballs wahrscheinlich darin, dass seine Wurzeln tief in der frühen Arbeiterkultur verwurzelt sind. Diesem Umstand entsprechend spielte der Fußball höchstwahrscheinlich über Jahrhunderte hinweg eine wichtige Rolle als Freizeitbeschäftigung im sozialen Leben der Menschen und ist daher historisch eng mit der britischen Gesellschaft verschmolzen.

Rugby

Da eine wirkliche Mittelschicht in Großbritannien erst relativ spät aus der Arbeiterklasse hervorgegangen ist, verwundert es nicht, dass der beliebte Mittelschichtsport Rugby im Vergleich zu den anderen Sportarten erst vor relativ kurzer Zeit entstand. Ihm wurde anfangs ein hoher Bildungsfaktor zugeschrieben. Die öffentlichen Schulen sahen Rugby als sehr wichtig für die Ausbildung von Disziplin, Fairness und Gemeinschaftszusammenhalt an.9 Alles in Allem war es darauf ausgelegt aus den Spielern Ehrenmänner (Gentlemen) zu machen und förderte außerdem eine starke lebenslange Solidarität zwischen den Schulmitgliedern. Aber aus diesen in der Schule geschaffenen Bindungen entwickelte sich eine weitere Dissoziation der sozialen Klassen. Aufgrund der Tatsache, dass die Schüler, die in diesen öffentlichen Schulen eingeschrieben waren, hauptsächlich aus der neuen Mittelschicht stammten, wurden Angehörige der unteren und oberen Klassen ausgeschlossen. Doch so wie sich die Mittelschicht aus der Arbeiterklasse entwickelte, so ging auch das Rugby der Mittelschicht aus dem Fußball der Arbeiterklasse hervor. Somit ist es gleichermaßen stark in die britische Gesellschaft eingebunden und daher eine beliebte sportliche Aktivität. Ein Beweis dafür ist, dass man heutzutage (vor allem in Nordengland) immer noch einige ursprünglich aus der Arbeiterklasse stammende Rugby-Teams findet, was die These unterstützt, dass Rugby aus einem Arbeiterklassen-Hintergrund stammt.10 Daher mag es nicht überraschen, dass sowohl Fußball als auch Rugby einen wesentlichen Teil der britischen Volkssportkultur ausmachen. Sie sind historisch stark miteinander verflochten und genau wie sich eine starke Mittelschicht aus der Arbeiterklasse heraus entwickelte entfaltete sich das Rugby als eine Variante des Fußballspieles.

Cricket

Cricket war und ist eine der beliebtesten Freizeitbeschäftigungen vor allem der gesellschaftlichen Oberschicht. Da ein Cricket Spiel bis zu fünf Tage dauern konnte, ist es offensichtlich, dass Menschen aus der Mittel- und Unterschicht kaum daran teilnahmen, weil sie arbeiten mussten, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, oft genug sogar am Wochenende. An dieser Stelle muss eine einzigartige bedeutende Ausnahme erwähnt werden. Nämlich, dass Angehörige der Mittel- und Unterschicht, die zu professionellen Cricket Spielern wurden, auf dem Cricket Feld wortwörtlich arbeiteten, während die Spieler der Oberschicht dies als Freizeitbeschäftigung betrachteten.11 Ein merkwürdiges Ereignis in der britischen Sportgeschichte kann zumindest teilweise dafür verantwortlich gemacht werden, dass die soziale Disparität in der sportlichen Freizeitgestaltung angefeuert wurde. Die Geschichte Großbritanniens offenbart mehrere Jahre generellen Sportverbotes für alle Klassen außer der Oberschicht, was den Unterschied in den bevorzugten Freizeitaktivitäten der verschiedenen sozialen Gruppen förderte. Andererseits bot Cricket während des Verbots den unteren Gesellschaftsschichten zumindest die Möglichkeit an Mannschaftssportarten teilzunehmen. Cricket verband in diesem Zusammenhang die aristokratischen Tugenden der Oberschicht mit einer versteckten Unterdrückung der anderen sozialen Schichten, indem der Adel die prestigeträchtigsten Positionen auf dem Spielfeld besetzte. Die übrigen Positionen wurden mit Spielern aus den unteren Schichten gefüllt.12 So blieb die aristokratische Macht sogar auf dem Spielfeld bestehen, denn auch hier mussten die Menschen mit niedrigerem Status Befehle entgegennehmen. Doch langsam begann die aristokratische Macht zu schwinden. Im Laufe der Jahre spalteten sich die Mannschaften und sozialen Schichten in Amateurmannschaften der Oberschicht zum einen und Profimannschaften, die sich aus Vollzeit-Cricketspielern der Mittel- und Unterschicht zusammensetzten zum andern. Da letztlich auch hier wieder alle sozialen Schichten vertreten und historisch miteinander verknüpft sind, ist eine hohe Popularität garantiert.

[...]


1 Storry, p. 13, 2008.

2 See: http://www.mapsofworld.com/world-top-ten/ranked-rugby-union-countries.html

3 See: http://hannahsgeogblog.blog.com/2012/12/18/where-is-cricket-most-popular/

4 See: www.espncricinfo.com/www.rugbyfootballhistory.com/www.history.co.uk

5 O'Driscoll, p. 21, 2007.

6 See: www.history.co.uk, history of football/Wikipedia, Football Etymology

7 Hargreaves, p. 38, 1986.

8 Holt , p. 126-127, 2000.

9 Hargreaves, p. 38, 1986.

10 Oakland, p. 287, 2006.

11 Hargreaves, p. 17, 1986.

12 Hargreaves, p. 19, 1986

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Sport und soziale Klasse in Großbritannien. Fußball, Rugby und Cricket im gesellschaftlichen Zusammenspiel
Hochschule
Universität Trier  (Anglistik)
Veranstaltung
British Culture Studies
Autor
Jahr
2009
Seiten
9
Katalognummer
V921460
ISBN (eBook)
9783346250704
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Übersetzung aus dem Englischen: "Sports and social class in Great Britain. Football, Rugby, Cricket and society".
Schlagworte
Sport, Ballsport, Großbritannien, Vereinigtes Königreich, UK, England, Schottland, Wales, britische Kultur, Teamsport, Fußball, Rugby, Cricket, Kricket, football, Sportgeschichte, Freizeitaktivität, Massensport, soziale Herkunft, soziale Klasse, Oberschicht, Mittelschicht, Unterschicht
Arbeit zitieren
Lukas Szpeth (Autor), 2009, Sport und soziale Klasse in Großbritannien. Fußball, Rugby und Cricket im gesellschaftlichen Zusammenspiel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/921460

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