Octavian und Antonius – der Kampf um das Erbe Caesars


Hausarbeit, 2006

20 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Augustus und die antike Geschichtsschreibung

III. Antonius und Octavians politische Ausgangsstellung nach den Iden des März

IV. Die Machtstrategien der beiden Rivalen

V. Octavians Bündnis mit dem Senat

VI. Das Triumvirat als Zweckbündnis und Antonius Vormachtstellung

VII. Schlussbetrachtung

Quellen- und Literaturverzeichnis
Quellenverzeichnis
Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Caesars Ermordung an den Iden des März 44 v. Chr. stellte einen fundamentalen Wendepunkt in der Geschichte der res publica dar. Durch den plötzlichen Tod des Diktators entstand ein riesiges Machtvakuum, welches zu großen Unruhen der plebs in Rom führte. Es begann ein Wettkampf um die Legionen, denn nur wer das mächtigste Heer führte, konnte in Zeiten des Bürgerkrieges die absolute Macht über Italien erlangen.

Diese Proseminararbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie es nach der Ermordung Caesars bis zum Sieg über Sextus Pompeius 36 v. Chr. zu der allmählichen Machtverschiebung zwischen dem großen Konsul und Feldherrn Marcus Antonius und dem anfangs politisch und militärisch völlig einflusslosen Octavian kommen konnte. Analysiert werden die Faktoren die Schritt für Schritt dazu führten, Antonius aus seiner Führungsposition zu verdrängen.

Die Seminararbeit beginnt mit einer Beurteilung der politischen Ausgangssituation Antonius und Octavians nach den Iden des März. Antonius, als größter Kontrahent Octavians, prägte die politische Entwicklung Roms von 44 v. Chr. bis 30 v. Chr. wie keine andere historische Persönlichkeit. Aus diesem Grunde ist es wichtig, seine politisch-militärische Ausgangsstellung zu analysieren, um eventuelle Gründe für seinen späteren Machtverlust aufzudecken. Die Motive und Strategien der beiden Rivalen, Octavian und Antonius, werden im Folgenden erläutert. Anschließend folgt ein Kapitel, welches die besondere Bedeutung des Bündnisses Octavians mit dem Senat als eines der wichtigsten Faktoren im Laufe seines Aufstiegs aufzeigt.

Schließlich werden die Funktionen des Triumvirats näher beleuchtet. Dieses Notstandsamt diente den Mitgliedern zur gemeinschaftlichen Beseitigung der Caesarmörder und gleichzeitig den Konkurrenten Octavian und Antonius zum Ausbau ihrer machtpolitischen Positionen. Anhand einer Analyse der Machtbefugnisse der Triumviratsmitglieder soll die Vorrangstellung Antonius’ aufgezeigt werden.

Auch die neuere Forschung scheidet sich häufig an der Frage, wie es dem jungen Octavian gelang, während der Jahre 43 v. Chr. bis 36 v. Chr., als er „ständig am Rande des politischen Abgrundes balancierte“[1], eine Vormachtstellung aufzubauen. Verdankte Octavian seinen erfolgreichen Aufstieg vor allem seiner Fähigkeit große Geldmengen aufzubringen, um damit die Truppen des Antonius zu bestechen, oder bestanden zwischen Octavian und Teilen der Legionen sowie der Anhängerschaft Caesars besondere Bande der pietas ?[2] Oder anders formuliert, war sein Aufstieg eine „Reihe von Zufällen und Wundern“[3], wie nach Meinung Symes, oder war es die Verbindung zu Personen wie beispielsweise Cicero, die ihm einen rapiden Machtzuwachs ermöglichten?[4] In dieser Seminararbeit soll der Versuch unternommen werden, diese Problematik näher zu untersuchen.

II. Augustus und die antike Geschichtsschreibung

Das Leben des Augustus wurde durch eine Vielzahl von antiken Geschichtsschreibern überliefert. Das Werk des Griechen Nikolaos von Damaskus ist die einzige zeitgenössische Darstellung über das Leben und die Erziehung Octavians bis zum ersten Marsch auf Rom. Nikolaos war ein treuer Anhänger des Princeps Augustus und schuf mit seiner Biographie ein sehr positives Bild von diesem, währenddessen er Antonius als intrigant und habsüchtig degradierte.

Der Geschichtsschreiber Appian lebte zur Blütezeit des Prinzipats. In seinem Werk „historia romana“ beschreibt er zwar den Aufstieg Octavians kritisch, doch seine Haltung gegenüber dem Begründer des Prinzipats, Augustus, war eher positiv. Auch Cassius Dio, ein griechischer Historiker aus der hohen Kaiserzeit, der ein Werk über die Römische Geschichte verfasste, betrachtete die res publica aus zeitlicher Distanz. Er zählte zu den Fürsprechern Augustus, aufgrund seiner rückblickenden Betrachtung des Prinzipats. Die Kaiserviten des C. Suetonius Tranquillus sind aufgrund ihrer vollständigen Überlieferung ein bedeutsames Zeugnis aus der Kaiserzeit. Sueton diente unter den Kaisern Trajan und Hadrian und wie bei allen kaiserlichen Historikern, war das jeweilige Verhältnis zum Kaiserhof entscheidend, für die Möglichkeit schriftstellerischer Betätigung. Hieraus erklärt sich auch die zurückhaltende Kritik an der Machtergreifung Octavians.

Die älteste zusammenhängende Darstellung der Bürgerkriegszeit ist die „historia romana“ des Velleius Paterculus, welcher im Dienste des Princeps Tiberius stand. Auch dieser pro- augusteische Autor stellt Antonius gegenüber Octavian, als der Herrschaft unfähig und unwürdig dar.

Zu den wichtigsten Inschriften in Bezug auf das Leben und Wirken des Princeps gehört der Tatenbericht von Augustus, die Res gestae, welche er vermutlich um 13 n. Chr. zusammen mit seinem Testament verfasste. Dieses Selbstzeugnis ist durch eine subjektive Sichtweise und Auswahl seiner Taten gekennzeichnet und erfordert daher eine kritisch distanzierte Untersuchung. Aufgrund seines Strebens nach gloria nennt er weder seine Feinde beim Namen, noch geht er näher auf die Triumviratszeit mit den Proskriptionen ein.

III. Antonius und Octavians politische Ausgangsstellung nach den Iden des März

Durch die Ermordung Caesars 44 v. Chr. bot sich dem amtierenden Konsul Marcus Antonius die günstige Gelegenheit seine Alleinstellung als höchster Würdenträger auszunutzen und die politische Führung in Rom zu erlangen. Antonius stammte aus dem Kreis der römischen Aristokratie und gehörte seit 54 v. Chr. zur treuen Anhängerschaft Caesars. Er stand durch seine hervorragenden militärischen Fähigkeiten hoch in der Gunst des Diktators. Antonius Teilnahme an zahlreichen Feldzügen Caesars wie den Gallischen Kriegen, seine Stellung als nomineller Stellvertreter für Italien, während der Abwesenheit des Diktators, als auch die Tatsache, dass er für das Jahr 44 neben Caesar das Amt des Konsuls einnehmen durfte, verschafften ihm nach dem Tode des Diktators genug Grundlagen für die Legitimation seiner Führungsposition in Rom.

Die großen Unruhen in der Bevölkerung Roms nach dem Attentat auf Caesar gaben Antonius die Möglichkeit militärisch in Aktion zu treten, um die Stadt zu sichern. In der ersten Sitzung des Senats am 17. März setzte er trotz seiner caesarianischen Gesinnung eine Übereinkunft mit den senatorischen Verschwörern durch.

Antonius verhielt sich kompromissbereit, indem er für die Caesarmörder Amnestie aushandelte, aber im gleichen Atemzug durch die acta Caesaris, alle Regierungsakte Caesars, auch die noch nicht veröffentlichten, für gültig erklären ließ.[5] Nach Ansicht von Heuß, war dies ein genialer politischer Schachzug Antonius, denn es gelang ihm die Macht- und Ämterverteilung beizubehalten, somit sein Konsulat zu sichern und andererseits durch Maßnahmen, wie die offizielle Abschaffung der Diktatur, unter dem republikanischen Deckmantel zu agieren.[6] Kienast dagegen beschreibt Antonius politische Haltung als „zwielichtig und undurchsichtig.“[7] Doch sein Spiel mit doppelten Karten war durchaus verständlich, denn Antonius politische Führungsposition war auf Seiten der Caesarianer nicht allgemein gebilligt. So musste er in den Caesarianern Lepidus, Dolabella, Calpurnius Piso sowie in Hirtius und Pansa immer eine gewisse Gefahr sehen. Insbesondere im Senat hatte Antonius neben vielen Anhängern auch republikanisch gesinnte Feinde, wie den politisch einflussreichen großen Redner Cicero. Dieser sah in Antonius einen gefährlichen Tyrann und versuchte ihm mit seinen 14 Philippischen Reden zu schaden, jedoch ohne Erfolg. Es gelang Antonius durch seine Kompromissbereitschaft den Kontakt mit den Caesarmördern aufrechtzuerhalten, um sich dadurch Chancen für weitere Koalitionsmöglichkeiten zu schaffen. Zum Schutz vor einem Umsturzversuch benutzte Antonius Ciceros Schwiegersohn P. Cornelius Dolabella, machte ihn zum Mitkonsul und sicherte ihm die Provinz Syrien.[8]

Da Antonius die Papiere des verstorbenen Diktators erhielt, nutzte er die, durch die acta Caesaris geschaffene Gelegenheit, „zahlreiche Streichungen und Abänderungen vorzunehmen, neben anderem auch was Gesetze betraf.“[9] Am 20. März fand die offizielle Leichenfeier für Caesar statt, bei der nach Cassius Dio, der Konsul Antonius, die angespannte und den Caesarmördern feindlich gesinnte Stimmung im Volk und unter den Veteranen durch seine Rede über die glorreichen Taten Caesars so sehr forcierte, dass das Volk den Leichnam des Diktators mitten auf dem Forum verbrannte.[10] So wurde der tote Diktator zu einem Machtmittel, welches bald darauf der Erbe Caesars, der die Vergöttlichung des Diktators iniitierte, zur Steigerung seines Ansehens nutzte.[11]

Nach diesen Aufständen flüchteten die Caesarmörder Brutus und Cassius aus Angst um ihre Sicherheit in die ihnen ehemals zugewiesenen Provinzen. Nikolaos von Damaskus kritisiert das Verhalten Antonius, da er trotz des Versprechens Caesar zu rächen, den Caesarmördern die Chance verschaffte, sich ungefährdet aus Rom zurückziehen.[12] Doch der Konsul erreichte somit, dass dem Senat in Rom die wichtigste republikanische Führungsbasis fehlte, denn Brutus und Cassius waren nun politisch weitgehend handlungsunfähig und die öffentliche Ordnung war vorübergehend wiederhergestellt.

Antonius der sich bereits das Privatvermögen der getöteten Diktators angeeignet hatte, sicherte sich für das nächste Jahr (43 v. Chr.) die Provinz Makedonien, in der die stärksten sechs römischen Legionen stationiert waren. Diese waren durchaus bereit, ihn als ihren Feldherrn zu akzeptieren, denn er war ein Anhänger Caesars und hatte sich durch zahlreiche militärische Leistungen Respekt verschafft. Sie erhofften sich von ihm mit Land versorgt zu werden. Durch den Rückruf der Verbannten, der Bürgerrechtserteilung für Sizilien sowie durch die Bewilligung der Abgabenfreiheit für Kreta gelang es ihm zusätzlich seine Klientel zu vermehren.[13] Antonius versuchte nun auch eine Verbindung zu Lepidus aufzubauen, denn dieser Parteigänger Caesars verfügte als Praetor über einen Teil der caesarianischen Truppen. So veranlasste er dessen Bestellung zum pontifex maximus und verheiratete seine Tochter mit Lepidus’ Sohn.[14]

[...]


[1] Jaques, F./Scheid, J.: Rom und das Reich in der hohen Kaiserzeit I, S.3.

[2] Vgl. Kienast, D.: Augustus, S. 1 u. Alföldi, A.: Octavians Aufstieg zur Macht, S. 55.

[3] Syme, R.: Die Römische Revolution, S. 7.

[4] Vgl. Bellen, H.: Cicero und der Aufstieg Octavians, S. 161.

[5] Vgl. App. III, 5, 16 u. Cass. Dio 44, 34, 1-3.

[6] Vgl. Heuß, A.: Römische Geschichte, S. 222.

[7] Kienast, D.: Augustus, S. 21.

[8] Vgl. Cass. Dio 44, 53, 1.

[9] Cass. Dio 44, 53, 2 u. vgl. App. III, 5, 16.

[10] Vgl. Cass. Dio 44, 35, 4 u. App. III, 2, 2.

[11] Vgl. Christ, K.: Geschichte der römischen Kaiserzeit, S.48.

[12] Vgl. Nik. Dam. XVII, 50.

[13] Vgl. Kienast, D.: Augustus, S. 23.

[14] Vgl. Cass. Dio 44, 53, 6.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Octavian und Antonius – der Kampf um das Erbe Caesars
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Note
1,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
20
Katalognummer
V92188
ISBN (eBook)
9783638060448
ISBN (Buch)
9783638954815
Dateigröße
447 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Octavian, Antonius, Kampf, Erbe, Caesars
Arbeit zitieren
Carolin Lucke (Autor), 2006, Octavian und Antonius – der Kampf um das Erbe Caesars, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92188

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